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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Sanistag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

16. Samstag, den 22. Februar 1902. 53. Jahrgang.

dieSchlüchteruer Zeitung- ULßHkULHvL^L-Tz werden noch fortwährend von allen .^-v-!?^ü>-> > Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

Am Sonnabend den 15. Märzd. J.Vormittags 11 Uhr findet im Kreishanse hierselbst eine Kreis- tags-Sitzung statt.

Schlüchtern, den 14. Februar 1902.

Der Königliche Landrath: Roth.

Bekanntmachung.

Der Metzger Ludwig Adam Deuhard zu Schläch­tern beabsichtigt, auf seinem Grundstück Karteublatt T. Nr. 429/7 in der Fuldaerstraße, ein Schlachthaus zu errichten.

Ich bringe dieses Vorhaben hiermit zur öffentlichen Kenntniß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren oder mündlich zu Protokoll anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Zeichnung und Beschreibung können während der Dienststunden seitens der Interessenten im Ge­schäftszimmer des Bürgermeisteramtes eingesehen werden.

Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht auf

Montag, den 10. März, Vormittags 10 Uhr im Geschäftszimmer des Unterzeichneten an u^ wird hierbei benierkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unter­nehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Er­örterung der Einwendungen vorgegangen Werben wird.

Schlüchtern, den 20. Februar 1902.

Die Ortspolizeibehörde: Salomon, Bürgermeister.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser, der seit Ende voriger Woche in Hubertusstock weilt, wird am Freitag im Offizier- kasino des Leibgarde-Husaren-Regiments in Potsdam einem alten Herren-Abend beiwohnen. Prinz Eitel Friedrich besucht am Sonnabend das Grenadierregiment Nr. 2 in Stettin, ä la suite dessen er gestellt werden wird. Auch der Kaiser wird dort erwartet.

Im Atlantischen Ocean herrscht nach den neue- sten Meldungen schlimmes Wetter. Es liegen (viele Meldungen über Schiffsbrüche vor. Zum Glück ist derKronprinz Wilhelm", der den Prinzen Heinrich an Bord hat, ein so tüchtiges Schiff und so bewährter Leitung anvertraut, daß er den schwersten Stürmen gewachsen erscheint. Der Schiffsverkehr in der Bucht von New-York ist nach Berichten derVoss. Ztg." durch das Unwetter völlig zum Stillstand gebracht. Die KaiseryachtHohenzollern" ist mit einer dicken Schneedecke überzogen. Durch den Schnee ist der ge- gesamte Verkehr in New-York völlig lahm gelegt, sodaß es Tausenden von Einwohnern der' Vororte nicht mög­lich ist, die Stadt zu erreichen. 13 Ot O Mann arbeiten mit Schaufeln an der Freihaltung der Straßen.

Unsere Schutztruppe in Kamerun hat mit der Niederwerfung der räuberischen Bangwa-, Bahnt- und Bandengstämme eine großartige Leistung vollbracht. Es waren bedeutende Geländeschwierigkeiten zu über­winden, Schwierigkeiten, die Wohl ein geübter Berg­steiger mit Mühe überwinden kann, die aber von einer Truppe mit diesem Troß von Trägern unglaubliche Anstrengungen verlangten. Den Gegnern sind schwere Verluste _ beigebracht worden, während die Verluste auf deutscher Seite verhältnißmäßig geringe sind. Viel- sach hatten die Eingeborenen Fallgruben angelegt, aber nur ein farbiger Sergant wurde beim Hineinfallen in eine solche Grube durch die in derselben steckenden spitzen Holzpfähle schwer verletzt. Die Bestrafung der Bangwas ist derart fühlbar, daß Oberstleutnant Pavel es nicht für möglich hält, daß der Stamm sich noch­mals auflehnen sollte. Das Land selbst ist gut au- gebaut, reich an Vieh und Oel, sowie an Eisenstein. Der Häuptling der Bandengß, der seiner Zeit die Zintgraffffche Expedition überfiel, ließ sich einen Treu-

bruch zu Schulden kommen, indem er den uachgesuchten Frieden brach und Nachts die Schutztruppe angriff. Doch unsere Leute waren auf der Hut gewesen und so konnte der Angriff leicht abgewiesen werden. Auch die Bandengs sind jetzt unterjocht. Bis Basut unbe­stritten in deutscher Hand war, bedurfte es siebentägiger Gefechte. Die Macht der Basuts, die nur von Sklaven­raub lebten, ist vollständig gebrochen. Alles in Allem schöne Erfolge, die die Kameruner Schutztruppe erzielt hat.

