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SchlüchternerMung

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JH 26. Samstag, den 29. März 1902. 53. Jahrgang.

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Ostern.

Nun dehnt und sehnt und regt sichs wieder, Es keimt und sproßt am grünen Haag, Aus allen Zweigen klingt's hernieder Dom fel'gen Auferstehungstag.

Und durch die Welt im Lcnzcswehen Erschallt der Osterglocken Rlang: s giebt kein Sterben, kein Vergehen, Die Liebe auch den Tod bezwäng.

Der Fürst des Lebens ist erstanden, Seuf triumphirt der Siegesheld, Den Grabesgrau'n, von Todesbanden Erlöste er die ganze Welt."

So schlingt sich ineinander sinnig Des Osterwunders Majestät 2Hit Lenzeswonne, hold und minnig, Und treibt die Herzen zum Gebet.

Im Erdenleid, im IfDeltgetriebe ßält Ostern seinen Trost bereit: Des Osterfürsten Heilandskisbe, Die Hoffnung auf Unsterblichkeit.

Zum Osterfest.

Durch Nacht zum Licht"! Wen: sind diese in Gelehrten- und Volkskreisen oft gebrauchten Worte nicht schon begegnet? Auf die mannigfaltigsten Ver- Hältnisse findet man sie angewendet. So prangen sie oft in großen Lettern auf den von weit und breit be­suchten Weltausstellungen der Riesenstädte, wo die Errungenschaften des Menschengeistes auf bem Gebiet der Technik und Naturwissenschast in ihrer Bedeutung für die Kultur der Menschheit sich dem Auge des Be­schauers bieten. Die wachsenden Triumphe der Wissen­schaft feiert hier der Mensch mit den Wortendurch Nacht zum Licht". Das Streben der Wissenschaft, welche sich bemüht, die Räthsel der Natur mit Hülfe der von Gott geschenkten Geisteskräfte mehr und mehr zu lösen, kann mit Recht ein Streben nach Licht ge­nannt werden. Wie es eine Eigenschaft des Lichtes ist, zu erhellen und dem Auge vorher Verborgenes er­kenntlich zu machen so gehört es zum Wesen aller Wissenschaft, daß sie über Wissenswerthes Klarheit der Erkenntnis verleiht. Dieses Streben nach Licht, das Suchen und Forschen nach Wahrheit auf dem Wege der Erkenntnis ist im Menschengeist lebendig und ihm eigenthümlich gewesen, solange die Menschheit eine Kultur hat, solange sie lebt um zu streben und nicht nur strebt um zu leben. Wie groß die Erfolge dieses Strebens besonders im letzten Jahrhundert ge­wesen sind, kennt jeder Einsichtige, aber während den Halbgebildeten das Wissen aufblüht, denkt der wirklich Gebildete bescheiden an die dem Menschengeist gesteckten Grenzen und gesteht, daß da, wo die Wissenschaft auf- hört, der Glaube anfangen muß. Wenn auch that­sächlich durch der Wissenschaft Leuchte manches von früheren Generationen nie geahnte zur Erkenntnis ge­bracht, manches Geheimnis von dem Forscher, der den innersten Pulsschlag der Erde fühlt, enträthselt worden ist und mehr noch vielleicht in Zukunft zum Segen der Menschheit enträthselt und beleuchtet werden wird so war doch mit dem Segen der Kultur und des Wissens zugleich eine Gefahr verbunden. , Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Man hat es mit Recht ein bedenkliches Zeichen unserer Zeit genannt, daß so viele Menschen in den Gütern der Kultur den

i** Des hl. Osterfestes wegen erscheint die nächste Nummer Mittwoch Mittag.

