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der damalige Unternehmer ihm die Steine geschenkt habe, Ersatz für den Werth der abgefahrenen Steine. Als ihm dieser verweigert wurde, denunzirte er den Abfahrer wegen Diebstahl und das Schöffengericht zu Schlüchtern erkannte gegen denselben auf einen Tag Gefängniß. Der Angeklagte behauptet, die Steine als Gemeindeeigenthum betrachtet zu haben, in welcher Meinung er noch bestärkt wurde durch den ihm auf seine Anfrage gewordenen Bescheid des Bürgermeisters, ihm sei es gleich, wer die Steine abfahre, die. Hauptsache sei, daß sie wegkämen. Die Strafkammer nimmt qn, daß der Angeklagte nicht in rechtswidriger Absicht ge­handelt habe und spricht ihn frei. (H. Ztg.)

Steinau, 9. April. Herr Oberförster Schmidt dahier erlegte am Samstag früh im Forstort Happel einen stattlichen Auerhahn. Am Montag Abend gegen 11 Uhr entgleiste infolge Federbruches eine Achse am Tender des V-Zuges Nr. 1, unmittelbar, nachdem der Zug den Bahnhof Steinau durchfahren hatte. Der Zug wurde zum Stehen gebracht und nach Steinau zurückgezogen. Er fuhr dann auf einem an­deren Geleise mit 1'/, Stunden Verspätung weiter. Personen sind nicht verletzt worden, auch ist nur ge­ringer Schaden am Geleise entstanden. Heute Morgen hatte der Knecht Ssth m i d t, in Diensten bei Kalkwerk­besitzer Roßmüller, das Unglück, nicht weit vom Bahn­hof unter den schwerbeladenen Wagen zu gerathen und überfahren zu werden; der Tod trat alsbald ein. Er hinterläßt eine Frau mit 5 Kindern.

Uttrichshausen, 8. April. Hier ist ein Brief einge­gangen mit folgender Adresse:Herrn Johann Fischer zu Uttrichshausen, Amt Neuhof." Nun gibt es hier zwei Männer, die Johann Fischer heißen, einer ist 79, der andere 27 Jahre alt, und aus dem Inhalt des Briefes ist nicht zu ersehen, für welchen von beiden der Brief bestimmt ist. Der Inhalt des Briefes besteht nämlich aus nichts weiter als 20 Mark in Papier­geld. Da weder der ältere noch der jüngere Johann Fischer nachweisen kann, daß er eine Geldsendung aus Fulda zu erwarten hat, blieb nichts anderes übrig, als daß der Bürgermeister das Geld vorläufig in Verwahrung nahm. Es wäre nun sehr zu wünschen, daß der unbekannte Absender des Zwanzigmarkbriefes dem Herrn Bürgermeister oder auch dem Herrn Pfarrer dahier Mittheilung machen wollte, für welchen der beiden Adressaten das Geld bestimmt ist. Die Handschrift und die Fassung der Adresse (Amt Neu- hof") lassen vermuthen, daß ein Beamter die Adresse geschrieben hat.

In Hanau erschoß sich ein 17'/., Jahre alter, eben erst aus der Lehre entlassener Goldarbeiter, weil sein 15'/2 Jahre altesVerhältniß" nichts mehr von ihm wissen wollte.

Kassel, 7. April. Der Schauplatz einer Tragödie war gestern das Dorf Niederzwehren. Ein wohl­habender Bauer Namens Stamm, dessen Tochter ein ihm nicht zusagendes Liebesverhältniß unterhielt, wollte deren Liebhaber unschädlich machen und lauerte ihm daher gegen 10 Uhr Abends in der Nähe seiner Wohnung auf. Unglücklicherweise kam der 22 Jahre alte Eisenbahnarbeiter Humburg des Weges, den der Bauer in der Dunkelheit für den vermuthlichen Liebhaber hielt und auf den er deshalb einen Re­volverschuß abfeuerte. Leider hatte derselbe den sofortigen Tod zur Folge.

Witzenhause», 8. Avril. Nach zweijährigem Aufent­halt im Kaplande ist ein hiesiger Bürgerssohn vor einigen Tagen zurückgekehrt. Derselbe berichtet, daß die Kapkolonie von Burentruppen durchzogen würde, und daß die englische Censur eine sehr strenge sei. Selbst dasWitzenhäuser Kreisblatt", dessen Abonnent er war, habe er in den letzten 9 Monaten nicht mehr erhalten.

