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Erscheint Mittwoch und Samstag.- Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

58. Samstag, den 19. Juli 1902. 53. Jahrgang.

K^kl^üir-na^"^ die .Schlüchrerner Zeitung" yvplfcUUliytHiyerbcn nod) fortwährend von allen

-. _ . ' Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

fand sie die Leiche eines Kindes, welches das Mädchen ] vor etwa 8 Wochen geboren hatte, in einem Schließ- korb vor. Die Mörderin wollte das Kind ihrem da­maligen Liebhaber verheimlichen und hatte es auch verstanden, ihre Dienstherrin über ihren Zustand zu täuschen. Sie kam Nachts 12 Uhr nieder und stand Morgens 6 Uhr auf, um, wie alle Tage, wieder an die Arbeit zu gehen.

Mühlhausen i. Th., 18. Juli. Anfang August d. I. werden es 100 Jahre, daß die ehemals freie Reichs statt Mühlhausen in Thür, der preußischen Monarchie einverleibt wurde. Aus diesem Anlaß wird in Mühl­hausen in der Zeit vom 2. bis 4. August eine allge­meine Jubel-Feier stattfinden mit historischem Festzug und vielen anderen, der Bedeutung dieser Gedenktage angemessenen Veranstaltungen. In Verbindung damit ist die Abhaltung eines Heimatfestes der Mühlhäuser geplant.

München, 16. Juli. Das bekannte oberbayerische Dorf Schliersee, am gleichnamigen See gelegen, steht in Flammen. Das Feuer brach in einer Schmiede aus.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser auf der Nordlandsreise. Am Mon­tag entsprach der Kaiser in Bergen einer Einladung des dortigen deutschen Konsuls Mohr zur Tafel auf dessen Landsitz und machte darauf einen Besuch auf der amerikanischen Yacht des Mr. und der Mrs. Robin­son, die beide zur Abendtafel geladen wurden. Aus Anlaß des Geburtstages des Prinzen Adalbert hatten dieHohenzollern" und der KreuzerNymphe" über die Toppen geflaggt. Am Dienstag wurde bei schönem Wetter die Fahrt nach Gudwangen fortgesetzt, wo dieHohenzollern" am Abend eintraf.

Herzog Friedrich von Anhalt hat aus persön­licher Entschließung bestimmt, daß im Herzogthum die Landestrauer mit Rücksicht auf die zu erwartende Er­werbseinschränkung eines Theils der Bevölkerung sofort nach der Beisetzung aufgehoben werde.

Der Königin Wilhelmina von Holland ist der Aufenthalt auf Schloß Schaumburg ausgezeichnet be­kommen. Sie hat sich völlig von ihrem Leiden erholt und wird sich direkt nach dem Haag zurückbegeben.

Der Reichskanzer Graf V. Bülow sandte anläßlich des Einsturzes des Glockenthurmes von San Marco ein Telegramm, welches lautete: Tief gerührt vom Ein­stürze des wunderschönen Thurmes bitte ich Sie, Herr Bürgermeister, den Ausdruck meiner warmen Sympathie für die märchenhafte Stadt Venedig entgegenzunehmen. Ich hoffe daß dieses Monument wieder anfgebaut w erden und zu seinem alten Glänze zurückkehren wird.

Wie zuverlässig berichtet wird, hat die deutsche Marineverwaltung beschlossen, den von dem amerikan­ischen Marine-Ingenieur Spencer Miller erfundenen Apparat zur Uebernahme von Kohlen bei hoher See auf der Flotte einzuführen. So ausgerüstete Schiffe sind imstande, zu jeder Zeit, wenn die See nicht gar zu stürmisch ist, von irgend einem mit Masten versehenen Schiffe Kohlen an Bord zu schaffen und ihre Bunker wieder zu füllen, ohne genöthigt zu sein, einen Hafen aufzusuchen. Der Erfinder behauptet, geübte Leute könnten auf diese Weise 60 Tonnen Kohlen in der Stunde fördern.

Endlich soll einem dringenden Verkehrsbedürf­nisse abgeholfen und ein neuer Schnellzug von Berlin nach Wien und umgekehrt über Kottbus, Görlitz, Hirsch­berg und Mittelwalde eingerichtet werden. Man hofft, daß der neue Zug vom 1. Oktober dieses Jahres ab verkehren werde.

Ueber die Lage des Arbeitsmarktes berichtet Dr. JastrowsArbeitsmarkt-Korr.", daß in der Reichs­hauptstadt, die bisher das düsterste Bild gezeigt hat, der Andrang der Arbeitslosen jetzt etwas nachgelassen hat. Dasselbe wird aus Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf gemeldet, und Posen, Leipzig, Dortmund und München-Gladbach hatten schon seit einigen Monaten ähnliches zn berichten. Während so in Nord­deutschland eine Besserung der Lage für manche Gebiete zu verzeichnen ist, zeigt Süddemschland, wo die Krisis allerdings später, langsamer und schwächer einsetzte, noch keine Anzeichen einer Besserung. Dasselbe Bild zeigen Oesterreich und die Schweiz.