eigentlichen Inhalt und Werth des Lebens sehen. Es scheint ja auch naheliegend und erklärlich, daß der Mensch, dessen Sinn schon von Statur mehr auf die umgebende Welt und auf das Zeitliche, als auf das Unsichtbare und Ewige gerichtet ist, die in die Augen stechenden Erfolge des Kulturlebens überschätzt, und daß das an und für sich so segensreiche Licht des Wissens ihn zum Blendlicht oder Irrlicht werden kann. Deshalb ist's heilsam, auch an die Grenzen des Wissens zu denken. Hat doch selbst Virchow, der bedeutendste Forscher einer, zugestanden, in seinemignoramus, ignorabimus (wir Wissens nicht, wir Werdens nie wissen), daß an der Grenze des Ewigen auch der Wissenschaft ihre Grenzen gesteckt sind. Mag sie muthig ringen und Schäden und Mängel des Menschen­lebens zu heilen suchen, die edle Wissenschaft! Ein Uebel, vor dem der Welt am meisten bangt, einen mächtigen Herrn, der König der Schrecken, kann sie doch nicht aus der Welt schaffen: den Tod. Auf die Frage, was der Tod denn eigentlich in feinem Wesen sei, kann Dir die Wissenschaft ebensowenig eine be- sriedigende Antwort geben als auf die Frage, was Leben fei. Kein Mensch kann diese beiden Großmächte der sichtbaren Welt erklären und enträthseln be­schreiben kann man sie wohl, wie alles Sichtbare oder Fühlbare, aber nicht auf ihre letzte Ursache zurück­führen. Doch sehnen wir uns nach Offenbarung und hungern und dürsten nach Erkenntnis gerade der größten Räthsel, die uns die Welt mit ihrem Entstehen und Vergehen immer wieder stellt. Auf den ersten Blättern eines alt-ehrwürdigen Buches für viele ist's mehr als nur alt-ehrwürdig steht in kindlich schlichten und doch unergründlich tiefen und für alle Zeiten berechneten Worten geschrieben, wodurch der Tod mit allen seinen Folgen in die Welt gekommen und wer das Leben selber ist. Dasselbe Buch redet auch von bem untrüglichen Heilmittel gegen den Tod und vom Todesüberwinder selbst. Davon redet auch die Osterbotschaft, die schönste Botschaft für die nach Er­lösung von der Sünde ringende Menschheit:Christus lebt, mit ihm auch ich!" Ja, es giebt eine geoffen­barte Wahrheit, wenn wir sie hier in dieser unvoll- kommenen Welt auch nur stückweise erkennen können. Freilich, ohne Zweifelsmächte und Leidenskämpfe kommt niemand zur Erkenntnis der in Christus geoffen­barten Wahrheit und somit auch nicht zum Licht und zum Leben. Wie der Erlöser selbst durch Leiden zur Herrlichkeit einging so gehts auch für dich, du ringender suchender Menschengeist, nur durch Kampf zum Sieg, durch Nacht zum Licht. Nur der Weg, den dir Gottes Offenbarung zeigt, führt dich zum ersehnten Ziel. Wer die sittliche Kraft der Selbstver­leugnung und Selbstüberwindung besitzt, läßt sich nicht blenden durch falschen Schein, sondern folgt bei aller Freude an den Errungenschaften der Kultur bem, der das Licht und das Leben und die Wahrheit selber ist. Wer die Osterbotschaft der Bibel versteht dem ist and) die vergängliche Welt mit ihrem frühlingsfrischen hoffnungssrohen Sprossen und Grünen ein Gleichnis der unvergänglichen, der wird auch einst daswir werden schöner auferstehen" erleben wie die Blume nach. langer banger Winternacht.

Drum kann das Kindlein kaum erwarten Das roseufarbne Österkleid

Drum hält schon Wiese, Wald und Garten Den bunten Frühlingsschmuck bereit.

So heb auch Du aus Gram und Sorgen Gebeugte Seele Dein Gesicht Und wisse, daß ein Ostermorgen Aus dem Karfreitagsdunkel bricht." o.

Deutsches Reich.

Berlin. Bis jetzt ist als sicher anzunehmen, daß Kaiser Wilhelm sich im Laufe dieses Jahres in Er­widerung des letzten Zarenbesuches in Deutschland nach Rußland begeben wird. Ueber den Termin der Reise sowie die Dauer derselben ist bisher noch nichts Be­stimmtes festgesetzt worden. Die diesjährige Nord­landsfahrt des Kaisers wird, schon jetzt vorbereitet. .

Bon der Saar. Die Errichtung eines Denkmals für den verewigten Freiherrn Karl Ferdinand von Stumm- Halberg ist, wie gemeldet wird, aus den Kreisen der Arbeiterschaft seiner großen Eisenhüttenwerke angeregt worden, in dankbarer Anerkennung der mustergiltigen Wohlfahrtsemrichtungen, die er für die Tausende seiner

Arbeirer und Beamten geschaffen hat. Die Ausführung desselben wird dem Berliner Meister Professor Fritz Schaper zu Theil werden, der auch schon für andere große Eisenhüttenleute, wie z. B. Krupp, das Monu­ment geschaffen hat.

Ausland.

