das Fleisch des Halses einschnitten und gefährlich Wunden verursachten, die durch den zufällig anwesenden Arzt alsbald verbunden wurden. Was das Mädchen zu dem verzweifelten Schritte getrieben hat, ist nicht genau festgestellt, man glaubt jedoch allgemein, daß es sich in gesegneten Umständen befindet, was die Veranlassung zur That gegeben haben mag.
Frankfurt a. M., 31. Januar. Von dem Zug Nr. 58, von Heidelberg kommend, wurden heute vormittag zwischen hier und der Station Louisa zwei Streckenarbeiter, Benz aus Egelsbach und Sternberg als Langen, überfahren. Beide waren sofort todt. Sie waren Familienväter. Die Leichen waren vollständig zerstückelt und die einzelnen Teilen derselben mußten, als man den Zug zum Stehen gebracht hatte, zwischen den Rädern herausgeholt werden.
Homburg, 30. Januar. Der hiesigen „Kreisztg." zufolge soll das 166 Infanterieregiment von Hau au nach Homburg und das hier garnisonierende 3. Bataillon des 80. Jnf.-Reg. nach Wiesbaden verlegt werden.
Petersberg, 29. Januar. „Ein Ball mit Hinter- yissen" oder „man muß sich zu helfen wissen". Bei einem Tanzvergnügen, das mit Sonntag hier veran- staltet wurde, mußte plötzlich außer Dienst gestellt werden, weil — na, weil eben die Musikanten nicht konnten; sie hatten des Guten genug. Nun war guter Rath theuer. Als Helfer in der Noth erschien aber bald eine Ziehharmonika auf der Bildfläche und bei den süßen Klängen des Quetschbeutels setzte man die Festlichkeit fort und entschädigte sich für die kleine Störung durch eine längere Dauer des Vergnügens, das für die Seßhaftesten erst am dritten Tage zu Ende ging.
Kürzlich wurde in einem Walde bei Müs (Kreis Fulda) eine schon stark in Verwesung übergegangene Leiche aufgefunden. Man glaubte zunächst, es sei der schon über ein Jahr von Heisters spurlos verschwundene Johannes Döll, doch ergaben die bei dem Leichnam gefundenen Gegenstände, daß die Vermuthung falsch war.
Rotenburg, 27. Januar. Das hiesige „Kreisblatt" berichtet: Eine Anzahl hessischer und nachbarlicher Zeitungen brachten vor einigen Tagen einen Bericht, wonach ein Schäfer aus Dens (Krs. Rotenburg) bei einem Schlachtfeste seine Frau erstochen und nachdem er verhaftet, sich im Gefängniß selbst entleibt habe. Diese Erzählung ist in allen Theilen unwahr und dürfte vielleicht auf einen mehrere Monate zurückliegenden Vorgang beruhen, bei dem ein Schäfer jener Gegend seine Frau durch einen Messerstich leicht verletzte.
Aus dem Kreise Rotenburg, 30. Januar. In letzterer Zeit ist in landwirthschaftlichen Kreisen lind Blättern für einen neuen Mastfutterartikel, dem sog. „Fischfuttermehl" viel Reelame gemacht worden. Die Thiere nehmen das Futter sehr gern, sie fressen es sogar mit einer gewissen Gier und zeigen auch eine hohe Gewichtszunahme. Bei den in jüngster Zeit erfolgten Schlachtungen sollen jedoch alle Fleischtheile und Knochen der Thiere einen so widerlichen Heringsgeschmack gezeigt haben, daß sie vollkommen ungenießbar sein sollen.
Eschwcge, 27. Januar. In der letzten Nacht wurde ein Bierfahrer der Klosterbrauerei auf der Heimkehr zwischen Reichensachsen und Eschwege von drei Strolchen Überfällen, vom Wagen gerissen, durch einen Messerstich am Kopfe verletzt und. feines Portemonnaies mit 8 Mk. Inhalt beraubt.
Cassel. Die Großindustriellen der Provinz Hessen- Nassau beschlossen, wie einen auswärtigen Blatte von hier geschrieben wird, infolge der letzten polnischen Vorgänge sämmtliche polnischen und tschechischen Arbeiter aus den Betrieben zu entlassen und durch einheimische zu ersetzen. Der Beschluß wurde einstimmig gefaßt.
