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Erscheint Mittwoch und Sanistag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

J& 19. Mittwoch, den 5. März 1902. 53. Jahrgang.

au^ bie »Schlüchterner Zeitung" D§NrNt4NArir werden noch fortwährend von allen " - ...... Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser sandte den Herausgebern der amerikanischen Zeitungen für den dem Prinzen Hein­rich bereiteten Empfang telegraphisch seinen Dank.

Zur Rückfahrt wird Prinz Heinrich den Riesen­schnelldampferDeutschland" benutzen. DieDeutsch­land" wird am 4. März an der amerikanischen Küste ankommen und am Pier der Hamburg-Amerika-Linie in Hvboken anlegeu. Die Rückfahrt von dort mit dem Prinzen Heinrich und Gefolge an Bord wird am 11. März Vormittags angetreten, und diese dürfte sich überaus interessant und fesselnd gestalten, da erstens das amerikanische Geschwader und zahlreiche Privat- yachten den Riesendampfer bis Neufundland begleiten werden.

Der Kronprinz wird am 5. März in Metz ein­treffen, die Schlachtfelder und Baudenkmäler besichtigen und dann auch in Straßburg die Sehenswürdigkeiten in Augenschein nehmen. Voraussichtlich macht er auch einen Ausflug in die Vogesen und dann nach Karlsruhe.

Der Schah von Persien kommt Ende Mai nach Berlin.

Verkehrsberuf. Wie wahr das Wort Kaiser Wilhelms LL:Wir stehen im Zeichen des Verkehrs!" ist, beweist der Umstand, daß gegenwärtig im deutschen Reich die meisten Menschen im Verkehrswesen beschäftigt sind. So sind im Post- und Telegraphenwesen rund 99 000 thätig. Im Eisenbahndienst sind außer den definitiv angestellten 180 OOO Beamten nach noch Hilfs- beamte, Streckenarbeiter, Gütertagelöhner und zeitweise Maurer und andere Handwerker, Schneeschaufler usw. beschäftigt. Rechnet man hierzu noch Gepäckträger, Werkstättenarbeiter, die verschiedenen Arbeiter in den 30 deutschen Lokomotivfabriken, so kommt eine Zahl heraus, die sich gar nicht recht feststellen läßt und mindestens 400 000 beträgt. Höhere Eisenbahnbeamte sind rund 11 000, Führer 400U, Restaurateure 22 000 und Speditionsgeschäfte 6000 vorhanden. Dazu kommt von Schifffahrts-Gesellschaften rc. ganz abgesehen, noch das Personal von 70 Pferdebahngesellschaften und 5h Straßenbahnen.

Essen. Wiederaufschwung inderrheinisch-westfälischen Eisenindustrie. Uebereinstimmenden Berichten gut in- formirter Blätter des rheinisch-westfälischen Bezirkes nach macht sich in der Eisenindustrie eine derartig erfreuliche Aufbesserung bemerkbar, daß fast alle größeren Werke bis in den Sommer hinein mit Aufträgen versehen sind. Laut demBochumer Anzeiger" erhielt das Eisen- und Stahlwerk Hösch für 7, Jahr Aufträge, die die volle Beschäftigung des umfangreichen Werkes in allen Abtheilungen ermöglichen. Auch der Hörder Bergwerks- und Hüttenverein ist auf Monate hinaus in allen Betrieben flott beschäftigt. Die Lage auf dem Kohlenmarkt ist ungünstig. Im Ruhrrevier müssen die Zechen Freierschichten in solchem Umfang einlegen, wie seit langer Zeit nicht. Die Lager sind überfüllt, Arbeiter­entlassungen und Lohnherabsetzungen erfolgen im ganzen Bezirk. Auch der Geschäftsbericht des Gelsenkirchener Bergwerksverein beklagt die Lage des Kohlenmarktes, die namentlich auch durch das milde Wetter herbei­geführt sei.

Eine Spar- und Bau-Genossenschaft mit be­schränkter Haftung ist in Siegburg gegründet worden. Die Genossenschaft, der sich sofort mehr als 100 Ar­beiter, als Mitglieder anschlossen, bezweckt die Erbauung und den Ankauf von Arbeiterhäusern. Jeder Theil- nehmer zahlt einen Antheil von 200 Alk., welcher sofort, oder wenn die Verhältnisfe dies nicht erlauben, in Monatsraten von 10 Mk. zu zahlen sind. Die Mit­gliedschaft wird sogar bei einer wöchentlichen Einlage von 50 Pfennigen erreicht, sobald die Summe von 200 Mk. voll zur Einzahlung gelangt ist. Die Ge- schäftsantheile sind mit 4 Prozent verzinslich. Die Baugenossenschaften, welche infolge der Wohnungsnoth in den großen Städten wie die Pilze aufwuchsen, be­ginnen sich nun also auch in den kleinen Communen einzubürgern. Düse Erscheinung ist aus vielen Gründen, namentlich auch im Interesse der kleinen Miether zu begrüßen. Die augenblicklich noch in ihren

Anfängen befindliche Bewegung scheint in der That zn einer allgemeinen Reform auf dem Gebiete der Woh­nungsfrage führen zu sollen.

