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Samstag, den 5. Juli 1902
53. Jahrgang
Bestellungen
auf die »Schlüchierner Zeitung" i mit der Anleihe gar nicht befaßt wäre, dürfte diese als ein begehrenswerthes Capitalsobjekt betrachtet werden. Das erste deutsch-amerikanische Kabel wirft einen glänzenden Ertrag ab, und es steht außer Frage, daß sich auch das zweite Kabel brillant rentiren wird.
werden noch fortwährend von allen
-^ ------- " 1 PostanstaltenundLandbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser wird Anfangs August neuen und größeren Landungsmanövern auf der Insel Borkum beiwohnen. In Kiel hat der Kaiser Sonnabend auf der „Hohenzollern" den Vertrag angehört, den der Kapitänleutnant Mauve, vom Versuchsschiff „Neptun", Referent für Funkentelegraphie, über die Errichtung von Funkensprechstationen an den deutschen Küsten hielt, die er geleistet hatte. Der Kaiser sprach seine Anerkennung für die erzielten Leistungen aus und ernannte Mauve zum Korvettenkapitän.
— Die dritte Wettfahrt der Sonderklasse des kaiserlichen Nachtklubs und des Norddeutschen Regatavereins begann am Montag Mittag unter Betheiligung von 16 Nachten. Der Kaiser sah dem Schauspiel vorn Verkehrsboot „Hulda" aus zu.
— Der Kaiser und die Kaiserin, die tags vorher nach Eckernförde gesegelt tonten, kehrten am Mittwoch Mittag nach Kiel zurück. Als Gast des Kaisers ist nun auch Kronprinz Friedrich August von Sachsen in Kiel angekommen. Des Kaisers neue Nacht „Meteor" blieb auch Mittwoch wieder die schnellste.
— Der Kaiser hält am 22. August in Mainz eine Truppenschau ab. Es werden Truppentheile der 21. und 25. Division betheiligt sein.
— Der Kaiser hat den König von England ä, la suite der Marine gestellt. Der König hat dies angenommen und die im Kieler Hafen liegenden Kriegsschiffe haben den Befehl des Kaisers sofort ausgeführt.
— Die Kaiserin nahm mit ihren Kindern von Mittwoch, ab in Cadinen' bei Ebling in Westpreußen Sommeraufenthalt. Der Besuch der kaiserlichen Familie auf Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel ist bis auf weiteres untersagt worden, wegen des Ausbruchs von Typhus in einem Nachbarort.
Im Beisein des Kronprinzen fiel am Mittwoch die Hülle von bem Kaiser Wilhelm-Denkmal auf der Hohen- syburg. Im Anschluß an die Feier besagte der Prinz die Verbandsanstalt evangelischer Arbeitervereine bei Volmarstein.
— Prinz Heinrich von Preußen hat London wieder verlassen.
— Der aus London zurückgekehrten Prinzessin Heinrich stattete der Kaiser in Kiel einen zweistündigen Besuch ab, um möglichst eingehenden mündlichen Bericht über den Zustand König Eduards zu erhalten.
— Im „Reichsanzeiger" wird ein Erlaß des preußischen Landwirthschaftsministers v. Podbielski an die Oberpräsidenten veröffentlicht, betreffend Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes und eine mit bem* selben den Oberpräsidenten zugegangene Denkschrift über die Durchführbarkeit von Maßnahmen zur Entlastung hochverschuldeter landwirthschaftlicher Besitzungen.
— Eine Uebersicht über die „besseren" Einkommen in Preußen die soeben amtlich veröffentlicht wird, zeigt, daß in den letzten 10 Jahren die Zahl der Zensiten mit „mittleren" Einkommen (900— 3uuo Mk.) um fast 52o/o, die „besseren" (über 3000 Mk.) um 37% zugenommen hat.
— Der preußische Justizminister hat eine Verfügung erlassen, wonach schulpflichtige Kinder, die Gefängniß, oder Haftstrafen abzubüßen haben, diese womöglich zu einer Zeit abbüßen sollen, in der pe die Schule nicht versäumen. Zu diesem Zweck sollen die Schulvorstände u. s. w. befragt werden, zu welcher Zeit am besten die Strafe abgebüßt werde. — Für Schulkinder, welche wegen Forstdiebstahls und dergl. bestraft sind, kann durch die Schulbehörde und dergl. eine Strafaussetzung und vielleicht Begnadigung erwirkt werden, wenn sie sich später nichts zu Schulden kommen lassen.
