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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Mittwoch den 19. März 1902.
53. Jahrgang.
An imscre Werften Leser richten wir hiermit die freundliche Bitte, das Abonnement für das zweite Vierteljahr 1302 möglichst SMP sofort erneuerndes zu wollen, damit jede Unterbrechung im Empfange unseres Blattes vermieden wird. Bestellungen, welche erst bei Quartalsschluß oder in den ersten Tagen des neuen Quartals gemacht werden, haben eine Unterbrechung in der Zusendung der Nummern nothwendig zur Folge. Die Expedition.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin haben den von einer längeren Seefahrt heimgekehrten Prinzen Adalbert in Brunsbüttel begrüßt und find dann zusammen mit ihm an Bord des „Kaiser Wilhelm II." durch den Kanal nach Kiel abgedampft, wohin ihnen die „Charlotte" folgte. Am 18. März trifft der Kaiser auf dem erstgenannte» Schiffe auf der Cux- Havener Rhede ein, um den heimkehrenden Prinzen Heinrich zu begrüßen.
— Die Kaiserin wohnte am Freitag in Glücksburg der Einsegnung ihrer Nichten, der Prinzessinnen Viktoria und Alexandra von Schleswig-Holstein, bei.
— Der Heimkehr unserer „Chinaboote" kann für April entgegengesehen werden. Es sind die Torpedoboote „90", „91" und „92", die im Juli 1900 nach Ostasien dampften. Sie haben zwar keine Gelegenheit gehabt, sich in Ostasien kriegerische Lorbeeren zu erringen, aber ihre Pflicht treu erfüllt und ihre Sachen gut gemacht.
— Unter den Eisenbahnern in Preußen herrscht -Freude. Der Kaiser hat Herrn v. Thielen ermächtigt, Schadenersatz-Forderungen des Fiskus gegen Staats- bahnbeamte und -Arbeiter, die im Eisenbahnbetriebe durch Versehen derselben entstanden sind, nach Prüfung der Umstände zu ermäßigen oder auch ganz zu erlassen. ,
— „Deutsches" Büchsenfleisch. Wie man sich nach dem Einfuhrverbot gegen amerikanisches und australisches Büchsenfleisch zu helfen weiß, darüber theilt man von sachverständiger Seite der „Freis. Ztg." mit: Zur Fabrikation „deutschen Büchsenfleisches" werde amerikanisches Fleisch gebraucht, welches in Fässern eingx- führt, alsdann in Dosen verpackt und gekocht wird: An diesem „deutschen Büchsenfleische" ist also nur die Dose und die Etikette deutsch, während das Fleisch amerikanischen Ursprungs ist.
Ausland.
Wien. Oesterreichische Uebertrittsbewegung. Die nunmehr vorliegende amtliche Statistik läßt erkennen, daß die Zahl der Uebertritte im Jahre 1901 größer gewesen ist, als im Jahre 1900. Es traten zur evangelischen Kirche über 1900: 5058 Personen, 1901:6636 Personen, davon kommen auf die Wiener Superinten- denz 2304, auf die österreichische 179, auf die böhmische 2374, auf die Ascher 72, auf die mährisch-schlesische 584, auf die galizische 64, auf alleinstehende Gemeinden 82 Personen.
England. Was noch ein Gerücht war, ist nunmehr eine verbürgte Thatsache: Der Buren-General Delarey hat den General Lord Methuen, den er bei Tweebosch gefangen nahm, freigelassen, und Lord Methuen ist wohlbehalten bei seinen Landsleuten in Klerksdorp eingetroffen. Die Engländer erschießen die Buren-Offiziere, die sie fangen, die Buren geben die gefangenen britischen Offiziere ohne weiteres frei — was werden nun die Engländer mit dem gefangenen Burengeneral Kruitzinger thun? — Die Londoner Blätter erkennen einstimmig an, daß Delarey durch die Freilassung Lord Methuens eine ritterliche Hochherzigkeit bewiesen habe. Wie wird England die Hochherzigkeit der Buren im Falle Methuen vergelten? Das ist jetzt die Frage, die alle Gemüther bewegt. Die Freilassung hat naturgemäß einen vorzüglichen Eindruck gemacht und es fehlt nicht an Stimmen, die ein Zeichen der Erkenntlichkeit verlangen. In Re- gierungskreisen wird versichert, die englische Regierung werde nunmehr entweder Cronje oder Kruitzinger in Freiheit setzen. Einige Blätter meinen, daß England den Burenführern gegenüber eine andere Haltung^ einnehme und aufhöre, die gefangenen Buren als Banditen zu
behandeln. Man sieht, es fehlt nicht an Vorschlägen;? will England nicht den letzten Rest von Achtung verlieren, dann darf es nicht säumen, nun auch zu Thaten zu schreiten. — Wie aus London verlautet, hat König Eduard seine Reise nach Cannes aufgegeben, weil die dortigen Einwohner anläßlich der Gefangennahme Lord Methuens ein Freudenfest gefeiert haben. Wenn der König jedes Land meiden will, in dem man sich über Delareys Erfolg freute, dann muß er in England bleiben.