Der Adelstitel ist zwei Neffen des Freiherrn von Stumm verliehen worden. Nach demReichsanz." hat der Kaiser den Gebrüdern Günther und Gustav Braun, Söhne des verstorbenen Rittmeisters im 2. Garde-Dragoner-Regiment, Braun, und seiner Gattin Elisabeth, geb. von Stumm, die Zustimmung zur An­nahme des Namens Braun von Stumm ertheilt.

Ueber die Ausübung des Photographengewerbes im Umherziehen hat der preußische Handelsminister an die Regierungspräsidenten einen Erlaß gerichtet. Es sollen alle, die das Phowyratzhengewerb; int Um­herziehen ausüben, zur Lösung eine^Wandergewerbe- scheines angehalten werden.

Dresden. 75,000 Mark verloren. Am.Montag erhielt der in Dresden wohnende Rentier Janssen von seinem Rechtsanwalt ein Kouvert mit 75 000 Mark in Tausend- und Fünfhundertmarkscheinen ausgehändigt und begab sich dann in die innere Stadt, um noch einige Geschäfte zu besorgen. Zu Hause angelangt fand er das Kouvert in seiner inneren Ueberziehertasche, in die er dasselbe aus der Straße gesteckt zu haben glaubte, nicht vor offenbar hatte es der hochbetagte Herr versehentlich zwischen Rock und Ueberzieher ge­steckt, und es war so auf das Trottoir geglitten. Für die Wiedererlangung des Geldes setzte Herr Janssen eine Belohnung von 5000 Mark aus, die er jetzt auf 10 000 Mark erhöht hat. Er macht weiter in den Zeitungen bekannt, daß der Finder die 10000 Mark gleich zurückbehalten könne, wenn er nur das übrige in eingeschriebenem Brief anonym zurückschicke. Das ist nun noch nicht geschehen, wohl aber erhielt der Verlustträger eine Karte mit dem Anerbieten, er möge demehrlichen" Finder die Hälfte lassen, dann würde er die andere Hälfte prompt zurückerhalten. Die Nummern der verlorenen Bankscheine sind nach­träglich veröffentlicht Werben; nach dem Finder wird polizeilicherseits eifrigst gefahndet.

Königsberg i. Pr., 19. Febr. Nach einer Mel­dung derKönigsb. Allg. Ztg." hat auf dem Gute Scheilehof bei Arys gestern Vormittag der 9jährige Sohn des Maschinenführers Schwiederski seine Ge­schwister im Alter von 7, 4 und 2 Jahren mit der Axt erschlagen.

Greiz, 16. Februar. Die vom Greizer Fab- rikanten-Verein, dem 17 der größten Greizer Webereien angeboren, angekündigte Aussperrung der Arbeiter hat Donnerstag früh stattgefunden, da die' Arbeiter sich weigerten, den Streik in der Albert'schen Weberei zu beenden. 3100 Weber dürften beschäftigungslos sein. Der zur Leitung der Lohnbewegung eingetroffene Vor­sitzende des Textil-Arbeiter-Verbandes, Hübsch aus Berlin, hatte dringend gerathen, nachzugeben, um einen Streik zu vermeiden. In einer Weberei-Versammlung jedoch wurde der verhängnißvolle Beschluß gefaßt, der dazu geführt hat, die sämmtlichen Arbeiter der Fab­riken, die dem Fabrikantenverein angehören, brodlos zu machen. Eine eigenthümliche Erscheinung bei diesem L-treik ist es, daß bei den übrigen, dem Farikanten- Verein nicht angehörenden Firmen ruhig weiter ge­arbeitet wird, obschon diese niedrigere Lohnsätze haben, als die vereinigten Firmen. Letztere zahlen bei Cachemir für 100 Zahlen ^ 100 000 Meter Einschlag 1,80 Mk. während die Nichtvereinigten 1,40 Alk. zahlen. 400 Zahlen kann ein guter Weber bei guter Arbeit einschießen in der Woche und da jeder Weber 2 Stühle bedient, so erhielt ein Arbeiter des Fabrikanten-Vereins 3,20 Mk. die Woche mehr wie ein Arbeiter der anderen Fabriken. Die Mitglieder des Fabrikanten- Vereins sind daher fest entschlossen, an den bisherigen Lohnsätzen festzuhalten. Die Lage ist sehr ernst und die Erregung im Orte sehr groß.

Augsburg. Dem Raubmörder Kneißl ist die Be­gnadigung versagt worden. Er ist also dem Schwerte verfallen und wird nächster Tage hingerichtet werden.

Ausland.

