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SchUchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. - Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Rauin 10 Psg.

X 38. Samstag, den 10. Mai 1902. 53. Jahrgang.

"Uf dieSchlüchrerncr Zeitung- Dksl-kURil^tll werden noch fortwährend von allen ^r.. -'^ -------- - Postanstalten und Landbriekträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen

Roon-Denkma I! Unter dem Protektorate

Sti»er W. Mit -es Prinze» Albrecht von Preutze«,

Regenten des Herzogthums B^aunschweig.

Ausruf au das Deutsche Volk!

Am 30. April 1903 werden 100 Jahre seit dem Geburtstage Albrecht von Roon's verflossen fein, und noch ziert kein Denkzeichen die Stadt, in welcher er als Kriegsminister unseres unvergeßlichen, großen Kaisers für das Wohl Deutschlands und Preußens unermüdlich geschafft und gearbeitet hat. Verdankt doch, nächst dem Kriegsherrn selbst, das Vaterland ihm und seiner nie rastenden Thätigkeit das gewaltige Rüstzeug, welches das Mittel zur Begründung deutscher Einheit und nationaler Selbständigkeit geworden ist.

In diesen Tagen, in welchen das Denkmal für den eisernen Kanzler enthüllt worden ist, in welchem das Heer zu gemeinsamem Streben sich verbunden hat, dem großen Feldherrn an der Stelle seines Wirkens ein Monument zn errichten, darf Roon's nicht vergessen werden; es gilt, eine Ehrenpflicht einzulösen, weiche das geeinte Deutschland dem Organisator seines Heeres schuldet.

So mögen denn die Deutschen aus Nord und Süd, ohne Rücksicht auf den Standpunkt der Parteieu und den Zwiespalt der Meinungen, den unsterblichen Ver­diensten Albrecht von Roon's Gerechtigkeit widerfahren lassen und den Dank des Deutschen Volkes durch Errichtung eines seiner vaterländischen Bedeutung würdigen Denkmals in der Hauptstadt des wieder er­standenen Reiches zum lebendigen, und dauernden Aus­druck zu bringen.

Berlin, den 2. November 190.

$05 ksniits für klrilhtilus eines AooMftkmts.

Der geschäftsführende Ausschuß: Graf v. Bülow, Reichskanzler, Vorsitzender u. Goßler, Staats- und Kriegsminister, Schriftführer. Hafeusteiu, Präsident der Seehandlung, Schatzmeister.

Friedrich, Erbgroßherzog von Baden, General d. $nf. kommand. General d. VIII. Armeekorps.

Bernhard, Erbprinz von Sachsen-Meininge», General d. Juf. kommand. General d. VI. Armeekorps.

Die Unterzeichneten haben für den Regierungs­bezirks Cassel einen Unter-Ausschuß zu Gunsten der Errichtung eins Roon-Denkmals in Berlin gebildet und ersuchen um gütige Beiträge zur Unterstützung des patriotischen Werkes.

Jeder der Unterzeichneten ist bereit, Gaben hierfür in Empfang zu dehmen.

Ueber die eingehenden Beträge wird öffentlich Quittung ertheilt werden.

Cassel, 17. April 1902.

Der geschäftsführende Ausschuß: Flitter, Oberbürgermeister. Boedicker, Stadtkassenrath, Mitglied des Magistrats. Carl Henschel, Fabrikbe­sitzer. Gustav Plant, Bankier. Steinmeister, Polizei- Präsident.

Roth, Geh. Regierungsrath, Königlicher Landrath, zu Schlüchtern, Salomon, Bürgermeister, daselbst, Hebel, Forstmeister zu Salmönster, Kohlhepp, Gastwirth zu

Schwarzenfels.

~ Deutsches Reich

Berlin. Die Kaiserin, welche der Kaiser zum Bahn­hof begleitete, ist gestern Abend 8 Uhr nach Baden- weiler abgereist. Der Kaiser begab sich alsdann zum Reichskanzler und reiste mit Sonderzug um 11/* Uhr >iit Gefolge nach Straßburg, von wo er sich nach der Hohkönigsburg und später nach Wiesbaden begibt. Im Gefolge des Kaisers befinden sich Hofmarschall von "oth, die Generaladjutateu v. Plessen und v. Schoh, Flögeladjutaut v. Plüskow, Oberstabsarzt Dr. Jlberg, Gesandter v. Tschirsky, Geh. Kabinetsrath v. Lucanus und der Chef des Militärkabinets v. Hülsen-Hüseler.