Cadinen, 16. Juli. Ihre Majestät die Kaiserin ist in Begleitung der Prinzen Eitel-Friedrich, Adalbert August Wilhelm und Oskar am Mittwoch hier einge- trvffen.

Glogau. Der 21jährige Landbriefträger Ernst Müller aus Dittersbach, der am 18. November des Vorjahres die 60jährige unverehelichte Christiane Rei- mann in deren Wohnung ermordete, um sie zu berauben, wurde gestern in Glogau durch den Scharfrichter Schwietz aus Breslau enthauptet.

Düsseldorf. Der millionste Besucher der Ausstel­lung hat die Kassen passiert. Es war der Rentier Engelbert Braun aus Köln, dem seitens der Ausstel- ungsleitung eine werthvolle goldene Taschenuhr nebst Kette überreicht wurde.

Heidelberg, 18. Juli. Eine gräßliche Entdeckung machte heute morgen die Polizei. Als sie die Sachen kines Dienstmädchens wegen eines Diebstahls durchsuchte

Schloß. Unter Aufsicht der Leibärzte brachten sie das Sopha, auf dem der König ruhte, nach der Vorhalle und von da nach dem am günstigsten ge­legenen Ausgangsthore, wo der König in einem Krankenwagen, der zur Vermeidung jeglicher L-töße zu diesem Zwecke besonders gebaut war, untergebracht wurde. Dem Wagen folgten drei Landauer, in denen die Prinzessin Victoria, Prinz und Prinzessin Carl von Dänemark, sowie die nächste Umgebung des Königs Platz genommen hatten. Bei der Ankunft auf dem Bahnhöfe wurde der König von der nämlichen Marine- mannschaft in den königlichen Wagen gehoben. Am Wagen war ein Windschirm aufgestellt, so daß selbst die bevorzugtesten Persönlichkeiten, die auf dem Bahn­steig zugegen waren, den König nicht erblicken konnten.

Auch auf dem Schiffe waren die denkbar umfang- reichsten Maßnahmen getroffen, dem König die Reise so bequem und den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Die schwere Maschine der Yacht ist er­leichtert, es ist eine besondere Anlage hergestellt, auf welcher der König im liegenden Zustande aus dem Salonwagen an Bord des Schiffes gebracht werden kann. Der Krankheitsbericht sagt, das Befinden sei ausgezeichnet, die Wunde heile gut. Privatmeldungen äußern dagegen, daß der König, der furchtbar abge- magert und nicht wieder zu erkennen ist, schwer leitet, und daß diese ganze Manipulation ein Verzweiflungs­akt der Aerzte sei, die befürchten, der König schlafe ein, wenn er nicht in frische Luft komme. Anch von einer Wucherung ist wieder die Rede, deren Vorhandensein zwar wiederholt in den Zeitungsmeldungen, aber noch nicht im offiziellen Bericht bestritten ist. Wir wünschen von Herzen das Beste, aber man weiß, was es be­deutet, wenn todtkranke Leute auf Reisen gebracht werden: Schlimmer kann es eben nicht werden.

Vom 16. Juli wird berichtet: Der König überstand die Reise nach Cvwes, ohne Ermüdung zu zeigen. Er hat bereits große Zufriedenheit über die Veränderung ausgesprochen. Das Wetter ist sehr günstig für die Genesung des Königs.

Südafrika. Aus Pretoria wird vom 15. Juli ge­meldet : Nach dem Gefühl der Erleichterung, das die Einstellung der Feindseligkeit hervorgerufen hat, macht sich jetzt überall eine Reaktion bemerkbar. Die früheren National Scouts, die sich aus Buren zusammenseyten, welche sich ergeben hatten, sind Gegenstand der Ver­folgung und bitterer Feindschaft seitens der Burgher, welche bis zum Ende kämpften. Einige dieser National Scouts wurden sogar erschossen. Diese feindselige Ge- sinnuung ist so stark, daß die Burgher grüne Abzeichen tragen, um sich von den National Scouts und den Buren, welche während des Krieges den Treueid ge­schworen, zu unterscheiden. Die Buren lassen in keiner Weise erkennen, daß sie ihre Nationalität verloren haben. Sie tragen die Abzeichen ganz offen. Viele Burgher erklären, sie seien durch falsche Darstellung der Bedingungen, die ungerechtfertigt seien, zur lieber« gäbe verleitet worden. In vielen Fällen werden die Führer von den Burghers des Treubruches beschuldigt. In einem Falle hatten sich viele Buren nach einer An­sprache ihres Führers ergeben, der dann sagte, er sei mißverstanden worden, er habe nicht zur Uebergabe gerathen. In Transvaal sind die Schwierigkeiten größer, als in der Oranje-Kolonie.