Hofgeismar, 19. Januar. Zur Zeit Werben im hiesigen Rathhaus Beleuchtungsproben mit sog. Luftgas vorgenommen. Die Anlage besteht in einem Heißluftmotor von 7^ Pferdekraft und erzeugt das Gas dadurch, daß die atmosphärische Luft durch ein Petroleum destillat „Hydririn" genannt, geblasen wird, wodurch dasselbe zerstäubt wird und als Gas aus dem Apparat in die Leitungsrohre eintritt. Der Motor wird durch das im Apparat selbst erzeugte Gas gespeist. Die Rohraulage ist dieselbe wie bei einer Kohlengasanlage, auch ist dieser Luftgas in derselben Weise verwendbar, wie Kohlengas.
Vermischtes.
— Der angebliche Urheber der „Maine"-Explosion. Die County-Beamten in Chadron, Nebraska, sind gegenwärtig eifrig damit beschäftigt, die Geschichte, welche ein Ranch-Arbeiter Namens Braga über die Maine- Katastrophe erzählt auf ihre Wahrheit hin zu untersuchen. Braga, dessen voller Name Manuel be Silvio Braga sein soll, ist seit drei Jahren etwa auf einen Ranch in Sioux City beschäftigt. Seinen Papieren zufolge war er Kapitän in der spanischen Armee auf Kuba unter Weyler gewesen. Vor Kurzem legte er nun seinem Herrn gegenüber das Geständniß ab, daß er den Torpedo abgefeuert habe, durch welchen das amerikanische Kriegsschiff „Maine" im Hafen von Ha- vana in bie Lust gesprengt wurde. Braga gab als
Die Folge davon ist, daß so viele Wöchnerinnen mit Kindbettfieber sterben. Es sind deren mehr als die aintlichen Statistiken nachweisen. Eine andere Folge davon ist, daß so viele Säuglinge sterben. Die Heb- ammen sind vielleicht mit einer zu dürftigen Kenntniß der Kinderpflege ausgerüstet, wenn sie ihr Amt übernehmen. Die dürftigen Kenntnisse gehen aber auch bald verloren, wenn sie nicht geübt werden. Die Großmutter oder die bejahrte Frau Nachbarin weiß doch alles besser, als die Hebamme, und diese darf sich nicht mit Vorschriften lästig machen, um die Kundschaft nicht zu verlieren oder doch einen Theil des erwarteten Geschenkes bei der Taufe beS Kindes. Sie lernt sehr bald schweigen und mit dem Säugling werden die unglaublichsten Experimente angestellt, wenn etwa sein Befinden einmal zu wünschen übrig läßt. Verdauungsstörungen mit Erbrechen werden durch Mengen von Zuckerwasser oder süßen Thee „kuriert". Wenn das Kind schreit, so hat es unbedingt Hunger und muß Nahrung haben. So geht es fort, oft genug, bis wieder einmal ein Säugling an Magen- und Darmkatarrh stirbt. Die Bevölkerung Deutschlands befindet sich noch in erfreulicher Zunahme. Aber der Staat vernachlässigt eine heilige Pflicht gegen seine Bürger und auch die Pflicht der Selbsterhaltung, so lange nicht das Hebammenwesen auf dem Lande gebessert wird. Gebildete Hebammen, vom Staate besoldet, daneben Pflegerinnen in jedem Ort, wären zu wünschen. Dazu muß freilich der Hebammenberuf besser gewürdigt, werden in der öffentlichen Meinung. Inder Richtung ist es mit Dank zu begrüßen, daß eine Schwester unseres Kaisers den Hebammenberuf erlernt hat.
* — Zum Kapitel des Kohlenwuchers erhält die „Frkf. Ztg." aus einer benachbarten Stadt einen Beitrag, der wirklich werth erscheint, mitgetheilt zu werden. Dort ist eine Baufirma in Zahlungsschwierigkeiten gerathen, die noch einen Lieferungsvertrag mit einer auswärtigen Kohlengroßhandlung über eine Restlieferung von 3802 Zentner lausen hatte. Nun erhielt der Vertreter des Gläubigerausschusses von der Lieferantin ein Schreiben, worin diese sich mit der Auflösung des Vertrages einverstanden erklärte, wenn ihr der entgehende Gewinn sofort baar ausgezahlt würde. Sie stellte dabei folgende Berechnung auf: Es betrug der'Verkaufspreis für je 200 Zentner 220 Mk. — Pfg. der Gestehungspr. für je 220 Zentner 135 „ 50 „ mithin der Verdienst f. je 200 Zentner 84 Mk. 50 Pfg oder für die noch zu liefernden 3*02 Zentner 1606 Mk
35 Pfg. (Die Rechnung lag dem Blatt im Original vor.) Der Gewinn der Großhandlung an den Kohlen beträgt hiernach über 60 pCt.
