zwei Frauen nur durch Hinzukommen von zwei hiessen Männern aus ihrer bedrängten Lage befreit.
Fulda, 8. Febr. Der Landtagsabgeordnete für den Kreis Fulda, Herr Geh. Regierungsrath Dr. Goebel, brächte bei der Berathung des Landwirthschaftsetats im Landtage die Bitte vor, bei Errichtung eines Garnisonexerzierplatzes für Fulda den Landwirtheu von Neuenberg und Sickels, welche zu demselben ihre Ländereien hergeben müßten, als Entschädigung kein Geld zu geben, sondern von der unmittelbar angrenzenden Domäne Neuenberg dieselben Ländertheile in entsprechender Größe zu überweisen. Die in Frage kommenden Landwirthe hätten die Annahme dieses Antrages freudig begrüßt, da der Tausch für sie ein guter gewesen wäre, indem sie für ihre verhältuiß- mäßig schlechten Aecker bessere bekommen hätten. Da nun die Budgetkommission des Reichstages die Forderung von 200 000 Mk. für unseren Exerzierplatz abgelehnt hat, so sind etwa gehegte Hoffnungen oder Befürchtungen zu nichte geworden und unsere Landwirthe brauchen sich in den nächsten Jahren nicht von ihrer Scholle zu trennen.
Fulda. Sonntag, den 23 d. Monats (Reminis- cere) predigt Herr Hofprediger a. D. Stöcker hier in der neuen evangelischen Kirche im Vormittagsgottesdienste und redet am Abend im Stadtsaal. • Am Nachmittage predigt Herr Missionar Flad aus China.
Aus dem Vogelsberg, 5. Februar. In vielen Waldbezirken sind die Holzarbeiter bereits fertig geworden, weil das Holzschlagen wegen der zur Zeit herrschenden billigen Preise beschränkt wurde. In manchen Distrikten hat man weniger Holz machen lassen, als anfänglich vorgesehen war. — Die Sammlungen für die Buren auf den Dörfern nehmen ihren Fortgang. Mit Genugthuung läßt sich feststellen, daß die Bauern dabei die linke Hand nicht wissen lassen, was die Rechte thut. So brächte das 5-600 Einwohner zählende Dörfchen Pohlgens die stattliche Summe von 00 M. auf. Aehnliche erfreuliche Mittheilungen liest man in nassauischen und kurhessischen Blättern über „klingende" Sympathiebeweise der dortigen Bauernschaft für die Buren. — Eine nette Schuljugend. Aus einem Dorfe des Vogelsberges wird dem „G. Anz." folgendes Geschichtchen berichtet, das ein merkwürdiges Streiflicht über die dortige Schuljugend wirft: Ein Lehrer, der seine jetzige Stelle noch nicht lange bekleidet, hatte schon von Anfang an über unverbesserliche Faulheit seiner Schüler zu klagen. Er suchte der Sache auf den Grund zu kommen und fand, daß sämmtliche Schüler, mit Ausnahme der ABC-Schützen, sich weniger um ihr Rechenbuch, als um das 32blättrige „Lesebuch" kümmerten. Es verging kein Abend, an dem nicht Solo, Saunickel, schwarzer Peter, Herz-Skat u. A. g^ spielt worden wäre. Dem Lehrer erschien dies um so auffallender, als sich unter den Spielhelden Bürschchen befanden, die bisher auch nicht das kleinste Geschichtchen zu Hause gelernt hatten. Um die Probe zu machen, ließ er ein Kartenspiel holen und vier Knaben im Alter von 9—11 Jahren ein Spielchen machen. Sie spielten ihr Solo fast ohne Fehler. Die verschiedensten Fragen über die Spielregeln wurden richtig beantwortet.
Bad Orb, 7. Febr. Durch ein Mißverständniß ist in der Provinzialpresse ein Artikel zum Umlauf gekommen, welcher ganz unrichtige Angaben über den Verkehr auf der Bad-Orber-Bahn enthält. Es stände recht schlecht um die Bahn, wenn seit der am 23. Mai v. I. erfolgten Eröffnung nur 10 000 Personen befördert wären, da die Strecke nur 7 Kilometer lang ist Md^aufg ihr Staatsbahntarife gelten. Es sind vielmehr bis zum 1. Februar d. I. 56,655 Personen befördert und bis zum 1. Oktober v. Js. hatte die von der Aktiengesellschaft selbst betriebene Bahn sich bereits die Betriebskosten für das ganze Betriebsjahr verdient, so daß den drei großen Aktionären, dem Staat, dem Kreis Gelnhausen und der Stadt Orb schon jetzt eine kleine Dividende gesichert ist. Der 10,000fte Fahrgast hatte bereits 4 Wochen nach Eröffnung diejBahn passirt.
