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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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^L 11, Mittwoch, den 5. Februar 1902. 53. Jahrgang.

der mitbietenden Handwerker und Gewerbetreibenden in keinem Verhältnisse stand. Sobald der Regierungs­präsident hiervon Kenntniß erhalten hatte, ließ er Reinentur eintreten.

Die Pferdelieferungen namhafter deutscher Firmen an England werden auch von derPost" als Neu- tralitätsbrnch bezeichnet und wird^ bedauert, daß die deutsche Regierung nicht in der Lage ist, privaten Unter» nehmungen die Lieferung von Waaren 2C. an England zu untersagen.

Posen, 28. Jan. Der kommandirende General des fünften, Armeekorps von Stülpnagel, theilte bei dem gestrigen Festmahle mit, daß das fünfte Armee­korps in diesem Jahre große Manöver vor dem Kaiser abhalten werde.

Essen, 25. Jan. Der Essener Polizei ist es ge­lungen, den Burschen zu verhaften, der die auf der Eisenbahnstrecke in der Nähe von Altenessen befindliche Signalstange auf freie Fahrt stellte und die am Signalmast befindliche Maschinerie beschädigte. Der Thäter hatte die Frechheit, einen Abgerissenen Theil des Signalmaftes einem Bahnwärter vor die Thür zu legen. Dadurch daß der Wärter alsbald das Haus verließ, wurde die ruchlose That entdeckt und großes Unglüch verhütet. Der Verbrecher hat die That be­reits eingestanden.

Mannheim, 27. Januar. Jakob Gunzenhaauser, Prokurist im Fruchtspeditionsgeschäft von Karl Fricks, vergiftete sich, nachdem er Jahre lang Unterschlagungen im Gesammtbetrage von 240 000 Mk. begangen und dieses Geld inleichtsinnigerGesellschaftdurchgebrachthatte.

Aus Baden. Ein kostspieliges Futter hat ein Dienst­knecht in dem badischen Orte Jhringen am Kaiserstuhle dem seiner Obhut anvertrauten Vieh bereitet. Als ihm sein Dienstherr seinen Jahreslohn von 350 Mk. in Papierscheinen ausgezahlt hatte, legte er einstweilen die Papierscheine in die Futterschneidmaschine. In­zwischen wurde es Nacht und beim Einlegen des Futters in die Maschine andern Tags bemerkte er das Geld nicht mehr; letzteres wurde sammt dem Futterkurz geschnitten". Erst als das Vieh an dem kostbaren Futter fraß, dachte der Knecht wieder mit Schrecken an seinen Jahreslohn, jedoch zu spät.

Gießen. In die hiesige Klinik wurde ein Knabe aus Södel gebracht, der sich durch Spielerei mit einer Pistole schwer an der Hand verletzt hat. Beim Wohnungs­wechsel seiner Eltern fand er nämlich unter altem Ge- rümpel eine Pistole. Da die nötige Munition dabei lag, eignete sich der etwa l2jährige Junge die Waffe an, und begab sich alsbald in Begleitung mehrerer Kameraden damit ins Freie, um sie sofort auf ihre Güte zu prüfen. Als der Hahn nach einigen gelungenen Schüssen versagte, schlug er die Pistole so lange auf einen Stein, bis es wieder knallte. Die Kngel ging ihm durch die Hand, die dermaßen zerfetzt wurde, daß er sich, wäre nicht ärztliche Hilfe rasch zur Stelle gewesen, sicher verblutet hätte. Nach Anlegung eines Verbandes wurde er nach Gießen verbracht.' Doch konnte infolge seiner völligen Entkräftung zunächst keine Operation an der Hand vorgenommen werden. Nach­dem sich der Verunglückte erholt hatte, wurde ihm ein Stück Fleisch aus dem Bein geschnitten und an die Hand gesetzt, die freilich völlig verkrüppelt ist. Die bei dem Unfall zugegen gewesenen Kinder kainen mit dem Schrecken davon.

Ausland.