Brüssel, 26. März. Dr. Leyds erklärt, die Annah­me englischer Blätter, daß die Buren kapitulieren wollten für lächerlich. Schalk Bürgers Reise erfolgte infolge der englischen Anregung, welche in der Antwortnote au die holländische Regierung enthalten war oder auf Veran­lassung Kitchuers nach der Gefangenahme Lord Meth- uens. Ohne Verständigung mit den europäischen Buren­delegierten würden die Burenführer kein Abkommen tref­fen. Frieden sei uur möglich, wenn es Wolseley gelinge, Kitchener und Milner zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen, als sie im Jahre 1901 Botha bewilligten. Der Besuch der Burendelegierten in Pretoria ist also auf Einladung Lord Kitcheners erfolgt und auffdie Ent­sendung Lord Wolseleys durch den König Eduard zurück- zuführen. Das Krönungsfest soll in Frieden gefeiert werden das ist des Königs bestimmter Wunsch, die Diploma­ten und Heerführer mögen nun zusehen, wie sie den Feindseligkeiten ein Ende zubereiten vermögen. Lord Wol. feiet) trifft wahrscheinlich am 31. b. Mts. in Kapstadt ein.

Transvaal. Die Lage in Südafrika wird von eng­lischer und burischer Seite in ganz entgegengesetztem sinne besprochen. Minister Chamberlain hat Er­klärungen abgegeben, die in ihrer allgemeinen Färbung selbstverständlich optimistisch gehalten sind. Immerhin ist es bemerkenswerth, daß selbst die englische Regierung die Zahl der im Felde stehenden Buren noch auf 9000 Maun schätzt, eine Zahl, die vermuthlich hinter der. Wirklichkeit zurückbleibt. Präsident Krüger giebt, wie aus einer Unterredung hervorgeht, die er mit einem Vertreter eines Pariser Blattes gehabt hat, die Hoffnung auf den Sieg der Burensache nicht auf. Bei ihm beruht die Zuversicht in erster Linie auf dem festen Glauben an das gerechte Walten der Vorsehung, aber sie wird gestützt durch das Vertrauen zu seinem Volke sowie vielleicht auch durch Informationen, die ihm auf Umwegen aus Südafrika zugehen.

Petersburg, 25. März. DerRegierungsbote" ver­öffentlicht einen Bericht über die Studentenunruhen in Moskau. Das Blatt stellt fest, daß seit Ende 1901 unter den Hörern der Hochschulen eine regierungs­feindliche Bewegung ausgebrochen sei. Um diese Be­strebungen kundzugeben, veranstalteten die Agigatoren in verschiedenen Städten Straßendemonstrationen. In Moskau fanden am 22. Februar uub 2. März Kund­gebungen statt. Vor und während der Kundgebungen wurden im Ganzen 682 Personen verhaftet. Es war anfangs beabsichtigt, Alle in entfernte Gegenden des Reiches zu verschicken, wo sie längere Zeit unter Poli­zeiaufsicht leben sollten. Der Kaiser befahl jedoch, nur die Hauptschuldigen iws Generalgouvernement Jrkutsk zu verbannen und die übrigen Theilnehmer mit drei bis 6 Monaten Gefängnis zu bestrafen. Ins General­gouvernement Jrkutsk wurden 35 Personen für die Dauer von zwei bis fünf Jahren verbannt. 567 Per­sonen wurden mit drei bis sechs Monaten Gefängniß bestraft, sechs an Orten, wo die Eltern und Verwandten leben, für die Dauer eines Jahres unter Polizeiaufsicht gestellt. Gegen vierzehn wurde das Verfahren einge­stellt. Unter den Betheiligten befinden sich 573 Stu­denten der Moskauer Universität, 56 Studenten ver­schiedener Moskauer Hochschulen und Institute, 55 Hörerinnen verschiedener Kurse und 34 Personen verschiedener Stünde, darunter auch Frauen. Die meisten werden die Gefängnißstrafen in Archangels verbüßen.

Peking, 25 März. Wie aus einem heute veröffent­lichten Edikt hervorgeht, ist im Süden der Provinz Ho- nau ein Aufstand ausgebrochen. 41 eingeborne Christen wurden ermordet. Der Gouverneur der Provinz erklärt, daß der Aufstand durch die Steuererhebungen für die Entschädigungssumme verursacht worden sei.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 28. März.

Mit der Beitreibung der rückständigen Brand­steuer sowie der LandeSkreditkasse-Zinsen wird in den nächsten Tagen begonnen.