Die Legung eines zweiten deutsch-amerikanischen Kabels ist gesichert. Die Generalversammlung der deutsch-atlantischen Telegraphen-Gesellschaft hat die Ausgabe von 20 Millionen Mark vierprozentiger Obligationen für die Legung dieses Kabels bewilligt. Die Preußische Seehandlung ist zum Treuhändler für die Anleihe ernannt worden, die aus diesem Grunde also bombensicher ist. Aber auch wenn das staatliche Institut
— Die Wittwe des ehemaligen Staatssekretärs V. Stephan ist zur Vorsitzenden des deutschen Frauen-Vereins in den Kolonien gewählt worden.
— An Jagdscheinen wurden im letzten Jahr in Preußen insgesammt 174,967 ausgegen, die zusammen einen Betrag von 2,155,101 Mark erreichten. Der Betrag ist gegen das vorhergehende Jahr um 25,641 Mark gestiegen.
— In gut unterrichteten Kreisen hält man nunmehr nach der letzten Unterredung des Freiherrn von Hertling mit dem Papst die Errichtug einer katholischtheologischen Fakultät an der Universität in Straßburg für gesichert.
— Im Hauptbahnhof zu Dortmund entgleisten zwei zu scharf abgestoßene Wagen; sie liefen über die 2 Mtr. hohe Einfriedigung hinaus mitten auf die Verkehrreiche Straße Vier Personen wurden verletzt.
— Osnabrück. Das große Elberger Moor bei Osnabrück ist auf eine Strecke von 800 —1000 Morgen in Brand gerathen. Alle Löschversuche sind vergeblich. Die benachbarten herzogl. Arenbergschen Forsten sind bedroht.
Pyilippsthal, 30. Juni. Der Kaiser hat den hier wohnenden Korvetten-Kapitän a. D. v. Rhöneck, dem Vater des beim Untergang des Torpedoboots „8 42" verunglückten Kapitänleutnants Rosenstock v. Rhöneck ein in den wärmsten Worten gehaltenes Kondolenztetegramm zugehen lassen.
Barmen, 3. Juli. In der städtischen Gasanstalt
im Stadttheil Rittershausen explodirte heute Vormit- Zu den ersteren werden gezählt: Keulos und Künzell; tag ein Teerkeffel. Drei Personen wurden getödtet, zwei schwer verletzt.
Erfurt, 1. Juli. Aus Rudolfstadt und Saalfeld wird gemeldet, Hagelschlag richtete gestern Abend großen schaden an der Ernte an. Die Schlossen lagen stellenweise 3 bis 4 Centimeter hoch. Im Bahngebeute zu Rudolfstadt schlug der Blitz ein und zerstörte die Telegraphen- und Telephonleitungen.
Schauenstein. Am Montag Abend zwischen 6 u. 7 Uhr gingen, über einen Theil des Frankenwaldes schwere Gewitter nieder. In unserem Städtchen wurden infolge von Blitzschlägen 29 Scheunen, sowie ein Wohnhaus eingeäschert. —
Ausland.
Der König von Italien beabsichtigte, im Laufe des Juli die Höfe von Berlin und Petersburg zu besuchen. Auf Wunsch Kaiser Wilhelnis wurde der Besuch in Berlin auf August verschoben. Der Besuch in Petersburg ist für Mitte Juli in Aussicht genommen.
Oesterreich-Ungarn. Die Ausgleichsverhandlungen- werden zwischen den beiden Ministerpräsidenten Szell und von Koerber in Jschel fortgesetzt werden, nachdem beide Herren eine mehr als dreistündige Besprechung mit dem Kaiser Franz Joseph gehabt hatten. Man erwartet daß in; dieser eingehenden Unterredung die Brücke für eine Verständigung zwischen den beiden Regierungen gefunden worden sei. Will es gar nicht mehr gehen dann greift der alte Kaiser persönlich ein, dessen Persönlichkeit so gewaltigen Einfluß besitzt, daß durch sie auch die schwierigsten Streitfragen geschlichtet werden.
London, 30. Juni. Wie versichert wird, macht das Befinden des Königs weitere Fortschritte. Gestern Abend wurde kein Krankheitsbericht veröffentlicht. Künftig werden solche nur noch um 10 Uhr Abends erscheinen.
London, 3.Juli. Der heute Vormittag über das Befinden des Königs ausgegebene Krankheitsbericht lautet: Der König hat < ut geschlafen, es ist nichts eingetreten, was die in vorzüglicher Weise fortgeschrittene Besserung im Befinden des Königs störte.
Holland. Die erste Kammer nahm das Ueber- einkommen mit Deutschland an, betreffend die Ver
* — Die Zweite hessische Kammer beschloß gestern die Errichtung zweier neuer Irrenanstalten, einer solchen bei Gießen im Anschluß au die psychiatrische Klinik und einer solchen bei Alzey.
