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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt^ vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

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^^8httiiti>« auf bie .Schlüchterner Zeitung" in UiuUUyXI»»erben nod) fortwährend von allen -^"................Postanstalten undLandbrie trägem, sowie von der Expedition entgegen genommen

Amtliches.

J.-Nr. 2101 K.A. Am Mittwoch, den 23. Juli b. Js., Vormittags 11 Uhr, findet im Kreishause hier- eine Kreistags-Sitzung statt.

Schlüchtern, den 5. Juli 1902.

Der Königliche Landrath: Roth.

J.-Nr. 2074 K.-A. Die Vergütung für Raubvögel etc. ist pro 1902 wie folgt festgesetzt:

a.) für Krähen 20 4 pro Kopf;

b.) für Raubvögeln, ausgenommen Bussarde und allen Eulenarten, 2 Mark pro Kopf;

c.) für alle Würgerarten 50 4 pro Kops;

dj für Sperlinge 3 ^ pro Kopf.

Schlüchtern, den 5. Juli 1902.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses:

_____Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird während seiner dies­jährigen Nordlandreise an Land ständig von deutschen Kriminalschutzleuten begleitet. Die Beamten haben sich schon vor einiger Zeit an die für sie bestimmten Plätze begeben und sind für die Sicherheit, des Kaisers ver­antwortlich. Dem Wirklichen Geheimen Rat Krupp in Essen ist, wie derReichsanzeiger" mittheilt, der Königliche Kronen-Orden erster Klasse verliehen worden.

Die älteste deutsche Fürstin, die greise Herzogin Friederike von Anhalt, liegt im Sterben. Die greise Dame residirte auf Schloß Ballenstedt am Harz.

' Bei der Stadt-Ferusprecheinrichtung von Groß- Berlin ist kürzlich der 00 00 y Fernsprechanschluß her­gestellt worden. Hiermit hat das Telephon der Reichs- hauptstadt nach 21 jährigen, Bestehen es wurde am 1. April 1881 in Betrieb gesetzt eine Ausdehnung, wie in keiner Großstadt Europas. Nur das Telephon- netz von New-York soll eine annähernd gleiche Aus- dehnung besitzen. Paris, London, Wien stehen, was die Zahl der Telephon-Abonnenten betrifft, weit hinter Berlin zurück.

Das Internationale Central-Bureau zur Be­kämpfung der Lungen-Tuberkulose, welches auf An­regung des Tuberkulose-Congresses vom Deutschen Cen- tral-Comitö für Lungenheilstätten ins Leben gerufen worden ist, wird die erste Conferenz seiner Mitglieder in den Tagen vom 22. bis 20. October in Berlin ab­halten. Die hervorragendsten Vertreter der Tuberku- losen-Wisseuschast und -Praxis, namentlich ,aus Frank­reich, England, Rußland, Amerika u. s. w. haben ihre Theilnahnw an den Verhandlungen in Aussicht gestellt.

Gravenstein, 8. Juli. Ihre Majestät die Kaiserin traf heute Mittag an Bord derJduna" auf der Flens- burger Außenföhrde ein und begab sich auf der Sta­tionsyachtSchneewittchen" mit den Prinzen nach Gravenstein zum Besuche des Herzogs und der Her­zogin zu Schleswig-Holstein. Abends kehrte die Kaiserin an Bord derJduna" zurück.

Zum Tode verurtheilt wurde, wie man aus Osna­brück berichtet, vom Schwurgericht der Mörder Teßnow, dem drei Blutthaten zur Last gelegt wurden. Teßnow war angeklagt, in der Nähe von Osnabrück zwei Mädchen umgebracht und die Leichen verstümmelt zu haben; ferner hatte man ihn des im vorigen Jahre begangenen Knabenmordes bei Göhren auf Rügen beschuldigt.

Mecklenburg. Hinrichtungen. Zu Mecklenburg sind gestern Morgen der Arbeiter Wilhelm Ruhge aus Niederzahden und der Gärtuer Franz Jdzeck aus Kulm, die am 10. März vom Güstrower Schwurgerichte zum Tode verurtheilt sind, weil sie den Büttner Haack im Dorfe Hagenowerheide ermordet und beraubt hatten, durch Scharsrichter Engelhardt aus Magdeburg ent­hauptet worden. Ein dritter Mordgeselle, der 24jähr. Drechsler geselle Paul Kretschmer aus Neusalz, der seine Braut Henriette Bergmann ermordet hat, ist gestern Morgen in Glvgau durch den Scharfrichter Schietz aus Breslau hingerichtet worden.

. Chemnitz. 13 Kühe wurden bei einem vorige Woche P der Umgegend von Chemnitz niedergegangenenl schweren Gewitter auf dem Freigut Glosa erschlagen.!

Samstag, den 12. Juli 1902.

