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Erscheint Mittwoch und Samstag. - Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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M«WnL^!SSLL ^ ^—"—— ^.— Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Mittwoch, den 16. Juli 1902.
Heddesdorf-Neuwied, 10. Juli. Heute Vormittag fand anläßlich der Enthüllung des Raiffeisendenkmals in der Festhalle ein Festakt statt, welcher durch den Erbprinzen zu Wied eröffnet wurde. Der Erbprinz führte in einer Ansprache aus, daß das Fest dem Manne gelte, der sich durch sein Werk einen großen Namen auf geistigem und socialem Gebiete geschaffen habe. Er schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und den Bundesfürsten. Der Ministerialdirektor im Ministerium für L Landwirthschaft Geh. Rath Hermes gab dem Wunsche Ausdruck, daß das bisherige gegenseitige Vertrauen zwischen der Regierung und den Genossenschaften weiterbestehen möge. Oberpräsident Nasfe forderte zu energischem Zusammenschluß zur Pflege der Selbsthilfe auf, damit die Landwirthschaft immer mehr aus ihrer heutigen bedrängten Lage herauskomme. Dann erfolgte die Enthüllung des Denkmals. Der Erbprinz zu Wied leitete die Feier mit einer Ansprache ein, in welcher er der Beziehungen Raiffeisens zu seinem Vater gedachte und ein Hoch auf die Raiffeisenorganisation ausbrachte. Als die Hülle fiel, legte der Fürst zu Wied einen Kranz am Denkmal nieder.
Posen, 12. Juli. Der König von Italien traf heute Vormittag 10 Uhr ein. Auf dem Bahnhöfe war eine Ehrenkompagnie des Genadierregiments Nr. 6 mit ihren direkten Vorgesetzten aufgestellt. Von den Civil- behörden war Polizeipräsident Hellniann zur Begrüßung erschienen. Als der Zug einlief, entstieg der König dem Wagen, reichte beut kommandirenden General die Hand und nahm die Meldung entgegen. Darauf stellte Stülpnagel den Polizeipräsidenten und die höheren Offiziere vor, welchen der König sämmtlich die Hand drückte. Nachdem der König die Front der Ehren- kompagnie abgeschntleu und der Parademarsch erfolgt war, verabschiedete sich der Kaiser von den Herren in liebenswürdigster Weise und fuhr nach einem Aufenthalt von 10 Minuten weiter.
Ausland.
Belgien. Das Befinden der Königin von Belgien hat sich plötzlich erheblich verschlechtert. Sie soll sich in einer bedenklichen Krisis befinden.
Pittsburg, 10. Juli. In einer Kohlengrube Cam- bria bei Johnstown (Pennsilvania) sind durch eine Explosion 600 Personen verschüttet worden. Die Zahl der Getödteten wird auf 300 geschätzt.
Fort de France, 10. Juli. Gestern erfolgte hier ein neuer furchtbarer Ausbruch des Vulkans, welcher von 7'/, Uhr bis Mitternacht dauerte und die Bevölkerung in den größten Schrecken versetzte. Der Umfang der Verwüstungen ist noch nicht bekannt. Die Telegraphendrähte sind geschmolzen. Man fürchtet für die englische „Onissia", welche in Carbol vor Anker lag. — Wie der Gouverneur von Martinique telegraphisch mittheilt, bestand der vulkanische Ausbruch am 9. ds. Mts. zuerst in einer schwarzen, von Blitzen zerrissenen Rauchsäule, dann folgten Feuersäulen, die die Ruinen von St. Pierre in Brand steckten. Ein Stein- und Aschenregen ging 25 Minuten lang über Morne Rouge und Fort Denies nieder. Die Einwohner der ersten Ortschaft konnten sich in Sicherheit bringen. In Car- bet und Fort de France entstand eine Panik. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Durch den neuen Ausbruch des Mont Pelee jist das direkte Kabel zwischen New-Dork und Martinique zerrissen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 15. Juli 1902.
*— Dem Amtsgerichtssekretär a. D. Rammrath in Salmünster ist das mündliche Verhandeln vor dem Amtsgericht in Wächtersbach unter Zurückziehung der Genehniigung für Steinau gestattet worden.
*- Herr Kreisschulinspektor, Schulrath Bottermann in Fulda ist zum Regierungs- und Schulrath ernannt und vom 1. August l. I. ab der Königlichen Regierung in Trier überwiesen worden.
