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v. Loe, der Präsident des Abgeordnetenhauses, die Regierungspräsidenten von Düsseldorf und Koblenz u. s. W. Nach Aufführung des musikalischen Festvor­spiels brächte Geheimrath L«eg ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, Prof. Fritz Roeber ein Hoch auf den Kronprinzen aus. Darauf wurde „Deutschland, Deutschland über alles" gesungen und der Kronprinz erklärte alsdann ohne weitere Rede die Ausstellung für eröffnet. Nach einem Rundgang durch den nördlichen Theil der Ausstellung folgte dann das Festmahl an dem etwa 1000 Personen theilnahmen. Reichskanzler Graf Bülow brächte das Kaiserhoch aus und Gehcim- rath Lueg feierte den hohen Protektor der Ausstellung, den Kronprinzen, worauf dieser mit einem Hoch auf den Erfolg der Ausstellung erwiderte. Nach dem Mahle wurde der Rundgang durch die Ausstellung fortgesetzt. Gegen Abend reiste der Kronprinz nach Bonn zurück.

Leipzig, 3. Mai. Der heute früh 3 Uhr 35 Mn. von Leipzig nach Berlin abgehende V-Zug ist bei der Station Zfchortau, zwischen Leipzig und Bitterfeld, ent­gleist. Drei Passagiere sind tot.

Ausland.

Venedig. Das „Berl. Tagebl." meldet aus Vene­dig: Hier kam es am Sonnabend zu unerhörten Skan­dalen," die leicht einen internationalen Zwischenfall zur Folge haben könnten. In dem eleganten Cafä Guadri am Markusplatze geriethen zwei Offiziere des in Ve­nedig ankernden amerikanifchen Kreuzers „Chicago" in Streit und schlugen aufeinander ein. Als die Polizei erschien, stürzten sich die beiden Offiziere und andere amerikanische Seeleute auf die Polizei und es entspann sich eine förmliche Schlacht, wobei beiderseits Verwun­dungen vorkamen. Erst als die Feuerwehr der Polizei zu Hilfe kam, konnten die betrunkenen Amerikaner ge­bändigt werden. Schließlich wurden der Kapitän, zwei Leutnants, ein Stabsoffizier und ein Soldat festgenom­men und in sicheren Gewahrsam gebracht. Gestern wurden zwei Seeleute des „Chicago" ebenfalls ver­haftet, die sich auf der Straße ungebührlich betrugen.

Transvaal. So schweigsam der englische Telegraph zu Anfang war, so redselig zeigt er sich jetzt bezüglich des Ganges der Friedeusverhandlungen in Südafrika. Die Londoner Blätter behaupten, daß Dewet die Friedensbedingnngen Lord Kitcheners als großmüthige bezeichnet habe und daß auch Delarey bereit sei, aus die englischen Vorschläge einzugehen. Es wird auch behauptet, daß die Burenfrauen entschloffen seien, allein auf die Farmen zurückzukehren, wenn die Männer den Krieg fortsetzen sollten. Nachdem „Standard' ist die Mehrheit der Buren dem Frieden geriet l,vch sei es nicht unwahrscheinlich, daß die Unverfohnlichen standhaft bleiben würden. Hub mit dieser Möglichkeit rechnet offenbar auch das Londoner Kriegsamt, das bekannt giebt, es würden im Laufe^ dieses Monats 10 000 Mann Verstärkungen nach Südafrika trans- portirt werden. — Die endgültige Entscheidung der Buren soll übrigens nicht erst am 25., sondern bereits am 15. ds. getroffen werden; allerdings wäre auch dieser letztere Termin über die ursprünglich in Aus­sicht genommene Frist um 8 Tage hinausgeschoben. — Ueber die Versammlung der Burghers meldet ein Augenzeuge noch, daß sich die Burenkommandös auf dem Velt um ihr einflußreichstes Mitglied, das nicht immer der Führer zu sein braucht, in einem Halbkreis lagern. Dieses Mitglied führt den Vorsitz und legt seine Meinung dar, darauf spricht jeder Bur, der etwas zu sagen hat. Bei Usien Erklärungen stehen die Buren, die Linke auf die Flinte gestutzt. - Dewet hat an­scheinend bereits wieder die Offensive ergriffen, und damit alle englischen Friedenshoffnungen zerschlagen. Die neuste Meldung Kitcheners, daß die Kolonne des Generals Elliot bei Brindisi im nordöstlichen Theile des Orangefreistaates auf einen starken Widerstand der Buren gestoßen sei, uub daß dorthin schleunigst Verstärkungen abgesandt wurden, hat in London auch den letzten Rest der Hoffnungen auf ein Gelingen der Friedensverhandlungen zerstört, da es unzweifelhaft ist, daß an jener Stelle Dewet wieder die Offensive ergriffen hat, weshalb sich Lord Kitchener auf neue kriegerische Ereignisse gefaßt macht. — Der englische Kriegsminister Brodrick empfing einen Brief der Gattin Christian Dewets, worin diese sich über die Behandlung der englischen Militärbehörden beklagt. Lord Kitchener hatte sich bereits geweigert, ihren Beschwerden gerecht zu werden. Diese Angelegenheit dürfte demnächst den Gegenstand einer Interpellation im Unterhause bilden Jedenfalls ist sie charakteristisch für die Art, in der England die Ritterlichkeit der Buren, z. B. gegen Methuen, vergilt. Lord Methnens Befinden hat sich ein wenig gebessert, doch ist keine Aussicht vor­handen, daß die im Kampf bei Tweebosch erhaltenen Verletzungen gut ausheilen werden. Die Aerzte haben den General vielmehr darauf vorbereitet, daß das ver­wundete Bein etwa s/4 Zoll kürzer werden wird, als das gesunde.

