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Samstag, den 24. Mai 1902.
53. Jahrgang.
RsKolillN^OI, °"f bk -Schlüchrerner Zeitung» gJvpitUUliyvIltoerbcn nod) fortwährend von allen - ■ --—^^-!_!^_ Postanstalten undLandbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Ter Kaiser der Dienstag Nachmittag Berlin verließ, traf Mittwoch Vormittag in Kürzel bei Metz ein, von wo aus er sich nach Schloß Urville begab, lebhaft begrüßt. Am Bahnhof waren u. A. Generaloberst Graf Hüseler zum Empfange erschienen. Militär, Kriegervereine und Schulkinder bildeten Spalier. Nachmittags empfing der Monarch den Stadthalter Fürsten Hohenlohe-Langenburg, den Staatssekretär v. Köller und die Vertreter des Landesausschusses.
— Die Kaiserin spendete zur Sammlung des Roten Kreuzes aus Anlaß der Katastrophe von Martinique 1000 Mark.
— Kronprinz Wilhelm traf am Dienstag zur Jagd in Oels (Schlesien) ein. Der Aufenthalt ist auf fünf Tage berechnet.
— Zuverlässigen Nachrichten zufolge hat der Kaiser der Bonner Studentenschaft zugesagt, einen ihm für seine Anwesenheit in Bonn (17. bis 10. Juni) zugedachten Fackelzug anzunehmen.
— Der junge König von Spanien ist vom Kaiser Wilhelm zum Chef des 3. Magdeburgischen Jn- fanterie-Regiments ernannt worden.
- - Die Enthüllung des Denkmals der Kaiserin Friedrich zu Homburg ist für den b. August in Aussicht genommen. Die von Uphues in doppelter Lebensgröße modellierte Büste wird jetzt in Laaser Marmor hergestellt. Das Haupt der Kaiserin schmückt ein Dia- dem: ihre linke Hand hält eine Rose. Auf den Stufen des schlanken Granitpostaments liegt eine von Rosen und Passionsblumen durchflochtene Palme, die inj^r^e-. gegossen ist.
— Der Reichstag wird nun vielleicht doch zeitig im Juni bis zum Herbst vertagt werden, wenn es sich als unmöglich herausstellen sollte, die Zucker- und Branntweinsteuervorlage sowie das ostafrikanische Eisenbahngesetz zu erledigen. Und namentlich das Zuckersteuergesetz ist eine harte Nuß.
— Offiziös wird bestätigt, daß eine Vorlage betr. Maßnahmen zur Stärkung des Deutschthums in den Provinzen Westpreußen und Posen dem preußischen Abgeordnetenhause nach dem Pfingstfeste zugehen werde.
— Die nächste Sitzung des Abgeordnetenhauses dürfte am 27. Mai stattfinden und in dieser alsbald die Polenvorlage berathen werden, falls diese bis dahin dem Hause zugegangen sein sollte. — Der Gesetzent- entwurf betreffend Ausführung des Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetzes ist dem Abgeordnetenhause zugegangen.
— Am 29. d. Mts. trifft der Schah von Persien in Potsdam ein -und nimmt Wohnung im Schloß Orangerie. Der Kronprinz von Siam trifft am selben Tage dort ein und nimmt Quartier im Stadtschloß. Am 30. d. Mts. findet die Frühjahrsparade in Berlin statt.
— Nach den letzten Nachrichten aus Deutsch-Süd- lvestafrika war der Bau der Eisenbahn Swakopmund- Windhoek am 31. März d. Js. mit seiner Spitze bei Kilo meter 340 angelangt, während der Unterbau ungefähr bis zur Militärstation Brakwater (Kilometer 36u) fertiggestellt war.
- Die Einnahme an Wechselstempelsteuer im Deutschen Reiche betrug im April d. J. 1075 992,60 Alk, gegen 1216 713,80 Mark im gleichen Zeitraum des Vorjahres, also 140 721,20 Mk. weniger.
— Die polizeiliche Kennzeichnung der Motorwagen erfolgt neuerdings in Preußen durch große Buchstaben. Für Berlin ist gewählt, für Ostpreußen C, Westpreußen D, Brandenburg E, Pommern H, Posen I, Schlesien K, Sachsen M, Schleswig-Holstein P, Hannover S, Hessen-Nassau T, Westphalen X, Rhein- Provinz Z.
Erbach, ließ die Administration des Schloßgutes Reinhartshausen, das den Prinzen Albrecht von Preußen gehört, eine Weinversteigerung abhalten, bei der ganz außerordentliche Preise erzielt worden sind. So kam ein Halbstück (500 Liter) Erbacher Herrenberger auf "020 M und ein solches Marcobrunn auf 14 000 Mark. Von letzteren käme sonach das Liter 28 Mark.
getroffen waren, um die Leichen des amerikanischen und englischen Consuls aus St. Pierre zu holen, gingen schleunigst wieder in See.
