SchtuchternerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
.M 43, Mittwoch, den 28. Mai 1902. 53. Jahrgang.
^»11p!In»rall>11 "^ bie »Schlüchrerner Zeitung" 5?C'|l.l'Ullllytll kerben nod) fortwährend von allen
" ' Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser, der am vergangenen Montag nach Potsdam zurückkehrte, wohnte nach einer Meldung aus Metz am Sonntag dem Gottesdienst bei. Tags vorher hatte der Monarch eine große Gefechtsübung abgehalten, wobei er felbst eine Division befehligte. An den Tagen vorher nahm der Kaiser in Metz Parade ab über die Metzer Garnison, wobei 10 englische Offiziere zugegen waren. Der Kaiser reiste jedem Einzelnen die Hand.
— Der Kronprinz wird in Oels (Schlesien) vom Jagdglück sehr begünstigt. In zwei Tagen erlegte er 15 Rehböcke.
— Prinz Heinrich ist gestern in Adare, im südwestlichen Irland, zum Besuche l.» Grafen und der Gräfin Dunraven eingetroffen.
— Im Alter von 50 Jahren ist Prinz Albert von Sachsen-Altenburg auf seiner Besitzung Serrahn bei Krakow in Mecklenburg-Schwerin gestorben.
— Die Polenvorlage ist Dienstag, 20. Mai, dem Abgeordnetenhause zugegangen und dürfte noch in diesem Monat in erster Berathung erledigt werden.
— Das preußische Abgeordnetenhaus nimmt feine Berathung also am Dienstag kommender Woche wieder auf. Unmittelbar an die erste Lesung der Polenvorlage soll sich die erste Lesung des Vertrages wegen der Main-Neckarbahn und der Vorlage betreffend bic Vorbereitung für den höheren Verwaltungsdienst anschließen. Es ist der „Nat.-Ztg." zufolge anzunehmen, daß die letztere Vorlage derselben Kommission, welcpe mit der Vorberathung der Vorlage betr. die Vorbereitung für den Justizdienst betraut ist, überwiesen, und daß diese sodann um einige mit den Angelegenheiten der Verwaltung vertraute Mitglieder verstärkt werden wird. Die Verhandlungen dieser Kommission sind bis zum Eingang der zweiten Vorlage ausgesetzt worden. Nunmehr hat aber der Vorsitzende für die unmittelbar an die ersten Lesungen voraussichtlich sich anschließenden sitzungsfreien Tage die Aufnahme der Kommissiosverhandlungen in Aussicht genommen. Abgesehen von den Kommissionsarbeiten, zu deren Beschleunigung einige sitzungsfreie Tage gegeben werden dürften, liegt noch zahlreiches Material an Initiativanträgen und an Kommossionsberichten über Petitionen für die Plenarversammlungen vor, sodaß es auch in der Zwischenzeit bis die größeren gesetzgeberischen Vorlagen aus den Kommissionen wieder an das Plenum gelangen, diesem an Berathungsstoff nicht fehlen wird.
— Zwischen der bremischen Regierung und dem preußischen Staat schweben Verhandlungen wegen Abtretung von ettoa 400 Hektar preußischen Gebietes, die hauptsächlich zur Erweiterung der Bremer Hafenanlagen dienen sollen.
— Der Reichsanzeiger veröffentlicht den Nachtragsetat betreffend die 1 300 000 Mk. nachträglich bewilligten Beihilfen für die Invaliden.
— Der Kultusminister hat angeordnet, daß auf allen preußischen Universitäten Anfangskurse im Griechischen für die auf realistischen Lehranstalten vorgebildeten Studierenden eingerichtet werden. Das Honorar- für den Kursus darf den Höchstbetrag von 20 Mark nicht überschreiten. Sollte infolge geringer Tseilnehmer- zahl sich herausstellen, daß der Kursus für den Leiter sinanziell nicht lohnend ist, so wird ihm aus der Uni’ versitütskasse ein angemessener Zuschuß gewährt. Angenommen wird, daß sich innerhalb der philosophischen Fakultät geeignete Kräfte für die Aufgabe finden werden. Sollte dies nic^t der Fall sein, so soll ein tüchtiger Lehrer einer höheren Schule mit der Abhaltuug des Kursus beauftragt werden.
— Der preußische Handelsminister hat eine Umfrage darüber angeordnet, ob bei Einführung von Gewichten zu 125 und 250 Gramm ein Bedürfniß sei.
7'- — Die Berliner Handelskammer hat Donnerstag ihre 1. Sitzung abgehalten und in dieser sich dahin entschieden, alw Wahlen für giftig zu erklären und über die Wahproteste zur Tagesordnung überzugehen.