Transvaal. Nach der blutigen, einer Vernichtung gleichenden Niederlage der Benson'schen Kolonne bei Berkenlagte fielen den Buren sämmtliche Kanonen und 58 Wagen in diejHände. Benson, der bekanntlich fiel, bediente während des Gefechts eigenhändig die Kanonen, da sich die Artilleristen platt auf den Boden warfen und sich weigerten zu schießen.Brave" Kerle!General!" Vilonel, der einen Korps von 1500 Buren werben und damit die Engländer gegen seine Landsleute unter­stützen will, trägt den TitelGeneral" nur in Verbin­dung mit Wetsagent (Winkeladvokat). Vilonel war vor dem Ausbruch des Krieges alsGeneral-Wetsagent" im Freistaat ansässig und >als solcher vereinigt mit einem gewissen Kitcher.er. Welche Ironie des Schicksals! Zu Beginn des Krieges wurde er wegen Verraths zu Zwangsarbeit verurtheilt und in Winburg eingesperrt. Er war bei der Uebergabe Winburgs nicht Komman­

l^fiMhtttrt^ ""f die .Schlüchterner Zeitung" KklßLkUrtNVkts werden noch fortwährend von allen - - "-^ " Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Der Metzger Konrad Lotz zu Steinau beabsichtigt, auf seinem Grundstück Kartenblatt E. R. 293 Hof­raum am Stadtberg, ein Schlachthaus zu errichten. Ich bringe dieses Vorhaben hiermit zur öffentlichen Kenntniß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren oder mündlich zu Protokoll anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen an diesem Vorhaben nicht mehr angebracht werden. Zeichnung und Beschreibung können während der Dienststnnden im Geschäftszimmer des Bürgermeisteramts eingesehen werden. Termin zur Eröterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht auf Sonnabend, den 22. Februar 1902, Vormittags 9 Uhr im Geschäftszimmer des Unter­zeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Wider­sprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.

Steinau, am 1. Februar 1902.

Die Ortspolizeibchörde: Fink, Bürgermeister.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird mit seiner Familie in der zweiten Maiwoche auf Schloß Urville eintreffen und bei dieser Gelegenheit anch einige Fabrikanlagen und Wohlfahrtseinrichtungen in Mühlhausen besichtigen.

Prinz Heinrich ist nach Kiel abgereist, um demnächst seine Fahrt nach Amerika anzutreten. Der Prinz wird vom 22. bis 28. Februar sich in Newyork und Washington aufhalten. Er wünscht vor Alleni die Militär-Akademie in Westpoint, die Marineakademie in Annapolis, die Schlachtfelder bei Chattanooga und die Niagarafälle zu sehen. In den vielen anderen Orten, die der Prinz mehr oder weniger gern besticht, wird er oft sich nur wenige Minuten aufhalten. Am längsten wird er in Chicago, Boston, Milwaukee und Philadelphia verweilen. Der für den Prinzen Heinrich bestimmte Zng wird von der Pensilvanischen Eisenbahn gestellt. Es wird der größte Luxuszug sein, den Amerika je gesehen hat. Die Reise des Prinzen wird 9 Tage dauern und sich über £010 Meilen durch 13 reichbevölkerte Staaten und 14 der größten Städte erstrecken.

Kaiser Wilhelm hat, wie nachträglich be­kannt wird, durch ein sehr gnädiges Handschreiben an den General-Feldmarschall Waldersee diesem ein in China erbeutetes Bronzegeschütz überweisen lassen in dankbarer Erinnerung an die von dem greisen Feld­marschall in China geleisteten Dienste. Das Geschütz, welches reich verziert ist und etwa 1750 Kilogramm wiegt, ist sehr alt, es entstammt wahrscheinlich dem 17. Jahrhundert; es gehörte zu denjenigen Geschützen, mit welchen auf die deutsche Gesandtschaft geschossen wurde.

* Versorgung der Kriegs-Jnvaliden und Veteranen. Nach einer Blatter-Meldung finden zwischen den verbündeten Regierungen Verhandlungen darüber statt, eine höhere Summe als Etats-Voranschlage der Regierung vorgesehen ist, im Interesse der Kriegs-Jn­validen und Veteranen in den Etat einzustellen. Das würde das klügste sein, was die Regierungen in diesem Fälle thun können. Der Reichstag hat bekanntlich ohne weiteres einstimmig in diesem Sinne bereits be­schlossen.

Von den aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers durch Ordensverleihungen dekorirten Personen hat ein Theil (27) die Annahme der Auszeichnungen zurückgewiesen. In der Hauptsache handelt es sich hierbei um die Zurückweisung des allgemeinen Ehren­zeichens durch Lehrer, Subalternbeamten, pensionirte Postbeamte u. s. w.

Zum Schutz des Handwerks. Bei den Aus­schreibungen für den Gymnasial-Neubau in Rawitsch hatte die Direktion der Strafanstalt ein Gebot auf Tischlerarbeiten abgegeben, das zu den Forderungen

dant des Platzes, als den die Engländer den neuen, ihren würdiger Verräther ausgeben, sondern ehrloser Sträfling.

