Einzelbild herunterladen
 

ZchlüchternerMmg

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

M 61.

Mittwoch, den 30. Juli 1902.

53. Jahrgang.

^oHflllmsröMt auf ^Schlüchierner Zeitung" Dt^^UÜSLUkk! werden noch fortwährend von allen . . =. -.........Postanstalten und Landbriefträgern,

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Der Lindenberger Fußpfad wird wie folgt verlegt:

Derselbe führt von jetzt an anstatt über die Par­zellen Karte B. B. Nr. 31, 37, 42, 69/41, 68/41, 03/39 sowie Karte 0. C. Nr. 12 und 14, über die städt. Parzellen Karte B. B. Nr. 36, 18 und C. C. Nr. 13, und wird der erstgenannte Theil hiermit als öffentlicher Fußpfad eingezogen und das Betreten desselben ist hiermit Unbefugten untersagt.

Schlüchtern, den 27. Juli 1902.

Die Wegepolizeibehörde.

I. V.: Gutermuth, Beigeordneter.

Deutsches Reich.

Berlin. Des Kaisers Nordlandreise ist zu Ende; der Monarch hat wegen des anhaltend schlechten Wetters seine Heimreise beschleunigt. Die PachtHohenzollern" verließ Sonnabend Vormittag bereits Bergen, um die Rückreise nach Saßnitz anzutreten, wo die Ankunft am Sonntag Abend erfolgte. Am Dienstag reiste der Kaiser nach Emden an der Nordsee weiter. Am 31. Juli wird er dem gefechtsmäßigen Schießen des ersten Geschwaders in der Kieler Außenföhrde bei­wohnen.

Kaiser Wilhelm wird, wie dieNat.-Ztg." be­richtet, dem Zaren nach den, bisher vorliegenden Meldungen in den Tagen vom 6. bis 8. August auf der Rhede von Reval aus Anlaß der russischen Flotten­manöver -einen Besuch abstatten. Die Colonie der deutschen Reichsangehörigen gedenkt dem Kaiser bei seiner'Anwesenheit ein Album Revalscher Ansichten zu überreichen.

- - Die preußischen Landwirthschaftskammern haben vor einigen Tagen in Hannover eine Konferenz abge­halten. Auf dieser Konferenz ist eine Resolution be­schlossen worden, welche die Veranstaltung regelmäßiger Konferenzen von Vertretern der Arbeitsnachweise der Landwirthschaftskammer für dringend nothwendig be­zeichnet. Die Konferenz der Landwirthschaftskammer verlangt, daß die Eisenbahndirektionen angewiesen werden, vor endgiltiger Festlegung der Zeiten, in denen Fahrpreisermäßigungen für Wanderarbeitertransporte nicht gewährt werden sollen, die diesbezüglichen Be­schlüsse den interessirten Landwirthschaftskammern zur Begutachtung vorzulegen.

Zwei Leprakranke befinden sich im Berliner Institut für Infektionskrankheiten und zwar ein Cigarrenmacher aus Breslau und dessen Frau.

Cadinen, 25. Juli. Die Kaiserin gab ihre Theil­nahme für das Schiffsunglück auf der Elbe durch telegraphische Erkundigung bei der preußischen Ge­sandtschaft nach der Zahl der hilfsbedürftigen Hinter- bliebenen und nach der Art der eingeleiteten Hilfsaktion Ausdruck.

Bingen a. Rh. Das Rheinische Technikum, eine Lehranstalt, die sich ausschließlich dem Maschinenbau und der Elektrotechnik widniet, wird gegenwärtig von fast 800 Studirenden besucht. Das große, von der Stadt mit einem Kostenaufwand von über 300 000 Mk. errichtete Gebäude, ist nunmehr voll besetzt; eine Ver­größerung der Anstalt wird jedoch vorläufig nicht er­strebt, obwohl schon das letzte Mal Abweisungen von Schülern wegen Platzmangel erfolgen mußten. Der Leiter des Instituts ist der in Fachkreisen bekannte Regierungsbaumeister Hoepke.

Köln, 26. Juli. Heute Nachmittag 5'/, Uhr ging über Köln und Umgegend ein mit schweren: Sturm und Hagelschlag verbundenes Gewitter nieder. Der Sturm trieb kirschgroße Hagelkörner gegen die Gebäude und Pflanzen und richtete großen Schaden an. Zahl­reiche Fensterscheiben wurden zertrümmert. In dem benachbarten Merkenich entwickelte sich der Sturm zu einem Wirbelsturm, der Scheunen umstürzte und zahl­reiche Bäume entwurzelte. Besonders hat das Unwet­ter in Jülich und in dem umliegenden Gebiet zahlreiche Fabrikschornsteine umgeworfen. Außerdem wurde das Portierhaus einer Fabrik eingestürzt, wobei der Portier