— Der deutsche Verein für das Fortbildungsschul- Wesen hat sich durch seine energische, in ihren Zielen
aber maßvolle Thätigkeit das Vertrauen weiterer Kreise errungen. Dies erfolgt auch aus der Thatsache, daß dem Verein für das Jahr 1902 wieder ansehnliche Unterstützungen gewährt wurden, und zwar vom Reichskanzler Grafen von Bülow 3000 Mk., vom Handels- minister Möller 1000 M., vom sächsischen Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts 300, von der Stadt Leipzig 300 Mark und vom Ministerium des Elsaß-Lothringen 100 Mark. Unter den zahlreichen Mitgliedern, welche in jüngster Zeit dem Vereine beigetreten sind, befindet sich auch die Regierung des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen.
— Die Manöver unserer Herbstübungsflotte versprechen diesmal besonders großartig zu werden. Es werden nicht weniger als 10 Linienschiffe, 4 Küsten- panzerschiffe, 3 große, 4 kleine Kreuzer üben; hierzu kommen noch das Schulschiff „Grille" und die Torpedo- bootsflotille. Das erste der beiden Geschwader wird Prinz Heinrich kommandireu. Die Manöver leitet Admiral v. Köster.
— Das Ordensfest auf der Marienburg, das am 5. Juni in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin abgehalten wird, zerfällt, wie der „E. Ztg.„ mitgetheilt wird, in einen kirchlichen und einen weltlichen Theil. Eine Stunde vor dem Gottesdienst haben sich die Mitglieder des Ordens sowie die fremden Vertreter im großen Remter des Hochmei- sterschloffes einzufinden, wo sie von dem Herrenmeister begrüßt werden. Hier im Remter bildet sich der Zug nach der Kirche in folgender Weise: Ein Ordensmarschall mit dem Marschallstabe; die drei besonders befohlenen Ehrenritter, der Herzog von Altenburg, der Herzog von Anhalt und der Fürst zu Schwarzburg, deren Erscheinen aber aus gesundheitlichen Rücksichten fraglich ist; die Rechtsritter, mit Ausnahme der Mitglieder souveräner Häuser, paarweise geordnet, nachdem Datum, an dem sie den Ritterschlag erhalten haben, die jüngst aufgenommenen an der Spitze; ein Ordensmarschall mit dem Marschallstab; dieKommendatoren n. Ehrenkommendatoren paarweise geordnet, nach dem Datum ihrer Ernennung des jüngst ernannten an der Spitze;die Abordnungen des englischen Johanniterordens und der Ballei Utrecht des deutschen Ordens; die Prinzen souveräner Häuser, die Mitglieder des Johanniterordens sind; der Ordenshauptmann, das Ordensschwert mit der Spitze nach oben in der Scheide tragen; der Herrenmeister und zuletzt der' Kaiser und König. Die Theilnehmer des Zuges tragen hier Johanniteruniform mit dem Or
bem von den Unionsbehörden die Mitfahrt bereitwilligst gestattet worden ist und der seine Wahrnehmungen wie Frühstückstafel statt und nach ihr die Besichtigung des folgt übermittelt: Fort de France, 21. Mai. Der nord- Schlosses, ' I amerikanische Hilfsdampfer „Dixie" fuhr nachts an dem
— Die deutsche Lehrerversammlung in Cheumitz rauchenden und blitzenden Pelse vorbei. Die Blitze sprach sich für die Gewährung des Rechts an die waren verursacht durch dasselbe ausströmende Gas, Lehrer, die Universität zu besuchen, und für Vermehrung welches die in St. Pierre Verunglückten getödtet hat. der Volksbildung aus. Als Ort der nächsten im Jahre Deren Zahl scheint glücklicherweise in den ersten Berichten 1904 stattfindenden Versammlung wurde Königberg i. übertrieben zu sein. Intelligente Einwohner von Fort Pr. gewählt. ' Ibe France beziffern sie auf zehntausend, andere höher,
— Charlottenburg steht in dem Durchschnitts-Ein-, aber Niemand mehr als auf 25 000. Hier herrscht kommen ihrer Bürger an zweiter Stelle in Deutschland.' heute glühende Hitze, die den Eindruck einer schmutzigen,
densmantel. Nach der feierlichen Kirchweihe findet eine
Nebertroffen wird sie nach dem „Berl. Tagebl. , ......,
von Frankfurt a. M., während Berlin erst an zwölfter Die Stadt ist durchaus nicht üb erfüllt; immerhin traf Stelle folgt. 93 Einwohner Charlottenburgs haben ich in den Straßen zwei Gruppen von je etwa 50 über 100 ÖOO Mark Jahreseinkommen. j Flüchtlingen tnit ihrer Habe, denen Beamte Unter-