Asien. „Rußki Invalid" berichtet über Gefechte mit Tungusen in der Mandschurei. Am 20. Januar wurde vom Obersten Dobronrawow eine etwa 1000 Mann zählende Tungusenschaar nordöstlich von Mukden zersprengt, ebenso nordöstlich von Charbin am Sungarr, wo sich 600 Tungusen angesammelt hatten. Auch bei Tuntschen fand am 20. Januar ein Gefecht statt, bei dem die Tungusen etwa 100 Todte und Verwundete hatten. In Südwesten von Mukden an der mongolischen Grenze hatten sich ebenfalls Tungusenbanden von 400 bis 1010 Mann Stärke gebildet, welche dort raubten und plünderten. In mehreren Gefechten gelang es dem Generalmajor Mischtschenko, das Gebiet zu säubern und am 24. Februar die Befestigungen zu nehmen, in welche sich die Tungusen zurückgezogen hatten. Letztere verloren dabei insgesammt 133 Mann, die Russen 13 Mann. Die Verfolgung der Tungusen wird fortgesetzt.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 18. März.
* — Stationsdiätar Eliseit in Elm wurde zum Stations-Assistenten ernannt.
* — Versetzt wurden Stationsassistent Gunkel von Steinau nach Curve und Stationsassistent Sie- ling von Curve nach Steinau; Postassistent Büdnitz von Gelnhausen nach Steinau und Postassistent Montanus von Kassel nach Salmünster.
* — Dem Eisenbahn-Weichensteller a. D. Wich. Hillenbrand zu Flieden im Kreise Fulda ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden.
* — Der heutige Viehmarkt war mit 230 Stück Vieh betrieben und zwar 50 Ochsen, 80 Kühe, 40 Kälber und 60 Schweine. Der Handel war im allgemeinen lebhaft bei guten Preisen.
* — Für das Jahr 1902 ist für Zwecke der Landwirthschaftskammer die Erhebuug einer Umlage in der bisherigen Höhe (’/8 °/0 des Grundsteuer-Reinertrages) beschlossen worden.
* — Die Schulferien für die höheren Lehranstalten wurden von der Regierung in Gaffel in folgender Weise festgesetzt: Osterferien 22. März bis b. April; Pfingstferien 17. bis 27. Mai; Sommerferien 19. Juli bis 19. August; Herbstferien 4. bis 17. Oktober; Weihnachtsferien 23. Dezember bis 7. Januar.
*— Das Reichspostamt giebt bekannt: Die am 1. April den Briefkasten entnommenen, mit alten Postwerthzeichen frankirten Sendungen find ohne Nachtaxe abzusenden. Im übrigen sind Sendungen, die im Reichspostgebiet vor dem 1. April mit neuen Postwerthzeichen oder nach dem 31. März mit alten Postwerthzeichen (Reichspostoder Württembergischen Post-Werthzeichen) frankirt aufgeliefert werden, an die Absender zum Bekleben mit gültigen Postwerthzeichen zurückzugeben. Wenn dies aber ohne Verzögerung nicht möglich ist, so sollen trotz Verwendung der unrichtigen Postwerthzeichen die vor dem 1. April mit neuen Postwerthzeichen frankirten Sendungen bis auf weiteres ohne Nachtaxe abgesandt werden. Die Bestimmungs-Postanstalten haben die mit unrichtigen Postwerthzeichen versehenen Sendungen ohne Erhebung von Porto an die Empfänger auszuhändigen.
* — Im Hinblick auf die bevorstehende Abonne- ments-Erneuerung wollen wir auf das neue Verfahren der Einziehung der Zeitungsgelder und die damit verbundenen Bortheile aufmerksam machen. Die Einziehung für bisherige Bezieher unseres Blattes erfolgt in der Zeit vom 15. bis einschließlich 25. des letzten Monats im Vierteljahr unaufgefordert durch das Postpersonal, welches rechtsgültige Quittungen ertheilt. Außerhalb dieser Zeit ist die Entgegennahme von Zeitungsgeld durch das Bestellpersonal im Poston nur nach vorheriger schriftlicher Anmeldung der Bestellung bei der Postanstalt zulässig. Für derartige Bestellschreiben oder Bestellkarten kommt eine Gebühr nicht zur Er
hebung, sie können in die Briefkasten gelegt oder den bestellenden Boten mitgegeben werden. Von den Landbriesträgern werden dagegen jederzeit Bestellungen unter alsbaldiger Einziehung des Zeitungsgeldes angenommen.