Kirchhain, 6. April. Unsere Stadt hat in den letzten zehn Jahren einen bemerkenswertsten Aufschwung genommen. Während früher der ländliche Charakter mehr vorherrschte, ist jetzt ein mehr städtisches Aus­sehen vorwiegend. Dies zeigt sich nicht allein bei den neu entstandenen Geschäftshäusern, sondern auch die Privatwohnhäuser, die in den letzten Jahren erbaut sind, zeigen größtentheils ein gefälliges Aussehen und neuzeitliche Einrichtungen und Ausstattung. Die Bau­thätigkeit, die im vergangenen Jahre sehr rege war, hat nach derOberst. Ztg." auch in diesem Jahre nicht nachgelassen, denn in verschiedenen Straßen werden Neubauten errichtet. Die Arbeiten zur Erweiterung und zum Umbau des hiesigen Bahnhofes sind schon zum Theil vergeben und die Arbeiten zum Neubau der hiesigen Synagoge, die mit einem Kostenaufwande von 30 000 Mark erbaut wird, werden demnächst ausgeschrieben. So ist auch in diesem Jahre eine flotte Bauthätigkeit zu erwarten und die Ausdehnung unserer Stadt schreitet wieder ein gutes Stück vorwärts.

Gernsheim, 2. April. Zwei hiesige Weinhändler wurdenOpfer" des neuen Weingesetzes. Bei einer Kellerkontrolle wurde Wein beschlagnahmt, der sich bei der chemischen Untersuchung als doppelt und dreifachGe­taufter" entpuppte. Nach einer von dem jBeamten aufgestellten Berechnung soll sich die Flasche Wein, die für 1 Mk. 20 Pfg. verkauft wurde, für den Lieferanten guf höchstens 15 Pfg. stellen.

Frankfurt, 7. April. Das Hineinfahren der Lokomotive in den Wartesaal des Frankfurter Bahnhofes hat noch einen schwierigen Prozeß hervorgerufen. Ein Reisender, welcher gerade im Wartesaal eine Tasse Kaffee trank, erschrak damals derartig, daß eine voll­ständige Zerrüttung des Nervensystems konstatiert wurde. Er klagt nun gegen den Fiskus wegen Zah­lung einer lebenslänglichen Rente.

Zum weißen Schwan.

Roman von Rudolf Hertzog.

(Fortsetzung.)

Es wird nicht so schlimm sein."

Urtheilen Sie nicht voreilig. Also, denken Sie!

Statt daß ich mich abmühe, Ihnen, der Sie doch ge- wissermaßen mein Lebensretter, ja, sogar, in doppelter Beziehung sind -doch das Letztere späterstatt daß ich mich abmühe, Ihrem Gücke dienlich zu sein, muß ich bekennen, daß ich an der Ihnen heute zugestoßenen Affaire nicht ganz schuldlos bin."

Sie ?" fragte Bärenfeld ungläubig.

Ich," anwortete der Graf resignirt.Die Schwa- nenpost wurde nämlicherschrecken Sie nicht-von mir in Szene gesetzt."

Er machte ein verzweifeltes Gesicht, daß Bärenfeld sich des Lachens nicht erwehren konnte. Aber Joseph! rief er,um des Himmels willen, wie kamen Sie denn gerade auf die unglückselige Idee? War Ihr Reper­toire so sehr erschöpft, daß Sie zu diesem Streich greifen mußten, um Ihren alten Uebermuth zur Ader zu lassen?

Schöner schüttelte den Nopf.Nein," sagte er, es war Revanche für das Vertreiben meiner Ahnen aus ihrem Stammhause und die Profanirung desselben durch den hanebüchenen Apotheker.

Der Gedanke kam mir plötzlich. Sie wissen ja, bei mir kommen sie immer plötzlich und beanspruchen auch direkte Erl edigung. Als ich eines Tages am weißen Schwanen vorüberspazierte, steht Ihr verflossener Chef in der Thür und sonnt sich den Schmerbauch.

