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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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32 22. Samstag, den 15. März 1902. 53. Jahrgang.

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Deutsches Reich.

Berlin. Am Dienstag hat der Kaiser in Wilhelms­hafen der Rekrutenvereidigung beigewohnt und eine Ansprache gehalten. Der Kronprinz wird sich vom 15.17. März in München incognito aufhalten.

Eine Audienz beim Kaiser hatte der Kommerzien- rath Körting, Mitinhaber der Firma Körting in Körtingsdorf bei Hannover. Die Firma hatte auf der jüngst in Berlin stattgehabten Ausstellung für Spiritus­verwerthung Spiritusmotore ausgestellt, für die sich der Kaiser interessirte. Der Monarch wünschte über diese für die Landwirthschaft so wichtigen Maschinen von dem genannten Firmen-Jnhaber Genaueres zu erfahren. Die Audienz ist also ein neuer Beweis für das lebhafte Interesse des Kaisers an dem Gedeihen der Landwirthschaft.

Prinz Heinrich's Abreise von New-Dork. Prinz Heinrich ist Dienstag Nachmittag um 4 Uhr an Bord derDeutschland" von New-Pork abgereist. Die Aus­fahrt derDeutschland" war sehr geräuschvoll, da alle Dampfpfeifen im Hafen ertönten. Fast alle Fahrzeuge waren schön geschmückt. Das Wetter war vorzüglich und Prinz Heinrich stand auf der Kommaudobrücke, immerfort nach beiden Seiten grüßend. Ueber die Er­eignisse vor der Abfahrt liegen folgende Meldungen vor: Major Lvw stattete dem Prinzen Heinrich auf dem Schiff einen Abschiedsbesuch ab und der Prinz übermittelte durch ihn der Bevölkerung von New-Dork einen Abschiedsgruß, in dem er sagte,er sei sehr dankbar für den ihm bereiteten Empfang, und wenn er je nach New-Pork zurückkehren werde, könne er sich als Einheimischer fühlen." Das Abschiedsmahl an Bord derDeutschland" war um halb 2 Uhr beendet. Am Schlüsse desselben steckte Prinz Heinrich die American-Beauty-Rose an, wobei er bemerkte:Dies ist das Abzeichen, welches ich während meiner ganzen Reise bewundert habe." Jeder Gast steckte ebenfalls eine solche Rose an die Brust. Alsdann nahmen die Vertreter des Präsidenten Roosevelt von dem Prinzen Abschied. Admiral Evans schüttelte dem Prinzen die Hand und sagte:Ich habe dem Prinzen und meinen Brüdern von der deutschen Flotte nur Folgendes zu sagen:Wir freuen uns, daß Sie gekommen sind, wir bedauern, daß Sie fortgehen, und wir hoffen, daß Sie wiederkommen. Es macht mir große Freude, als Ver­treter der amerikanischen Flotte die Hand der Freund­schaft zu ergreifen, welche Sie so gütig über den atlantischen Ozean herüber ausstreckten." Darauf wurde eine photographische Aufnahme gemacht, die den Prinzen, umgeben von seinem Gefolge und zusammen mit den Vertretern Roosevelts, zeigt. Um 2 Uhr sandte der Prinz ein Abschiedstelegramm an den Prä­sidenten. Von Deck derPrinzessin Victoria Luise", die neben derDeutschland" lag, herüber tönte der Gesang, den die vereinigten Sänger von Hudson County anstimmten.

Arbeitslose ehemalige Angehörige des China­korps. Der preußische Eisenbahnminister hat bestimmt, daß stellen- und arbeitslose ehemalige Angehörige des ostasiatischen Expeditionskorps und der ostasiatischen Besatzungsbrigade, selW wenn sie noch in keinem Arbeitsverhältnis zur Eisenbahn gestanden haben, in gleicher Weise, wie die zur Ableistung der aktiven Militärpflicht aus der Beschäftigung bei der Staats­eisenbahnverwaltung ausgeschiedenen Hülfskräfte und Arbeiter, wenn sie nach Beendigung ihres Militär­dienstes ihre Wiedereinstellung nachsuchen, bei der nächsten sich darbietenden Gelegenheit vor anderen Be­werbern zu berücksichtigen sind.

Die Handwerker-Versicherung. Während den Handwerkern die Gelegenheit geboten ist, sich gegen Unfall auf Grund der Unfallversicherungsgesetzgebung des Reiches zu schützen, stellt sich die Sache bei der Jnvaliditäts- und Altersversicherung noch immer recht ungünstig. Es ist zwar jüngeren Handwerksmeistern mit Kleinbetrieb schon durch die jetzige Gesetzgebung die Möglichkeit gegeben, sich gegen Alter und Invali­dität zu versichern, wenn sie rechtzeitig eintreten; wenn die Handwerker von dieser Vergünstigung bisher aber nur wenig Gebrauch machen, so hat das seine triftigen Gründe. Denn diese ganze Versicherung in ihrem heutigen Zustande ist einmal viel zu theuer, und dann bietet sie dem Handwerk auch wenig Gewinnchancen.

