amtlicher Mittheilung zusammen mit den städtischen Krankenanstalten zu einer „Akademie für praktische Medezin" vereinigt werden. Von privater Seite sollen der Stadt bedeutende Geldmittel für das Unternehmen zur Verfügung gestellt worden sei.
Frankfurt, 4. Aug. Unter der Ueberschrift: Gold und Silber im Taunus!" schreibt der hiesige „Gen.- Anz.": ES ist kein Scherz sondern nackte Thatsache: man hat im Taunus, in der Nähe von Homburg, eine ziemlich mächtige Erzader angetroffen, deren metallische Bestandtheile nur aus Gold und Silber bestehen. Ein Bergingenieur aus Frankfurt wurde zuerst auf die Ader aufmerksam, als er Arbeiten in einem Stollen dort vornahm. Die authentische Prüfung der Erzproben ergab, daß der Metallgehalt ein ziemlich bedeutender ist, baß das Verhältniß des Goldes zu dem des Silbers 1 : 26 steht. — Der in einem hiesigen Bankgeschäft angesiellt gewesene 33 Jahre alte Kassierer Karl Friedrich wurde bei Kloppenheim (Kr. Friedberg erschossen aufgefunden. Nähere Untersuchung hat ergeben, daß Friedrich im Laufe der Jahre etwa 30,000 M. veruntreut hat, im Anfang kleinere Beträge, Die Hauptsumme erst vor kurzer Zeit. Friedrich war eine in hiesigen Ruderkreisen ^bekannte Persönlichkeit. Er soll nach der „Frkf. Ztg." weit über seine Verhältnisse gelebt haben.
Homburg. Am Freitag, 15. August, Vormittags, trifft die Kaiserin in Begleitung des Prinzen Joachim und der Prinzessin Luise ein, während der Kaiser erst am Samstag hier erwartet wird. Sind) dem nunmehr feststehenden Programm für die Enthüllung des Kaiserin Friedrich-Denkmals, welches auf dem Schmuckplatz gegenüber dem Kaiser Friedrich-Denkmal errichtet ist, wird die Feier in Anwesenheit des Kaiserpaares am Dienstag, 19. August, Vormittags 11 Uhr, stattfinden. Vor der Enthüllung wird Herr Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rüdiger eine Ansprache halten, wonach die Hülle fallen wird. Wahrscheinlich wird hierauf der Kaiser sprechen, worauf die Besichtigung des Denkmals erfolgt. Das Hoch auf den Kaiser wird Herr Bürgermeister Dr. v. Marx ausbringen. An der Feier werden alle staatlichen und Militärbehörden, das ge- sammte Füsilierregiment v. Gersdorff (Kurhessisches) Nr. 80, dessen Chef Kaiserin Friedrich gewesen, theil- nehmen, dann die Vertreter Homburgs im Reichstag und Landtag, sowie eine große Zahl zu dem Fest besonders geladener Ehrengäste.
Cronberg, 5. August. Heute Vormittag 10'/, U^r 'and in der hiesigen Stadtkirche juni Gedächtniß der Kaiserin Friedrich ein liturgischer Gottesdienst statt, dem heiwohnten: der Kronprinz und die Kronprinzessin Friedrich Karl von Hessen, Erbprinzessin Charlotte von Sachsen-Meiningen, der kommandirende General des 18. Armeekorps, General der Infanterie von Linequist, Stadtkommandant von Stülpnagel, der Chef des .Generalstabes des 18. Armeekorps, Scholz aus Frankfurt a. M., sowie der Kommandeur des Füsilier- Regiments von Gersdorff (Kurhess.) Nr. 80., Oberst von Jacobi aus Wiesbaden, und die Offiziere des Homburger Bataillons des 80. Regiments. Auch sonst hatte sich zahlreiches Publikum zur Theilnahme an der Feier eingefunden. Der Stuhl der verstorbenen Kaiserin Friedrich war mit Blumen und Kränzen und der Altar mit weißem Flieder geschmückt.
sann, aber in Anbetracht der Schwierigkeit, solche Vereine zu bilden, doch schon recht beachtenswerth ist.