Hauau, 6. Februar. Der Einschleicher im Kleiderschrank. Bereits um den Beginn der Geisterstunde bemerkten gestern Abend die Anwesenden einer bekannten Wirthschaft in der Altstadt, daß sich im Hause etwas Verdächtiges bewegte, ohne daß' man jedoch die Ursache ergründen konnte. Als so gegen 2 Uhr der letzte Zecher das Lokal verlassen hatte, ging man auf die weitere Suche und fand auch wirklich das Fenster zu dem Schlafzimmer des Dienstmädchens eingedrückt, ferner die Thüre des Zimmers von innen geöffnet. Die Sucher tarnen auch noch auf die Idee, den Kleiderschrank zu öffnen und siehe da, im Schranke stand der unheimliche Gast, der sich als der Knecht K. aus dem Fuldaischen, ein öfters vorbestraftes Jndividium, entpuppte. Selbstverständlich gewährte man dem Ein- schleicher noch so lange Gastfreundschaft, bis die Polizei erschien, und ihm anderweite Unterkunft hinter Schloß und Riegel verschaffte. Die Polizei fand dann, daß sie hier einen guten Fang gemacht hatte, da der Betreffenderem Arbeiter Kehm aus Sterbfritz, wegen schweren Diebstahls von der Staatsanwaltschaft steckbrieflich verfolgt wurde.
Klciu-Wclzhcim, 7. Febr. Durch Entscheidung der Strafkammer II. Großherzoglichen Landgerichts Darm
stadt wurde der Bäcker,' Gastwirth und Weinhändler Johann Hartig dahier am 10. Januar cr. unter Aufhebung des vorinstanzlichen Erkenntnisses vom 14. November 1901 wegen Weinpantscherei zu400Mk. Geldstrafe und die weit über 1000 Mk. betragenden Kosten beider Instanzen verurtheilt. Gleichzeitig wurde auf Einziehung des beanstandeten Weinlagers erkannt. Nachdem inzwischen dieses Urtheil der Berufsinstanz Rechtskraft erlangte, wurde heute hinsichtlich der Weinkonfiskation zur Urtheilsvollstreckung gestritten, ein Ereigniß, das in den Annalen der Gerichte unserer weiteren" Umgegend noch niemals verzeichnet wurde. Die schon seit 15. Juni 1901 unter amtsgerichtlichen Verschluß liegenden Weinquantitäten, etwa 80 Hektoliter, wurden unter Aufsicht einer Gerichtskommission und der Seligenstädter Gendarmerie in zwei entleerte Jauchengruben der Hartig'schen Hofraithe geleitet und überdies mit Petroleum kräftig übergossen. Die Neu- gierde der Bevölkerung, die theilweise eine öffentliche Exekution erhofft und sich wohl im Stillen auch auf einen ausgiebigen Gelegenheitstrunk gefreut hatte, blieb ungestillt.
Aus dem Nidder-Seementhal, 31. Januar. Die vielen gegenwärtig herumziehenden Arbeitslosen machen auch die Straßen unserer Gegend unsicher. Dieser Sage., begegnete ein Hausierer auf dem Wege von Düdelsheim nach Lindheim zwei solchen Landstreichern, die ihm unter Bedrohung zur Herausgabe seinen Bar schaff aufforderten. Die hingestammelte ^Entschuldigung des nicht wenig Erschrockenen, daß er doch selbst sein Brot sauer verdienen müsse, blieb unbeachtet und so vermochte sich der völlig Wehrlose vor den Vagabunden nicht anders zu retten, als daß er ihnen seinen Verdienst, soweit er diesen mit sich führte, auslieferte.
Kassel, 5. Februar. In Mexiko starb im Alter von 44 Jahren der bekannte hessische Dichter Richard Jordan. Er betrieb dort eine ihm gehörige Silbermine. Er war ein Sohn der Schriftstellerin Keller- Jordan und ein Enkel Sylvester Jordan's, des bekannten hessischen Freiheitskämpfers. Eines seiner letzten Gedichte ist dem armen Burenvolke gewidmet und erschien in der deutschen Zeitung Mexikos; es möge hier folgen :
Gottvater hilf!
Gottvater sieht's: Nie hat ein Volk ertragen Sein Mißgeschick und seines Kampfes Qual So stolz, so stark, fo. ohne wehzuklagen,
Als wie das Burenvolk dort in Transvaal; Auch keins hat je, so weit der Himmel blaut, Wie jenes Volk, auf dich, o Gott, vertraut!
