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Erscheint Mittwoch und Sanistag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

' ^ 55. Mittwoch, den 9. Juli 1902. 53. Jahrgang.

jMMhtttrtiHHi auf bie »Schlüchierner Zeitung" ^^KUUHyKelmerben noch fortwährend von allen ----== ......- --......- Postanstalten undLandbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser trat von Traveuiünd aus am Montag Vormittag 10 Uhr die Nordlandreise an. Die Kaiserin an Bord der SegeljachtJduna" mit den Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm und Oskar, sowie ihre Umgebung traten eine mehrtägige Kreuzfahrt in der Ostsee an.

Der Kaiser wird nach einem am Sonntag in Cronberg eingetroffenen Telegramm die feierliche Einweihung des Kaiser Friedrich-Denkmals und des Parkes daselbst am 20. August vornehmen.

Eine große Kaiserin Friedrich-Gedächtnißfeier wird, wie es heißt, am o. August, dem Sterbetage der verewigten Fürstin, in der Kapelle des Schlosses Fried- richshos bei Cronberg im Taunus abgehalten werden. An dem seierticheu Akte werden außer der gesammten kaiserlichen Familie auch die näheren Anverwandten Theil nehmen.

Die Erneuerung der Dreibunds-Verträge ist überall als ein politisches Ereigniß ersten Ranges be­sprochen worden. Allgemein ist die Ueberzeugung, daß das Hauptverdienst von jener Thatsache unserem Reichs­kanzler, dem Grafen Bülow, zukommt. Die ungeänderte Verlängerung der Bündniß-Verträge ist der beste Be­weis für die trefflichen Beziehungen Deutschlands mit Oesterreich-Ungarn und mit Italien. Die maßgebenden Kreise in Wien, Budapest und Rom konnten sich der Ueberzeugung nicht entziehen, daß der Dreibund für ihre Länder vom höchsten Werthe ist. In allen Preß-

änderungen aus den verbündeten Reichen bildet der

Gedanke, daß eine neue Aera des Friedens durch die,"^^eien Fuß gese^.

Verlängerung des Dreibundes verbürgt sei, das Leit­motiv. Es wird aber auch daran erinnert, daß gegen die Erneuerung des Friedensbundes noch niemals ein so rücksichtsloser Kampf, und zwar mit den zweifel­haftesten Mitteln geführt worden ist, wie in der letzten Zeit.

Die Vorarbeiten für den Entwurf eines Ge­setzes betr. die Einrichtung von Sondergerichten zur Ent­scheidung von Streitigkeiten aus dem kaufmännischen Anstellungsverhältniß (kaufmännische Schiedsgerichte) sind soweit vorgeschritten, daß dieser Entwurf aller Wahrscheinlichkeit nach bereits im nächsten Winter an den Bundesraths und Reichstag gelangen wird.

Das preußische Staatsministerium hat dem in Düsseldorf tagenden Jnternation. Sch^ffah ,'tskongreß eine Schrift über die Entwickelung der preußischen Wasserstraßen gewidmet, in der es u. a. heißt: Es sei zu beklagen, daß die Kanalvorlage bisher nicht verabschiedet worden sei. Da die Staatsregierung in­dessen, überzeugt von der Wichtigkeit und der Be- deuiu: g dir ton ihr vorgeschlagenen Pläne für das Gesammtwohl des Landes, diese unentwegt weiter ver­folgt, so steht zu hoffen und zu wünschen, daß eine erneute Gesetzesvorlage, und zwar je eher, je besser, die Zustimmung der Volksvertretung findet. Die Aus­führung des darin enthaltenen Gesammtplans würde ein Kulturwerk von hervorragendster Bedeutung schaffen.

Das Reichstagspräsidialgebäude ist im Außen- und Junenbau vollständig bis auf die architektonische Schmuckausführung fertiggestellt. Die Außenfa^ade erhält jetzt architektonischen Schmuck durch Figuren, Wappen, Embleme, die aus den Sandsteinquadern, die schon längere Zeit eingemauert sind, geschaffen werden. Im Innern ist der Rohbau ebenfalls beendet, es sind noch Tapeten und Dielen anzubringen. Nach der Spree zu erhält der Bau eine größere Schmuckanlage. Ver­bunden mit der Wohnung für den Präsidenten ist noch

ein Anbau für die Wohnung des Direktors des Reichs­tags, der jetzt provisorisch im Reichstagsgebäude wohnt, und ein größerer Festsaal. Die hinter dem Gebäude liegende Maschinenanlage für den Reichstag und das Präsidialgebäude, die für Heizung und Beleuchtung , , ..