Peking, 1. Mai. Von der chinesischen Ent­schädigungssumme ist die vierte Monatsrate im Be­trage von 1,820,000 Taels am gestrigen Tage in Shanghai. gezahlt werden.

— Wie aus Kalkutta (Indien) telegraphisch^ ge­meldet wird, suchte ein heftiger Wirbelwind die Stadt Dacca und die umliegenden Ortschaften heim. 416 Personen kamen dabei ums Leben; die Ernte ist voll­ständig vernichtet, die Bevölkerung leidet große Noth.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 6. Mai.

* — Mit der Entwickelung des Fernsprechwesens auf beut flachen Lande ist das Bedürfniß hervorgetreten, die bisher gebräuchlichen Unfallmeldetelegramme in gewissen Fällen durch Gespräche zu ersetzen. Die Telegraphenverwaltüngen hat deshalb versuchsweise llu= fallmeldegespräche zugelassen. Diese zunächst getrof­fene Einrichtung soll nun dauernd beibehalten werden. Die Bedingungen, unter welchen Unfallmeldegespräche ge­führt werden können, sind folgende: Unfallmeldegespräche können zwischen öffentlichen Sprechstellen. zwischen Fern» sprechanschlüssen sowie zwischen Fernsprechanschlüssen und öffentlichen Sprechstellen gewechselt werden, sofern die Betriebs- und örtlichen Verhältnisse die Herstellung der erforderlichen Sprechverbindungen ermöglichen. Die Abwickelung der Gespräche unter Benutzung der Appa­rate der öffentlichen Sprechstellen ist während der Nacht nur Personen zu gestatten, die dem Verwalter der Stelle bekannt sind; sie kann ausgeschlossen werden, wenn der Apparat im Schlafzimmer untergebracht oder die Verwaltung der öffentlichen Sprechstelle weiblichen Personen übertragen ist. Haben die Empfänger der Iln= fallmeldungen keinen Fernsprechanschluß, so sind sie, sofern es die örtlichen Verhältnisse gestatten, an den Apparat heranzurufen. Die Gebühr für ein in der Nacht ab- zuhältendes Unfallmeldegespräch bis zur Dauer von drei Minuten beträgt: a im Ortsverkehr 20 Pfg., b tut übrigen Verkehr das Doppelte der im §. 7 der Fern- sprechgebühren-Ordnung festgelegten Sätze, mindestens 50 Pfg. Für Uufallmeldegespräche tu den Dienstpausen während des Tages sind außer den gewöhnlichen Gesprächs­gebühren besondere Zuschläge nicht zu erheben. Für das Herbeirufen an den Apparat, soweit es sich nach den örtlichen Verhältnissen überhaupt ermöglichen läßt, ist eine Gebühr von 25 Pfg. zu erheben.

* — Auf das du dem Fußwege zwischen Sterb­fritz und Weichersbach gelegene Gehöft (der sog. Ehehell) brach von Sonntag auf Montag ein Schadenfeuer aus, welches das Wohnhaus ganz einäscherte; nur durch das thatkräftige Eingreifen der Feuerwehr von Weichers­bach blieb die neu erbaute Scheuer verschont. Das Feuer soll durch einen schadhaften Schornstein ausge­brochen sein.