und ein anderer Bediensteter gelobtet wurden. In Kirchberg wurden mehrere Personen verletzt. Ein 25 Meter hoher Wasserthurm in der Nähe Jülichs wurde umgelegt, wobei ein darauf beschäftigter Arbeiter mit in die Tiefe stürzte, jedoch nur unerhebliche Verletzungen davontrug. Bei einer anderen Fabrik stürzte der Fa­brikschornstein auf das Kesselhaus, welches niederbrannte. An den: Gebäude einer Kunstseidefabrik in Jülich wurde bedeutender Schaden angerichtet. Auch in Jülich wurden zahlreiche Personen verletzt. In Eschweiler ist das Fabrikgebäude einer Gerbereifirma gänzlich zusammen- gestürtzt. Eine große Zahl von Arbeitern, welche gerade dort anwesend war, um ihren Lohn zu empfangen, konnte sich noch rechtzeitig ins freie retten, wo sie sich zu Boden warfen, um nicht vom Sturm Hingerissen zu werden.

Der Enthüllung des Kaiserdenkmals in Posen am 4. September werden auch die Minister Graf Bülow, Posadowsky, Frhr. von Rheinbaben, Studt und voraussichtlich Frhr. von Hammerstein beiwohnen.

Leipzig. Dr. Gentzsch, der verurtheilte zweite Di­rektor der hiesigen Bank, hat sich gestern durch Er­klärung an Gerichtsstelle dem Urtheil des Schwur­gerichts unterworfen und auf Einlegung der Revision verzichtet.

In Lüneburg brannte das große Waarenhaus von Bernhard Meyer u. Co. nieder. Der Schaden be- läuft sich auf etwa 200 000 Mk.

Hamburg, 25. Juli. Im Laufe des gestrigen Tages und heute wurden eine Anzahl Leichen ange­trieben und größtentheils rekognoszirt. Taucher Becke­dorf beabsichtigt denPrimus" höher auf den Strand zu heben, um ihn dann umzukippen, auf Kiel zu stellen und thunlichst zu dichten. Es ist ungewiß, ob es möglich sein wird, das Schiff später wieder in Be­trieb zu stellen, da es in dem jetzigen Zustand für die Verhandlungen vor dem Seeamt und vor dem Ge­richt als Beweisstück dienen soll. Die eingeklemmt aufgefundene weibliche Leiche konnte der Taucher nicht losmachen, ebenso konnte der Taucher überhaupt nicht in das Schiffsinnere eindringen. Wenn das Schiff wieder umgekippt sein wird, dürfte sich herausstellen, ob nicht Leichen darin sind. Ueber dem Sonnensegel werden verschiedene Leichen vermuthet. Beckedorf ist der Ansicht, daß sich auch in den Kajüten noch Leichen befinden. Bis jetzt war es nicht möglich, in diese ein- zudringen. Das feierliche Leichenbegängniß von 21 Umgekommenen fand heute Nachmittag 3 Uhr statt. Unter Trauermusik und Glockengeläute bewegte sich ein großer Leichenzug durch die Straßen Eilbecks.

Hannover. Scharfrichter Reindel wird hier in Kürze seines Amtes walten. Die Hinrichtung der dreifachen Kindesmörderin Keszierska, die am 17. Febr. d. I. von: hiesigen Schwurgericht zum Tode und zehn Jahren Gefängniß verurtheilt wurde, steht bevor.

Ausland.

Italien. Gestern Vormittag fand in Rom die Ueberführung der Leiche des Kardinals Ledochowski von der Kapelle der Propaganda nach der Kirche San Lorenzo in Lucina statt. Im Trauerzuge be- i fanben sich das gesammte Personal der Kongregation der Propaganda, die Zöglinge des Collegium Ger- nianicum und mehrere Verwandte des Kardinals. In der Kirche wurde vom Erzbischof Samketti die Trauer­messe celebrirt Nach Beendigung der Messe ertheilte Kardinal Rampolla den Segen, worauf die Leiche nach dem Kirchhofe überführt wurde. Venedig in Gefahr. Nach den jetzt vorgenommenen genauen Untersuchungen zeigt eine ganze Reihe von Baulich­keiten Spuren des Verfalls. Die Kirche von San Chrisostomo mußte gestürzt werden, ebenso der Dogen- pala vom Hofe aus. Seit zwei Tagen wird die Räumung der Bibliotheka Merciana im ersten Stock­werk des Dogenpalastes vorgenommen. Die Pläne für den Wiederaufbau des Glockenthurmes sind bereits

Rom, 27. Juli. Alle Blätter begrüßen die Lösung des italienisch-schweizerischen Konflikts auf das Lebhafteste. DieTribuna" sagt alle Schwierigkeiten seien dank der freundschaftlichen Vermittelung Deutsch­lands überwunden worden, das Italien einen neuen

