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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

M 59.

Mittwoch, den 23. Juli 1902.

53. Jahrgang.

K§A§1il1ttapN auf bic .Schlüchrerner Zeitung" S^t^le/UUSEyvIltoerbcn nod) fortwährend von allen - ------- Postanstalten undLandbriesträgern,

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Aus Molde wird vom 20. Juli gemeldet: Außer einigen Spaziergängen konnte der Kaiser wegen des schlechten Wetters besondere Parthien nicht unter­nehmen. Heute Vormittag war Gottesdienst an Bord derHohenzollern". Am Mittwoch wird der Kaiser einige Gäste der hier eingelaufenenAugusta Viktoria" zur Frühstückstafel sehen. Montag Vormittag erfolgt die Abreise nach Drontheim, wo auch für Dienstag Aufenthalt in Aussicht genommen ist. An Bord Alles wohl.

Der Kaiser hat den Wunsch geäußert, anläßlich seiner demnächstigen Anwesenheit in Emden die Be­satzung des untergegangenen Torpedobootes8 42" zu sehen.

Das erste Geschwader, das unter dem Befehl des Prinzen Heinrich steht, ist gestern Nachmittag von seiner Uebungsreise in der Nordsee durch den Kaiser- Wilhelm-Kanal zurückgekehrt. Nach dem Einlaufen des 1. Geschwaders begaben sich Prinz Heinrich und Prinz Friedrich Karl von Hessen nach Hemmelmark.

Der Landwirthschaftsminister von Podbielski wird demnächst die Provinzen Ost- und Westpreußen bereiten, um Die ostdeutschen landwirthschaftlichen Ver­hältnisse durch eigenen Augenschein kennen zu lernen. Die Abreise des Ministers erfolgt am Mittwoch den 23. Juli. Die Fahrt geht zunächst nach Marien- werder, von wo aus zahlreiche Ortschaften West- und Ostpreußens besucht werden. Auch der rusischen Stadt Grajewo wird der Minister bei dieser Gelegenheit einen kurzen Besuch abstatten. Die Rückkehr nach Berlin er­folgt voraussichtlich am 7. August.

Kaiserslautern, 18. Juli. DiePf. Presse" mel­det aus Pirmasenz: In der letzten Nacht brannte hier der Oberstock des Rentamts ab. Viele Papiere und Akten sind vernichtet.

Olsen. Die preußische Bergbehörde läßt seit einiger Zeit in ihrem GrubenfeldeFriedrich" bei Olfen im Kreise Lüdinghausen zahlreiche Bohrungen ausführen, um die dortigen Lagerungsverhältnisse genauer zu untersuchen. Bei diesen Bohrungen ist man nun un- vermuthet bei einer Tiefe von 640 Metern auf eine Erdölquelle gestoßen. Als man nämlich am 28. Juni d. Js. in einem Bohrloche diese Tiefe erreicht hatte, entströmte plötzlich mit großem Geräusch dem Bohrloche Wasser und Gas, die stark nach Erdöl rochen. An dem Feuer einer Dampfmaschine entzündeten sich die Gase, die Flanime erfaßte den aus Holz erbauten Bohrthurm und äscherte ihn ganz ein. Drei Arbeiter erlitten dabei ziemlich schwere Brandwunden. Nach fachmännischer Ansicht handelt es sich um eine Erd- ölquelle in dem das Kohlengebirge in einer Mächtigkeit von 800 Metern bedeckenden Kreidemergel. Man be­absichtigt daher einen neuen, eisernen Bohrthurm zu errichten und das Bohrloch bis in das Steinkohlen- gebirge niederzubringen, um damit festzustellen, ob man es hier wirklich mit einer ausbeutewürdigen Erdölquelle zu thun hat. Es ist dies das erste Mal, daß man im Kreidebecken des Münsterlandes Kohlenwasserstoffe an- getryffen. Das Steinkohlengebirge liegt noch etwa 200' Meter tiefer und ist, wie die Bohrungen ergeben haben, reich an mächtigen Kohlenflötzen.

Leipzig. Der Vorsteher des Postamtes zu Böhlitz- Ehrenberg bei Leipzig, Ernst Tröger, ist nach Desrauda- tion anitlicher Gelder von über 10000 Mk. flüchtig. Der Postverwalter, welcher ins Ausland flüchten wollte, wurde in Schkeuditz verhaftet.

Pölzig. In Pölzig bei Ronneburg ist eine schwere Typhus-Epidemie ausgebrochen. An 40 Personen liegen schwer erkrankt darnieder, von denen eine Person be­reits gestorben ist. Die Ursache ist verseuchtes Trink- Wasser.

