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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 47.

Mittwoch den 11. Juni 1902.

53. Jahrgang.

N^!!«NaKH auf die .Schlüchrerner Zeitung- ML-flL^SLtöAWTNwerden noch fortwährend von allen =' Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

Schlüchtern, den 14. Juni d. Js.

Vormittags 10. Uhr werden die in der Schweiz angekauften Simmenthaler Originalbullen vor der Gast- wirthschaft des Herrn Konrad Freund hierselbst unter den Bestellern versteigert. Schlüchtern, den 9. Juni 1902.

Der Vorsitzende des landwirthschastlichen Kreis-Vereins:

Roth.

J.-Nr. 1830 K.=A. Der Bau eines Stallgebäudes auf dem Hofe des Königlichen Landrathsamts sollen im Wege der Submission vergeben werden. Plan und Kostenanschlag liegt von heute ab im Bureau des Kreisausschusses zur Einsicht aus.

Wir fordern alle Bauunternehmer, welche den Bau anzunehmen wünschen, auf, ihre schriftlichen Offerten versiegelt bis zum 30. d. Mts' an uns einzureichen. Den Zuschlag behalten wir uns vor.

Schlüchtern, den 9. Juni 1902.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin trafen Sonn­tag morgen aus dem Osten wohlbehalten in Berlin ein. Nachmittags wollten beide Majestäten der Grünauer Ruderregatta beiwohnen, die aber vom Wetter gar nicht begünstigt wurde. Am heutigen Montag besichtigt der Kaiser die Potsdamer Kavallerieregimenter. Nach der Einweihungsfeier in Marienburg sandte der Kaiser an König Eduard und den Erzherzog Eugen von Österreich Danktelegramme für die Entsendung von Abordnungen zu der Feier. Es wird bestätigt, daß der Zar bei Reval Anfang August mit Kaiser Wilhelm eine Begegnung haben wird. Beide Fürsten werden an den russischen Seemanövern theilnehmen.

DieBirm. Post" undLivp. Post" melden, Kaiser Wilhelm beabsichtigte, den Kronprinzen nach Südafrika zu schicken. Begleitet von einem Hervorra- gendenGeneral mit einem kleinen Stäbe soll der Kron­prinz die Schlachtfelder studieren.

Die Feier auf der Marienburg, die am Don­nerstag im Beisein des Kaiserpaares von statten ging, gestaltete sich bei herrlichstem Wetter sehr eindrucksvoll Um 8'/, Uhr war der Sonderzug angekvmnien, dem der Kaiser und die Kaiserin unter den Klängen des Präsentirmarsches entstiegen. Vom Publikum mit Jubel begrüßt, fuhren die Majestäten durch die prächtig ge­schmückten Straßen nach dem Schlosse. Dort begann die Feier um «All Uhr, nachdem der Herrenmeister des Johanniterordens, Prinzregent Albrecht, und die Prinzen aus regierenden Häusern sich Versammelt hatten. Die Kaiserin begab sich über die Zugbrücke in die Schloßkirche, wo sie rechts am Altar Platz nahm. Sie trug ein gelbweißes Kleid und auf tdem Haupte die Krone der preußischen Könige, die Friedrichs I. Ge­mahlin 1701 zum erstenmal getragen. In der Kirche verweilten bereits die Gäste, darunter der Reichskanzler, der österreich-ungarische und der englische Botschafter. Beim Erscheinen des Kaisers ertönten Fanfaren und Glockengeläute. Se. Majestät als Hoch­meister und Prinz Albrecht als Herrenmeister trugen die Tracht der Ritter des deutschen Ordens mit langem schwarzem Mantel, dessen Schleppe Pagen hielten. Es folgten dannbie prinzlichen Mitglieder des Ordens, der Ordenshauptmann, das Ordensschwert in der Scheide tragend, die Spitzen nach oben gerichtet. Unter andauerndem Glockengeläute ging der Zug, der ein Bild von unvergleichlicher Pracht und Farbenfülle bot, durch Reihen von Mannschaften in der Tracht des Trosses der deutschen Ordensritter. Aus der Kirche drangen die erhebenden Klänge des Psalms: Wie lieblich sind Deine Wohnungen, Herr Zebaoth",