Das sind die Gründe, so schreibt dieStaatsb Zeitung", weshalb heute von allen einsichtigeren Elementen einer Ausdehnung der staatlichen Zwangsversicherung auf das Handwerk das Wort geredet wird; warum insbe­sondere verlangt wird, daß Handwerksgesellen, die sich selbstständig machen und Meister werden, nicht mehr, wie bisher, aus der Versicherung ausscheiden, sondern ihr, wenn auch unter abgeänderten Bedingungen, weiter unterstehen sollen. Alle Versuche, das Handwerk mit einem Hinweis auf die schon im Gesetz gebotenen Möglichkeiten abzuspeisen, erscheinen verfehlt. Auf eine ausgiebige, für den Durchschnitt der kleinen und mittleren Handwerker auch wirklich zuaängliche und billige Versicherung, und sei sie schlimmgLufalls auch eine zwangsweise darauf kommt es dem Handwerk an.

Trier, 11..z. In dem Giftmordprozeß Lach- muth wurde die 17jährige Frau Lachmuth, welche ihren um viele Jahre älteren Gatten, den Förster L., mit Strychnin vergiftete, als Mörderin zu dem Straf- maximum von 15 Jahren Gefängniß, ihr Geliebter, Lehrer Pioretzky, wegen Beihilfe zum Morde zu 15 Jahren Zuchthaus verurtheilt.

Groß-Gerau, 8. März. Trotz der hohen Be­lohnungen, die das hiesige Kreisamt für Ermittelung der Thäter, welche schon eine Unmasse an den Kreis­straßen stehende junge Bäumchen abgebrochen und ab­geschnitten haben, hört man wieder von solchen Roh- heiten. Am gestrigen Nachmittage zwischen 2 und 5 Uhr sind auf der Kreisstraße Krumstadt Eschou- brücken 21 junge Obstbäumchen abgebrochen worden. Im vergangenen Jahre sind an der Kreisstraße Trebur-Geinsheim in einer Nacht nahezu 4o0 Obst­bäumchen abgeschnitten worden.

Ausland.

Rußland. Nach dem von dem Komitee in Schemacha veröffentlichten Bericht wurden von dem Erdbeben 126 Dorfschaften mit 6084 Häusern betroffen. Davon wurden 3943 zerstört und 5843 beschädigt. Außerdem erlitten Schaden 4163 Wirthschafsgebüude, 10 Kirchen, 41 Moscheen, 3 Mühlen, 3 Schulen und 8 Seiden­webereien.

London, 10. März. Im Unterhause verlas der Kriegsminister eine Depesche Lord Kitcheners, wonach der englische General Lord Methuen von Delarey an­gegriffen, am Schenkel verwundet und gefangen wurde. 41 Engländer find todt, 77 verwundet, 210 wurden vermißt. Die Zahl der von Delarey gefangenen Mannschaften Methuens beträgt 1000. Die Buren behielten in der Gefangenschaft General Methuen nebst 200 anderen Engländern. Die Buren erbeuteten 4 Geschütze und sehr reichhaltige Bagagen. Eine wei­tere Depesche Lord Kitcheners meldet: Pretoria 9. März. Major Paris mit dem Rest der Mannschaft ist in Kraaipan eingetroffen. Er berichtet: Die Abtheilung marschirte in drei Kolonnen und verließ um 3 Uhr früh Sweebosch. Eine Stunde später, kurz nach Tages­anbruchs griffen die Buren an. Ehe die Verstärkungen ein treffen konnten, war die Nachhut durchgebrochen. Inzwischen galoppirten die Buren in großer Zahl gegen beide Flanken; dieser Angriff wurde anfangs von den Flankenabtheilungen abgewiesen. Aber eine Panik war eingerissen. Alle mit Maulthieren bespannte Wagen und berittene Mannschaften stürmten, wild durcheinandergeworfen, dahin, ihnen folgten die mit Ochsen bespannten Wagen. Alle Bemühungen, sie zum Stehen zu bringen, waren erfolglos.

DerTäglichen Rundschau" wird aus London, telegraphirt: Rhodes Kompagnon, Alfred Veit in London erhielt folgendes Telegramm aus Kapstadt: Checil Rhodes Zustand ist äußerst ernst. Es wird das Schlimmste befürchtet.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 14. März.

* Dem Seminardirektor Lotz zu Dillenburg, ein geborener Schlüchterner, wurde der Charakter als Schulrath mit dem Range eines Rathes vierter Klaffe verliehen.