Verlaß es nicht, wie'S die verlassen haben, Die du mit Macht auf Erden hast bestellt, Die ihres edlen Vorrechts sich begaben, Der Schwachen Schirm zu sein auf dieser Welt. Der Freiheit Recht, für das sie sich verbürgt, Dort in Transvaal wird's einspruchslos erwürgt. Die Menschheit sieht's, sie bebt in Wuth zusammen, Und aus Millionen Herzen steigt der Schrei: O Himmel sende deines Zornes Flammen, Steh' du, o Gott, bem Burenvolke bei, Du brichst der Habgier Macht wie Sturm das Schilf, Gottvater, eh's zu spät, Gottvater hilf!
Kassel. Krankenpflege auf bem Lande. An unser hessisches Diakonissenhaus werden fortgesetzt Anforderungen um Schwestern zur privaten ^und gemeindlichen Krankenpflege gerichtet, welchen die Leitung des Hauses wegen Schwesternmangel nicht entsprechen kann. Wächst auch die Schwesternzahl fortwährend, so steigern sich die Anforderungen doch noch mehr. Darum muß immer wieder der Ruf in die evangelischen Gemeinden ergehen, daß sich doch noch mehr geeignete junge Mädchen für den edlen Beruf einer Diakonisse möchten willig finben lassen. Ein Weg aber, auf welchem sich für viele Gemeinden, besonders Landgemeinden, das Bedürfniß nach sachverständiger und liebevoller Krankenpflege befriedigen läßt, ist die Ausbildung und Anstellung von Gemeindepflegerinnen. Dazu eignen sich sittlich und religiös qualifizierte junge Mädchen und Wittwen, die aus irgend einem Grunde nicht gerade Diakonissen werden können oder wollen und doch für die Krankenpflege Neigung und Kraft besitzen. In einigen hessischen Gemeinden sind solche Pflegerinnen schon thätig, und die Einrichtung wird als ein Segen empfunden. Neuerdings ist der feit, zwei Jahren bestehende Diakonie-Verein Dörnhagen auch Jo weit gekommen, etwa nach einem halben Jahre eine Gemeindepflegerin anstellen zu können. Das hessische Diakonissenhaus ist in dankenswerther Weise dazu bereit, für eine geringe Pensionssumme Gemeinde- pflegeriunen auszubilden. Die Ausbildungszeit ist in der Regel ein halbes Jahr. Besonders gut läßt sich der Beruf mit dem einer Näherin vereinigen. Diese Vereinigung gewährt auch eine für den Körper heilsame Abwechslung in der Thätigkeit.
Rotenburg, 7. Februar. Ein Prozeß, der seines geringfügigen Objektes wegen, viel besprochen wird, fand vor dem hiesigen Amtsgericht in erster Instanz seinen vorläufigen Abschluß. Der Müller R. aus B. soll mit seinem Wagen gegen einen vor dem Hofe eines dortigen Einwohners stehenden Stein angefahren sein und denselben unerheblich beschädigt haben. Allein ersterer
bestritt seine „Schuld" und weigerte sich deshalb auch, den unbedeutenden Schaden ausbessern zu lassen. Er kam zur Klage. Nach mehreren Verhandlungsterminen vor dem hiesigen Amtsgericht, in welchen eine Anzahl Zeugen und Sachverständige vernommen wurden, und nach Abhaltung eines Augenscheinstermins auf dem Schauplatz der That in B. wurde schließlich die Klage für begründet erachtet und der Müller R. zur Erstattung des Schadenersatzes sowie zu den recht beträchtlichen Kosten verurtheilt. Zur Beurtheilung des ganzen Rechtsstreites sei bemerkt, daß sich der vermeintliche kaum wahrnehmbare Schaden am Stein mit einem Kostenaufwand von — 50 Pfg. oder höchstens 1 Mark auS- beffern ließ. Wie man hört beabsichtigt der Veruttheilte Berufung einzulegen, sodaß der Stein ein sehr theuerer werden wird.
Rotenburg, a. F., 3. Febr. Die heftigen theilweise orkanähnlichen Nordoststürme, welche auch in unserem Fuldathale einige Tage lang gewüthet hatten, haben auch in unseren Wäldern mancherlei Schaden angerichtet, insbesondere hat der Sturm in unserem Stadtwald auf einem kleinen engbegrenzten Terrain ca. 150 Bäume, größtenteils hohe mächtige Tannen, Hingerissen und im wilden Choas durcheinander geworfen.
Vermischtes.