gesungen vom Berliner Domchor. Die alte Architektur der Kirche in der Hellen Sonne, die militärischen Ge­stalten der Troßknechte, malerisch auf Lanzen und Schwerter gestützt, boten den Hintergrund. Die Ritter trugen über der roten Uniform einen Mantel von schwarzem Moirö, die österreichischen Ritter lange, weiße Mäntel mit Schwarz. Reckenhaft nahmen sich die Ge­stalten der vier Offiziere aus, die in der Tracht des deutschen Ordens, das schwarze Kreuz auf weißem Alantel, mit gewaltigem Schwert und Schild dem Kaiser, dessen Haupt ein mit weißen Federn verbrämter schwarzer Hut zierte, vorunschritten. Am Eingang zur Kirche empfing den Kaiser die Geistlichkeit; der Bläser­bund spielte:Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Oberhofprediger Dryander hielt die Weiherede. Mit dem niederländischen Dankgebet schloß die kirchliche Feier. In den Gastkammern fand sodann ein Mahl statt. Die Tafeln waren mit alten Hunipen besetzt und mit Tannengrün geschmückt. Nach dem Essen machten die Majestäten einen Rundgang durch das Schloß. Gegen 4 Uhr begaben sich der Kaiser und die Kaiserin unter erneuten Ovationen nach Kadinen bei Elbing zu zweitägigem Verweilen

Nach dem Tode des Prinzen Georg ist die Krone Besitzerin des Palais geworden. Von dem hinterlasse­nen, circa 2 Millionen Mark betragenden Vermögen des Prinzen sollen, wie nach demKonf." verlautet, die Zinsen eines großen Teiles laut testamentarischer Ver­fügung für den bisherigen langjährigen Adjutanten be­stimmt bleiben. Einen anderen Teil erhalten mildthä­tige Stiftungen, während der größte Teil den Kindern des Prinzen Heinrich als Vermächtnis hinterlassen wor­den ist. Für diese ist auch das Schloß Rheinstein mit seinen Kunstsammlungen bestimmt worden.

Im preußischen Abgeordnetenhause wurde am verflossenen Mittwoch zunächst der Gesetz-Entwurf, betreffend die Neuregelung der Vertrags-Verhältnisse der Main-Neckarbahn, in zweiter Beratung debattelos angenommen. Die Anträge des Centrums und der Freisinnigen betr. Förderung des Handwerks fanden dadurch ihre Erledigung, daß eine Resolution der Kom- mission, in welcher die Staatsregierung ersucht wird, weitgehende Maßnahmen zuin Zweck der Gewerbe­beförderung in Erwägung zu ziehen, einstimmig ange­nommen wurde. Darauf begründete Abg. v.Pappen- heim (kons.) die Interpellation betreffenden gesetzlichen Maßnahmen gegen den Kontraktbruch der ländlichen Arbeiter. Landwirtschaftsminister von Podbielski kündigte ein entsprechendes Gesetz für die nächste Session an. Die Strafbestimmungen würden sich aber nicht gegen die Arbeitsnehmer, sondern gegen die Arbeitsgeber, die kon­traktbrüchige Arbeiter beschäftigen, sowie gegen Vermittler richten, die die. Arbeiter zum Kontraktbruch verleiten, deshalb sei eine Verschlechterung der Lage der Arbeiter nicht zu befürchten. Es fand alsdann eine Besprechung der Interpellation statt, in welcher sich die Mehrzahl der Redner warm für den in der Interpellation ge­forderten Gesetz-Entwurf aussprach.

Die Berathung des Antrags betreffend die Be­kämpfung der Trunksucht ist von der Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses beendet worden. Die Regierung wird ersucht: In allen staatlichen und der staatlichen Aufsicht unterstehenden Betrieben mustergil- tige Einrichtungen zur Verhütung des Alkoholmißbrauchs zu schaffen; die auf Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs gerichteten Bestrebungen zu unterstützen; Biere unter 2 Prozent steuerfrei zu lassen; beim Bundesrath die Einbringung einer Novelle zum Strafgesetzbuch zu be­antragen, daß Trunkenheit nur dann als strafmildernd gilt, wenn sie unter starkem äußeren Zwange erworben ist; den Erlaß von Polizeiverordnungen zu veranlassen, die nach Lage der örtlichen Verhältnisse den Ausschank und den Verkehr geistiger Getränke in den späten Abendstunden und den frühen Morgenstunden, sowie während des sonntäglichen Hauptgottesdienstes verbieten; eine Landeskommission zur Bekämpfung der Trunksucht einzusetzen, bei Gemeinden über 15 000 Einwohner die Bedürfnißfrage bei der Genehmigung von Schankstätten zwangsweise zu machen, den Verkauf von Branntwein in Mengen von weniger alsA Liter im Kleinhandel zu verbieten und den Borg von Branntwein unter Strafe zu stellen. Weitere Beschlüsse beziehen sich auf die Verabreichung von Branntwein an Personen unter

16 Jahren und an Trunkenbolde, auf statistische Er­hebungen über die Trunksucht, die Unterbringung von Trinkern in Heilanstalten und Aufklärung des Volkes über die schädlichen Folgen des Alkoholmißbrauchs.