Jaevbshagen, 4. Juli. Heute Abend wurde die Krankenschwester Elise Preising von dem Saatziger Kleinbahnzuge in Kashagen überfahren und getödtet. Der Unfall ereignete sich durch die Unvorsichtigkeit der Schwester beim Einsteigen.

München, 7. Juli. Eine hiesige Frau, die ein Ge- Heimmittel vertreibt, schrieb nach London, daß sie den König heilen könne. Der Brief kam an die hiesige englische Gesandtschaft zurück und nach Rücksprache mit der Frau wurde deren Abreise nach London veranlaßt, wo sie bereits eingetroffen ist.

Würzburg, 9. Juli. Ein furchtbars Familien- drama hat sich heute früh ereignet. Die Galanterie- geschäftsbesitzerin Magdalena Horber begab sich nach 7 Uhr in den Keller ihres Wohnhauses, übergoß sich mit Petroleum (nach anderer Meldung mit Spiritus) und zündete sich an. Auf ihr Geschrei eilte der Sohn herbei. Als er die Leiche der Mutter sah, durchschnitt er sich die Pulsadern. Eindringende fanden den Sohn bewußtlos neben der schrecklich verkohlten Leiche seiner Mutter. Als Ursache des Selbstniordes der Frau Horber werden finanzielle Schwierigkeiten angenommen.

Ausland.

Rom. Anläßlich des Regierungsjubiläums des Papstes wurden am Sonntag im Vatikan 1500 Arme gespeist.

Aus Kraka» wird berichtet: Der Thierbändigerin Miß Ella, welche sich im hiesigen Stadtpark mit dres - sirten Löwen producirt, passirte ein Zwischenfall. Fünf ihrer Zöglinge verließen in einem unbewachten Augen­blick die Käfige und begannen im Park herumzuspaziren. Das Publikum und die Militärcapelle stoben in Pani­schein Schreck auseinander. Die Löwen begannen eine drohende Haltung einzunehmen, und schon sollte Militär reguidirt werden, als es schließlich Miß Ella gelang, die Löwen zur Rückkehr in die Käfige zu bewegen, in- dem sie Fleischstücke hinwarf.

Amerika. Ein schwerer Sturm ging im Westen des Staates Newyork nieder. Flüsse traten aus, Brücken und Häuser wurden fortgerissen und die Straßen überschwemmt. Der Schaden wirb auf mehrere hunderttausend Dollars geschätzt.

Manila. Die Cholera breitet sich allmählich weiter aus. Am Sonntag waren 50 Todesfälle zu verzeichnen. Die Behörden beschäftigen sich mit einem Plane, die Sanirung der Stadt vorzunehmen. Die durchseuchten Stadttheile sollen niedergerissen und 50 < 00 Eingeborene in Lagern vor der Stadt unterge­bracht werden.

Budapest. Großes Aufsehen erregte die vor kurzem in Budapest begangene Mordthat. Nach dortigen Blättern hat die Untersuchung des Leichnams ergeben, daß der Juwelenhändler Erdei wahrscheinlich zuerst durch einen Schlag mit einem stumpfen Gegenstand oberhalb des linken Jochbeines betäubt und dann erst, wie die Fingereindrücke am Halse beweisen, erdrosselt wurde. Der Unglückliche lebte noch, als die Mörderin an die Zerstückelung des Körpers schritt, denn die Adern waren vollständig blutleer. Bei der Zerstückelung muß ein Messer und eine Hacke oder ein Beil gebraucht worden sein, und zwar hat die Frau Alles ganz allein vollbracht. Im Saufe des Verhörs wurde konstatirt, daß sie keine Complizen hatte. Frau Petro, die Tochter des ungarischen Großgrundbesitzers Stephan v. Bartok, verbrachte ihre Jugend bei einer in Budapest an einen Tischler verheiratheten Schwester, bei der sie auch die Bekanntschaft des Tischlergehilsen Petro machte. Sie heirathete denseben vor etwa 5 Jahren, und mit der Mitgift, die mehrere tausend Gulden betrug, übernahm das Paar ein Wirthschaftsgebäude, das aber bald wieder gesperrt werden mußte. Der Mann trat nun wieder in Arbeit, die Frau betrieb eine Auskocherei. Vor der Behörde gab der Mann jetzt zu Protokoll, daß er mit seiner Frau in Hader lebte, und die Ab­sicht hatte, sich von ihr scheiden zu lassen. Eine Leibes­durchsuchung, die während des Verhörs an Frau Petro vollzogen wurde, führte zu der Auffindung von 1550 Kronen die sich in einem Strumpf der Mörderin befanden.

