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ZchlüchtemerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Alk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

JK 25, Mittwoch, den 26. März 1902. 53. Jahrgang.

An unsere werthen Lcscr richten wir hiermit die freundliche Bitte, das Abonne­ment für das zweite Vierteljahr 1902 möglichst

sHfsVt evimuim "^Z zu wollen, damit jede Unterbrechung im Empfange unseres Blattes vermieden wird. Bestellungen, welche erst bei Quartalsschluß oder in den ersten Tagen des neuen Quartals gemacht werden, haben eine Unter« brechung in der Zusendung der Nummern nothwendig : zur Folge. Die Expedition.

Deutsches Reich.

Berlin. Die kaiserliche Familie besuchte am Sonn­abend Vormittag, am Geburtstage weiland Kaiser ; Wilhelms L, das Charlottenburger Mausoleum, das mit Azaleen, Schneebällen, Mandelbäumen und weißem [ Flieder geschmückt war. Der Kaiser trug die Uniform der Gardes du Corps, die Kaiserin war schwarz ge­kleidet. Die Majestäten legten einen Kranz aus Lor­beer, Rosen und Levkoyen in der Gruft nieder. Auf dem Rückwege begaben sich der Kaiser und der Kronprinz in das Palais Kaiser Wilhelms I. Später hörte der ' Monarch Marinevorträge, während der Kronprinz der Enthüllung eines Reiterstandbildes seines Urgroßvaters in Rixdorf beiwohnte.

Wie aus dem Haag gemeldet wird, hat Deutsch­land, um sich von den englischen Kabeln unabhängig zu machen und andererseits doch nicht allzu tief in die eigene Tasche greifen zu müssen, mit Holland die gemeinsame SubventiomrUng einer Kabelverbindung von Hinterasien nach der amerikanischen Westküste ver­einbart, sodaß Deutschland künftighin nach Belieben ^iber Amerika statt über britisches Gebiet mit. Hinter­asien in telegraphischen Verkehr treten kann.

Der Versuch, Kameele in Deutsch-Südwestafrika heimisch zu machen, ist schon mehrfach gemacht worden, Im Ganzen besitzt die Schutztruppe jetzt eine Heerde von 30 Kameelen, die sich gut aklimatisirt haben und sich auch fortpflanzen. Dagegen sind, wie dieKoloniale Zeitschrist" mittheilt, die bisherigen Versuche, die Thiere praktisch, zum Lasttragen u. s. w zu verwenden, sowie die Aufstellung eines eigenen Kameelreiter-Detachements, bisher nicht von besonderem Erfolg gekrönt gewesen. Mehr Erfolg hat die Firma G. A. M. Angelbeck in Keetmannshop gehabt, die im Jahre 1897 sechzehn Kameele von Las Palmas einführte. Für militärische Zwecke, besonders Züge im nördlichen Hererolande und nach dem Obambolaud ist das Kameel wegen seiner Vorzüge sowohl als Reitthier, wie als Transportmittel wie geschaffen. Bekanntlich werden auch Versuche ge­macht, das Kameel in Deutschland, besonders in gebirgigen Gegenden, als Lastthier einzuführen.

- Gegen pflichtvergesseneKönigsreservisten" geht seit einiger Zeit die preußische Militärbehörde sehr streng Vor; es treten die Fälle recht zahlreich auf, in denen die Königsreservisten wieder zur Truppe einberufen werden, auch dann, wenn sie sich inzwischen verheirathet haben sollten. So wurde in Krefeld ein Fabrikarbeiter, der aus Reklamation seiner plötzlich zur Wittwe ge­wordenen Mutter aus dem aktiven Militärverhältnis vorzeitig entlassen worden war, wieder einbeordert, weil er sich fortgesetzt um seine Mutter nicht gekümmert, vielmehr seinen Verdienst in leichsinniger Weise ver­geudet hatte.

Auch ein Zeichen der Zeit. Im letzten Jahre sind in Preußen rund 8ouO Pferde mehr zur mensch- lichen Nahrung verwendet worden, als 1900. An der Spitze steht Berlin mit 12 299 Pferden gegenüber 11010, Dann folgen Regierungsbezirk Breslan mit 7107 gegen 6640, Regierungsbezirk Düsseldorf mit 6922, Regierungsbezirk Arnsberg mit 4407 u. s. w. Die wenigstenSchlachtrosse" haben die Regierungs­bezirke Posen, Bromberg und Gumbinnen mit 126, 110 und 16 Pferden pro Jahr aufzuweisen.