sorgt, ist schon seit längerer Zeit im Betrieb. Sie ist Opfer, brachten ihm unzählige Messerstiche bei, schleppten mit dem Reichstagsgebäude durch einen unterirdischen den Besinnungslosen über die Landstraße in ein Ge- Tunnel unter der Sommerstraße verbunden. Das treidefeld und ergriffen dann die Flucht. Als das Präsidialgebäude wird mit Beginn der neuen Legis- entflohene Bewußtsein zurückgekehrt war, kroch der tödt- laturperiode bezogen werden. lich verwundete auf die Straße, wo er heute ausgefunden

Drei Beamte der Reichspostverwaltung werden; wurde. Es ist der Tapezierer Metzler aus Speyer, sich in nächster Zeit nach Nordamerika begeben, um bie i dortigen Post- und Telegraphen-Einrichtungen zu studiren. Es handelt sich darum, ein praktisches Urtheil zu gewinnen, inwieweit etwa verschiedene neue Systeme von Telegraphen- und Fernsprechapparaten, von Rohrpostanlagen und Briefstempelmaschinen der amerikanischen Verwaltung sich zur Uebernahme in deutsche Verhältnisse eignen.

Kiel, 4. Juli. Die Wettfahrt des kaiserlichen Jacht­klubs und des Norddeutschen Regattavereins Kiel-Trave- münde begann heute früh 6 bezw. 8 Uhr in festgesetzter Weise. Der Kaiser, der Großherzog von Sachsen- Weimar, Prinz Heinrich und der Reichskanzler befinden sich an Bord des Meteor. DieHohenzollern" mit der Kaiserin an Bord ist heute Mittag nach Trave- münde abgedampst.

Philippsthal, 4. Juli. Die Leiche des Komman- danten des untergegangenen Torpedoboots 8 42, Kapi­tänleutnants Rosenstock von Rhöneck, wird, wie die Rhztg." vernimmt, Sonntag Mittag gegen 12 Uhr in Philppsthal eintreffen. Die Beerdigung findet Sonntag Nachmittag 6 Uhr auf bem hiesigen Friedhofe statt.

Weilheim, 27. Juni. Auf der Jagd erschossen. Gestern Abend halb 9 Uhr wurde der Privatier Steigerwald aus Pasing von dem Mühlenbesitzer Gerl aus Habach auf der Jagd erschossen. Steigerwald war telegraphisch herbeigerufen worden, da sich in seinem Jagdbezirke Hochwild zeigte. Die Beiden trafen sich im Walde und hielten sich gegenseitig für Wilderer. Steigerwald legte auf Gerl an, dieser kam ihm aber zuvor und streckte ihn nieder. Der Erschossene ist erst

28 Jahre alt. Gerl wurde verhaftet, aber sofort wieder

Düsseldorf. Der Besuch der Düsseldorfer Ausstellung entwickelt sich in den letzten Tagen sehr erfreulich. Die erste Million zahlender Besucher wird in den ersten

Tagen voll werden. Bei der Ausstellung des Jahres 1880 wurde der millionste Besucher von der Aus­stellungsleitung festlich empfangen und es wurde ihm eine werthvolle goldene Uhr überreicht. Bei der dies­jährigen Ausstellung beabsichtigt man denjenigen zah­lenden Besucher, auf den die Nummer 1 000 000 fällt, in gleicher Weise zu ehren.

Dinslaken (Rhld ), 4. Juli. Die Kriminalpolizei verhaftete eine Falschmünzerbande, die hauptsächlich Fünfmarkstücke anfertigte, und beschlagnahmte die Werkzeuge.

Schleswig, 4. Juli. Wie dieSchl. Nachr." aus angeblich zuverlässiger Quelle erfahren, hat Landrath von Alten die Wahl zum preußischen Abgeordnetenhause abgelehnt. Die Wahl muß also zum drittenmal statl- finden.

Aus Sachsen. Wie dieCh. Allge. Ztg." aus Dresden erfährt, beträgt die von der Regierung zur Erhöhung der Königlichen Civilliste und der prinzlichen Apanagen geforderte Summe ca. 450 000 Mk. In ernster zu nehmenden Kreisen des Landtags erhält sich das Gerücht, daß der Oberbürgermeister von Dresden Beutler als Minister des Innern und Nachfolger des alsbald zurücktretenden Staatsministers von Metzsch ausersehen ist. Der Empfang des Dr. Bentler, der ein Vertrauensmann des Königs ist, durch den Reichs­kanzler in Berlin soll mit dem bevorstehenden Minister­wechsel ursächlich in Zusammenhänge stehen. Als Nach­folger Beutlers ist der Oberbürgermeister von Chemnitz Dr. Beck ausersehen.