Spanien. Die Ceremonie der Eidesleistung König Alfons XUJ. war nur von kurzer Dauer und verlief programmgemäß. Der König nahm auf dem Throne Platz. Während sich auf die Aufforderung des Königs hin Senatoren und Deputirten setzten, schritt der ; Präsident der Deputirtenkammer zum Throne und richtete an den König die Bitte, den Eid zu leisten. Der König erwiderte: „Ich schwöre bei Gott und den Evangelien, die Verfassung und die Gesetze zu beobachten." Laute Zurufe der Versammlung folgten diesen Worten des Königs. Darauf verließ der feierliche Zug das Parlamentsgebäude und setzte sich nach der Kirche St. Francisco el Grande in Bewegung, wo ein Te deum stattfand. Auch auf diesem Wege hielt eine gewaltige Menschenmenge die Straßen besetzt; Truppen bildeten Spalier. Der König betrat die Kirche unter einem Baldachin, der von 6 Priestern getragen wurde, und begab sich zu dem Thronsessel, gefolgt von 2 Kardinälen und ungefähr 30 Bischöfen. Dem Te deum wohnten die fremden Fürstlichkeiten und Gesandtschaften sowie die Senatoren und Deputirten bei. Dem Publikumn war der Eintritt in die Kirche nicht gestattet worden. — Meldungen von einem Attentat auf den jungen König Alfonso bei seiner Fahrt in den Parlamentspalast zur Ablegung des Eides auf die Verfassung kommen aus Madrid und sie erhielten im ersten Augenblick eine gewisse Bestätigung dadurch, daß der Präsident der Carles in der That den Abgeordneten mittheilte, auf den jungen König sei ein Attentat verübt, das aber, dem Himmel sei Dank, nicht gelang. Ein junger Mensch sollte sich mit einem Dolch oder Revolver, der in einem Blumenstrauß versteckt war, an den Königswagen .herangedrängt haben, im ' letzten Moment aber von dem Haushofmeister, der dabei an der Hand verwundet wurde, entwaffnet worden sein. Zum Glück war der Vorfall ein harmloser: Ein 23jähriger früher irrsinniger Kellner drängte sich mit einem Bouquet an den Wagen, also trotz aller scharfen Absperrungsmaßnahmen, und schwenkte seinen Hut, wnrde aber, bevor er etwas Weiteres anrichten konnte, feftgenommen, Er hatte keine Waffe bei sich, wohl aber einen Liebesbrief an des Königs Schwester. Der Mensch hatte schon früher einmal die Königin Marie Christine durch Ueberreichung eines Blumenstraußes belästigt und war deswegen zu mehreren Wochen Gefängniß verurtheilt, die er vor Kurzem abgemessen hatte. Er ist also fein politischer Verbrecher. Die Bevölkerung von Madrid aber glaubte zuerst allenthalben an ein Attentat, daher auch die obenerwähnte Kundgebung des Kammerpräsidenten, und bereitete bem „geretteten" jungen König endlose Ovationen. Der Rest der Feierlichkeiten verlief dann ohne Zwischenfall. Mehr Ernst hat eine andere Nachricht: eine anarchistische Verschwörung ist entdeckt, die darauf abzielte, den (König am ersten Tage seiner Regierung durch ein Dynamitattentat zu tobten. Sechs Personen hatten sich unter der Führung eines Dieners in einer Versicherungsgesellschaft, eines gewissen Gabriel Bopatz, zu dem abscheulichen Verbrechen verbunden. Alle sechs sind verhaftet; unter den Festgenommenen befindet sich ein Setzer, Tischler, Maurer, Steinmetz rc. Neun Dynamit- Patronen wurden gefunden. Bopatz gestand ein, daß eine davon unter dem Königswagen geworfen werden sollte. König Alfonso hat also in einer furchtbaren Gefahr ’ geschwebt. Die spanische Regierung wird jedenfalls eine außerordentliche Wachsamkeit entfalten müssen, wenn sie den jugendlichen König vor den allerernfteften Gefahren schützen will. Und mit dieser Wachsamkeit wird eine rechte Politik Hand in Hand gehen müssen.
— Das Madrider Amtsblatt veröffentlicht eine Proklamation des Königs an die Armee und die Marine, worin der König sagt: „In dem Augenblicke, wo ich selbst das Kommando über Armee und Marine, übernehme, erfülle ich eine Pflicht, die meinem Herzen hohe Befriedigung gewährt. Als König, als General, als Spanier und als Soldat begrüße ich Euch. Tapferkeit, Muth, Energie, Ausdauer, Disziplin, Patriotismus, altes das besitzt Ihr zum Wohle und Gedeihen des Vaterlandes. Ich werde Euch stets
Neuß n. Rh., 20. Mai. Gestern Montag Abend 11 Uhr fuhr infolge falschen Signals zur Abfahrt des Vorzuges des Personenzuges 4i7 von Aachen nach Düsseldorf bei der Einfahrt in den Bahnhof Neuß einem Güterzug in die Flanke und entgleiste. 8 Wagen sind zertrümmert, ein Reisender blieb gleich todt. 4 sind schwer, 44 Personen leicht verletzt. Hülfe und Aerzte waren gleich zur Stelle. Der Personenverkehr wird durch llmfteigen aufrecht erhalten. Eine Untersuchung ist eingeleitet.