* — Der „Reichsanzeiger" meldet: Beim Empfang des Vorstandes des evangelischen Bundes des Herzogtums GoHa legte der Regent des Herzogthums dar, es handle sich nicht um eine Verschmelzung der einzelnen evangelischen Landeskirchen zu einer Einheit in Glauben und Lehre, sondern nur um die. Schaffung einer solchen Gemeinschaft, die den Bekenntnisstand und die inneren Einrichtungen jeder Landeskirche in ihrer Selbstständig- keit gänzlich unberührt lasse. Es handle sich auch nicht um eine neue Angelegenheit, vielmehr sei die Sache schon seit langem eingehend erwogen und die meisten Synoden hätten sich mit einer solchen Einigung einverstanden erklärt, sodaß die Hoffnung auf Erreichbarkeit des Zieles vorhanden ist.
ch Romsthal, 2. Februar. Aufsehen erregt die Verhaftung zweier Einwohner von Kerbersdorf wegen Wildern und Schießens auf Forstbeamte. Die Beiden gingen schon längere Zeit aus Wilddiebstahl in den Fürstlich Jsenburg-Birstein'schen Wäldern aus. Bei dieser Gelegenheit wurden sie von zwei Forstbeamten überrascht im Forstort Abtsstein. Die beiden Beamten erhielten auf ca. 40 Schritt scharfe Schüsse, die jedoch nicht trafen. Bevor die Förster wieder schießen konnten, waren die Burschen im Dickicht verschwunden. Die Thäter, die gefährlichsten Wilddiebe der Umgegend, waren jedoch erkannt worden und noch in derselben Nacht würden sie in Kerbersdorf aus ihren Betten heraus von den beiden Forstbeamten unter Hinzuziehung des Gendarmen von Birstein verhaftet und hinter Schloß und Riegel gebracht. Bei dem einen Wilderer wurde, im Bettstroh versteckt, ein frisch abgeschossenes, zerlegbares Gewehr gefunden. Die Verhafteten sind schon früher mal mit Zuchthaus bestraft worden.
Birstein, 31. Januar. Der ehemalige Erbprinz Leopold zu Jsenburg-Büdingen in Birstein, Oberleutnant a. D., zuletzt der Reserve des Jnfanterie-Regts. Nr. 78. ist mit seinem Patente — es datirt von 1885 — bei den Offizieren ä. la suite der Armee wieder angestellt worden.
Orb, 31. Januar. Die sog. Bad-Orb-Wächters- bacher Kleinbahn, die am 23. Mai v. Js. eröffnet wurde, hatte am 25. d. Mts. bereits den 10000. Fahrgast auszuweisen. Dieser Passagier wurde nach früherer Bestimmung frei befördert. Für das historische Billet waren ihm 3 Mark geboten, aber er behielt es selbst als Andenken.
Kerstenhansen, 30. Jan. Ein dahier bedienstetes Mädchen suchte seinem Leben dadurch ein Ziel zu setzen, daß es den Kopf zwischen die Messer der Futter- schneidmaschine hindurchsteckte, sodaß dieselben tief in
Motiv für seine That an, ihn habe die Grausamkeit empört, mit welcher Weyler die kubanischen Gefangenen behandelt habe, und als er sich darüber geäußert, habe man ihn vor ein Kriegsgericht gestellt und ihn schließlich kassirt. Diese Behandlung habe ihn dermaßen gegen die Spanier erbittert, daß er beschlossen habe, einen Krieg zwischen den Amerikanern und Spaniern zu entzünden. Er sei ganz genau mit beut Hafen von Havana und der Lage der dort plazirten submarinen Dünen bekannt gewesen und habe dann die Kenntnis dazu benutzt, um einen Torpedo in den Rumpf der „Dichte zu feuden. Nach der That habe er sich aus einen Schooner nach New-Orleans geflüchtet und habt dort bei einem texanischeu Ranch-Besitzer Stellung genommen. Braga hat eine gute Bildung und mach ganz den Eindruck eines Mannes von guter Familie
— Die von vielen Eltern geübte Sitte, ihre Kinder allein zu Hause zu lassen, hat sich in Kassel wieder einmal bitter gerächt. Ein in der dortigen Hohen- zollernstraße wohnendes Ehepaar hatte sich Abends um V211 Uhr auf eine Stunde entfernt und seinen Knaben von 4 Jahren schlafend zurückgelassen. Als die Leutr gegen 7212 Uhr zurückkehrten, waren sie, wie bm „Cass. Tagbl." schreibt, nicht wenig bestürzt, als sie das Kind nicht mehr vorfanden. Sie suchten die ganze Wohnung ab, ohne eine Spur zu entdecken. Endlich gewahrten sie, daß ein Fenster der Küche offen stand und ein Stuhl an das Fenster gerückt war. Von einer trüben Ahnung erfüllt, eilten die Eltern hinab in bett Hof — ihre Ahnung erfüllte sich; der Kleine lag als Leiche zerschmettert auf dem Pflaster des Hofes.