Tiflis. Ueber die Katastrophe von Schemacha, wo ein Erdbeben furchtbare Verheerungen angerichtet hat, berichtet ein Telegramm noch Folgendes: In Schemacha sind bisher gegen achthundert Leichen ausgegrabeu worden. Die Beamten, welche durch das Erdbeben ihr Hab und Gut verloren haben, erhalten Geldunter­stützungen, und zwar die verheiratheten eine solche im Betrag ihres Gehalts für sechs Monate und die un- verheiratheten solche in Höhe ihres Gehalts für drei Monate. Außerdem hat die Staatsrentei 50 000 Rubel für die Nothleidenden in Scheinacha überwiesen. Von bem Erdbeben sind außer Schemacha im Ganzen 33 Dörfer betroffen worden, in denen 27 Personen um ihr Leben gekommen sind.

New-York, 17. Februar. Eine irländische Massen­versammlung zum Empfange der Amerika bereisenden Parlamentarier Redmond und Devlin in der New- Yorker Musikakademie beschloß einstimmig eine Reso­lution, die Ehamberlein verurtheilt, weil er die Ehre der deutschen Armee angriff, dagegen den Prinzen Heinrich als deutschen Freundschaftsboten in Amerika herzlichst bewillkommnet.

Lokales unb Provinzielles.

* Schlüchtern, 21. Fe*

* Der Pfarrer extr. Junker Gehülfen des Pfarrers Meyensch?' bestellt.

* Der Notar JustizraU ist auf feinen Antrag aus dem Verleihung des Rothen Adlers bt v Zchleise entlassen worden.

* Das diesjährige Aushebungs-Ge^chäft pnoel statt in Schlüchtern am Freitag, den 14. März und die folgende Tage.

* (Schwurgericht). Nächsten Montag, den" 24. Februar, nehmen die Verhandlungen der 1. diesjährigen Schwurgerichtsperiode ihren Anfang und sind hierzu bis jetzt folgende Fälle festgestellt: '24. Februar Schornsteinfeger Kolb von Neuhof wegenZ Nothzucht, 25. und 26. Februar: Bäcker Konrad Gärtner von Weichersbach wegen Brandstiftung, 27. Februar: Kutscher Peter Köhler von Rüdigheim wegen ver­suchter Nothzucht, 28. Februar: Privatschreiber Klüh von Hanau wegen versuchter Nothzucht, 3. März: Landwirth Gutberleth von Rasdorf wegen Unter­schlagung und Urkundenfälschung.

* (Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 19. Februar.) Im Juni 'v. Jahres ging der Handelsmann Levi Hecht von Brückenau durch Zün- tersbach, als er von einer Frau Ruppert angerufen wurde, er solle seine auf ihrem Grundstücke lastende Hypothek löschen. H. entgegnete, er wolle erst Geld sehen, worauf ihn die R am Arme faßte. H. schüttelte sie von sich, sodaß sie an ein Fenster und später auf den Boden flog, ohne sich jedoch zu verletzen. Die Ge­stürzte ergriff nun einen Holzschuh und schlug damit dem H. bomben Kopf, daß Blut floß. Das Schöffen­gericht zu Schwarzenfels verurtheilte den H. zu zwei Tagen, die R. zu drei Tagen Gefängniß. Während sich Letztere dabei beruhigte, legte Ersterer Berufung ein und erzielte die Umwandlung der Gefängnißstrafe in eine Geldstrafe von 10 Mark. Welch enormes Unglück durch das leichtfertige Umgehen der Kinder mit Schießwerkzeugen, wie Bogen, Schleudern u. s. w., entstehen kann, zeigt wieder einmal das nachstehende traurige Vorkommniß. Der 12jährige Schüler Wil­helm Dauz von Soden spielte am 10. Oktober v. I. mit einigen anderen Knaben und suchte dabei besonders Beweise feiner Geschicklichkeit im Bogenschießen abzu- legen. Nachdem er bereits versucht hatte, einer Kuh ius Auge zu schießen, legte er auf den fünfjährigen Jungen Josef Wolf an, mit der ausgesprochenen Ab­sicht, ihn ins Auge zu schießen. Unglücklicherweise traf er sein Ziel auch nur zu genau und verletzte das Auge des armen Jungen derart, daß es ihm nach einigen Tagen in der Klinik zu Frankfurt herausge- nommen werden mußte. Da der Angeklagte bereits früher auf Menschen geschossen und sich offenbar auch der Strafbarkeit seiner Handlungsweise bewußt war, so verurtheilte ihn das Gericht in Ansehung der trau­rigen Folgen seines Vergehens trotz der großen Jugend zu 3 Monaten Gefängniß. (H. A.)