):( Am Dienstag den 15. Juli findet in dem Sitzungssaals des Ständehauses in Cassel eine außer- _________ _ ............................ ordentliche Sitzung des Ausschusses der Landesver- -bemfd;^ und zu be'-' sicherungs-Anstalt Hessen-Nassau statt. Die Tages-
treibendes Kabel. Ordnung für bte Sitzung ist nicht groß, sie betrifft in
Konstautiuopcl. Bei zweien von den vier ge- erster Lienie die Genehmigimg des Neubaues eines meldeten Pestfüllen ist, wie aus Konstantinopel de- Verwaltungsgebäudes für die Landes-Versicherungs-
bindung der asiatischen Kolonien durch ein von einer
peschirt wird, Pest durch mikroskopische Untersuchung festgestellt. Die Kranken und die Herkünste aus Konstantinopel werden infolgedessen in türkischen Häfen einer ärzlichen Untersuchung unterzogen.
Norwegen. In Laurik brach Mittwoch Nachmittag eine große Feuersbrunst aus. Bis jetzt sind hundert Häuser niedergebrannt, darunter ein große Getreidemagazin und ein bedeutendes Kohlenlager. Es herrscht völliger Wassermangel. Die ganze Stadt ist bedroht.
Rußland. Die Kämpfe, die vor 25 Jahren zwischen Russen und Türken am Schipkapaß in Bulgarien stattgefunden haben, sollen in diesem Jahre als Manöver wiederholt werden, indem zur Vertheidigung des Passes 18 000 Mann, entsprechend der damaligen Stärke der russischen Vertheidigungstruppen, die nämlichen Stellungen beziehen sollen. Der Angriff von Süden her würde dann in ähnlicher Weise angedeutet oder durchgeführt werden, wie er einst von Suleiman Pascha mit 26 500 Türken versucht und mit großer Mühe abgeschlagen wurde. Den Schluß der Manöver soll die Ernweihung der russischen Gedächtnißkirche am Schipkapaß bilden.
Lokales und Provinzielles.
* Scht üchtern, 5. Juli 1902.
*** Am Montag und Dienstag entluden sich über einen Theil unseres Kreises nach einer Reihe von sehr „heißen" Tagen heftige Gewitter und brachten zwar die „heiß" ersehnte Abkühlung, jedoch auch in mancher Gegend großen Schaden an. So ging in der Umgegend von Fulda ein Hagelschlag nieder; manche der
nachstehend aufgeführten Gemarkungen sind dadurch sehr schwer, die meisten jedoch leichter betroffen worden.
zu den letzteren: Bachrain, Dirlos, Pilgerzell, Engelhelms, Edelzell, Petersberg, Eichenzell, Melkers, Röus- hausen. Die Felder des Herrn Großgrundbesitzers Souchay in Künzell sollen total verhagelt sein. Leider sind viele von dem Unwetter betroffenen Kleinbauern gegen Hagelschlag nicht versichert, obwohl jedes Frühjahr dazu amtlich angeregt wird. Durch Schaden wird man klug, heißt es; möge dies doch von den-
jenigen Landwirthen beherzigt werden, die bisher in der Versicherung ihrer Feldfrüchte saumselig waren! — Böse Wetter hat Falb für den Juli vorausgesagt. Regen, fast nichts wie Regen. Vom 1. bis 15. Juli werden ausgebreitete unb namentlich tn Deutschland sehr ergiebige Niederschläge eintreten. Gewitter treten zumeist in den ersten Tagen ein. Die Temperatur, welche schon anfangs unter der normalen, b. h. der Jahreszeit entsprechenden, steht, nimmt allmählich noch mehr ab. Der 5. ist ein kritischer Tag erster Ordnung Vom 16. bis 25. Juli nehmen die Regen etwas ab, ohne ganz zu verschwinden, und werden namentlich in den letzten Tagen wieder recht ergiebig. In den Alpenländern sind die Gewitter zahlreich, Nachdem das Wetter einige Tage sehr trocken ist, treten in den letzten Tagen des Juli wieder stellenweise sehr ergiebige Regen ein, die meist von Gewittern stammen, sowohl in Deutschland wie auch in Oesterreich und Frankreich. Die Temperatur steigt allmählich bis zum Normalen. Hoffentlich wird es nicht ganz so schlimm, wie Falb vorausgesetzt hat, sonst würden nicht nur alle Ferien- und Reisevergnügungen, sondern auch, was noch wichtiger ist, die Gedeiteernte zu Wasser- werden.
* — Die Gerichtsferien beginnen am 15. Juli und dauern bis zum 15. September. In dieser Zeit werden nur in Feriensachen Termine abgehalten. Schleunige Gesuche müssen als solche begründet und als „Feriensache" bezeichnet werden.