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WüchtemerZÄung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

15. Mittwoch, den 19. Februar 1902. 53. Jahrgang.

N^Ap^ilMa^ ouf die ,.Schlüchterncr Zeitung' werden noch fortwährend von allen " '-------~ Postanstalten undLandbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Bekanntmachung.

J.-Nr. 80. Die Herren Bürgermeister der Städte und Landgemeinden, sowie Vorsteher der Gutsbezirke, soweit für letztere Summarische Mutterrollen angelegt worden sind, mache ich darauf aufmerksam, daß die Summarischen Mutterrollen bis spätestens zum 1. März ds. Js. dem Königlichen Katasteramte zur Berichtigung einzureichen sind. Zwecks recht­zeitiger Zurücksendung und Vermeidung von Geschästs- hemmungen ersuche ich daher, den vorgeschriebenen Termin einzuhalten.

Die Rollen können ohne jedes weitere Begleit­schreiben kurzer Hand eingereicht werden.

Schlüchtern, den 4. Februar 1902.

Der Königliche Katasterkontroleur: Müller.

Deutsches Reich.

Berlin. Prinz Heinrich von Preußen hat am Sonn­abend Nachmittag vom Bremerhasen aus an Bord des SchnelldampfersKronprinz Wilhelm" die Reise nach Amerika angetreten.

Die Kaisermanöver, die dieses Mal zwischen dem 3. und 5. Armeekorps abgehalten werden, sollen ganz besonders großartig nach jeder Richtung hin werden. Ganz besonders imposant versprechen die kavalleristischen Uebungen zu werden.

_ Ueber die Einführung des Befähigungsnach­weises für Bauhandwerker werden demnächst die Handels­kammern befragt werden. Verarbeitungen für die -Be­fragung der Kammern sind innerhalb ' der Regierung bereits im Gange. Wenn man mit dieser Befragung erst jetzt vorgeht, so War dafür der Umstand bestimmend, daß früher die Kammern mit ihrer Organisation und mit der Erledigung der ihnen in erster Linie zuge­fallenen Aufgaben zu thun hatten.

Das Abgeordnetenhaus hat die Gesetzentwürfe bezüglich Abänderung der Gesetze betr. die Landesbank in Wiesbaden und betr. die Landeskreditkasse in Kassel ohne Debatte definitiv angenommen.

Neue Zwanzig-Pfennig-Stücke. Die alten Zwanzigpfeunigstücke, die jetzt schon recht spärlich an- zutreffen sind, werden mit dem 1. Januar k. Jahres ganz aus dem Verkehr verschwinden. An ihre Stelle wird eine neue Münze treten, die ebenfalls aus Nickel besteht, deren Prägung aber eine gefälligere ist.

Bestrafte Kaiserhuldigung. Ein Dank- und und Glückwunschtelegramm an den Kaiser ist mehreren Unteroffizieren des 129. Infanterie-Regiments zu Brom­berg sehr schlecht bekommen. Aus Anlaß der Um­änderung des bisherigen Namens des Regiments in 3. Westpreußisches Infanterie-Regiment Nr. 129" gelegentlich des letzten Geburtstages des Kaisers hatten ein Feldwebel und eine Anzahl Unteroffiziere des Regi­ments dem Kaiser ein Dank- und Glückwunschtele­gramm zugesandt. Wegen Nichtinnehaltnng des Vor- geschriebenen Dienstweges haben jetzt auf Veranlassung des. Kriegsministers sämmtliche Gratulanten Arrest­strafen von drei und fünf Tagen zudiktirt erhalten.

Auswanderung nach Peru. Eiu Unternehmer Namens Gnlliermo Speedie hat die Urbarmachung der Ländereien am Pachiteafluß durch Ansiedelung euro­päischer und nordamerikanischer Einwanderer Jiber- nommen. Die Landstrecken, welche der Pachitea und die übrigen oberen Nebenflüsse des Amazonas durch­laufen, haben wegen der dort herrschenden Sumpffieber fast ohne Ausnahme ein sehr ungesundes Klima. Die Einwanderer haben von der Küste einen beschwerlichen Weg, größtentheils zu Fuß durch Urwald zurückzulegen. Das Auftreten von wilden Indianern in jenen Gegen­den ist wahrscheinlich. Ansiedler, welche dorthin gehen, wären der Willkür des Speedie preisgegeben und während der ersten Zeit auf die Lebensmittel angewiesen, lvelche er ihnen in den Urwald senden würde. Es erscheint hiernach angebracht, vor der Auswanderung nach den Ländereien des Speedie zu warnen.

Ausland.