Hamburg, 21. Juli. Der von Hamburg aus­gehende DampferHansa" von der Hamburg-Amerika- Linie, welcher Passagiere nach Cuxhaven befördert, überrannte heute um Mitternacht in der Nähe von Nienstedten den von Blankenese zurückkehrenden alten PassagierdampferPrimus", der den Eilbecker Ge­

eonflicte erhebt, hat sich zwischen der Türkei und Mon­tenegro zugetragen. Der türkische Minister des Aeußeren Tewsik Pascha theilte dem montenegrinischen Gesandten Bakitsch mit, daß 2000 Montenegriner die Grenze überschritten, türkische Truppen umzingelt und ihnen die Wafferzufuhr abgeschnitten hätten. Die Pforte verlange, daß die Montenegriner sich zurück­ziehen, und verspräche Maßnahmen, um weitere Kon­flikte zu verhindern. Auf die von dem monte­negrinischen Gesandten Bakitsch im Mdiz unternommenen Schritte drückte der Sultan sein tiefstes Bedauern über die Grenzvorfälle aus, da er die besten Gefühle für den Fürsten Nikolaus hege, und stellte die Ab­berufung des Grenzkommissars Hamid Pascha in Aussicht.

Konstantinopel, 18. Juli. Der montenegrinische Gesandte erhob auf der Pforte ernste Vorstellungen, indem er darauf hinwies, daß auf Befehl des Grenz- commissars Hamdi-Pascha türkische Truppen und Alba- nesen auf Montenegriner auf dem strittigen Gebiete bei Velika auf der Mokra Planina geschossen hätten, wobei zwei Montenegriner getödtet und mehrere ver­wundet, sowie auch einige Hütten in Brand gesteckt seien. Der Gesandte erklärte, wenn nicht sofort Gegen­befehl gegeben würde, werde die montenegrinische Re­gierung gezwungen sein, die Angriffe zu erwidern, die Gegner zu zerstreuen und die Grenzthürme, welche die Ursache des Conflictes bilden, zu säubern. Die Gefahr eines Zusammenstoßes sei groß, da Albanesen und türkische Truppen bei Plava und Ragova concentrirt seien und die montenegrinischen Posten bei Velika und Lekiruka bedrohten.

Petersburg, 20. Juli. Der König von Italien überwies vor seiner Abreise dem hiesigen italienischen Wohlthätigkeitsverein 1000 Rubel, den Armen von Petersberg 10000 Rubel.

London, 21. Juli. Der König verbrachte eine ruhige Nacht. Die -Besserung schreitet in jeder Be­ziehung fort. Nach Depeschen bestätigt es sich, daß die abgekürzte eigentliche Krönungsfeier am 9. August in Westminster stattfinden wird. Am 11. versammeln sich die nach Spithead kommandirten Schiffe daselbst zu einer kurzen Flotten-Revue. Die genaue Bestimm­ung des Termins hierfür hängt von der Arr ab, wie der König die Krönung übersteht. Einladungen an auswärtige Mächte ergehen weder zur Krönungsfeier noch zur Flottenparade.

Afrika. Die Burenführer Dewet, Delarey, Botha und Reitz, die am 8. August in Holland eintreffen, sind nach der MünchenerAllg. Ztg." von einer Gruppe einflußreicher Männer in London eingeladen worden, nach England zu kommen. Ihnen ist eine bedeutende Summe zugesagt, wenn sie die beabsichtigte Sammlung in den europäischen Ländern für die Burenwitwen und -Waisen aufgeben würden. Die Burenführer haben je­doch diese Einladung abgelehnt.

Martinique. Die jüngste Eruption des Vulkans Mont Pelee machte nach einem Pariser Telegramm desL.-A." den Eindruck, als ob in unzähligen Biwak-Feuern gleichzeitig dürres Holz zum Aufprasseln gebracht würde. Jetzt giebt es absolut keine Zwischen- linien mehr zwischen den Ruinen von St. Piere und dem Meere. Die Trümmer der Philomenakirche stehen vollständig unter Wasser. Auf den neu gebildeten Kanälen schwimmen die verwesten Leichname ins Meer Die sozialen und geschäftlichen Verhältnisse in Fort de France sind überaus traurig. Die Bank von Martinique sah sich genöthigt, ihren Kredit aufsAußerste einzuschränken.

Peking, 18. Juli. Duanschikai und das Auswärtige Amt beschlossen, die Bedingungen betreffs Zurückgabe Tientsins anzunehmen. Sie werden dies den Gesandten der Mächte mittheilen, falls nicht die Kaiserin-Wittwe Widerspruch erhebt. Der Beschluß wird die Gesandten überraschen, welche erwarteten, China würde suchen, bessere Bedingungen zu erlangen.

Paris. Dem Leichenbegängnisse Dr. Ordensteins wird die deutsche Botschaft in Paris, der bayrische Ge­sandte Frhr. von der Tann-Rathsamhausen, der Aus- scbuß des deutschen Hülfsvereins zu Paris und die deutsche Kolonie selbst beiwohnen. Der Botschafter Fürst Radolin hat dem Bruder des Ermordeten schon persönlich sein Beileid ausgedrückt und im Namen dep

sangvereinTreue" mit 190 Personen an Bord hatte. Der Dampfer wurde durchschnitten und sank sofort. Nach den bisher vorliegenden Berichten wurden 120 Personen gerettet, die übrigen sind ertrunken.