— Einen Scherz von vier Ideen erzählt die „Wiener Morgenztg.": Ein elegant gekleideter Herr besichtigt eine Wohnung, die er miethen möchte. Der Hausherr begleitet ihn. Prüfend überblickt der elegante Herr die Flucht der Zimmer und wiegte leise den Kopf. „Haben Sie ein Bedenken?" fragte höflichst der Hausherr, „Offen gestanden, ja. Ich habe sehr viele Orchideen, wo werde ich sie unterbringen?" „O, da läßt sich leicht Rath schaffen, ich werde Ihnen eins der Zimmer als kleinen Wintergarten einrichten lassen". „Vortrefflich, doch . . ." Der Herr horcht plötzlich. „Was, bitte?" „Sind die Wände nicht zu dünn?" fragt er besorgt, „ich höre Geräusch, wie aus einer Schlosserwerkstätte". — „O, mein Herr, dem kann leicht abgeholfen werden, ich werde ihnen die Wände sehr hübsch mit dichten Portieren verhängen lassen." — „Bravo, allein, allein . . ." Der elegante Herr horcht aufs Neue: „Das Geräusch dringt durch den Fußboden. Und wissen Sie, meine Gemahlin sieht in der nächsten Zeit einem freudigen Familienereigniffe entgegen !" — „O, ich verstehe. Da will ich Ihnen den Parquetboden mit weichen Matten belegen lassen, damit ..." — das Geräusch unhörbar werde. Sehr verbunden. Ich miethe die Wohnung!" — „Es freut mich, mein Herr". — „O, noch etwas!" Ueber das Gesicht des Hausherrn huscht ein Schatten. „Womit kann ich noch dienen?" — „Ich erhalte meine Gelder ziemffch unregelmäßig, werden Sie auch hie und da mit der Miethe warten können?" Der Hausherr reißt die Augen auf, in seiner Miene zeigt sich Entschlossen, heit. „Stein, mein Herr," sagt er fest, „das ist zu viel verlangt. Erst haben Sie Orchideen, dann Horchideen, dann Storchideen und nun — Borgideen . . . ich werde die Wohnung doch anderweitig vermiethen!"
— Darum. „Die ganze Nachbarschaft spricht von Ihrer Mildthätigkeit, und daß Sie so viele Arme speisen!" „Ja, ja, wenn aber auch drei Töchter $ gleicher Zeit kochen lernen!"
— Mißtrauen. „Da schau' her, Alte, jetzt gibt's gar schon flüssige Luft!" — „Na ja, das ist halt wieder was für Euch Männer; jetzt werdet Ihr die Luft trinken statt einathmen!"
— Boshaft. Wirth: „Was glauben Sie? Meine Weine sind chemisch untersucht, da finden Sie keine Bazillen drin!" Stammgast: ^DaS kann ich den Thierchen durchaus nicht verdenken!"
— Anderer Standpunkt. Lehrling (der vor kurzem konsirmirt worden ist): „Man is Sie weeß Knehpchen doch gleich e ganz and'rer Kerl — daß das gemeene Duzen uffgehört hat — nu 'mer gesizt wird — und 'nen guten Glimmstengel roocht!"
— Hinausgegeben. Schweinemetzger: „. . Sie, Herr Teigspezialist, ich glaub', bei Ihnen ist auch die hauptsächlichste Arbeit 's Obacht geb'n, daß Ihnen d' Flieg'n d' Semmeln net stehl'n!" Bäcker: „Sie dürf'n was sag'n, Herr Speckle — sind Jhna doch erst beim letzten Hochwasser die Würst' durchs Schlüsselloch davon g'schwomma!"
— Enfant terrible. Mama: „Karlcheu, wo ist die Soldatenschachtel?" Kerlchen: „Mama, meinst D» unsere Köchin?"
Markt« und Handelsnachrichten.
Frankfurt a.M., 11. Febr. Amtliche Notirunge« der Birhmarkt- Preise. Zum Verkauf standen 398 Ochsen, 42 Lullen, 686 Kühe und Fäisen (Stiere und Rinder), 300 Kälber, 239 Schafe und Hämel und 1017 Schweine. Bezablt wurde "fit 100 Pfund Schlachtgewichte Ochsen: a. «ollfleischige, ausgemästete höchste» Schlachtwertbs bis zu 6 Jahren 67-69 M., b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 61 — 65 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 56 59 M., ä. gering genährte jeden Alters - , M. Bullen r a. dellfleischige höchste« Schlachtwerthe« 54 56 M., b. mäßig genährte jüngere und gut genährte altere 51—52 M., c. gering genährte - .— M., Kühe und Fersen (Stiere und Rinder): a.vollflcischigc. ausgemästete Färse« Stiere und Rinder Höchsten Schlachtwertbs M. 59-61, ' b. voll- ileischige ausgemästete Kühe Höchsten Schlachtwertbs bis zu T wahren 56 58 M., c. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 43 bist