— Vom General Feldmarschall Grafen Blumen- thal erzählt ein Mitarbeiter des Militär-Wochenblattes u. A.: Von Gestalt klein und unscheinbar, wurde Blumenthal durch die hehre Erscheinung des Kronprinzen ganz in den Schatten gestellt. Das wußte er sehr wohl, maß aber Aeußerlichkeiten dieser und anderer Art keine Bedeutung bei, wie er denn auch wenig sorgsam in seiner Haltung und Kleidung war. Sich gelegentlich gern selbst ironisirend, erzählte er einmal, er sei neulich, in Civil-Anzug reisend, vom Schaffner des zur Abfahrt bereit stehenden Zuges befragt worden: „Dritte Klaffe?" Er habe dies verneint, aber ohne weitere Auskunft abzuwarten, habe ihm der Schaffner zugerufen: „Vierte Klaffe dahinten!"
— Bestrafung des Duells in England. Das englische Militärrecht stellt die Herausforderung zum Zweikampfe gleich dem Versuche eines Selbstmordes, der als eine militärische Strafthat betrachtet und bestraft wird. Ein Offizier, der einen Selbstmordversuch macht oder zum Duell herausfordert oder Ich zrun Duell stellt, Wird kassirt und wie ein gewöhnlicher Soldat ins Gefängniß gesetzt. Ein Kartellträger ist ,in gleicher Weise zu strafen. Wenn ein Zweikampf mit dem Todte eines Theiles endete, so werden der Ueberlebende und die Sekundanten beider Theile wegen des Verbrechen des gemeinen Mordes verfolgt. (Army Act. part, I, S. 38 flg.)
Amerikanisches. Von der Großartigkeit der Schlächtereibetriebe, die hinter der Einfuhr von amerikanischem Fleisch stehen, gibt Zeugniß eine Aufstellung über die Leistungsfähigkeit der großen Schlächtereien in Chicago und 11 anderen Städten. Diese Schlachthäuser sind so eingerichtet, daß sie täglich 194 (00 Schweine schlachten und verarbeiten können. Das größte Institut, das des großen Chicagoer Schlächterkönigs Armour, vermag täglich 20 000 Schweine zu verarbeiten.
— In der reichsten Stadt der Welt, in London, gibt es nach einer Aufstellung von Johns Burns gegenwärtig 900 000 Personen, die in einem chronischen Zustand der Armuth und der Verkommenheit leben. 3000 Personen leben zu je 8 in einem Zimmer, 9000 zu je 7, 26 000 zu je 6, 400 000 haben nur einen Raum zu ihrer Verfügung. Für niehr als 1 Million von Personen bedeutet das Leben in London nichts anderes, als einen Leidensgang von der Wiege bis zum Grabe.
— Backfisch.veis heit. „.....Jetzt sag' einmal Ella, was ist denn eigentlich ein Heldenvater?" „Das, ist doch selbstverständlich der Vater eines Leutnants."
— Moderne Dienstniädchen. „Als was soll sich denn Ihre Tochter vermiethen?" — „Na, für Alles." — „Und was kann sie denn schon?" — Na, nischt."
— Höhere Pädagogik. Hofmeister (zum kleinen Prinzen, der sich unartig benommen): „Hoheit belieben Sprößling aus den niedersten Volksschichten wirklich täuschend zu imitiren!
Markt- und Handelsnachrichten.
Frankfurt a. W., 3. Februar. Hiesiger Weizen 17,00 Mk Hi siger Roggen 14,00 -14,50 Ruffischer —, ,— Mk. Hiesige Gerste - , ---, - Pfälzer -,-----Hafer je nach Qualität hiesiger —,----,— Mark per 100 Silo.
Fulda, 1. Februar. Der heutige Schweinemarkt war mit 6 Läufern und 150 Ferkeln betrieben. Der Durchschniltgprei- stellt sich bei Läufern auf 30, bei Ferkeln auf 13 Mark.
Telegraphischer Schiffsbericht der „Red Star Linie in Antwerpen.
Der Postdampfer „Kensington" der „Red Star Line", in Antwerpen, ist laut Telegramm am 1. Februar wohlbehalten in New-?)ork angekommen.