London, 10. Juli. Die Krönung des Königs Eduard, auf die man in England schon nicht mehr zu hoffen wagte, steht nun doch in Aussicht. Ein Gerücht, wo­nach mit Rücksicht auf deu bedeutenden Fortschritt im

53. Jahrgang.

Befinden Königs die Krönung zwischen dein 11. und 1a. August stattfinden soll, wird halbamtlich als wohlbegründet bezeichnet. Im Unterhause erklärte der erste Commissar der öffentlichen Arbeiten und Bauten Mars Douglas auf eine Anfrage: Er hoffe, daß die auf Grundstücken der Regierung zur Krönung errichteten Tribünen noch zu dem Zweck benutzt werden könnten, für welche sie errichtet worden seien. Er sei deshalb nicht dafür, daß man sie entferne. Die Erklärung des Kommissars wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Kolonialminister Chamberlein fuhr am Montag Nachmittag in einer einspännigen Droschke von West­minister nach dem Athenäumklub in London. Beim kanadischen Triumphbogen stürzte das Pferd. Chamber­lein wurde auf die Straße geworfen und ernstlich am Kopfe verletzt; er wurde sofort in das Sharing Croß Hospital gebracht, wohin sich dann sein Sohn Allsten Chamberlain begab.

Südafrika. Lord Kitchener hielt vor der kürzlich erfolgten Abreise nach Europa eine Abschieds-Ansprache an die Truppen, in der er ausführte, ihre Haltung im Feldzuge, der sich durch große Beschwerden aus- zeichnete, sei über alles Lob erhaben. Besonders be­glückwünsche er sie zu dem freundlichen humanen Geiste, den sie int Felde gezeigt hätten. Schließlich sprach sich Lord Kitchener lobend über die soldatischen Eigen­schaften der Buren aus und den bewundernswerthen Geist, womit sie die Uebergabe durchgeführt hätten und erwähnte, daß viele Buren, die in dein Krieg bis zu Ende mitkämpften, den Wunsch ausdrückten, sie möchten bei einem künftigen Anlaß Gelegenheit haben, zusammen mit den Truppen des Königs zu dienen. Nach den neuesten Statistiken sind in den Konzentrationslagern 20 047 Buren gestorben, darunter 15208 Kinder unter 12 Jahren. Die höchste Ziffer von Todesfällen (2561 Kinder u. 514 Erwachsene) fiel auf den Oktober 1901. Und dabei spricht man noch von einermenschlichen" Kriegführung Englands!

Frankreich. Auf dem Jahrmärkte, der gegen­wärtig in Charenton bei Paris gehalten wird, ver­lor sich in einem Schießstande die Kugel aus einem Gewehr, das eine Besucherin ungeschickt handhabte. Die Inhaber der Bude, ein Ehepaar, kümmerten sich nicht weiter darum, da dergleichen zuweilen vor kommt. Als die Leute aber zwei oder drei Stunden später die Schlafkammer betraten, die sie hinter dem Schießstande errichtet, hatten, fanden sie ihr einziges Kind, ein elfjähriges Mädchen todt, schon als kalte Leiche in seinem Bette liegen. Die verlorene Kugel hatte das Kind mitten ins Herz getroffen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 11. Juli 1902.

* Dem Forstmeister Hasset aus Mottgers wurde aus Anlaß seiner Pensionirung der Königliche Kronen-Orden 2. Classe verliehen.

Den Truppenkommandeuren ist auf Höhe en Befehl zur Pflicht gemacht worden, dafür zu sorgen, daß bei ihrer Truppe während der heißen Jahreszeit mit dem Feld- und Marschdienst möglichst früh Morgens oder des Abends spät begonnen wird. Während des Marsches soll den Mannschaften öfters gestattet sein, Wasser zu trinken, namentlich wenn der Marsch durch trockenen Nadelwald bevorsteht. Auch beim Kleindienst in der Garnison soll vermieden werden, die Mannschaften allzulange der glühenden Sonnen- hitze auszusetzen. Rückt eine Truppe in früher Morgenstunde aus, so soll den Mannschaften erlaubt werden, in der Mittagszeit einige Stunden zu schlafen.

* In einer Sonderausgabe des Amtsblattes der Kgl. Regierung zu Caffel wird seitens des Herrn Regierungspräsidenten unterm 5. d. M. eine neue Polizeiverordnung betr. die Ausdehnung der An­zeigepflicht für ansteckende und gemeingefährliche Krank­heiten veröffentlicht, wonach die Verpflichtung zur An­zeige derartiger Krankheiten außer den Aerzten auch den Haushaltungsvorständen auferlegt werden kann. Hiervon wird gleichzeitig für den Umfang der Kreise Gaffel (Stadt und Land), Hofgeismar und Wolfhagen bezüglich Typhuß und Typhusverdächtiger Fälle Ge­brauch gemacht.

* Der Generalverband ländlicher Genossenschaften Raiffeisen'scher Organisation tagt gegenwärtig in Neu-