Die Trauerfeier für Prinz Georg von Preußen fand am Montag in dessen Palais in Gegenwart des Kaiserpaares statt. Nach der Einsegnung der Leiche die Generalsuperintendent Faber vornahm, ging die Ueber- führung nach der Dom-Jnterimskirche vor sich. Wäh­rend der mit Purpurdecke, der Prinzenkrone und den Kränzen der königlichen Familie geschmückte Sarg auf den sechsspännigen Leichenwagen gestellt wurde, schlugen die Tambours einen Marsch mit gedämpften Trommeln; die Musik- und Trompeterkorps bliesen einen Choral, die Truppen erwiesen Honneurs, die Feldzeichen senkten sich und ein Batterie des 1. Garde-Feldartillerieregiments feuerte einen Salut von dreimal zwölf Schöffen. Unter den Klängen eines Trauermarsches eröffnete die Trauer­parade den Leichenzug. Der Kaiser schritt hinter dem Sarge. Solange die Leiche bis zur Beisetzung auf Schloß Rheinstein bei Bingen im Berliner Jnterims- dom bleibt, zieht ein Doppelposten vor biefem auf.

In der Zvlltarifkommisfion des Reichstages brächte der Freikonservative Gamp folgende Resolution ein:Mit Rücksicht auf die Erklärungen des Vertreters der verbündeten Regierungen in Bezug auf die Zollsätze in Position 237 keinerlei vertragsmäßige Verbindlich­keiten anderen Staaten gegenüber eingehen zu wollen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, mit möglichster Beschleunigung in eine Erwägung darüber einzutreten, ob nicht durch Einführung verschiedener Zollsätze für Rohpetroleum und gereinigtes Petroleum die Schaffung einer inländischen Raffinerie-Jndrustie geboten ist, und einen diesbezüglichen Gesetzentwurf dem Reichstage vor- zulegen," Die Resolution wurde angenommen. Die Vorlage wurde bei der Position 237 darauf in einer Gesammtabstimmung genehmigt, also Petroleum u. s. w. !0 M., andere Oele 6 Mk.

Der LloyddampferMam" mit 50 Offizieren, 90 Deckoffizieren und 1700 Mann, die als Ablösung für das ostasiatische Geschwader bestimmt sind, ist am Sonnabend von Bremerhaven aus in See gegangen.

Biebrich, 5. Mai. In der Farbenfabrik von Kallo & Co. fand am Samstag Abend zwischen 6 und 7 Uhr eine Explosion statt. Zwei große feststehende eiserne Druckkessel, welche mit Säure gefüllt waren, flogen in die Luft. Glücklicherweise hatte das Gros der Arbeiter schon um 5 Uhr Feierabend gemacht. Auch sonst waren nur wenige Leute in der Fabrik, sodaß Menschenleben nicht zu Schaden gekommen sind. Wie heftig die Explosion war", geht daraus hervor, daß die mehrere Zentner schwere Deckel der Kessel durch das Gebälk und das Dach des Kesselhauses hindurch- flogen und etwa 50 Mieter von der Unfallstelle nieder­fielen. Der Schaden ist bedeutend, die Ursache der Explosion noch nicht festgestellt.

Bingeu, 6. Mai. In Elsheim biß ein junges Mädchen ihremSchatz" aus Eifersucht die Nase ab.

Zschortau, 4. Mai. Wie schon kurz berichtet, ent­gleiste vergangenen Samstag Morgen 4 Uhr auf dem Zschortauer Bahnhöfe der von Leipzig nach Berlin über Bitterfeld fahrende V-Zug Nr. 21 infolge Bruchs einer Tenderachse. Von den Reisenden wurden 2 ge- tödtet: der Reichstagsabgeordnete Friedel-Bayreuth und Frau Hirsch; zwei Personen, eine Dame und ein junges Mädchen, wurden schwer und sechs andere Passagiere leicht verletzt. Die getödtete Dame trug einen Trauring mit der Inschrift:Verheirathet Nizza 1871," Mit furchtbarer Vehemenz müssen die am meisten von dem Unfälle betroffenen Wagen aus dem Geleise gesprungen sein. Glücklicherweise war der Zug verhältnißmäßig schwach besetzt. Der erste Per­sonenwagen kippte nach rechts um, der zweite nach links, während der Küchenwagen sich an beiden vorbei auf dem Geleise vorwärts schob. Die Lokomotive, der Tender und der Packwagen rissen sich los, rasten noch etwa 600 Meter weiter und blieben dann auf freiem Felde auf den Schienen stehen. Die letzten Wagen entgleisten ebenfalls nicht. Die beiden Ge- tödteten befanden sich im ersten und zweiten Wagen. Sie weisen schwere Schädelbröche auf. Eine Dame, die durch Theile des Wagens eingekeilt war und einen Bruch des linken Armes erlitten hat, wurde nach Be­seitigung der Hinternisse aus ihrer Lage befreit und aus dem Wagen herausgeholt. Der Koch im Köchen- wagen schlief bei dem Unfälle in der Hängematte. Er kam mit einer Beule am Kopfe davon, die siebzehn-