* — (Sitzung der Ferienstrafkammer vom 4. Aug.) Der frühere Rentmeister I. von Ramholz erhält wegen Vergehens gegen § 176,3 des Strafgesetzbuches 1 Jahr Gefängniß, wovon 1 Monat Untersuchungshaft in Anrechnung kommt. — Ein Landwirth W war bei dem Agenten N. zu Steinau gegen Unfal versichert. Als der W. einen Unfall erlitt, wollte er die Versicherungsgesellschaft in Anspruch nehmen und erhielt auch eine Prämie zugebilligt. Er schrieb dem Agenten eine Quittung über einen Betrag von 83,25 M. welche dieser von der Gesellschaft für ihn in Empfang nehmen sollte. W. sprach mehrfach bei dem Agenten vor um das Geld zu erheben, erhielt aber jedesmal die Antwort, das Geld sei noch nicht da. Schließlich mußte der Agent eingestehen, daß er das Geld für sich verwendet hatte. Das Schöffengericht hatte den Agenten wegen Unterschlagung zu 3 Wochen Gefängniß ver- urtheilt. Die hiergegen eingelegte Berufung wird verworfen.
Gelnhausen, 5. August. Gestern ging zwischen Lanzingen und Roßbach ein Luftballon mit zwei Jn- sasfen nieder. Der Ballon stieg am 3. August, abends
9 Uhr, in Paris auf und wurde vou günstigem Winde gut getrieben; sein Endziel sollte Rußland sein, der Wind schlug jedoch um und gingen die Insassen, zwei Franzosen, bei Lanzingen nieder. Das Bergen des Ballons war sehr interessant und hatten sich die Einwohner der beiden Orte fast vollständig eingefunden. Mit dem Zug der Spesfartbahn langten die beiden Franzosen gestern Abend um 8 Uhr mit ihrem Ballon hier an und fuhren per Bahn nach Paris zurück. Sehr lobend und anerkennend sprachen sich die beiden Herren über das freundliche und hilfsbereite Entgegenkommen der Einwohner beider Orte aus, was sie von ihren früheren Fahrten, bei denen sie in Rußland landeten nicht sagen konnten.
Herchenhain, 4. August. Wie gefährlich es ist, Kindern ein Beil in die Hand zu geben, zeigt folgender Vorfall in dem benachbarten Sichenhausen. Ein 7jähriger Knabe wollte ein Reis entzweihauen, wobei ihm ein fingerdickes Stück in das eine Auge flog und dasselbe so erheblich verletzte, daß wahrscheinlich die Sehkraft verloren ist. Der Junge wurde sofort in die Augenklinik nach Gießen verbracht.
Büdingen, 3. August. Nach einem amtlich veröffentlichten Verzeichniß derjenigen Gemeinden, welche aus Anlaß der Herbstübungen des 18. Armeekorps Einquartirung erhalten, wird der Kreis Büdingen während der 20tägigen Dauer der Herbstübungen insgesammt 50 270 Soldaten, 1999 Offiziere und 12 888 Pferde unterzubringen haben, die sich auf 73 Orte vertheilen.
Hanan, 3. Aug. Der 35 Jahre alte verheirathete Kaufmanu Peter Feller wurde vorgestern Mittag in seiner Wohnung erhängt aufgefunden. Derselbe hatte vor einiger Zeit eine Reise angetreten, desgleichen feine Ehefrau, beide jedoch nach verschiedenen Orten. Anfangs der Woche schrieb der Mann von seinem Aus- enthaltsorte an seine Frau, sie möge am. 1. August zu Hause sein, er habe ihr etwas Wichtiges mitzu- theilen. Das Entsetzen der Frau kann man sich vor- stellen, als sie am 1. d. M. Mittags nach Hause zu- rückkehrte und ihren Ehemann als Leiche in der Stube hängend vorfand.
Hanan. Herr Landrath Dr. von Veckerathin Dillen- burg ist an Stelle des nach Wiesbaden versetzten Landraths von Schenck zum Landrath des Kreises Hanau ernannt worden.
Langenbergheim, 6. August. Selbstmord unter eigenartigen Umständen beging in vergangener Woche der in den achtziger Jahren stehende Auszügler Roth von hier. Auf einem Stuhle sitzend, schnitt er sich mit einem Rasirmesser die Kehle durch. Das hervorströmende Blut ließ er in einen von ihm selbst bereitgestellten Eimer laufen. Seine Angehörigen fanden ihn noch auf dem Stuhle sitzend, und da ein Halstuch die klaffende Wunde verdeckte, waren sie der Meinung, der Alte habe einen Blutsturz gehabt. Erst als sie ihn zu Bette bringen wollten, bemerkten sie die durchschnittene Kehle.