Ich ziehe den Hut natürlich vor dem alten Wappen­vogel. llnb der Kerl, der Apotheker, der meinen Namen kennen mußte und daher auch meine Beziehungen zu dem Gebäude, kehrt mir den Rücken und ruft lachend seinen Provisor-Fuchs herbei, um diesem meine Person zu zeigen und ihm jedenfalls gleichzeitig ein lehreiches Kapitel über die Decadence meines Geschlechtes zu erzählen. Ich bin nicht adelstolz. Das hab' ich längst abgelegt. Aber dieser Hohn, der mich unschuldig traf, da meine geehrten Vorfahren das Wirthschaften noch ein gut Theil schlechter verstauben hatten als ich, alterirte mich. Ich gehe zur Redaktion, lasse mir ein paar Setzer kommen, die für mich den Sultan stehlen würden, und das klebrige vollzog sich programmmäßig, Während zwei den Nachtwächter in die Kneipe schleppen, holen die Anderen den Schwan herunter und verpackten ihn. Ich sandte ihn dann wiederholt dem Frechling in's Haus, als warnendes Mene Tekel, um ihm durch den Herabstieg des Schwanen von seinem erhabenen Standplatz anzukündigen: ,Auch Du bist nur Fleisch und Bein. Hüte dich. Auch Du kannst eines Tages den/ Schmerbauch verlieren, und Andere werden nach dir kommen. -So! Da haben Sie Beichte Nummer- eins."

Aber wie konnten Sie dem Apotheker den Schwan aus die Reise nachsenden?"

Sehr einfach. Eines Nachmittags traf ich Ihren Herrn Pfalzdof gemächlich durch die Stadt bummeln. ,Nun, so sachte?' rief ich ihm zu. ,Jhr Chef ist wohl nicht zu Hause?'

,Er ist verreist.' ,Wohin denn?'Mach Dingsda, ein paar Stationen weit, zur Hochzeit des Herrn Soundso.' In der Nacht ging die Kiste als Passa­giergut an den Schwanenbesitzer ab.

Übrigens hat es mich Wunder genommen, daß er den Ulk nichr zur Anzeige gebracht hat."Er hat einmal einen Prozeß verloren," entgegnete Bärenfeld.Seitdem scheut er Alles, was Gericht heißt."Konrad," sagte Schöner und hielt dem Freunde das Glas hin,wenn ich geahnt hätte, welche Weltrevolution ich mit der Geschichte angezettelt, ich hätte es selbstverständlich unter­lassen. Aber wer konnte auch wissen, daß Ihr Mann ein noch größerer pecus ist, als ich ihm veranschlagt hatte? Unb ich hatte ihn wirklich nicht gering taxirt. Stoßen Sie mit mir an. Nichts auf dieser schönen Erde geschieht ohne Grund; wer weiß, ob es doch zu Ihrem Glück war. Jedenfalls aber erblicken Sie hier ein reuigen Sünder, der um Absolution bettelt."

Bärenfeld stieß mit ihm an.Sie ist ertheilt," nickte er ihm trübe zu.Es war so vom Schicksal bestimmt."Trinken Sie aus," mahnte der Graf. Sie braucheu Stärkung, um die zweite Beichte zu vernehmen. Entsinnen Sie sich der jungen Dame, deren unglaublichen Roman Sie mir so dringend empfahlen?"

Fräulein von Wald, ja, ja. Es thut mir leid, wenn ich Ihnen einen schlechten Dienst mit der Em- pfehlnng erwies."

Ja," wiederholte Schöner,der Roman War un­glaublich schlecht, aber - aber trinken Sie doch zunächst aus aber seine Verfasserin dafür unglaublich lieb."

Bärenfeld hielt sein Glas noch in der Hand. Können Sie auch schwärmen, Joseph? Denn so

etwas scheinen Sie mir gerade zu thun."

Schwärmen?" Der Graf folgte sinnend den Rauch. Wölkchen der Cigarrette.Ich schmeichele mir eigent- tlich, ein zu klarer Kopf dazu zu sein. Aber ein gut Stück Herz tragen auch die Schöners unter'm Westen- fleck."

O!" lächelte Bärenfeld vor sich hin.

Spotten Sie nicht, Konrad. Sie denken'an allerlei Flirts a la Badehaus in Japan. Ich sprech aber im Ernst."

Wirklich? Also verliebt?"Mehr. Verlobt." Alle Wetter!" rief Bärenfeld und sprang auf die Beine. (Fortsetzung folgt.)

Vermischtes. ~ ~

Wegen einer Ohrfeige hat sich in Mannheim ein 18jähriges Mädchen aus dem vierten Stock auf die Straße gestürzt. Ihre Mutter hatte sie wegen ihrer Unbotmäßigkeit zur Rede gestellt und ihr habet eine Ohrfeige gegeben, was die Tochter so in Aufregung versetzte, daß sie durch das offene Fenster hinabsprang. Das Mädchen wurde mit schweren Arm- nnd Bein­brüchen aufgehoben und ins Allgemeine Krankenhaus verbeacht.