jährige Charlotte, Doering, Tochter des Bauunter- nehmers Doering. in Bitterfeld, erlitt eine Verwundung am Röcken, die Musiklehrerin Lilli Mannes, zuletzt in Freising, einen Kniescheibenbruch. Die Schwerver­wundeten wurden nach dem städtischen Krankenhause in Leipzig übergeführt. Ueber die Entstehung der Katha- strophe hat sich der Zugführee wie folgt geäußert: Die dritte Achse des Wagens war mitten durchge- brochen. Das hatte Erschütterungen verursacht, durch die ich mich veranlaßt fühlte, die Luftbremse zu ziehen. Unter dein Widerstreite zwischen der Schnelligkeit, mit welcher der Zög dahin sauste und dein unvermittelten Gebote zum Stillstehen war die Kuppelung gebrochen, die den Packwagen mit dem übrigen Train verband. Lokomotive, Tender und Packwagen stürmten weiter, aber die zunächst folgenden Waggons waren ihres Haltes plötzlich beraubt und stürzten um. Die Noth­bremse hat jedenfalls ihre Schuldigkeit in vollstem Maaße gethan. Wäre der Zug mit dem die Schienen entlang schleifenden Tender nur noch eine kurze Strecke mitgefahren, so hätte der ganze Zug unfehlbar ent­gleisen müssen und noch schwereres Unheil wäre die Folge gewesen."

Eine furchtbare That hat in Nürnberg eine 91 jährige Arbeiterin vollführt. Das junge Mädchen sollte auf Verlangen der Eltern ein Liebesverhältniß auf­geben. Dies nahm sich die Unglückselige dermaßen zu Herzen, daß sie zu sterben beschloß. Sie stürzte sich in die Pegnitz und nahm ihren fünfjährigen Stief- bruber und ihre dreijährige Stiefschwester mit in den Tod. Die Leiche des kleinen Mädchens wurde bereits aus dem Wasser gelandet.

Ausland.

Italien. Die vom König, von Italien begnadigten vier amerikanischen Marineoffiziere wurden sofort an Bord gebracht, wo der. Kommandant Arrest über sie verhängte. Vorher hatte der amerikantsche Konsul den durch die Amerikaner verletzten Bürgern den zuge­sprochenen Schadenersatz geleistet, sowie sämmtliche Gerichts- und Anwaltskosten beglichen.

Sofia, 6. Mai. Als sich der Fürst gestern im offenen Wagen zur Eröffnungsfeier der Sobranje begab, sprang ein scheugewordenes Pferd eines Garde- offiziers über den Wagen. Der Fürst blieb unverletzt.

Holland, 5. Mai. Die Königin Wilhelmina ist gestern Abend vorzeitig entbunden worden. Ihr Zu­stand ist ernst. - Die letzten Nachrichten vom Kranken­bette der hohen Patientin lauteten so günstig, daß man hieraus schließen mußte, jede Gefahr sei beseitigt und die Königin werde ihrer baldigen völligen Genesung entgegensehen. Um so überraschender kommt nun die neue Bortschaft, wonach man fast das schlimmste be­fürchten muß. Mit dem holländischen wird auch das an bem Befinden der Königin herzlichen Antheil nehmende, deutsche Volk den aufrichtigen und innigen Wunsch hegen, daß es der guten Natur der Königin im Verein mit der Kunst der Aerzte unter Gottes Beistand ge­lingen möge, das kostbare Leben der hohen Frau zu erhalten.

Holland, 7. Mai. Gestern Abend um 11 Uhr fand ein Berathung der Aerzte statt, doch wirb über das Ergebniß völliges Stillschweigen beobachtet. Da nach der Besprechung zahlreiche Telegramme aus dein Schlosse abgingen, vermuthet man, daß die Lage noch immer ernst und wahrscheinlich ernster ist, als wie in den amtlichen Bulletins zugestanden wird. Die Königin ist, wie von anderer Seite verlautet, sehr schwach, die Nahrungsaufnahme ist äußerst gering.

Nord-Amerika. In den Vereinigten Staaten soll jetzt energisch gegen die Trusts (Ringgesellschaften) vor­gegangen werden, welche die Lebensmittel in außer­ordentlicher Weise vertheuert haben, daß namentlich das Fleisch kaum noch zu bezahlen ist. Viel herauskommen wird dabei doch nicht, denn die nordamerikanischen Spekulanten wissen nur zu gut, wie sie bei solchem Ansturm sich zu benehmen haben. Wüßten sie das nicht, mürben sie die Preisschraube überhaupt nicht so scharf anziehen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 9. Mai.

* Die Witterungsaussichten für den Monat Mai scheinen sich noch nicht zu ändern. Rudolf Falb