Bebra, 5. Aug. Heute verunglückte auf dem hiesigeu Bahnhöfe der Weichensteller König aus bem nahen Weiterode. Derselbe wurde von einem Wagen eines rangirenden Güterzuges erfaßt und zu Boden geworfen. Dabei kam er unter die Räder des Wagens, sodaß dem Bedauernswerthen ein Bein abgefahren wurde. Der Verunglückte wurde sofort mittelst eines Sonderwagens nach Hersseld in das Landkrankenhaus befördert.
Casscl, 5. August. Das Spielen mit Schießgewehren hat heute wieder ein Unglück herbeigeführt. In einem Hause am Holzmarkt hierselbst wurde heute Vormittag ein kleines Kind aus der Nachbarschaft von einem Bäckerlehrling, welcher mit einem geladenen Revolver spielte, aus Fahrlässigkeit so unglücklich an den Kopf getroffen, daß nach kurzer Zeit der Tod eintrat.
Frankfurt, 5. August. Die hiesigen medrzmffchm Anstalten und wissenschaftliche Institute sollen nach
Echte Steine.
Erzählung von A. Arnefcld.
(Nachdruck verboten) (Fortsetzung)
Lord und Lady Darlymle gaben die gleiche Erklärung ab. Der Beamte verbeugte sich höflich, schien aber doch nicht ganz überzeugt.
„Wie sollte Ruth in das verschlossene Zimmer gelangt sein?" fragte Edith, dies bemerkend, „Sie werden doch nicht annehmen, das Mädchen sei durch das Fenster gestiegen?"
Der Beamte antwortete nur durch eine abermalige Verbeugung und bat, zur Vernehmung der Dienerschaft schreiten zu dürfen. Er begann das Verhör mit Ruth, welche eine so aufrichtige Betrübniß über den Diebstahl an den Tag legte, daß sein vorgefaßter Verdacht gegen sie wieder schwand. Um so stärker ward gegen John, den er, nachdem Ruth abgetreten war, aus seinem provisorischen Gefängnis vorführen - ließ.
Der junge Mensch, durch das gegen ihn geübte Verfahren gereiht, beantwortete die Fragen-des Beamten in einer höhnischen, herausfordernden Weise, die diesen gegen ihn einahm.
„Weil Miß Edith mich einmal beauftragt hat, ihren Schmuckschrank aus ihem Wohnzimmer in den Salon und wieder zurückzutragen, soll ich der Dieb sein?" sagte er mit wegwerfendem Lächeln. „Ebenso gut sonnten Sie Mylord beschuldigen, die Juwelen genommen zu haben, der weiß viel genauer, welchen Platz sie hatten, als ich."
Frecher Bursche!" rief der Beamte.
„Beschuldigung gegen Beschuldigung", antwortete
John achselzuckend. „Warum soll ich's gerade gewesen sein? Es sind Diener genug im Hause."
„Lauter alte, erprobte Leute —"
„Und ich allein bin der Neuling, der Sausewind " unterbrach ihn John. „Die alten steifen Kerle können es mir nicht verzeihen, daß ich geschickt und anstellig bin und von der Herrschaft zu Diensten gebracht werde zu denen sie zn ungelenk sind. Sie schwärzen mich an' weil ich gern mein Leben genieße und keine scheinheiligen Gesichter schneide, weil —"
„Genug", fiel ihm der Beamte in die Rede, „Ssi wissen, daß Ihre sämmtlichen Mitdiener zum Morgengottesdienst in der Kirche waren; es kann also keiner von ihnen bei dem Diebstahl betheiligt sein."
„Wären sie auch zu Hause gewesen, ich traute es ihnen doch nicht zu, sie sind zu dumm dazu," versetzte der Diener übermütig.
„Sie freilich sind klüger", entgegnete der Beamte mit einer Betonung, welche John darüber belehrte, daß er eine sehr unvorsichtige Aeußerung gethan hatte.