Vom Main, 4. Juli. Eine ruchlose Blutthat wird

uns aus Marktheidenfeld gemeldet. In der dortigen Gegend trafen gestern drei aus Aschaffenburg gekom­mene Handwerksburschen ein und kampirten unweit Oberndorf in einem schattigen Walde. Vor Müdigkeit verfiel der Eine derselben in einen tiefen Schlaf, welchen die beiden anderen zur Ausplünderung ihres Reisekolle­gen weidlich ausnützten. Dabei erwachte der Beraubte und setzte sich seinen hinterlistigen Angreifern gegen­über zur Wehr. Diese aber überwältigten ihr armes

während die flüchtigen Walzbrüder aus Dortmund ge

kommen sein sollen. Hoffentlich gelingt ihre Ergreifung, damit das empörende Verbrechen seine verdinte Sühne findet.

Ausland.

Amerika. In der Proklamation des Präsidenten Roosevelt an die Philippiner wird die vollständige Verzeihung und Amnestie denjenigen Personen auf dein Archipelagus zugesagt, welche am Aufstande theilge- genommen oder ihn unterstützt haben, ausgenommen diejenigen, welche nicht militärischer Verbrechen über- führt werden. Alle, welche um Verzeihung w^im^r.,- müssen den Vereinigten Staaten den Treueid schwören. In einer am 4. Juli in Pittsburg gehaltenen Rede sagte Präsident Roosevelt, Kuba müsse auf dem Ge­biete der internationalen Politik den Vereinigten Staaten gegenüber eine internationale Stellung ein­nehmen, es müsse in internationalen Angelegenheiten in größerem Sinne einen Theil des allgemeinen politischen Systems bilden, dessen Haupt die Vereinigten Staaten seien. Mit dieser Ansicht sei Cuba einverstanden, wodurch die Vereinigten Staaten verbunden seien, Kuba wirthschaftliche Vortheile zu gewähren, die anderen Nationen nicht zu theil geworden sind.

Italien. Der König wird in Begleitung des Ministers des äußern Prinetti am 9. Juli über Berlin nach Peterhof reisen, wo er am 13. Juli eintrifft. Nach dreitägigem Aufenthalt reiste er nach Italien zurück. In Berlin hält sich der König dieses Mal nicht lange auf, wird aber im August zum Besuch des Kaisers nach Berlin kommen.

In Neapel find 2 Anarchisten verhaftet worden wegen eines anarchistischen Komplots gegen das Leben des Sultans.

Madrid,6. Juli. In Higuera della Serena, Pro­vinz Badajoz, wurden bei einem Gewittersturm, der die ganze Ernte vernichtete, zwei Bauern vom Blitze getroffen und getödtet.

litten, 6. Juli. Wie jetzt feststeht, sind bei dem Bahnunglück aus der Moutain- und Lake-Eisenbahn 12 Personen getödtet und 36 verwundet worden.

London, 5. Juli. Ein Telegramm derDaily Mail" aus Singapore berichtet, daß eine Expedition von 10,0u0 englischen und eingeborenen Truppen in der Nähe des Flusses Battang Lopar auf Neu-Guinea völlig vernichtet ist, wohin sie entsandt worden war, um einen eingeborenen-Stamm zu züchtigen, weil der­selbe Europäer ermordet hatte und Piratereien trieb. Die Nachricht besagt weiter, daß drei Viertel des Be­standes der Kolonne an Cholera gestorben sind. Täg­lich waren bis 500 Todesfälle zu verzeichnen. Der Fluß ist mit Leichen bedeckt.

Die Buren-Generale Louis Botha, Dewet und Delary haben sich gestern auf dem DampferKanzler" der deutschen Ostafrika-Linie nach Europa eingeschifft. Das Schiff landet am 4. August in Neapel und am 9. August in Lissabon. Es ist noch unbestimmt, an welchem der beiden Orte die Buren- Generale landen werden.

Wie verlautet, wird der Kronprinz von Portugal sich demnächst mit einer Nichte des Königs Eduard verloben. Der Prinz ist zwar erst 15 Jahre alt, aber sein letzter Besuch in London soll diesen Beschluß ge­zeitigt haben.

Aus Petersburg wird gemeldet: In Rostow am Don, Gouernement Jekaterinoslaw, sind in den letzten Tagen ernste Unruhen ausgebrvchen. Eine beträcht­liche Anzahl Arbeiter drang in mehrere Fabriken ein, plünderte und zerstörte dort alles und zerbrach die Maschinen; gleichzeitig plünderte das Landvolk in der Umgegend die Häuser der Gutsbesitzer und Pächter. Militär mußte einschreiten, um die Ordnung wieder- herzustellen. Die Soldaten schössen in die Menge und tödteten oder verwundeten eine große Zahl der Ruhestörer. Die Landleute sowie die Arbeiter waren aufgewiegelt worden und wurden bei den Ausschreit­ungen geführt durch Fremde, die eine Phantasie Uni­form, und Ordensauszeichnungen trugen und sich als Sendboten des Zaren ausgaben. Sie redeten auf den Pöbel ein, die Maschinen sein nur ein Mittel, um die Zahl der Arbeiter immer mehr zu beschränken und den Ruin der Armen herbeizuführen, worüber dex