% — Am vergangenen Sonntag fand vom Präch tigsten Wetter begünstigt das Fahnenweihfest des Kriegervereins zu Herolz statt. Zu demselben hatten sich zwanzig geladene Vereine und zahlreiche Gäst ^s der Umgegend eingefunden. Die Festrede, mit welcher die Einweihung der Fahne verknüpft wurde, hielt Herr Reserveleutnant Rechtsanwalt Dr. Pfeifer zu Fulda. Derselbe hob eingehend die hohe Bedeutung der Fahne
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser verbrachte auf seiner Nordlandsfahrt den Sonntag in Bergen, wo er wie früher, herzlich empfangen war. Von König Victor Emanuel von Italien ging ihm nach dessen glücklich beendeter Reise durch Deutschland ein herzliches Telegramm zu. Der Kaiser erwiderte mit den besten Wünschen. Wie es heißt, wird die Kaiserreise nach Rom im November stattfinden,und der Reichskanzler den Monarchen begleiten — .Diegeplaute Badereise nach Norderney ist in Folge von Konferenzen und der Erledigung von wichtigen laufenden Angelegenheiten immer wieder aufgeschoben, wird aber nun in dieser Woche bestimmt angetreten.
— Von der Nordlandsreise des Kaisers. Nach Beendigung der Nordlandsreise bezw. nach der Rückkehr- aus Rußland wird der Kaiser, dem „Berl. Loc.-Anz." zufolge, sich mit seiner Gemahlin und den beiden jüngsten Kindern voraussichtlich nach Homburg vor der Höhe begeben und dort im Königl. Schlosse Wohnung nchMN
— Die englische Regierung hat der deutschen ihre hohe Bewunderung und Theilnahme für den Kapitän des von dem englischen Dampfer „Firsby" überrannten deutschen Torpedoboote 8 42 ausdrücken lassen, der zuerst die auf seinem Schiffe befindlichen vier britischen Passagiere retten ließ.
— Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz letr. den Scroistaris und die Klasseneintheilung der Orte, sowie betreffende Abänderung des Gesetzes über die Bewilligung von Wohnungsgeldzuschüssen vom 7. Juli 1902.
— Die verwittwete Herzogin Friederike von Anhalt- Bernburg ist gestern vormittag im Alexisbad gestorben. Die Verstorbene war am 9. Oktober 1811 als Prinzessin von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg geboren. Sie vermählte sich am 30, Oktober 1834 mit dem am 2. März 1805 geborenen and am 16. August 1863 verstorbenen Herzog Alexander Karl von Anhalt-Bern- burg. Die Ehe blieb kinderlos, sodaß beim Tode des Herzogs das Herzogthum an die Linie Anhalt-Deffau- Köthen fiel.
- Der Reichskanzler Graf von Bülow hat mit seiner Gemahlin Berlin verlassen und sich zu einem mehrwöchentlichen Sommeraufenthalt nach Norderney begeben.
— Der König von Italien ist in Peterhof in Begleitung seines Ministers des Aeußeren Prinetti, eingetroffen.
— Aus Deutschostafrika, 17. Juni. Einen schrecklichen Tod fand nahe der Militärstation Kisaki der Elefantenjäger Zimmer. Bei der Verfolgung des schwer angeschossenen Nashorns wurde er von dem wüthenden Dickhäuter angenommen, auf dem über ein Meter langen Horn aufgefpießt und mehrere Mal in große Höhe geschleudert. Seine schwarzen Jagdbegleiter konnten sich auf Bäume retten und entgingen nur so dem gleichen Schicksal. Da der Unfall sich mitten in der Steppe ereignete, konnte die Leiche bis jetzt nicht aufgefunden werden. Angeschoffene oder gereizte Nashörner zählen ebenso wie der Büffel zu dem gefähr- bchsten Wild Afrikas, zumal da sie selten den ersten Schüssen erliegen.
— Der deutsche .Konsul in Colombo hat gemäß Anweisung des deutschen Auswärtigen Amtes von den fuglischen Behörden zunächst 55 deutsche Kriegsgefangene übernommen und auf dem nach Deutschland abgehenden Reichspostdampfer „Oldenburg eingeschifft. Auf dem Dampfer „Sultan" werden 7 andere deutsche Gefangene auf ihren Wunsch nach Deutsch-Ostafrika befördert.
i Balduinsteiu, 10. Juli. Prinz Heinrich der Niederlande ist heute Abend 9 Uhr auf dem Bahnhof in Diez eingetroffen und wurde von der Königin Wilhelmina herzlich begrüßt. Die Herrschaften begaben sich nach Schloß Schaumburg.