Trieft, 14. Februar. Nach einer heute Nachmittag abgehaltenen Arbeiterversammlung zogen Tausende nach

der inneren Stadt über den Korso zu der Piazza Grande, wo sie vom Militär über den Börsenplatz zurück­gedrängt wurden. Die Menge sammelte sich indes wieder, fiel dem Militär in den Rücken und bewarf es mit Steinen. Ein Oberleutnant würbe an Brust und Kopf getroffen uud stürzte zu Boden. Das Mili- tär gab darauf Feuer. Fünf Personen wurden getödtet und viele verwundet. Von den Schwerverletzten star- ben noch sechs Personen. An Verwundeten zählt man 22. (Frkf. Ztg.)

Italien. Von dem Sturm in Italien in der ersten Februarwoche wird berichtet: Besonders Piemout wurde von furchtbaren Stürmen und einem derartigen Schnee­fall heimgesucht, daß jeder Verkehr stockte. In Turin mußten die Schulen geschlossen werden, weil es den Kindern unmöglich war, durch den meterhohen Schnee nach den Schulhäusern zu gelangen. Lebensgefährlich waren die zerrissenen Telefondrähte, die überall zur Erde niederhingen und vielfach mir den Leitungsdrähten des elektrischen Lichtes in Berührung kamen. Wer nun so einen zerrissenen Telephondraht anfaßte, gerieth in Gefahr, getödtet zu werden. Auf behördlichen Be­fehl mußte daher der Strom der Lichtdrähte abgestellt werden und die ganze Stadt blieb während zweier Tage unbeleuchtet. Am ärgsten wurde die Stadt Cuneo heimgesucht. Hier erreichte der Schnee in den Straßen die Höhe des ersten Stockwerkes der Häuser. Die telegraphische und Eisenbahnverbindung der Stadt mit der Außenwelt war vollständig unterbrochen. Einige nach Cueno bestimmte Züge blieben am Abend des 1. Februar im Schnee stecken und die Insassen der Züge konnten erst nach drei Tagen aus ihrem Gefäng­niß befreit werden. Die piemontischen Alpenthäler sind noch sämmtlich vom Schnee gesperrt.

Miflis, 15. Februar. Aus Schemacha wird gemeldet, daß die Bodenschwankungen fortdauern. Bei dem Erdbeben sind viele Menschen umgekommen. Gestern wurden gegen 200 Menschen ausgegraben, doch werden die Ausgrabungen noch fortgesetzt, welche durch die noch fortdauernden Erdstöße sehr erschwert werden. Man glaubt, daß noch einige Hundert Personen um= gekommen sind, darunter viele Frauen, welche sich in den Badeanstalten befanden, als das Erdbeben stattfand.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 18. Febr.

-* Das Proviantamt in Hanau giebt bekannt, daß dasselbe immer noch Roggen und Hafer kauft. Der Heu-Ankauf ist bis zur neuen Ernte beendet, dagegen wird der Strohankaus nach Maßgabe der vorhandenen Scheuerräume fortgesetzt. Die Lieferungen haben frei Magazinhof auf Gefahr des Verkäufers zu erfolgen. Einsendung von ungeschmeichelten Proben von % Liter ist erforderlich.

* Handwerkskammer oder Handelskammer? Die Gesetzgebung über beide Organisationen enthält keine klaren Bestimmungen darüber, welche Betriebe allein zur Handelskammer und welche allein zur Handwerks­kammer beitragspflichtig sind. Die Folge davon ist, daß in vielen Fällen zu Unrecht eine Doppelbe­steuerung einzelner Betriebe erfolgt. Um "eine ge­richtliche Entscheidung in dieser Frage herbeizuführen, verweigerte ein Hetlstedter Buchdruckereibesitzer die Zahlung der Beiträge zur Handwerkskammer, da er zur Beitragsleistung zur Handelskammer gleichfalls verpflichtet war. Der Magistrat von Hettstedt beschritt den Klageweg. Am letzten Freitag kam die Sache vor dem Bezirksausschuß zu Merseburg zur Verhand­lung. Der klagende Magistrat wurde mit seiner Klage kostenpflichtig abgewiesen unter der Begründung, daß eine Doppelbesteuerung vorliege, die durch den Mangel geeigneter gesetzlicher Bestimmungen hervor­gerufen sei, zu bereit Tragung der Beklagte nicht ver­pflichtet werden könne. Mithin ist der Beklagte nur zur Zahlung der Beiträge für die Handelskammer heranzuziehen.

* Nach der Einführung der verlängerten Giltig- keitsdauer der Rückfahrkarten haben die Betrngsfälle mit solchen Karten bedeutend zugenommen. Diese Wahrnehmung ist bei allen Verwaltungen, welche die Vergünstigung gewähren, gemacht worden. Um diesem Unwes n zu steuern, wurden die Fahrkarten-Revisionen durch die Schaffner erheblich vermehrt und finden jetzt auf allen Stationen statt, auf denen es der Aufenthalt