Warum er mit den Franzosen nicht zufrieden ist. Im Hirschen zu Michelsheim wird, fok plaudert dieT. R-, vom Jahre 1870 und den Franzosen ge­sprochen. Ein Herr lobt Frankreich, das doch ein schönes Land sei, sowie die Höflichkeit und Liebens Würdigkeit seiner Bewohner. Da sagte der Lehrer zum Hansfriedele, der den Feldzug mitgemacht hat: Hansfriedele, Du sagst ja kein Wort und bist doch auch in Frankreich gewesen!" Hansfriedele kratzt sich hinter dem Ohr und meint:'s schon wohr, Wasser Herr über d' Franzosen gseit hett. Aber als ich in Frankreich war, bo hent fe mir recht nach'm Lebe trachtet!"

Dankbarkeit. Warum Pflegen Sie dieses Pferd gar so zärtlich, gnädige Frau?"Wissen Sie, der Gaul hat mir einst meinen Mann, der passionirter Sonntagsreiter ivar,b unverhofft in den Schooß ge­worfen !"

Neugierde. Postbeamter:Sie, der Brief hat keine Adresse." Soldat:Na, muß denn Jeder wissen, an wen ick schreibe?"

Die süße Kleine. Elly!Denke Dir nur, der Assessor Liebreich hat mich gestern bei unserer Parthie geküßt." Magda:Geküßt! Um Gotteswillen! Hast Du denn nicht um Hilfe gerufen?" Elly:Ach nein, ich bin mit ihm ganz allein fertig geworden."

Auch eine Festrede. Altgeselle (feierlich): Heute hast Du die Lehre aus, Jakob; von jetzt ab brauchst Du Dir nichts mehr gefallen zu lassen... bis Du mal heirathest!"

Ein neuer fenerspeiender Berg. Amerikanische Blätter berichten unter dem 15. März: Eine Nach­richt aus Juneau, Alaska, besagt, daß in einem Schreiben des griechisch-katholischen Priesters in Kanei, am Cook Inlet, eine schreckliche vulkanische Eruption genieldet wird, die sich anfangs Januar in jener Ge­gend ereignet hat. Die ganze Seite eines hohen Berges spaltete sich plötzlich und Feuer und Lava brachen hervor. Ort Kanai wurde von Lavamassen und dem glühenden Aschenregen begraben. Die Bewohner entkamen. Der Vulkanausbruch war von heftigen Erdbeben begleitet und mächtige Springfluthen ergossen sich über den Strand und richteten große Verheerungen an. Der Berg, aus dessen klaffenden Spalten jetzt noch Rauch und Feuer aufsteigen, hatte bisher keine Spur von vulkanischer Thätigkeit gezeigt.

In Ehescheidungssachen sind die amerikanischen Gerichtshöfe sehr weitherzig. So verhalfen sie einem Weibe zur Scheidung, weil ihr Mann sichnicht wüsche, was ihr eine Art Seelenschmerz verursache," einem andern, weiler" nach 27jähriger Ehe gesagt habe: Du bist alt und ausgemergelt, ich kann Dich nicht länger sehn," einem dritten, weiler" seine Fußnägel nicht beschneiden wollte, einem vierten, weiler" sein Weib durch Tabakwolken an- und ausräuchern wollte. Auf der andern Seite erlangte ein Mann die Scheidung, weil ihn seine Frau mit dem Abstäuber aus dem Bette jage, ein anderer, weilsie" ihm einen derben Stoß mit ihrer Tournüre gegeben hatte.

Die Diiiigcrfrage^t einem ArtikelDie Tiefkultur und das Unterbringen von Grün- und Stalldünger" eingehend behandelt. Der Westdeutsche Landwirth berührt damit ein Thema, welches jedem Landwirth geläufig sein soll und von welcher Frage ein gut Theil seines Erfolges abhängt. Ferner enthält das Heft Artikel und Notizen über Ge­treidelagerhäuser, die erfolgreiche Konservierung der Eier, den Milchkrieg in Berlin, geniale Weinfälschungen, sowie die Beschaffung eines warmen Hühnerstalles usw.

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

Sonntag, den 13. April 1902.

Vormittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Kahl. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Kahl. Wochendienst: Herr Pfarrer Kahl.