„Das wollte ich nicht damit gesagt haben", verbesserte er sich.
„Schon gut", fuhr der Beamte fort. „Wie kommt es, daß Sie während der Kirchzeit weder in der Dienerstube, noch auf dem Hofe, noch in der Küche gesehen worden sind?"
„Weil ich keine Lust nach der Gesellschaft der langweiligen Mrs. Adams oder ihres rothaarigen Küchen- mädcheus verspürte und mir auch nicht die Geschichte des alten Ralph zum hundertsten Male erzählen lassen wollte."
„Wo waren Sie?"
„Ich habe es Mylord und Ihnen gesagt, in der Putzkammer."
„Die ganze Zeit?"
„Die ganze Zeit."
„Allein?"
Einen Augenblick zögerte John mit der Antwort, dann rief er hastig, als müsse er die kurze Versäum- niß wieder einbringen: „Ich war allein, und kann Ihnen weiter keine Auskunft geben. Machen Sie mit mir, was Sie wollen, lassen Sie meine Sachen durchsuchen, lassen Sie mich einsperren, ich weiß von nichts."
„Würde alles auch ohne Deinen Rat geschehen sein, mein Junge", entgegnete der Beamte, den das Benehmen des jungen Menschen aufbrachte. Er ließ ihn vorläufig wieder einsperren und fuhr nun in seinem Verhör m t der Dienerschaft fort. Neues kam, was Thatsachen aubetraf, dabei absolut nicht zu Tage, wohl aber trat bei sämmtlichen Leuten eine Strömung zu Gunsten Ruths und ein Mißtrauen gegen John zu Tage.
„Ruth ist ein braves, ein gottesfürchtiges Mädchen, unter den Augen der Herrschaft aufgewachsen", erklärte der Butler.
„Ich kenne sie von Kindesbeinen an, sie hat noch nie eine Liebschaft gehabt", beteuerte Mrs. Adams, und die übrigen Diener und Dienerinnen stimmten den beiden Häuptern in diesem Lobe bei, noch mehr freilich deren abfälligem Urtheil über John.
Der Butler wiederholte seine bereits dem Lord gemachten Angaben und erzählte ferner, der Bursche besitzt eine große Gewandtheit in allen Körperlichen Uebungen. „Das läuft, springt und klettert wie eine Katze, dem ist kein Graben zu breit und keine Mauer zu hoch", hieß es, „wir haben hier schon andere Kunststücke von John gesehen, als in das offenstehende Fenster von Miß Ediths Schlafzimmer zu klettern."
„Er wird schon ausfindig gemacht haben, wo Miß Edith den Schmuckschrank verwahrte, warum ließ sie ihn ins Zimmer kommen, es waren ja alte Diener zur Hand", versetzte ein anderer. „Der sieht durch ein eichenes Brett. Und in Thüren und Schlösser auf- macheu sucht er seines Gleichen, davon haben wir hier Proben genug erlebt."
John mußte in der That eine sehr große Geschick- lichkeit in allerlei mechanischen Verrichtungen besitzen, denn jeder wußte ein Beispiel zu erzählen, wie er unbotmäßige Schiebfächer in Ordnung gebracht, verquollene Thüren geöffnet, stillstehende Uhren wieder in Gang gesetzt, zerbrochene Schmucksachen repariert hatte. Jeder schien seine Hülfe in Anspruch genommen zu haben und Jeder bewies ihm seine Dankbarkeit dadurch, daß er eine Kunstfertigkeit als Verdachtsgrund gegen ihn geltend machte.
Fortsetzung folgt.
Vermischtes.
— Wie leicht sich die kindliche Phantasie verirren und welche unberechenbare Folgen eine solche Verirrung unter Umständen herbeiführen kann, zeigt folgendes Beispiel, das wir der „Pos. Ztg." entnehme». In einem Dorfe in der Nähe von Wronke hatte der Lehrer in der Schule seinen Kleinen zum ersten Male die biblische Geschichte von Jsaaks Opferung und ihnen in anschaulicher Weise geschildert, wie Abraham aus Steinen einen Altar baute, wie er Holz darauf legte dieses entzündete und schließlich zur Opferung schritt. Am Nachmittage bereits zeigte es sich, daß der Inhalt der Geschichte wohl begriffen und behalten