' Bremen. Für den Norddeutschen Lloyd in Bremen wurden vor Kurzem zwei neue Doppelschraubendampfer, Brandenburg" undChemnitz", von je 7590 Brutto- registertynnen und 10 000 Tonnen Ladefähigkeit zur Ablieferung gebracht. Dieselben sind 131 Meter lang unb vermögen außer 50 Kajüts- bis zu 1600 Zwischen­deckspassagiere zu befördern. Die Einrichtung der Schiffe ist eine außerordentlich praktische und gediegene,

wobei namentlich für die Zwischendeckspassagiere in bester Weise Sorge getragen ist. Auf derselben Höhe stehen die Sicherheitseinrichtungen der Schiffe. Die Geschwindigkeit der Dampfer beträgt 13 Seemeilen in der Stunde bei einer Maschinenleistung von 5200 Pferdekräften. Die Besatzung eines jeden Dampfers zählt 120 Mann. Beide Dampfer sind für die Linie Bremen-New-Pork bestimmt.

Darmstadt, 20. März. Die Strafkammer verur- theilte nach dreitägiger Verhandlung den Heilmittel- schwindler Schuhmacher zu vier Jahren Gefängnis, 4500 Mk. Geldstrafe und zehn Jahren Ehrverlust.

Aus Saarbrücken wird berichtet: Großes Aussehen rief vor etwa zwei Jahren in Deutschland die in einen großen Dauerschlaf versunkene 13jährige Tochter des Bergmanns Krämer im nahegelegenen Hülsweiler hervor. Mit dem eigenartigen Zustand dieses Mädchens, das erst vor Monaten wieder erwacht ist, beschäftigten sich damals zahlreiche medizinische Autoritäten. Nachdein das Kind ein Jahr in diesem ununterbrochenen Schlafe im elterlichen Hause gelegen harte, wurde es in die Irrenanstalt zu Merzig gebracht, wo es ferner sechs Monate schlasend verbrachte. Da der Mund der Krämer selbst unter Anwendung von Gewalt nicht zu öffnen war, mußte dem beda uernswerthen Geschöpf die Nahrung durch die Nase zugeführt werden. Vor un­gefähr zwei Monaten ist die Krämer nun zum Bewußt­sein gekommen, doch war ihr Gedächtniß derart geschwunden, daß ein weiterer Aufenthalt in der Mer- ziger Anstalt am Platze schien. Nachdem nach ferneren zwei Monaten nunmehr das Erinnerungsvermögen größtentheils wieder zurückgekehrt und der Krämer das während des Dauerschlafes über die Zähne gewachsene Zahnfleisch entfernt worden ist, konnte das Mädchen dieser Tage als geheilt entlassen werden. Gegenwärtig befindet es sich bei ihren Großeltern in Dudweiler.

In Singen a. RH. ist ein vor der Stadt am Fuße des Rochusberges gelegenes Pulvermagazin am Sonntag früh 4 Uhr unter donnerähnlichem Knall in die Luft geflogen. Die Detonation war so stark, daß fast kein Fenster in dem nächstgelegenen Stadttheile ganz ge­blieben ist und sie auf 3 Stunden im Umkreise wahr­genommen wurde. Die Explosion ist muthmaßlich auf eine böswillige That zurückzuführen.

Ausland.

Brüssel, 18. März. Die Burengesandtschaft ver­öffentlicht folgende Mitteilung:Nach den dieser Tage aus Südafrika eingetroffenen Berichten ist die Lage der Transvaalkommandos vorzüglich. Fortwährend befanden sie sich mit dem Feinde in Berührung. So fand am 15. Januar ein Gefecht statt, wobei die Buren unter Christian Botha 3 Todte und 6 Verwundete hatten, während die Engländer nicht weniger als 46 Todte, 92 Verwundete und 150 Gefangene (nebst 200 Pferden und 15000 Gewehrpatronen) verloren. Am 3. Februar ferner errang Louis Botha einen weiteren belangreichen Sieg über den Feind. Der Umfang der Burenverluste bleibt im Verhältniß zu den englischen nach wie vor gering und der Geist unter den Bürgern ein aus­gezeichneter." Der große Burensieg, von dem zu­letzt berichtet werden konnte, hat leider praktische Folgen vorläufig nicht gehabt. Die Buren haben ihren schönen großen Triumpf, den englischen General Lord Methuen, großmüthig den Engländern ohne Entschädi­gung ausgeliefert. Daß die Engländer sich in ent­sprechender Weise revanchirt Hütten, davon hat man bisher leider nichts gehört. Die Engländer sind ziemlich dickfellig.

Pretoria, 24. März. Die Mitglieder der Trans­vaal-Regierung Schalk Bürger, Reitz, Lucas Mayer, Krogh, Vanderveld sind von Middelburg mit Sonder- zug unter Parlamentärflagge hier ein getroffen

Verlorenes Kriegsschiff. Die englische Admi­ralität hat sich endlich zu der Bekanntmachung ent­schlossen, daß das seit dem 2. Dezember im Stillen Ozean vermißte KriegsschiffKondor" völlig verloren ist. Mit dem Kanonenboot ist die Besatzung, 7 Offi­ziere und 98 Mann, zu Grunde gegangen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 25. März.

* Als Pfarrverweser in Herolz wurde Herr Leopold Alsheimer bestellt. Herr Pfarrer Huhn in

Ulmbach ist als Seelsorger an das Heiliggeist-Hospital in Fulda berufen worden.

