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ZMites "AlaLt M Mx. 12.

Zum weißen Schwan.

Roman von Rudolf Hertzog. (Fortsetzung.)

Fräulein von Wald nahm dankend den angebotnen Stuhl.

Mein Befinden?" sagte sie und eröthete leicht. Ich glaube, es hängt mit dem Befinden meines Romans zusammen."

Hm," meinte Schöner und ließ sich ihr gegenüber nieder,das schmeckt nach einem kleinen Vorwurf. Aber wahrhaftig, ich bin nicht so sehr schuldig daran, daß Sie sich so häufig hierher bemühen mußten. Ich fand bei Antritt meiner Stelle eine solche Menge von zurückgebliebener Arbeit vor, daß ich gar nicht anders konnte, als Alles dem Datum nach zu erledigen."

Was mir den Vortheil einbrachte, zuweilen ein Viertelstündchen mit Ihnen plaudern zu dürfen," fügte er, sich gegen seinen Besuch verneigend, galant hinzu. Sie sehen, jedes Ding hat auch seine gute Seite."

Wenn ich aber eine andere Auffassung davon hätte," scherzte die junge Dame.

Was?" machte Schöner verwirrt.Sie wollen damit sagen, daß, wenn ich mich auf Ihre reizende Unterhaltung freue, Sie sich doch den Teufel auf die -meine scheeren. Donnerwetter, das war schneidige Abfuhr."

Nein, nein," wehrte Fräulein von Wald lachend ab,so tragisch sind meine Worte nicht zu nehmen. Ich meinte nur, daß, nachdem ich Graf Schöner so oft als Menschen schätzen gelernt, ich mich sehne, ihn auch in feiner Eigenschaft als Redakteur zu sehen."

Aha," nickte der Graf und ließ seine Blicke be­wundernd auf dem schonen klugen Mädchen ruhen. Direkt schön war sie eigentlich nicht, aber der ganze Zauber reiner Jungfräulichkeit lag auf ihrem lieben Gesicht ausgegossen. Jetz schlug sie unter seinem Blick die Augen nieder.

Ich müßte ein schlechter Kavalier als Redakteur sein," fuhr er langsam fort,wenn ich für meine Freude, Sie etwas hingehalten zu haben, auch nur ein Wort des Bedauerns fände."

Aber Herr Graf ich bin hier' auf der Redaktion."

Sie meinen, auf einer Redaktion muß zwischen den Geschlechtern Gottesfriede herrschen. Auf einer Redaktion darf es nur den Redakteur und den Kollek­tivbegriffPublikum" geben."

"So dachte ich bisher."

Sie dürfen auch weiter so denken. Ich bin kein Menschenfresser. Und wenn Sie die Güte haben wollten, die finstere Miene fallen zu lassen, so sollen Sie auch den Redakteur kennen lernen."

Auf die Gefahr hin will ichs wagen."

Also! Mein gnädiges Fräulein

Herr Redakteur?"

Sie waren so freundlich, unsere Zeitung mit der ersten Lektüre Ihres Roman-Manuskripts zu betrauen. Ihr Vertrauen ehrt uns. Ich habe aus Ihrer Arbeit

die Ueberzeugung mit mir genommen, daß die Ver­fasserin ein kluges Köpfchen, mehr aber noch, ein theilnahmsvolles Herz für arme und gewissermaßen heimathlose Menschen besitzt."

Gehört der letzte Satz auch zum Redaktionsstil?"

Jawohl. Mehr noch habe ich ersehen: Daß ein Charakter, der ein solches Buch geschrieben, viel zu rein, viel, wie soll ich sagen, tausendmal zu gut ist, um sich von der Kritik der großen Menge, oder was Sie wollen, begeifern, beschmutzen oder lächerlich machen zu lassen. Und das "wird geschehen, wenn ich nicht Ihr Freund bin und es verwehre. Denn der Roman ist in seinen Vorbedingungen, seinen Voraussetzungen falsch, Sie haben nach Ihrem gütigen Herzen ge­arbeitet, statt nach der miserablen Menschheit. Ich meine damit keine Partei. Jede hat ihre guten und minder guten Seiten. Aber Sie haben selbst dem ausgesprochensten Halunken den Flügelansatz eines Engels bewilligt, nur, weil es Ihnen in Ihrer guten Seele zu leid that, dem Kerl auf dem Kopf zuzusagen: Du bist mir ein netter Bruder. Sehen Sie, zu dieser Art sozialer Schriftstellerei gehört eine gewisse Kourage, eine, wenn's sein muß, brutale Kourage. Und ich freue mich, daß ich Ihnen sagen kann, diese Kourage fehlt Ihnen, fehlt Ihnen vollständig, dazu,sind Sie viel zu sehr das, was ich bei Ihrem Geschlecht am meisten schWeIund hochachte: ein liebefühlendes und liebespendendes Weib." Er stand auf.Da haben Sie den Redakteur."

Fräulein von Wald saß stumm auf ihrem Platz. So viel hatte sie sich von ihrer Arbeit versprochen, auch auf den pekuinären Erfolg hatte sie schon ein wenig gerechnet, daß sie nun, wo sie ihr Hoffnungen Stück für Stück zertrümmert sah, fast dem Weinen nahe war. Schöner bemerkte ihren Gemüthszustand und trat neben ihren Stuhl.

Trauen Sie mir zu, daß ich es gut mit Ihnen meine?"

Ja," hauchte sie.

Ich könnte Ihnen den Roman aus lauter Freund­schaft abdrucken," fuhr er fort.Aber was tauschen Sie für das Honorar ein? Sie würden froh sein, wenn Sie es zurückzahlen könnten, um nur Ihren Namen aus dem nicht immer sauberen Mund der Leute zu retten. Ich bin Ihr aufrichtiger und ergebener Freund hoffentlich nehmen Sie mich dafür und deshalb habe ich die Verpflichtung, Ihnen ehrlich Rath zu ertheilen. Sie haben reiches Gemüth und hübsche Phantasie. Wenn Sie den Hang zur Schrift­stellerei in sich verspüren, schreiben Sie aus dem Ge­biet heraus, was Ihnen nahe liegt, wenn es auch nicht so bedeutend erscheint, als die grausame soziale Frage. Eine Frau ist nie schöner und liebenswürdiger, als wenn sie sich ganz als Frau gibt." Er reichte ihr die Hand.Also, meine Gnädigste, Sie bringen mir bald etwas Anderes, aus Haus und Hof, aus der Gesell­schaft und dem Kinderleben, damit Sie nicht den