In Kolberg starb eine Frau Popp, die als Marketenderin des 54. Infanterie-Regiments die Feld- züge 1866 und 1870/71 mitgemacht hat. Sie wurde mit allen militärischen Ehren begraben. Vor bem Sarge schritt die Regimentskapelle, und das Offizier­korps, die 7. Kompagnie und der Kriegerverein gaben das Geleit.

Ausland.

Barcelona, 27. Febr. Den Verlust, den Barcelona und die Provinz durch den Ausstand erlitten hat, wird auf 40 Millionen Pesetas geschätzt. Die Arbeiter ver­loren fünf Millionen. In den Gefängnissen be­finden sich 205 Personen, die vom Militärgericht ab- geurtheilt werden sollen. Unter ihnen soll sich ein deutscher Anarchist Namens Hermann befinden.

England möchte angesichts der Aussichtslosigkeit, mit den Buren fertig zu werden, einlenken. Nicht anders ist die Erklärung Chamberlains, im Londoner Unterhause zu verstehen, daß Lord Kitchener, der dabei auf eigene Autorität handle, bereits die Uebergabe einzelner geringer Burenführer angenommen habe unter der Maßgabe, daß sie nicht, wie sie es verwirkt hätten, in die Verbannung geschickt kerben sollten, sondern in ihrer Heimat bleiben könnten. Die eng­lische Regierung hat dagegen, wie Chamberlain hervor- hob, keinen Widerspruch geltend gemacht. Die englische Regierung wird voraussichtlich in nicht allzulanger Frist noch ganz andere Bedingungen widerspruchslos acceptiren. Daß es auf dem Kriegsschauplatze schief und immer schiefer geht, bezweifelt nämlich im Ernste auch kein Mensch in England mehr. Alle Londoner Blätter beklagen sich über das Stillschweigen der Re­gierung hinsichtlich der beiden letzten Schlappen der Engländer in Südafrika und geben ihrer Meinung dahin Ausdruck, die Ueberschreitung der Blockhaus­linien durch die Buren beweise, daß diese kostspielige und complicirte Einrichtung nicht diejenigen Dienste leiste, die man von der Regierung gewünscht und er­wartet habe. Auch zur Rettung des kreuzbraven Burenkommandanten Krutzinger, der gelegentlich eines Rettungswerkes in die Hände der Engländer fiel, machen sich in England gewichtige Stinimen geltend.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 4. März.

* Der heutige Viehmarkt war mit 860 Stück Vieh betrieben und zwar 300 Ochsen, 400 Kühe, 80 Kälber und 80 Schweine. Der Handel war im allgemeinen lebhaft bei guten Preisen.

* Die beim Bau der Eisenbahn bei Gomfritz s. Z. vorgesehene Haltestelle ist jetzt abermals durch eine Petition der Gemeinden Klosterhöfe, Wallroth und Hintersteinau in Anregung gebracht worden. Die Darmstädter Gemeinde Freiensteinau, die früher bei Gonifritz an die Bahn zu kommen gedachte, wird wohl jetzt kein Interesse daran haben, da die neue Bahn durch den Vogelsberg bei Grebenhain näher ist.

* Das am Sonntag stattgefundene Concert im Seminar war stark besucht und haben die Schüler durch ihre geschulte, muntere Weise in Gesangstücken, sowie in Klavier-, Geigen- und Orgelspiel die Zu­hörer erfreut und befriedigt. Wie verlautet soll dem­nächst wieder ein Conzert stattfinden und zwar zum Besten der Buren; wir wollen wünschen, daß auch diesesmal das Conzert gut besucht wird.

* Sämmtliche im äußeren Eisenbahndienst be­schäftigten Beamten und Arbeiter werden jetzt wieder auf Farbenunterscheidungsvermögen, ferner auf Sch­und Gehörschärfe untersucht. Mit der Untersuchung sind die Bahnärzte beauftragt.

* Ein Berliner Fleischermeister war des Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz angeklagt worden, weil er seiner Leberwurst einen Zusatz von Mehl bei­gegeben hatte. Der Meister führte zu seiner Ent­schuldigung an, daß es gegenwärtig gar nicht mehr möglich sei, eine ansehnliche Leberwurst ohne einen zusammenhaltenden Zusatz herzustellen, da die Schweine­lebern so wässerig seien, daß sie eine.bindende Kraft überhaupt nicht besäßen. Das rühre von der über­schnellen Mästung der Schweine her. Früher wurden die Schweine erst nach einem Jahr geschlachtet, jetzt

bringe man sie durch Mästung mit künstlichen, Futter­mitteln innerhalb 8 Monaten zur Schlachtreife. Der Gerichtshof ließ diese Argumentation nicht unberücksichtigt und verurteilte den Angeklagten statt zu den bean­tragten 20 Mark nur zu 5 Mark Geldstrafe