Beweis feiner herzlichen Freundschaft gegeben habe. Nordamerika. Japan hat der Regierung in . . ,

Washington notisizirt, daß es Anspruch auf die etwa Zahlung der für diesen Monat geschuldeten hinter-

1000 Meilen südöstlich von Pokohama, 500 Meilen nordwestlich der Ladronen gelegenen Marcus-Jnsel er­hebt. eine amerikanische Expedition unter Kapitän Rosehill ist gegenwärtig von Honolulu aus dorthin unterwegs, um die Guanovorräthe der Insel auszu- beuten. Nach amtlicher Mittheilung sind von den seit der Einnahme von Manila nach den Philippinen gesandten 4135 Offizieren und 123 807 Mann 282 Offiziere und 4470 Mann um das Leben gekommen.

Newyork, 25. Juli. Der Kommandant des amerikanischen KriegsschiffesCincinati" meldet aus La Guayra, Präsident Castro habe sich gestern Nach­mittag nach La Guayra eingeschifft und nur 300 Mann in Barcelona belassen. Gerüchtweise verlautet, Valencia sei genommen.

Washington, 27. Juli. Der Gesandte der Ver­einigten Staaten in Port-au-Prince-^meldet, daß der Bürgerkrieg im ganzen Lande ausgebrochen sei. Firmin sei auf dem Marsch nach Port-au-Prince, und die provisorische Regierung sei aufgelöst.

Die Cholera verbreitet sich, über ganz Cairo. Gestern wurden 118 Cholerafälle festgestellt. Alle egyptischen Truppen in Cairo sind nach dem Lager von Abbassy verlegt worden.

Am verflossenen Sonntag entgleisten in Granica der Zug, in welchem sich die Königin von Griechen­land befand. Der dienstthuende Stationsbeamte soll sofort nach Oesterreich geflohen sein. Die Königin blieb unversehrt.

In Paris wiederholen sich die Krawalle wegen der Schließung der geistlichen Schulen Tag für Tag, auf­merksame Beobachter versichern sogar, daß der Charakter der Bewegung immer ernsthafter wird und daß die Unruhen in absehbarer Zeit überhaupt nicht unter- orückt werden würden. Ein neuer Jules Guörin ist übrigens auf der Bühne erschienen, oder eigentlich ist der tapfere Vertheidiger des Fort Chabrol gleich in zwei Exemplaren zu dem Leben erwacht. Der Natio­nalist Girard und der Royalist Jaume haben eine Schule, die von einem geistlichen Orden gegründet war und nun geschlossen wurde, nach dem Muster des Fort Chabrol in Vertheidigungszustand versetzt. Der Polizeipräfekt Löpine ließ den Vertheidigern mittheilen, daß den Schulschwestern ein Aufschub ihres Auszuges bewilligt sei. Der Muth der Festungsmänner an­scheinend also dem Polizeipräfekten; aber jene erklärten kaltblütig und siegesbewußt, daß die Vertheidigungs­maßnahmen bestehen bleiben würden. Ob die Poli­zei nun den Versuch machen wird, Jaume und Girard auszuhungern, wie sie es bei Suerin gethan hat, bleibt abzuwarten. Sap. sat. Klugheit ist die Mutter der Weisheit.

In Joinville bei Paris fand eine von einem Aus­gange zurückkehrende Frau ihr achtjähriges Töchterchen erhängt und ihren dreijährigen Knaben in seinem brennenden Bette liegend vor. Der elfjährige Knabe war verschwunden; als man ihn endlich fand, gestand er ein, das Verbrechen begangen zu haben, und zwar aus dem Grunde, weil zu viel Kinder im Hause seien. Der Knabe soll auf seinen Geisteszustand untersucht werden.

Südafrika. Aus Pretoria wird geschrieben, daß man dort nicht einen einzigen Buren und keine einzige Burenfrau sieht, die nicht Abzeichen ver Trauer um die im Felde gefallenen nahen Verwanden trügen. Die Buren, die vom Felde einrückten und ihre Ge­wehre abgaben, hatten alle Flore um die alten ver­witterten Hüte gewunden. Es galt da, den Vater, den Sohn oder die Brüder zu bedrauern. Ein junger Bur erzählte auf eine an ihn gerichtete Frage im Dezember 1899 sei er mit dem Vater und zehn Brüdern in den Krieg gezogen. Der Vater sei 55, der älteste Bruder 34 und der jüngste 12 Jahre alt ge­wesen. Von diesen 12 Vertheidigern des Vaterlandes sind nur drei übrig geblieben, die anderen liegen in allen Theilen der früheren Republiken auf dem Feld begraben.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 29. Juli 1902.

* Das Reichsversicherungsamt in Berlin hat neuerdings den Rechtsgrundsatz aufgestellt, daß, wenn sich eine Wittwe im Laufe eines Monats nach Aus-