Ulmbach. Der vergangene Sonntag war für die hiesige Gemeinde ein Freudenfest, denn an diesem Tage [i .d die feierliche Pfarrvorstellung unseres neuen Herrn Pfarrers Bargon, seither in Altenmittlau, durch den hochwürdigen Herrn Dechant Atzert von Roms­thal statt. Die Einwohner Ulmbachs hatten Kirche, Pfarrhaus und den Weg vom Pfarrhause zur Kircbo festlich geschmückt. Bor und nach dem feierlichen Gottesdienste bildeten die Mitglieder des Kriegervereins und weißgekleidete Mädchen auf dem Wege, den die hohe Geistlichkeit nehmen mußte, Spalier. Währeud des Hochamtes sang der Gesangverein die vierstimmige „Missa in honorem sancti Sturmii“ von W. Malk- mus. Mach beendeter Feier überreichten die hiesigen Vereine und die Schulkinder ihrem neuen Seelsorger passende Geschenke. Am Abend brächte ihm der Ge­sangverein ein Ständchen. Möge der liebe Gott geben, daß unser neuer Seelenhirt, Herr Pfarrer Bargon, recht lange bei uns wirken möge. Das ist unser aller Herzenswunsch!

Jossa, I. Mai. Auf der Lokalbahn Jossa-Brückenau löste sich heute Morgen an der Lokomotive des ersten von Brückenau abführenden Zuges eine Schraube los, Infolgedessen drang der heiße Dampf durch die Feuerung heraus und verbrühte den Lokomotivführer Englert und den Heizer Gärtner sehr schwer. Beide mußtenin das Spital nachBrUckenau zurückgeracht werden.

Aus Oberhessen, 2. Mai. Das Dorf Rüdings- hausen (zwischen Gießen und Homberg) wird demnächst vom Erdboden verschwinden. Das Kreisamt Gießen hat vom Kriegsministerium die offizielle Nachricht von dem Plane des Truppenübungsplatzes, der für das 18. und 11. Armeekorps errichtet werden soll, erhalten. Das Enteignungsverfahren ist bereits eingeleitet. Rüddingshausen hat außer vielen Gemeindewiesen und Aeckern 6ü0 Morgen Gemeindewald und einige der Klügeren haben ausgerechnet, daß bei der Vertheilung der Kaufsumme dafür jeder Ortsbürger 6 - 800 Mk. erhalten würde. Kein Wunder wenn die jungen Leute in Rüddigshausen Anstrengungen machen, noch vor Thorschluß das Ortsbürgerrecht zu erhalten.

Vermischtes.

— Durch einen Walfisch gerammt. Ein Boot mit neun Mann — von vierzig — von der Bemannung der amerikanischen Bark „Chathleen" ist in Dominica in Westindien angekomman. Die neun gaben folgenden traurigen merkwürdigen Bericht ihrer Schicksale: Die „Cathleen" war auf der Walfischjagd und wurde, als sie sich ungefähr 100 Meilen von Barbados entfernt befand, von einem Walfisch angegriffen. Die Waljäger

hatten einen guten Tag gehabt und drei Walfische erlegt. Als sie damit' beschäftigt waren, diese Thiere abzustecken, wurde ein anderer, sehr großer Wal ge­sehen. Man eröffnete die Jagd auf das Thier, welches schließlich auch durch eine Harpune getroffen wurde. Nach einem langen und schrecklichen Kampfe riß sich der Wal wieder los und ging mit voller Fahrt gegen die „Chathleen" an. Bei dem Anprall sprangen ver­schiedene Planken aus den Fugen und das Wasser drang in das Schiff. Bevor die drei Boote, die zu der Jagd ausgerudert waren, zurückkehren konnten, war das Schiff bereits gesunken. Man hatte inzwischen das vierte Boot zu Wasser gelassen und der Kapitän, dessen Gattin und die übrige Bemannung stiegen hinein, In der kurzen Zeit, die den Bedrängten übrig blieb, konnte man nur eine mäßige Quantität Proviant in das Boot übernehmen. Der Proviant Würbe dann gemeinsam an die vier Boote vertheilt, jedes Boot er­hielt einen Sack Zwieback und ein Faß Wasser. Die Boote gingen zu gleicher Zeit ab, aber am nächsten Morgen sah das Boot, welches glücklich landete, die anderen schon nicht mehr. Nach einer Fahrt von elf Tagen voll Elends sind die Geretteten — der Steward und acht Farbige — in Dominica augekommen Von den anderen 31 Menschen hat man bis jetzt noch nichts gehört.

