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SchlüchternnMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

tM 21. Mittwoch, den 12. März 1902. 53. Jahrgang.

i^ftdltftlrtiMr auf die .Schlüchterner Zeitung" tuerben nod) fortwährend von allen -------- ~ - Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

Donnerstag, den 13. März l. Zs.

Nachmittags 2 Uhr werden die in der Schweiz angekauften Simmenthaler Rinder vor der Gastwirth­schaft des Herrn Fritz Denhardt hierselbst unter den Bestellern versteigert.

Schlüchtern, den 11. März 1902.

Der Vorsitzende des landwirthschaftlichen

Kreis-Vereins: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Dank des Prinzen an das amerika­nische Volk. Prinz Heinrich hat durch den Kapitän zur See von Müller die Erklärung abgeben lassen, daß er von der Reise höchst befriedigt sei. Er wisse Wohl, daß er nur einen ganz kleinen Landestheil ganz oberflächlich kennen gelernt habe. Er habe aber doch eine Idee von der Größe des Landes und seiner Hilfs­quellen bekommen. Mehr als die Reise-Eindrücke, so erklärt Kapitän Müller ferner, schätze der Prinz das herzliche Willkommen, das ihm überall bereitet worden sei und durch welches die Bevölkerung gezeigt habe, daß sie die Absicht, welche Kaiser Wilhelm bei der Entsendung des Prinzen hatte, verstehe und würdige. Der Prinz bedauere wiederholt, daß er nicht jedem Einzelnen danken könne, besonders denen, die ihn mit Musik und Hochrufen bewillkommneten, während er im Bette lag. Wie werde er vergessen, wie das amerika­nische Volk ihn überall mit Gastfreundschaft und Sym­pathie ausgenommen habe.

Vom 1. Januar 1903 ab gelangt die vom preußischen Kultusminister für die Schulen sestgestellte Rechtschreibung allgemein in dem amtlichen Schrift­verkehr der preußischen Staatsbehörden und der unter staatlicher Verwaltung stehenden städtischen Behörden zur Anwendung. Sie wird auch den nicht staatlichen Behörden und Körperschaften für ihren Amtsverkehr dringend empfohlen.

Gießen. Der durch seine Schwindeleien genugsam bekaunte, unter dem Warnen Dr. Haag in Ulrichstein gewesene Pseudo-Arzt ist in Mühlhausen im Elsaß verhaftet und nach Gießen transportirt worden.

Ausland.

Ueber Paris lanciren die Engländer Gerüchte in die Presse, nach denen die Buren zur Unterwerfung und (Entgegennahme von Friedensvorschlägen bereit sind. An diesen Gerüchten ist kein wahres Wort. Aus unanfechtbarer Quelle wird dagegen auch gemeldet, daß die Buren an ein Wachgeben oder an Unterwerfung gar nicht denken und daß der Krieg nach einem oder zwei Jahren voraussichtlich noch genau auf demselben Punkte stehen werde, wie jetzt.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 11. März.

* Zu einem schönen Gesammtbilde gehört auch ein passender Rahnien und der fand sich nun endlich in der neuen, von Herrn Ludwig Kohlenbusch entworfenen und zur schönsten Vollendung aufgestellten Bühne, mit den dazu gehörigen Kulissen. In einem solchen würdigen Rahmen bot sich einer dankbaren, schaulustigen Menge ein seltener Genuß dar. Ernst ist das Leben, heiter die Kunst! In der Absicht, Angehörigen und Freunden des Vereins einige heitere Stunden zu bereiten, hielten es die jungen Künstler mit vorstehen­dem, schönen Spruch, der der neuen Bühne zur Be- krönung geworden und bewiesen die Darsteller schon bei ihrem ersten Auftreten zur Genüge, daß sie es wahrhaft ernst mit ihrer Kunst meinen. Herr Willy Rollmann, der als Leiter des Ganzen mit der brillanten Durchführung der so überaus schwierigen Aufgaben sich die ersten Lorbeeren verdiente, leitete die Vor­stellung durch einen mit wahrem Pathos vorgetragenen, Prolog ein. Die Aufführungen gingen in frischer und

flotter Weise vor sich und zeigten sich alle Darsteller ohne Ausnahme, voll und ganz ihrer Aufgabe ge­wachsen. Ganz besonders hervorzuheben sind die jungen Damen, die mit wahrer Selbstverleugnung die Rollen der komischen Alten übernommen hatten. Wohl­gelungen in Maske und Spiel zeigten sich auch die jungen alten Herren. Herzerfrischend wirkte die Tyrolerin mit ihrem Bu'a, während in altgewohnter Weise der unermüdliche Wirth durch seine humoristischen Vorträge allgemeine Heiterkeit hervorzauberte. Ange- nehme Abwechslung bot der Turnwart, Herr Kreß, durch Vorführung der Pyramiden, die er mit seiner kräftigen Turnerschaar aufs beste neu einstudiert hatte, und zeigte er uns hierbei, zu welch' schöner Blüthe der hiesige Turnverein sich entfaltet hat. Möge er in seinen edlen Bestrebungen fortfahren und weiter ge­deihen! I. D. L.