gestattet. Dabei kommt es vor, daß Reisende beim Durchfahren großer Strecken mehrmals kontrolirt werden. Reisende, die auf Betrügereien ausgehen, lösen gewöhn­lich nicht die Rückfahrkarten bis zur Zielstation ihrer Reise, sondern nur bis zu einer Zwischenstation. Hier wird eine neue Karte gekauft, die bei ununterbrochener Rückfahrt nicht durchlocht wird, wenn nicht etwa eine Revision im Zuge stattfindet. Die Abstempelung der Karten mit dem Datum-Stempel soll deutlicher aus­geführt werden, damit die Kontrole erleichtert wird. Wenn der Fahrkarten-Schalter innerhalb der Sperre liegt, ist beim Nachlösen von Karten die bis dahin gütige vorzuzeigen und die neugelöste bald am Schal­ter zu entwerten. Wenn trotz aller dieser Maßnahmen die Betrugsfälle weiter zunehmen, wird man derSchles. Ztg." zufolge voraussichtlich dem Gedanken immer näher kommen, das ganze System der Rückfahrkarten fallen zu lassen und die Preise für einfache Fahrkarten entsprechend zu ermäßigen. Einen nennenswerthell Einnahmeausfall würde die Aenderung faum zur Folge haben, weil heute zum weitaus größten Theile Rückfahrkarten gelöst zu werden. Zugleich würden aber die Fahrgetdreklamationen, die jetzt umfangreiche Arbeiten und Schreibereien verursachen, auf eine ganz geringe Zahl zusammenzuschmelzen.

* Sonntagsvereine. Die freien Sonntagabende bringen für die Dienstmädchen die größten Versuchungen mit sich. Nur Wenige Herrschaften kümmern sich barum, was ihre Dienstboten in ihrer freien Zeit treiben. Um die Mädchen, die auf sich angewiesen sind, vor Sünde und Schande zu bewahren und zu beeinflussen, hat die innere Mission, deren hoffnungsvollste Thätigkeit die Arbeit an der Jugend ist, Sonntagsvereine gegründet, die 'sich an die Mägdeherbergen anschließen unb in denen die von den Herbergen vermietheten Mädchen, aber auch alle anderen Zutritt haben. Dort finden sie an den Sonntagabenden bei harmlosen Gesellschafts­spielen, Vorlesen guter Bücher, Musik uud Unterhaltung angenehme, leib- und seelenbewahrende Erholung. Wo Jungfrauenvereine eristireu, da machen die Mitglieder es sich zur Aufgabe, die ortsfreinden Mädchen aufzu- suchen und einzuladen, da diese Vereine ja gerade auch an den Sonntagabenden ihre Zusammenkünfte halten,

* - Mägdeherbergen. In Berlin werden jährlich etwa 40000 weibliche Einwandrer gezählt, alleinstehende Frauen und Mädchen und die meisten ohne Arbeit und die Aussicht darauf. In allen größeren Städten ist dieser Zuzug verhältnißmäßig ebenso groß. Schon auf den Bahnhöfen fallen die Neulinge den Hyänen des Lasters in die Hände nnd sehr häufig bleiben sie darin. Deshalb stellt die deutsche Bahnhofsmission ihre Ver­treterinnen mit den weißen Abzeichen mit rosa Kreuz auf die Bahnsteige, den alleinstehenden Mädchen Schutz uud Rath zu bieten. Deshalb haben die Herbergen auf den größeren Stationen, die die Mädchen durch­reisen, die Plakate mit den Adressen der Herbergen angeschlagen. Und es seien unsere Dienstboten dringend gebeten, diese Mädchenheime aufzusuchen, die denselben zu ehrlicher Arbeit helfen und vorübergehenden Aufent­halt, sittlichen Halt und Anschluß an christliche Gemein­schaft gewähren wollen. Es mache auch jeder Pastor in der Konsirmandenstunde auf die Mädchenheime aufmerksam, bereit Adresse von jedem Geistlichen in der Stadt zu erfahren ist.

Ueber die Aufgabe unserer Zeitungen geht uns folgender beherzigenswerther Apell zu. Eine unserer ältesten hessischen Zeitungen führt noch heute den Ueber- titelIntelligenz- . und Anzeigeblatt". In diesem Namen ist noch eine Erinnerung vorhanden an die Aufgaben, welche ursprünglich unsere Zeitungen sich gestellt hatten. Sie wollten nicht blos unterhalten, sondern auch belehren, wollten erzieherisch auf unser Volk einwirken, wollten den Sinn für alles Gnte, Schöne und Ideale, insbesondere auch die Liebe zum Vaterland, wecken und pflegen. Wie viele Zeitungeu haben heute diese Aufgaben ganz vergessen, Wie vielen ist es nur um den Geldgewinn zu thun, nnd sie schneiden barum auch den Inhalt ihres Blattes dementsprechend zu: Stadtklatsch, frivole Witze, unsittliche Romane und dito Inserate das ist die Kost, die sie bieten. Eine Zeitung sollte doch mehr auf ihre Ehre halten und ihrem Standpunkt nichts vergeben, blos um Leser an- zulocken. Die Leser, die durch solche Kost augelock;