— (Ein Stich durchs Herz ausgeheilt.) Daß ein Stich durchs Herz nicht immer tödlich ist, dafür zeugt ein Fall aus dem chirurgischen Stadtlazareth in Danzig. Dort würbe vor längerer Zeit nach einer Messer­stecherei der Arbeiter Thober eingeliefert; er hatte einen acht Centimeter langen Schnitt über den rechten Ober­arm und einen tiefen Stich über dem linken Auge. Außerdem faud sich aber noch eine fürchterliche Ver­letzung in der linken Brustseite. Ein mit voller Wucht geführter Stich hatte den Herzbeutel völlig durchbohrt und die rechte Herzkammer in der Länge von 1 72 Cen- timeter durchschnitten. Vermittels einer schleunigen, , von Herrn Professor Dr. Barth vorgenommenen Operation wurde die äußere Wunde erweitert und der Herzstich zugenäht. Der Heilungsprozeß wurde durch eine Reihe glücklicher Umstände begünstigt, und jetzt ist der Bursche als „geheilt" entlassen. Eine gute Natur muß der Verletzte sicher gehabt haben.

— Im Aerger. „Herr Professor, Sie haben ja wieder vergessen, Ihre kuhwarme Milch zu trinken!" — „Ach was, lassen Sie mich doch in Ruh! Ich habe ganz andere Dinge im Kopf als kuhwarme Milch!"

— Jmponirend. „Nun, wie sind Sie denn mit Ihrem Hausarzt zufrieden?" - „Sie, das ist Ihnen ein tüchtiger Mann, der verordnet uns gerade das Gegentheil von dem, was seine Vorgänger verordnete!"

— Alles umsonst. „Sag', Emma erreichst Du denn bei deinem Manne nichts durch Thränen?" — „O nein! Wie er bei mir nur eine Thräne sieht, ruft er gleich: nur kein Wasfer! — und lauft iu's Wirthshaus,"

— Folgerichtig. „Wie kommt's denn, daß Du aus dem Bürgerverein ausgetreten bist?" — „Ach das, war sehr einfach: am letzten Vereinsabend trug ich was vor, und das tragen sie mir nun nach!"

— Kasernenhofblüthe. Feldwebel: „Sie Müller, wenn Sie glauben, als Einjähriger das Recht zu haben, gescheidter zu sein als ich, so irren Sie sich gewaltig!"

— Im Manöver. Sergeant (beim Schnellfeuer): „Cohn, schießen Sie nich so ratenweise, Sie sind hier in keenem Abzahlungsgeschäft!"

L i st i g. "

Ein Kobold traf ’ne Koboldmaid

Auf einem Küchenschranke.

Er sprach: „Mein Schatz, ich liebe Dich!"

Doch sie sprach schnippisch: „Danke!"

Drauf frug er sie: „Wie könnte ich

Wohl Deine Lieb' erringen?

Sag's frei heraus! Das Schwerste selbst

Will ich für Dich vollbringen!"

Voll Hohn sprach drauf die Koboldmaid.

„Soll ich au's Herz Dir sinken.

Mußt Du zuvor die Flasche dort

Volt „Maggi-Würze" trinken.

Ist sie auch grad so groß wie Du,

Laß es Dich nicht verdrießen.

Vielleicht bist Du, wenn stark gewürzt,

Für mich dann zu genießen."

„Wozu die ganze Flasche da?"

Frug er. „Mit großen Zügen

Steht hier, daß wen'ge Tropfen doch Zum Würzen schon genügen!"

Markt und Handelsnachrichten.

8 11* i f f i! -' o. M b. Mai Hiesiger Weizen M. Hiesiger Roggen 11,25-14,50 Russischer 00,00-00,00 W Hiesige Gerste 15,75 - 16,25 Pfälzer 16,50-17 00 Hafer K nach Qualität hiesiger 17 00—17,50 Ma-k per 100 Kilo.

Kirchlicher Anzeiger für Schlnchtern.

Christi-Himmelfahrt.

Vormittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Kahl. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Orth-