Frankenberg, 10. Juli. Der Bürgermeister F. im benachbarten Hainchen verübte heute Selbstmord durch ErhängeuX Was den Mann in den Tod getrieben, ist unbekannt. \
53. Jahrgang.
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hervor, betonte die Wichtigkeit des Zusammenschließens der Kameraden zu Vereinen und größeren Verbänden, ermähnte die Festversammlung zum steten Festhal i a an der unverbrüchlichen Liebe und Treue zu Kaiser und Reich und schloß mit einem Hoch auf Se. Majest... den Deutschen Kaiser, in welches alle Anwesenden b. geistert einstimmten. Eine weitere mit großem Beifa l aufgenommene Rede hielt sodann das Verbandsvorstandsmitglied Herr Bürgermeister Gärtner zu Elni. Derselbe bezeichnete es als ein großes Glück, nunmehr ein festgefügtes, einiges und auf der ganzen Erde geachtetes und respektiertes deutsches Vaterland zu haben, und forderte die Kameraden auf, unermüdet immer mehr treue Mitglieder für ihren Verein zu erwerben, sich fest zusammen zu schließen und gemeinsam Fron: zu machen gegen das geheime Unterwühlen der Sti ren des Vaterlandes durch irregeleitete Elemente. Sein Hoch galt der deutschen Kameradschaft. Vor Abmarsch der Vereine hielten dann noch die Kameraden Kirchner von Hinkelhof und Kaspar Knöll von W. xh kurze Ansprachen an die Festgäste, ersterer mit einem Hoch auf die teutsche Einigkeit, letzterer dem festgebenden Verein für die freundliche Aufnahme dankend mit einem Hoch auf den Kriegerverein Herolz schließend. Die Musik wurde zu allseitiger Zufriedenheit vo dem Orchester zu Schweben ausgeführt; auf den beiden zur Verfügung stehenden geräumigen Tanzplätzen wurde bis tief in die Nacht hinein flott getanzt. Für vorzügliche Speisen und Getränke hatte die Wirtin Frau Herbert zu Herolz, welche die Festwirthschaft in den beiden großen Hallen allein übernommen hatte, aufs beste gesorgt. - Das ganze Fest ist sowohl in seiner Vorbereitung wie auch in seiner Ausführung und seinem Verlaus als ein in jeder Beziehung wohl gelungenes zu bezeichnen.
** Am vergangenen Sonntag fand in Büdingen das Gauturnfest des Kinziggaues statt. Bereits am Vorabend waren zahlreiche Turner aus allen Theilen des Gaues eingetroffen, um im friedlichen Wettkampfe zu zeigen, was sie leisten können. Bei dem am Samstag Abend in der Festhalle stattfindenden fidelen Kommers begrüßte der erste Sprecher des Büdinger Turnvereins, der seit 1861 besteht und etwa 200 Mitglieder zählt, die zahlreich erschienenen fremden Turner, den Gauausschuß und die Gäste. Herr Gauturnwart Kieling von Gelnhansen dankte für die freundlichen Worte der Begrüßung. Sodann trug der Gesangverein „Liederkranz" eine stattliche Reihe prächtiger Chöre vor, die allgemein wohlverdienten Beifall fanden. Sonntag früh um 6 Uhr schreckte ein Weckruf und der flotte „Torgaue Marsch" alle, die noch nicht auf den Beinen waren, aus den Federn auf. Punkt 7 Uhr begann das Einzelwettturnen, um 1 1 Uhr fand ein stark besuchtes Frühkonzert statt und kurz uach 2 Uhr bewegte sich bei prächtigem Sonnenschein ein glänzender Festzug durch die Hauptstraßen der Stadt, deren Häuser mit Fahnen und Wimpeln in den deutschen, hessischen und isenburgischen Farben geschmückt waren. Im Festzug waren 52 Vereine vertreten. Gegen 3 Uhr langte der Zug auf dem Festplatze an, wo der Erbprinz Wolfgang zu Isenburg und Büdingen ein dreifaches Hoch auf den Kaiser und den Großherzog ausbrachte und der Bürgermeister von Büdingen die Turner und Festgäste namens der Stadt mit herzlichen Worten begrüßte. Die Festrede hielt Herr Gymnasial-Oberlehrer Krämer, welcher die Pflege der Turnerei als einen Maßstab für die im Volke vorhandene frische Lebenskraft bezeichnete und das Turnen als eine vorzügliche Schule für die Charakterbildung feierte. Er schloß seine vor zügliche Rede mit einem dreifachen „Gut Heil" auf die Turnerei im Kinziggau. Hierauf fand die Ueber reichung oer von den Frauen und Jungfrauen Büdingens gestifteten Fahne durch Fräulein Höhn statt. Sodann wurden Massenstabübungen und Fahnenreigen unter Mitwirkung der Damenriege des Büdingener Turnvereins und Kürturnen veranstaltet. Unter 143 Bewerbern, iter denen zusammen 38 Preise zur Verteilung kamen, hielten aus Schlüchtern die Turner Joseph Junker mit 42^/, Punkten den 20. und Heinrich Kreß mit 414/« Punkten den 22. Preis. Ferner aus Steinau Martin Frischkorn den 6. und Hch. A> o den 34. Preis; aus Soden-Stolzenberg Carl Sch .minger den 8. und I. Laberenz den 35. Preis. — Insbesondere danken die hiesigen Turner für die freundliche Auf-