Im Reichstelegraphendienst hat sich ein empfind- licher Mangel an Anwärtern für die Telegraphensekre­tärstellen bemerkbar gemacht. Um dem möglichst ab- zuhelfen, hat der Staatssekretär des Reichspostamtes Bestimmung en hinsichtlich der Zulassung zu den Se­kretärprüfungen erlassen.

Anf neuerliche Eingaben mehrerer städtischen Kol­legien, beteffend die Gleichlegung der Ferien der städ­tischen Volksschulen mit denen der höheren Lehranstal­ten, hat der preuß. Kultusminister mitgetheilt, daß in dieser Frage zunächst noch weitere Erwägungen stattfinden und daß daher vorläufig bis zum Jahre 19u3 die bisherigen Anordnungen in Anwendung kommen müß- ten. Bis zu jenem Zeitpunkte werde auf eine zweck- entspechende Lösung der Frage gerechnet werden können,

Etwa 80 Offiziere der Artillerie und Jngenie- eurschule zu Berlin find Donnerstag zur Besichtigung der Kriegsschiffe, der kaiserlichen Werft und anderer maritimer Anlagen in Kiel eingetroffen.

Cadinen, 6. Juni. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin ließen sich heute durch den Direktor der Motorenfabrik Oberursel, Blumenthal, die auf Sr. Majestät Herrschaft Cadinen vorhandenen Spiritus- motore und Lokomotiven in den verschiedenen Betrieben vorführen. Das Interesse Sr. Alajestät concentrirte sich in Sonderheit auf den sehr hügeligem Terrain im vollen Betriebe vorgeführten Spirituspflug, womit die Aufgabe des Pflügens mit Spiritus durch Oberursel als gelöst und bahnbrechend bezeichnet werden kann. Se. Majestät äußerte sich über die Leistungen höchst anerkennend und zeichnete den Direktor Blumenthal durch Ueberrsichung des Königlichen Kronenordens aus.

Auswanderung der Buren aus deutsches Gebiet. Der Haager Berichterstatter derFranks. Ztg." bestätigt, daß von vielen Buren ein Treck, und zwar hauptsäch­lich nach Deutsch-Südafrikcr geplant wird. Es handelt sich dabei jedoch fast ausschließlich um Kapkvlonieburen und andere, die von England Strafe befürchten; diese, ihre Familien und ihre Freunde werden auswandern wollen. Auch wird der Stimmrechtsverlust für viele Buren eine härtere und erniedrigendere Strafe sein, als man denkt, da im englischen Südafrika unter ge­wissen Umständen Kaffern uud Mischlinge stimmberech­tigt sind. Das wird den Zufluß nach dem deutschen Gebiet vermehren; denn gerade dem deutschen Gebiet sprechen die Buren große Zukunft zu. Von einer Seite, deren politisch hervorragende Stellung und vollkommene Kenntniß der Verhältnisse Südafrikas ihr eine besondere Gewichtigkeit des Urtheils giebt, wird mir gesagt, das; Deutschland den größten Fehler machen würde, falls es diesen Auswanderungen Schwierigkeiten in den Wc z legen wolle. Deutschland könne sich keine besseren un ) friedfertigeren Kolonisten wünschen, um das größten- theils wild daliegende Gebiet nutzbar zu machen. Eine wirthschaftlich einschneidende Frage wird es sein, wie man Ersatz für die Basutos finden wird, welche in den Goldminen vor dem Kriege gearbeitet haben. Durch allerhand Kriegsdienste für England haben die meisten genug verdient, um Vieh zu erwerben, das sie für ihre Frauen eintauschen; und der Besitz von Frauen, die für sie arbeiten, ist die einzige Triebfeder, die ine Ba­sutos zur Thätigkeit anspornt. Der Lohn für weiße Arbeiter ist ein ungeheuer hoher in Südafrika, was für den Betrieb der Minen sich für längere Zeit recht nachtheilig äußern dürfte.

Scligenstadt, 6. Juni. Die Bruthenne eines hie- sigen Landwirthes erbrütete ein merkwüdiges Hühnchen mit 4 Beinen, 4 Flügeln, zwei Hälsen und einem Kopse. Die seltsame Aiißgestalt war jedoch nicht lebens­fähig, verendete vielmehr alsbald nach ihrer Ausschlüp- fung. Das einstweilen in Spiritus gelegte eigenthüml. Naturspeil findet allgemeine Anstaunung.Das 2jähr. Bübchen eines hiesigen Tagelöhners stürzte gestern in einem unbewachten- Augenblick eine Treppe herab und erlitt trotz der geringen Fallhöhe einen doppelten Arm­bruch.

Dresden, 6. Juni. Im Befinden KönigsAlberts ist seit gestern eine Verschlimmerung eingetreten. Der König hatte gestern einen neuen Anfall, der große Her^-