* — Beim Oberpräsidenten find im vergangenen Jahre eine Anzahl Gesuche um Gestattung von Haus- collekten wegen Beschädigung durch Brand und Hagelschlag eingelaufen. Mit Rücksicht darauf macht nun die Verwaltungsbehörde darauf aufmerksam, daß in Beschädi- gungsfällen durch Zulassung von Sammlungen eine Inanspruchnahme der öffentlichen Mildthätigkeit mit Erfolg nicht mehr begehrt werden kann, wenn die Beschädigten in der Lage waren, durch Versicherung sich selbst zu schützen.
* — Die Strafkammer zu Darmstadt verurtheilte am 1. März d. I. den Viehhändler Nikolaus M. zu Obermossau zu 6 Wochen Gefängniß, weil er es unterlassen hatte, die in seinem Stalle ausgebrochene Maul- und Klauenseuche anzuzeigen. Aus Anlaß dieses gemeldeten Falles seien die Landwirthe dringend gewarnt, die ihnen obliegende Anzeigepflicht, die sich auch auf den Verdacht von Seuchen bezieht, leicht zu nehmen.
* — Die Arbeitslosigkeit gehört gegenwärtig zu den brennenden Tagessragen, und die allabendlich voll besetzten Herbergen, sowie die außergewöhnlich zahlreichen Zusprüche von Handwerksburschen bestätigen auch das Vorhandensein eines Nothstandes. Einem großen Theil dieser Reisenden scheint indes, wie das „Eschw. Tagebl." berichtet, in Wahrheit an Arbeit gar nichts gelegen zu sein. Von 16 auf einmal ankommenden Arbeitslosen, welche Beschäftigung beim Wanfrieder Bahnbau erhielten, waren nach Verlaus weniger Tage 12 wieder abgegangen, und bis aus einen sind auch die übrigen jetzt wieder fortgelaufen.
Neuhos, 14. März. Vergangene Nacht versuchten Diebe im Hause des Herrn David Levin einen Einbruch zu verüben. Durch die Unerschrockenheit der Hausbewohner aber und durch die Wachsamkeit des Hundes wurde die Ueberrumpelung vereitelt. Vor zwei Jahren wurde in demselben Hause eiu Diebstahl ausgeführt, wobei den Dieben einiges Schuhwerk in die Hände fiel.
Altengronau, 14. März. In Folge eines Schienen- bruches entgleiste gestern Morgen gegen 7'/, Uhr auf der Lokalbahn Jossa-Brückenau nächst Altengronau die Maschine und 3 Wagen des Zuges 4698. Personen wurden nicht verletzt, Lokomotive, Packwagen und Geleise erlitten nur geringe Beschädigungen.
*—Der Krieger-Verein Soden feiert Sonntag den 6. und Montag, den 7. Juli d. Js. sein 2öjähriges Jubiläumsfest.
Orb. Unter den Vermögensobjekten Orbs nimmt ohne Zweifel der Stadtwald die erste Stelle ein. Nach dem städtischen Verwaltungsberichte beträgt der Ge- sammtbesitz der Stadt an Waldung 30o2,6740 ha, also nach unserem alten Feldmaß soviel wie ca. 32ül0 Viertel Wiese. In der Vermögensübersicht erscheint dieser bedeutende Besitz mit einem Werthe von 1 Million Mark. Der Reinertrag beziffert sich (ohne Jagdpacht usw.) in 1899 auf Mk. 29 524, in 1900 Mk. 2 7 60«. — Welchen Hirschbestand unser Stadtwald birgt, geht aus den Anerkennungen hervor, welche die von den Pächtern der hiesigen Jagd ausgestellten Gehörne gefunden haben. Auf der am 13., 14. und 15. März 1900 in Frankfurt stattgehabten Geweih- Ausstellung erhielt Herr Karl Borgnis, Frankfurt a. IN. auf einen am 2. Oktober 1899 im Orber Walde erlegten Vierzehnender einen Ehren-Preis, ferner einen 1. Preis auf einen am 28. September desselben Jahres erlegten Zehnender. Herr Dr. Karl Schmidt-Polex in Frankfurt erhielt für zwei Hirsche einen 1. und 2. Preis, für ein Rehgehörn den 1. Preis.
Gelnhausen, 16. März. Der Kreis-Kriegerverband Gelnhausen beschloß, mit sämmtlichen 4« Vereinen eine Haftpflichtversicherung einzugehen und diese Versicherung mit der Frankfurter Transport-Unfall- und Gas-Versicherungs-Gesellschaft abzuschließen.
Hanau, 14. März. Laut einer Frankfurter Korrespondenz wurdv am hiesigen Gymnasium über 35 Schüler, die sich an verbotenen Verbindungen betheiligt hatten, das verschärfte Consilium abeundi und 3 Stunden Karcer verhängt. Die Königl. Regierung machte das Zugeständniß, baß die im Abiturientenexamen stehenden Belheiligten das Examen ablegen dürfen.