* Der Pfarrer und (Dechant O r t h in dem benachbarten Herolz ist nach langem, schweren Leiden im Alter von 66 Jahren verschieden.

* Die durch Versetzung des seitherigen Inhabers erledigte Schulstelle zu Niederzell ist vom 1. April d. I. ab durch Herrn Lehrer Fischlein, seither in Breiten­bach, besetzt worden.

* Die Oberförsterstelle Sterbfritz im Regierungs­bezirk Cassel ist zuni 1. Juli 1902 anderweit zu be­setzen.

Groß-Blankenbach, 7. März. Durch Bewohner eines Hauses in Klein-Blankenbach, Bez.-Amt Alzenau, an der Bahnlinie Kahl - Schöllkrippen gelegen, wurde eine Petroleumquelle gefunden. Das Petroleum tritt an der Erdoberfläche zu Tage und fließt direkt in den Kahlfluß, aus welchem Grunde diese Quelle jedenfalls nicht früher entdeckt wurde. Durch Neubau eines Wohnhauses in der Nähe derselben waren die Bewohner veranlaßt, an dieser Stelle Wäsche im Kahlfluß zu waschen und roch dieselbe stets nach Petroleum, was zur Entdeckung dieser Quelle führte. Im oberen Kahlgrunde in der Wähe der Glashütte befinden sich Gräben, welche Petroleumhaltiges Wasser führen. Das gefundene Petroleum brannte sofort und gab eine Helle Flamme.

Cassel. Es dürfte vielleicht interessiren, zu hören, was der Gustav Adolf-Verein, dessen 55. Jahresver­sammlung bekanntlich in den Tagen des 22. bis ^5. September hier stattfindet, seither in Hessen selber an helfender Liebe geleistet hat. Vierzehn evangelischen Gemeinden, die aus eigener Kraft nicht dazu in der Lage waren, hat er Kirchen gebaut oder bauen helfen, so in Volkmarsen, Fritzlar, Neustadt, Langenschwarz, Rothelmshausen, Hettenhausen, Salmünster, Tann, Naumburg, Haueda, Vatterode, Weidenbach, Hünfeld nnd Fulda, ferner drei Kapellen zu Neuhof, Hilders und Amöneburg. Außerdem unterstützt er einen großen Theil dieser und anderer Gemeinden in der Diaspora noch fortlaufend mit jährlichen Beiträgen zur Deckung ihrer Ausgaben für Kirchen, Schulen und Pfarrhäuser. Im letzten Jahre betrug diese Unterstützung nicht weniger als 16 743 Mk. Trotz alledem, was schon geschehen ist, konimen indessen immer noch zahlreiche Hülferufe von evangelischen Gemeinden in der Dias­pora, so daß immer wieder erneut an die brüderliche Liebe der evangelischen Christen die Bitte um Mithilfe an dem Werke der Gustav Adolf - Stiftung gerichtet werden muß. Wie von zuverlässiger Seite mitgetheilt wird, will die Anstalt Bethel bei Bielefeld, wo bisher auch die Fallsüchtigen aus der Provinz Hessen-Nassau untergebracht wurden, diese Kranken abgeben, bezw. keine Fallsüchtigen aus Hessen mehr in ihre Anstalt aufnehmen, da es ihr an dem nöthigen Raume dazu gebricht. Damit wird unser Land vor die sehr schwie­rige Aufgabe gestellt werden, eine eigene Anstalt für Epileptische zu beschaffen. Am Besten würde Wohl diese mit der Anstalt Hephata bei Treysa verbunden werden, da hier das nöthige Pflegepersonal vorhanden ist, allerdings würden dann aber bedeutende Neubauten dortselbst nothwendig sein, welche die Anstalt aus ihren Mitteln nicht leisten kann.

3utmffant für jede Gemeinde!