Aus Thüringen, 17. Juli. In einer in der schwarz- burgischen Oberherrschaft belegenen Ortschaft ist der Standesbeamte zugleich Fleischbeschauer. Bei einer Trauung nun ereignete sichs, daß der Mann den falschen Stempel erwischte und so stand auf dem Trauschein zu lesen:Trichinenfrei". Das trichinenfreie junge Ehe­paar soll sehr glücklich leben.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. In Wien verstarb der Erfinder der Postkarte, Ministerialrat Professor a. D. Dr. Her- mann. Die Karte wurde von ihm Korrespondenzkarte, wie sie in Oesterreich noch jetzt heißt, genannt; in Deutschland änderte Dr. von Stephan den Namen in Postkarte.

Wien, 18. Juli. Diepolitische Correspondenz"" veröffentlicht eine Unterredung mit dem ehemaligen japanischen Ministerpräsidenten Matsukata. Derselbe erklärte, Japan erblickte seine Hauptaufgabe in Fragen der inneren Politik, weshalb es keine auswärtige Action vorbereite. Das Bündniß mit England diene nur der Erhaltung des Friedens. Rußland gegenüber sei Japan von Friedensliebe erfüllt und wolle keine Auseinandersetzungen mit diesem Reiche haben.

Venedig, 20. Juli. Das Thor Andreae hat sich auf einer Seite gesenkt. Alle Vorsichtsmaßregeln sind getroffen. Für die Wiederherstellung des Glocken- thurmes von San Marko gehen fortlaufend von allen Seiten erhebliche Geldsummen ein. Banquier Moro- sini aus New-Pork sandte eine halbe Million Lire. Unter den Trümmern fand man eins der Bronzestand­bilder von der Loggia des Sansovino. Um den Kunst- denkmälern Venedigs größeren Schutz zu sichern, über- trug der italienische Minister Nasi die Aufsicht über dieselben dem Architekten Boni, der auch mit der Leitung ;der Arbeiten an dem eingestürzten Glocken- thurm beauftragt ist. Der Präfekt löste die Intendanz der Markuskirche und das technische Bureau auf, das mit der Aufsicht über den Glockenthurm beauftragt war, und erhob den Ingenieur Saccardo seiner Funktionen. Die Ecke des Dogen-Palastes, welche durch den Sturz des Campanile beschädigt wurde, mußte gestützt werden. Oberbaurat Professer Otto Wagner in Wien äußerte sich äußerst pessimistisch über die Ursachen des Einsturzes des Campanile. Er sagte:Meiner Ansicht nach ist ganz Venedig dem Untergänge geweiht. Der Unterbau, auf dem sich die Lagunenstadt erhebt, ist schlecht gewor­den, Pilotten werden morsch und verfaulen und können dem ungeheueren Drucke von oben nicht mehr stand- halten."

Brüssel, 20. Juli. Dem niederländischen Congreß, der demnächst in Courtrai tagen wird, werden außer Botha auch Delarey und Dewet, welche inzwischen in Europa eintreffen, beiwohnen. Man spricht sogar von der Möglichkeit einer Teilnahme des Präsidenten Kriiger.

Amerika. Das amerikanische Geschwader, welches gegenwärtig in Christiania liegt, wird nach einem Be­such Stockholms und Petersburgs längeren Aufenthalt in Kiel nehmen, und zwar nach Beendigung der Flot- tenübung. Die Reise hierher ist als eine Courtoisie dem Prinzen Heinrich gegenüber aufzufassen.

Maseru, 17. Juli. Der Proceß gegen den Basnto- Häuptling Joel wegen Hochverraths kam heute vor dem Residenten und dem Commissar zur Verhandlung. Joel wurde zu einem Jahre Gefängniß verurtheilt und muß außerdem noch strafweise 500 Rinder liefern.

Madrid, 19. Juli. Man fürchtet, daß der Streik der Eisenbahnangestellten in Vallencia beträchtliche Ausdehn­ung annimmt. Auf mehreren Strecken ist der Dienst ein­gestellt. Die Ausständigen bemühen sich, eine allgemeine Arbeitseinstellung herbeizuführen. Die Behörden trafen entsprechende Maßnahmen.

Aus Coruna in Spanien wird gemeldet, es sei gute Hoffnung vorhanden, den gestrandeten DampferTrier" vom Norddeutschen Lloyd wieder flott zu machen. Allerdings haben die edlen Spanier schon gehörig von der Ladung gestohlen. DasStrandrecht" gilt da noch.

Türkei. Ein Grenzzwischenfall, der sich an Be­deutung über das Maß der sonstigen kleinen Grenz-