Düsseldorf. Ein internationaler Bergarbeiterkon- j kommen anwiesen. Sie waren geflüchtet infolge der grcß schloß sich am Sonntag in Düsseldorf an die ‘ gestrigen Panik, die hervorgerufen wurde durch den Generalversammlung des deutschen Bergarbeiterverbandes neuen Ausbruch des Vulkans um 5 Uhr Morgens, an. Deutschland war durch 50 Delegirte, England Bei diesem wurden pflaumengroße Steine bis Fort de durch 41, Frankreich durch 14, Oesterreich durch 8, j France geschleudert und die Luft verdunkelt. Die Ein- Belgien durch 6 Delegirte vertrete». Den Vorsitz wohner flohen erschreckt an den Strand und suchten führte Generalsekretär Pickardt-London. Der sozial- Zuflucht int Wasser und auf den Schiffen, die meist demokratische Reichstagsabgeordnete Sachse gab der vollgedrängt abfuhren. Die Panik hält an. Die Neger Hoffnung Ausdruck, daß durch den Kongreß die inter- erwarten Dampfer, die sie nach Guadeloupe bringen nationale ^Vereinigung der Arbeiter gefestigt werde, sollen. Der Peläe raucht noch stark, ein neuer Aus- Die Verhandlungen wurden in drei Sprachen geführt: bruch ist sehr möglich. Die Insel St. Vincent soll englisch, französisch und deutsch. Der Kongreß nahm nach hier eingegangenen Berichten wegen der andauern- mit allen gegen die Stimmen von drei englischen Dele- den Gefahr völlig geräumt werden. Die „Dixie" geht girten eine von der englischen, belgischen und französischen dorthin ab, da Hilfe nöthig ist. Hier waren auch Bergarbeiterorganisation eingebrachte Resolution auf die Lebensmittel zeitweise knapp und Hilfe nöthig, aber gesetzliche Einführung des Achtstundentages in Be-. Niemand hat gehungert. Die fallenden Steine sind trieben über und unter der Erde an. Ferner beschloß; alte Lava; flüssige hat der Ausbruch bis hierher nicht der Kongreß mit großer Mehrheit die Abschaffung des' gebracht, nur Schlamm. In St. Pierre sind bis jetzt sechstausend Leichen gesunden worden. — Fort de in der ver- ^France, 23. Mai. In St. Pierre wird, da man einen »Ausbruch des Peläe befürchtet, keine Arbeit vorgenoin-
Berliner Reglements.
Köln, 23. Mai. Erzbischhof Semnar ist gangenen Nacht.
Hamburg. Der deutsche Dampfer „Ehrenfels", von Kalkutta nach Hamburg bestimmt, ist am 9. Mai unter dem 12. Grad nördlicher Breite und 56. Grad östlicher Länge untergegangen. Ein Theil der Bemannung ist in Aden gelandet, der Kapitän und 40 Mann, welche das Schiff in Booten verlassen hatten, werden vermißt.
Aus Sachsen, 21. Mai. Der Wunderdoktor Decker aus Gelenau wurde vom Cheninitzer Landgericht wegen Betrugs im Rückfalle zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus verurtheilt. Der Mann durchstreifte das Erzge- girge und gab überall vor, als Sohn eines Scharfrichters sei er im Besitz geheimer Kräfte, mit denen er Kranke gesund mache. Gegen die meisten Gebrechen wandte er für theures Geld ein Gemisch von mit aromatischen Oelen durchsetztem Urin an. Natürlich wurde davon kein Kranker gesund. Das Gericht erblickte in dem Angeklagten nicht einen einfachen Kurpfuscher, sondern einen auf Betrug ausgehenden Schwindler und verurtheilte ihn daher entsprechend.
Ausland.
Rom, 21. Mai. Ueber ganz Mittel-Italien wüthete gestern ein Cyklon. Der Bahnverkehr mußte theil- Weise eingestellt werden:
Neapel, 26. Mai. Der König und die Königin trafen gestern Abend hier ein, um sich nach Palermo zur Eröffnung der Ackerbauausstellung zu begeben. Während der Zug am Arsenal anhielt, schleuderte ein Mann Steine gegen den Zug. Der Thäter wurde sofort verhaftet und verhört. Er heißt Vincenze Guerriero und ist wegen Diebstahls vorbestraft. Im Augenblicke seiner Verhaftung bereitete die Menge den Majestäten eine stürmische Kundgebung.
Holland. Das Befinden der Königin Wilhelma ist andauernd sehr zufriedenstellend. Die Fürstin nimmt jetzt nicht mehr ausschließlich flüssige, sondern auch feste Nahrung zu sich. Weil man mit der Desinfektion des Krankenzimmers begann, siedelte die Königin nach dem anderen Flügel des Schlosses Loo über.
St. Pierre. Neue Feststellungen über die Lage auf Martinique. Das erste, mit bedeutenden Hilfsmitteln für die Verunglückten aus Martinique ausgelaufene nordamerikanische Schiff, die „Dixie", hat vorgestern nach sechstägiger glücklicher Fahrt die Hauptstadt der Insel glücklich erreicht. An Bord des Dampfers befand sich auch ein Spezialberichterstatter des „Berl. L.-A.",
Deutschland. Heute glühende Hitze, die den Eindruck einer schmutzigen, agebl." nur übelriechenden französischen Landstadt noch verstärkt.