Die Stadtverordneten-Versammlung erledigte in ihrer Sitzung am 11. März d. I. folgende Tages­ordnung : Feststellung des städtischen Voranschlags für 1902/03, der in Einnahme und Ausgabe mit 83,587 Mk. abschließt. Endgiltige Genehmigung des Feuerwehr-

Statuts sowie der Sparkassen-Statuten mit den durch die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches nöthig gewordenen Abänderungen. An Stelle des infolge Krankheit aus dem Magistrat ausgeschiedenen Herrn Fehl wird Herr Landwirth I. Kohlhepp gewählt. Beim Magistrat wird seitens der Stadtverordneten- Versammlung die völlige Aufhebung des Bürgerrechts­geldes beantragt. Dem Antrag des Magistrats, das sogen. Schlößchen mit Nebengebäuden und Garten an- zukaufen, wird prinzipiell zugestimmt. Die genaue Festsetzung der Verkaufsbedingungen zwischen der Stadt und den jetzigen Besitzern bleibt vorbehalten.

* Der Landwirthschaftliche Kreis-Verein dahier, welcher unter Führung seines Vorsitzenden Herrn Geh.- Rath Roth, neben vielen anderen gemeinnützigen Ein­richtungen fortwährend auf die Hebung der Viehzucht im Kreise bedacht ist, hat vom 5.12. März aus den Alpen im Simmenthal 25 Stück Zuchtvieh (1 Bulle, 24 Rinder) ankaufen lassen, welche Donnerstag Nach­mittags zur Versteigerung gelangten. Die Thiere im Alter von 1 Jahr bis zu 2 Jahr 6 Monate machten trotz ihrer dreitägigen Reise einen sehr guten Eindruck und waren solche innerhalb sehr kurzer Zeit unter die Besteller vergeben. Die Preise stellten sich für trächtige Kalbinnen auf 450605 Mk. für jüngere Rinder 230 bis 540 Mk.

* Die Stadtförsterstelle in Steinau ist anderweit zu besetzen. Näheres beim Bürgermeisteramt daselbst.

* Von amtlicher Seite wird auf die für den Regierungsbezirk Casfel erlassene Polizeiverordnung vom 22. April 1892 hingewiesen, nach der die Eigenthümer, Nutznießer und Pächter von Grund­stücken oder deren Stellvertreter dafür zu sorgen haben, daß alle vor dem 1. April abwelkenden Obstbüume oder Aeste sofort entfernt werden und daß deren Holz im Laufe des Winters verbrannt wird". Zuwieder- Handelnde werden mit Geldstrafe bis zu 160 Mark oder entsprechender Haft bestraft.

* - Zu Ostern l. I. können taubstumme Kinder in die Taubstummenanstalt zu Homberg neu ausge­nommen werden. Aufnahmefähig sind Kinder, die taub oder schwerhörig, über 6 und unter >2 Jahre alt, körperlich gesund und bildungsfähig sind. Die Höhe der Unterhaltungskosten für die Zöglinge richtet sich nach den Vermögensverhältnissen der Eltern; un­bemittelte Kinder werden unentgeltlich ausgenommen. Anträge sind an die Ortsbehörden bezw. an die Land­rathsämter zu richten.

* - Gesellenprüfung für Schlosser. Der Prüfungs­Ausschuß wird in nächster Zeit einen Prüfungstermin in Hanau abhalten. Diejenigen, welche die Prüfung ab- zulegen beabsichtigen, wollen sich baldigst bei dem Vor­sitzenden des Prüsungs-Ausschusses, Herrn Schlosser- meister Jg. Peteler, Schnurstraße 16, schriftlich melden. Dem Gesuch um Zulassung zur Prüfung sind beizu- fügen: 1) ein kurzer selbstgeschriebener Lebenslauf; 2) von Lehrlingen das Lehrzeugniß oder der Lehrbrief;

3) das Zeugniß der Fortbildungs- oder Fachschule, sofern der Lehrling zum Besuch derselben verpflichtet war. Die Prüfungsgebühr (3 Mk.) ist vor dem Prüfungstermin an den Vorsitzenden des Prüfungs- Ausschuffes zu entrichten.

* In Niederkalbach brannte am Dienstag das Wohnhaus und Scheuer des Weisbindermeisters Sall- mann völlig ab.

* In Kommerz bei Neuhof grassirt zur Zeit das Scharlachfieber unter den Kindern in sehr starkem Grade.

(Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer v. 12. März.) Fast die ganze israelitische Gemeinde Ulmbachs erscheint heute im Gerichtssaal und zwar neun davon als Angeklagte. Der Anklage liegt folgender Vorfall zu Grunde: Am 19. Oktober v. Js. war die israelitische Gemeinde Ulmbachs in der Syna­goge beim Gottesdienst versammelt, als der frühere Vorbeter und Religionslehrer der Ulmbacher Gemeinde Bloch in den Raum trat, auf dem ungewöhnlichen Wege zwischen dem Vorlesepult und dem hl. Schrein nach einem Platz ging, den ein kleiner Junge inne hatte, diesen beiseite schob, dann seinen Ueberzieher aus- zog und angeblich auf den Jungen warf. Durch dies einigen der Angeklagten auffällige Benehmen des in der Gemeinde ohnehin allgemein schon höchst unbelieb­ten und seit anderthalb Jahren der Synagoge fern