Chcmnitz, 20. Mai. Zu der gestern zusammen- getrtenen deutschen Lehrerversammlung sind mehr als 3000 Lehrer und Lehrerinnen aus allen Teilen der Reiches eingetroffen. Außerdem haben das Unterrichtsministerium sowie die städtischen Schulbehörden und anderen großen Städten ihre Vertreter entsandt. Auf der Tagesordnung stehen zahlreiche fachwiffen- schaftliche Vorträge und Erörterungen pädagogischer Fragen. Mit der Versammlung ist eine Lehrmittel- Ausstellung verbunden. An die geschäftlichen Verhandlungen, die Donnerstag Vormittag ihren Abschluß finden, reihen sich gesellige Veranstaltungen, darunter Ausflüge ins Riesengebirge.
Gndeusberg, 19. Mai- Eine besondere Ehrung ist, wie man dein „C. T." schreibt dem hiesigen Maurermeister Christian Möbus zu teil gewerden. Derselbe ist seitens des Deutschen Schützenbundes zu dem italienischen Nationalschießen, das Dom Bunde mit 5 Schützen beschickt wird, delegiert worden. Das italienische Diatb onalschießen findet Ende Mai in Rom statt. Mit demselben zugleich ein großes internationales Wettschießen sämtlicher größeren europä ischen Staaten verbunden. Der Deutsche Schützenbund, dessen Centrale in Nürnberg ist, kommt für sämtliche Kosten auf, die den Delegiertn durch diese Reise erwachsen.
j£nutfeuberg,19. Mai. Dieser Tage war eine KommissionQbestehend^us Vertretern des Kultusministeriums, des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten und des Provinzial-Schulkollegiums hier anwesend, um mit den städtischen Behörden wegen der Seminarfrage weiter zu unterhandeln.
Wolfsanger, 22. Mai. Im Stecher'schen Steinbruch fand Bruchmeister Fleichmann sehr gut erhaltene, versteinerte Thiergestalten vorsintfluthlicher Zeit, die in den Besitz des Herrn Bauunternehmers Stecher über- gingen.___________ ____________________
Ausland.
Italien. In Gegenwart des Königs, der Königin, der Minister, des diplomatischen Korps, sowie zahlreicher Abordnungen von Schützen-Vereinen aus Italien und dem Auslande wurde Sonntag Vormittag auf den Schießständen bei Farsina zu Rom das vierte allgemeine nationale Schützenfest eröffnet. Ministerpräsident Zanardelli hielt eine Ansprache. Der König gab die ersten Schüsse ab. Der König und die Königin wurden bei der Ankunft und Abfahrt von der Menschenmenge lebhaft begrüßt.
Ncwyork, 19. Mai. Aus Coal Creek (Tennessee) wird gemeldet, daß in der Fraterville- und Thistle -Kohlengrube eine Explosion erfolgte, die 150 Menschen das Leben gekostet habe, nur ein Mann sei gerettet worden.
Goliad (Texas), 18. Mai. Ein Wirbelsturin hat gestern Abend hier großen Schaden angerichtet. Drei Kirchen und etwa 100 Häuser wurden zerstört, 9u Personen wurden getödtet. Gegen 100 erlitten Verletzungen. Die Telegraphenlinien find unterbrochen.
St. Pierre. 20. Mai. Heute srüh 6 Uhr entlud sich ein starker Aschenregen mit ungeheurer Schnelligkeit über Fort de France. Die Strahlen der ausgehenden Sonne ließen denselben als mit zuckenden Flammen durchsetzt erscheinen. Die Erscheinung war von dumpfem Rollen begleitet. Während dieser neuen Thätigkeit des Vulkans entstand eine gewaltige Panik. Die Bevölkerung flüchtete entsetzt tiach allen Richtungen. Etwa 2« >000 Menschen durcheilten während des Aschen- und Steinregens voller Schrecken unter lautem Jammer die Straßen.' Viele warfen sich auf die Knie und beteten. Andere retteten sich auf Schiffe. Die See wurde durch große Massen, die sich von Mont Pelee aus neu sich öffnenden Kratern ergossen, stellenweise zum Kochen gebracht. Das amerikanische Schiff „Potomatc,, und der englische Kreuzer „JndfattPable", welche ein-