* Vor dem Schwurgericht in Hanau wurde am Donnerstag in nicht öffentlicher Sitzung gegen den Kutscher Peter Köhler von Rüdigheim verhandelt, der beschuldigt wird, im Dezember v. I. an der ledigen Kath. At. von Langenselbold auf der Straße nach Ravolzhausen sich im Sinne des § 176,1 des R.-St.-G.-B. vergangen zu haben. Der Angeklagte wurde schuldig erkannt und unter Zubilligung mildernder Umstände zu 1 Jahr Gefängniß verurtheilt. Am Freitag wurde, ebenfalls hinter verschlossenen Thüren, gegen den Privatschreiber, früheren Kellner, Friedrich Klüh von Hanau verhandelt, der angeklagt ist, sich gegen die ledige Näherin G. im Sinne der §§ 177, 219, 220 und 223 des R.-St.-G.-B. vergangen zu habe«. Der Angeklagte hatte ein Verhältniß mit der Näherin G. und soll sich im August v. I. ein Verbrechen im Sinne des § 177 schuldig gemacht haben. Im Oktober und November hat er sie nach der Anklage körperlich mißhandelt und die Treppe hinunter geworfen. Die Verhandlung wurde Nachts 11 Uhr zu Ende geführt und der Angeklagte zu 6 Monaten Gefängniß verur­theilt. - Am Sonnabend spielte beim Beginn der Schwurgerichtsverhandlung der 26jährige Angeklagte Gustav Jäckel, Schmied aus Breslau, den wilden Mann. Derselbe brüllte wie ein wildes Thier und schrie:Mörder",Spitzbuben" u. s. w. Er wurde von 4 Mann gebändigt und gefesselt auf die Anklage­bank gebracht, wo er sich darauf beschränkte, wie ein gefangener Löwe zu brüllen und zu stöhnen. Er hatte früher genau dieselben Manöver veranstaltet, wenn ihne ein längerer Aufenthalt im Zuchthause bevorstand. Die Irrenärzte erklären ihn für gesund. Die Anklage legt ihm zur Last, am 15. August v. I. es versucht zu haben, auf der Straße von Kempfenbrunn nach Framersbach ein elfjähriges Kind zu berauben. Mit Rücksicht auf die zahlreichen Vorstrafen wurde der Angeklagte zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurtheilt. Die Strafsache gegen den Rentmeister Gutberlet von Rasdorf wegen Unter­schlagung und Urkundenfälschung, welche am 3. März zur Verhandlung kommen sollte, wurde wieder von der Terminsrolle abgesetzt, da die Sache noch nicht spruch­reif ist.

Von der Rhön. Auf der hohen Rhön, am Schwabenhimmelberg und im rothen Moor, theils Gersfelder, theils Sandberger und theils Wüsten- sachsener Geniarkung, breiten sich gewaltige Flächen von einschürigen Rhönheufeldern aus, die ihren Be­sitzern nur ein minderwerthiges Futter liefern. Dabei ist das Abernten dieser Bergwiesen sehr beschwerlich und erfordert viel Mühe und Zeitverlust, sodaß zumal bei den jetzigen hohen Arbeitslöhnen von einer auch nur geringen Rentabilität keine Rede sein kann. Manche Besitzer haben 2-3 Stunden mit ihrem Rindvieh­gespann zu fahren, ehe sie die betreffenden Grundstücke erreichen. Das mit großer Anstrengung gemähte Gras dieser meist sumpfigen Moorflächen muß an trockene Stellen getragen, daselbst gedörrt und dann, weil diese Moorwiesen ohne Gefahr des Einsinkens von Wagen und Vieh nicht überall betreten werden können, bis zu etwas festeren Plätzen zum Aufladen gebracht werden, was je nach der Beständigkeit oder Unbeständigkeit der Witterung viel Schweißvergießen erfordert. Manche dieser Wiesenflächen blieben daher in den letzten Jahren ungemäht und die Besitzer boten vielfach ihre Besitz­theile der Königlichen Oberförsterei Hilders, deren üppige Waldungen hier angrenzen, zwecks Aufforstung zum Verkaufe an. Diese erklärte sich hierzu bereit, falls der Ankauf größerer aneinanderstoßender Flächen zu Stande zn bringen sei. Zu diesen: Zwecke wurde Seitens des Herrn Oberförsters Böhm zu Hilders ein Termin im Gasthauszum Adler" zu Gersfeld anberaumt und die Betheiligten hierzu geladen. Sämmtliche Besitzer besagter Grundstücke fanden sich ein und traten ihren sich bis zum Rhöntorfwerk Rothes Moor erstreckenden Besitz gegen Zahlung von 250 Mk. pro Hektar an den Forstfiskus ab. Mit der Auf­forstung wird bereits kommendem Herbst begonnen werden. Den Ausfall an Futter wissen sich unsere