Chalon für Saone, >6. Juli. Gestern Nachmittag zwischen 6 und 7 Uhr sind durch einen heftigen Wirbel­sturm kleine Häuser umgerissen, Bäume entwurzelt und Boote auf der Saone zum Sinken gebracht worden. Mit beut Sturme war ein wolkenbruchartiger Regen verbunden, welcher Straßen und Geschäftslokale unter Wasser setzt.

Peersburg, 17. Juli. DemRegierungsboten" zufolge ist Zizikar in der Mandschurei für choleraver- seucht erklärt. In Jukou sind seit dem Ausbrucy der Epidemie bis zum 4. Juli 643 Personen erkrankt, von denen 477 starben. In der Woche vom 27. Juni bis zum 4. Juli erkrankten dort 166 Personen, von denen 139 starben. In Zhkarbin, wo die ersten Erkrankungen am 1. Juli festgestellt wurden, zählte man bis zum 10. Juli 575 Erkrankungen und 322 Todesfälle. Es werden Cholerastationen in der Mandschurei errichtet. Die Züge werden von Sanitätsbeamten besichtigt und von solchen begleitet,

Ausland.

Italien. Der Glockenthurm der Markuskirche in Venedig ist am Montag Vormittag eingestürzt. Durch die fallenden Trümmer wurden die berühmte Loggia San Sovinos, die neue Prokuration und der Königs­palast sehr stark beschädigt, die Nachricht, daß der Thurm zusammenbreche drohe, hat sich am Sonntag in Venedig verbreitet; die Baumeister erklärten jedoch, daß die sestgestellten Risse keine unmittelbare Gefahr in sich schlössen und ordneten eine neue Unterpfeilerung an. Die Ursache des Einsturzes scheint auf Unter­waschung des Erdreichs und Zerstörung des Pfahl- .ve.kes zurückzuführen zu sein. Der Eindruck der Katastrophe ist ein sehr tiefer und bei dem krassen Aberglauben der Italiener wird das Volk die wunder­lichsten Folgerungen daran knüpfen. Der Unterrichts­minister hat sofort den Wiederaufbau des Thurmes verfügt, der seit vielen Jahrhunderten, seit dem Jahre 888 auf die Stadt Venedig herabgesehen. Der Thurm wurde von allen Besucher Venedigs bestiegen, die den Weg, 98 Meter in die Höhe auf Schneckenwindungen sich nicht verdrießen ließen. Die Anstrengung wurde belohnt durch die herrlichste Aussicht. Weit schweifte das Auge über die Stadt Venedig hinaus bis zu den schneebedeckten Zügen der Alpen, hinaus über die Lagunen zum Adriatischen Meere und tief unter sich sah man das Gewimmel der Menschen auf dem Markus­platz, die Kuppeln der Kirche und den Dogenpalast. Und die Tauben von San Marko umschwirrten den Thurm, der für die Ewigkeit gebaut schien und nun geborsten am Boden liegt.

Nach den Feststellungen sollen bei dem Einsturz des Glockenthurmes von San Marko 20 Personen leicht verletzt worden sein.

Nizza, 15. Juli. Eine gewaltige Feuersbrunst ist hier in einem großen Kaufhause ausgebrochen und vernichtete das ganze Gebäude. Das Offizierskasino wurde zum Theil zerstört. Das Feuer ergriff auch das Gebäude der Credit Lyonnais. Die benachbarten Häuser sind bedroht.

Washington, 17. Juli. General Chaffee erhielt Befehl, das Kommando auf Philippinen am 30. Sep­tember abzugeben und das Kommando des Ost-Departe­ments der Vereinigten Staaten zu übernehmen. Sein Nachfolger wird General Davis.

Chicago, 17. Juli. Nachdem auch weitere Konfe­renzen zwischen den Eisenbahnarbeitern und Unter­nehmern ergebnißlos verlaufen sind, befinden sich noch immer 20 000 Personen im Ausstand. Der Lohnver­lust, der teil Frachtverladern und Fuhrleuten bei den Eisenbahnen und anderen Betrieben erwächst, wird auf erheblich mehr als eine Millionen Doll. täglich ver­anschlagt. Die Lage ist zugegebenermaßen ernst.

London. Ueberführung König Eduards an Bord seiner Yacht. Ain Dienstag Mittag Hai König Eduard den Buckingham-Palast verlassen. Er wurde nach Ports­muth und an Bord der YachtViktoria und Albert" gebracht. Um den König, der in der Nähe der Insel Wight weitere Genesung suchen wird, vom Schloß nach dem Bahnhof zu bringen, erschien gegen 11 Uhr eine Abtheilung Seeleute von der Königlichen Yacht im