Die Situation der Gemeinde, wie ihrer einzelner Mitglieder wird dadurch gehoben, daß Vortheile und Verbesserungen, die auf allen Gebieten gemacht werden, möglichst ausgenutzt werden. Heute sind besonders

jene Bestrebungen an der Tagesordnung, die billige und gesunde Wohnungen für den Arbeiter und kleinen Beamtenstand zum Ziele haben. Dieses Bedürfniß wird überhaupt im kleinen Stande überall empfunden, es sollen aber weitläufige Erörterungen unterbleiben und vielmehr nur darauf hingewiesen werden, welche Vortheile und Erleichterungen einer Gemeinde ins­gesammt, und den einzelnen Gemeindemitgliedern im Besondern erwachsen, wenn einer wirklich rationeller Bauweise ernstlich näher getreten würde. Millionen werden alljährlich im Lande verbaut, wo unbestritten noch Vieles erspart nnd den Gemeinden erhalten werden könnte, besonders da, wo es sich um den Kleinbau handelt. Das kleine Häuschen des Arbeiters wird bekanntlich aus dem gleichen theuren Material erbaut, wie die auf Jahrhunderte berechneten Staatsbauten. Das muß man Luxus nennen; trotzdem kommt man aber nicht dazu, Remedur eintreten zu lassen. Kein Mensch wird dies aber sparsam nennen können, wo doch unsere Zeit das Sparen so sehr nöthig hätte.

Wenn deshalb ein Fachmann von Beruf mit diesen Zeilen dem nothwendigen Sparen das Wort redet und den Gemeinden Winke gibt, auf welche einfache Art und Weise beim Bauen gespart werden kann und soll, so darf eine solche Kundgebung alleuthalben mit Dank begrüßt werden. Lassen wir den Fachmann also selber sprechen:

Sparen beim Bau, einerlei ob Hoch- oder Tief­bau", zeigt uns die Natur gewissermaßen selber. Will man sich ein Haus bauen und es sind am Platz keine Steine zu haben, so ist es keineswegs Bedingung, daß man sich solche mittelst theurer Fracht oder Fuhre von Auswärts kommen läßt. Man ist heute so weit vorgeschritten, Steine auf künstlichem Wege an Ort und Stelle herstellen zu können. Dazu bedarf es nicht einmal einer nennenswerthen Einrichtung. Ja noch mehr, man braucht nicht einmal Steine, wenn man mit Concret bauen will, eine Bauart, die ebenfalls be­kannt ist. Natürlich braucht man zu Beiden das nöthige Rohmaterial, das aber jeder Landstrich in Masse bietet, wenn man es nur nehmen will, wo es liegt. Aus Lehm formt man seit Jahrtausenden den Ziegel und aus Kies und Sand mit Kalk zc. den Concret (Beton) und künstlichen Stein. Sogar aus gewöhnlichem Bruchschutt und sHaidengerölle, Schlacken u. s. W. lassen sich solide Bauwerke aufführen. Und das Bauholz? frügt man weiter? An dem kann ebenso gespart werden, auch wenn die Gegend keines aufwies, denn es ist schon längst deutlich gezeigt worden, daß man selbst Deckengebälke u. s. w. aus armirtem Concret herstellt, also das Halz auf billige Weise ersetzt. In unseren Nachbarländern (England, Frankreich, Schweiz rc.) stehen schon viele Concret- häuser und ihre Güte und hygienische Brauchbarkeit ist amtlich anerkannt. Man kann also billig und doch solid bauen, wenn man nur will. Und noch Eins! Wie mancher Ortsangeseffene könnte sich einen leichten und rentablen Nebenerwerb verschaffen, wenn e; die am Platz vorhandenen Rohmaterialen in Bau- materialen verwandeln möchte, wozu bekannter Weise fast gar keine Einrichtung von Nöthen ist. Die Haupt­frage hierzuWer lehrt ihm das?" sei sofort beant­wortet ynt dem Hinweise, daß der qu. Fachmann, im Interesse des allgemeinen Fortschritts und Volkeswohl­fahrt bereit ist aus seiner ca. 40jährigen Baupraxis alle diesbezüglichen reichen Erfahrungen zur fast unent­geltlichen Verfügung zu stellen. Er ist bereit, aus dem gesammten Concretbauwesen und der Selbster­zeugung von^ gewöhnlichem Baumaterial eine ganze Reihe Anweisungen an jede Gemeinde oder einzelne Gemeindemitglieder abzutreten und noch eine Sammlung von kleinen Seifen zu kleinen Häuschen zuzulegen, welche schon von 1500 Mark aufstellbar sind. Das Alles kann aber nur geschehen, wenn sich in jeder Ge­meinde ohne Ausnahme reges Interesse zeigt, damit es der Mühe lohnt, die zahlreichen Anweisungen und Belehrungen in Druck zu geben. Es muß im Be­sonderen noch erwähnt werden, daß alle die genannten Anweisungen sich auf Verfahren beziehen, die zum Theil unter gesetzlichem Schutze stehen, zum andern Theil aber Methoden sind, die allgemein als Fabrikgeheimnisse gelten, also mit dem gewöhnlichen althergebrachten Schlendrian nichts gemein haben. Ein intensiver Fortschritt thut im Gesammtbauwesen überall not^