* Im Amtsblatt der Kgl. Regierung zu Cassel werden die Allgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung von Staatsbauten bekannt gegeben.

* Nicht weniger als vierzehn Lehrerstellen werden in der letzten Nummer des Amtsblatts wieder zur Neubesetzung ausgeschrieben, ein Beweis dafür, daß dem Lehrermangel immer noch nicht abgeholfen ist, obwohl gerade jetzt eine größere Anzahl vom Seminar entlassener Schulamtskandidaten zur Verfügung steht.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht das unter dem 15. d. Mts. vom Kaiser vollzogene Gesetz betreffend die Feststellung eines zweiten Nachtrages zum Haus­haltsetat für 1901, durch welchen 335 000 Mark an Pensionszuschüssen und Unterstützungen für Kriegsin­validen bereit gehalten werden.

* Neue Postwerthzeichen mit der Inschrift Deutsches Reich" werden für das Reichs-Postgebiet und für Württemberg vom 1. April ab eingeführt Die bisher im Reichs-Postgebiete gültigen Postwerthzeichen mit der InschriftReichspost" werden mit Ende März 1902 außer Kurs gesetzt. Nach der in den Schalter­räumen der Postanstalten angebrachten Bekanntmachung sollen die neuen Postwerthzeichen, mit deren Verkaufe bereits begonnen worden ist, nicht vor dem 1. April und die alten Postwerthzeichen nicht nach dem 31. März zur Frankirung verwendet werden. Die durch das Postamtsblatt vom 12. März getroffenen Durchführungs­vorschriften lauten dahin, daß die am 1. April den Briefkasten entnommenen, mit alten Postwerthzeichen frankirten Sendungen ohne Nachtaxe zur Absendung kommen. Auch sonst sollen die Postanstalten Sendungen mit unrichtigen Postwerthzeichen bis auf Weiteres nicht in der Beförderung aufhalten und mit Nachtaxe be­legen. Immerhin liegt es im Interesse des Publikums stets die richtigen Postwerthzeichen zu benutzen, und nicht mehr zu große Einkäufe alter Freimarken, Postkarten u. s. w. zu machen. Die unverwendet bleibenden alten Postwerthzeichen werden bis Ende Juni d. I. an den Postschaltern und bei den Landbriefträgern gegen neue Postwerthzeichen umgetauscht.

L. Für Handwerker. In den meisten Handwerks­betrieben erfolgen gewöhnlich um Ostern die Lehrlings­entlassungen. Es sei deshalb darauf aufmerksam ge­macht, daß jeder Lehrling bei Strafe von 20 Mk. auf Grund der von der Handwerkskammer erlassenen Vorschriften zur Regelung des Lehrlingswesens ver­pflichtet ist, die Gesellenprüfung abzulegen, und zwar vor Entlassung aus der Lehre. Aber auch der Lehrherr hat die Pflicht, den Lehrling dazu anzuhalten, und ihm Gelegenheit hierzu zu geben. Vielfach ist man der Meinung, die Ablegung der Gesellenprüfung sei in das Belieben des Lehrlings gestellt. Dies ist aber irrig, ganz abgesehen von den persönlichen Nach­theilen, die dem Lehrling aus der Versäumniß er­wachsen. Auch gibt es leider Lehrmeister, die nach dieser Richtung hin sehr gleichgültig sind. Die Par. 127 ff. der Gewerbeordnung dürften sie jedoch eines anderen belehren, zumal Zuwiderhandlungen bis zu 150 Mk. bestraft werden können. Es ist also zu em­pfehlen, daß die in Frage kommenden Lehrlinge bei den betreffenden Prüfungsvorsitzenden, die seiner Zeit in allen Kreisblättern bekannt gegeben wurden, sich rechtzeitig um Zulassung zur Prüfung melden, bezw. daß die Lehrjungen von ihren Lehrmeistern hierzu an­gehalten werden. Gleichzeitig sei wiederholt daran er­innert, daß für alle zur Zeit noch in Lehre stehenden Lehrlinge die zu Ostern 1902 auslernenden ausge­nommen ein schriftlicher Lehrvertrag abgeschlossen und in 3 Exemplaren ausgefertigt werden muß. Da­von erhalten je ein Exemplar der Lehrherr, der Vater des Lehrlings beziehungsweise dessen Stellvertreter und die Handwerkskammer, oder, sofern der Lehrherr einer Innung angehört, die Innung! Zuwiderhandlungen können ebenfalls bis zu 20 Mk. bestraft werden.

* Was können die Abiturienten in den höheren Lehranstalten studieren? Diese Frage ist jetzt, wo die Entlassungs-Prüfungen vorgenommensind, aktuell. Nach den neuesten Bestimmungen ist das Rechtsstudium für sämmtliche Abiturienten aller neunklassigen Anstalten, also auch des Realgymnasiums und der Ober-Real­schule, frePegeben. Die Zöglinge der Realgymnasien