Wie die menschenfreundliche Engländerin Miß Hobhouse in einem Londoner Blatt schreibt, sind bisher über 13 000 Burenkinder dem verdammten System der Konzentrationslager zum Opfer gefallen.

China. Wolff's Bureau meldet aus Peking: Ein Edikt der Kaiserin gestattet für die Zukunft die Heirath zwischen Mandschus und Chinesen und empfiehlt, das Fußbindeu bei den Frauen abzuschaffen. Nach Leinem .Edikt des Kaisers sollen die Mitglieder des Kaiser­hauses und vornehmer Familien Reisen ins Ausland unternehmen, um sich fremde Bildung anzueignen. Nach einer Meldung des Reuterffchen Bureaus schien die Kaiserin Wittwe bei dem Empfange der Gemahlinnen der Gesandten sichtlich bewegt. Der Gemahlin des amerikanischen Gesandten Sauger gegenüber erklärte sie, der Angriff auf die Gesandtschaftsgebäude sei ein furcht­barer Irrthum gewesen, den sie bitter bereue. Bei dem an den Empfang sich anschließenden Festmahle er­klärte die Kaiserin, China wolle seine isolirte Stellung aufgeben, und sich die besten Seiten der europäischen Zivilisation aneignen.

Uvkohama, 31. JanuarrEine Truppenabtheilung von 210 Mann unter dem Befehl eines Majores, die am 23. Januar von Aomoci, im 3lorben der Insel einen Ausmarsch im Schnee unternahm, verlor den Weg und kam bis auf einen Mann bei der großen Kälte, im Schnee um.

Lokales unb Provinzielles.

* Schlüchtern, 4. Febr.

* Am Donnerstag Abend 8'/, Uhr wird der Transvaal-Burgher G. Butz aus Prätvria in der Turnhalle" hierselbst einen Vortrag halten über das Thema:Erlebnisse vor und während des Krieges in Transvaal". Der Vortragende, ein ge­borener Deutscher, hat 5 Jahre lang (seit 1895) in Transvaal gelebt und auch in der ersten Zeit an den Kämpfen theilgenommen. Wie allseitig bekundet wird, verfügt der Vortragende über einen guten Vortrag und weiß die Erlebnisse in fesselnder Weise darzu- stellen. _ Der Eintritt zu diesem Vortrage ist für jeder- mann frei, doch werden freiwillige Geldspenden, welche zur Unterstützung der in den Konzentrationslagern gefangen gehaltenen Buren-Frauen und -Kinder ver­wendet und der Buren-Centrale in München zugeführt werden, gern entgegengenommen. Herr Butz hat be­reits in vielen Orten Deutschlands Burenvorträge ge­halten, und nach den vorliegenden Zeitungsberichten es verstanden, ein fesselndes Bild des auf blutiger Wahlstatt um seine Existenz ringenden Volkes zu ent­rollen. Hoffentlich findet der Burgher auch hier ein zahlreiches Publikum, das ihn in die Lage bringt, wie schon so oft, ein schönes Sümmchen für seine bedrängten Landsleute an die Centrale in München abzuschicken. Die am Vortragsabend eingehenden Beträge werden von Personen gesammelt, die von der Versammlung ernannt werden und dann die Summe unter Kontrolle an die Zentrale in München abgesandt. Alan ersieht hieraus, daß Herr Butz nicht aus Eigenutz, sondern lediglich zum Wohle der Buren Verträge hält. Herr Butz würde heute noch an der Seite der Buren gegen die Engländer kämpfen, wenn ihn nicht eine bei Elands- lagte erlittene Verwundung am Bein die weitere Theil- nahme am Feldzuge unmöglich gemacht hätte.

, Ein wichtiges Urtheil hat, wie wir der juristischen ZeitschriftDas Recht" entnehmen, das Oberlandes­gericht in Posen gefällt, indem es folgenden Rechtsatz aufstellte:In dem Irrthum über die Vermögens­verhältnisse des Verlobten kann ein wichtiger Grund für den Rücktritt Dom Verlöbnis gefunden werden."

* Hebammenwesen auf dem Lande. Dem mit ländlichen Zuständen wirklich Vertrauten kann es nicht verborgen sein, wie erbärmlich das Hebammenwesen in unsern meisten Dörfern geordnet ist. In der Regel bezieht die Hebamme kein festes Einkommen irgend welcher Art und ist nur auf die Gebühren für die vollzogenen Entbindungen und etwaige Geschenke an­gewiesen. Trotz aller entgegenstehenden Bestimmungen muß sie fortwährend Arbeiten und Dienstleistungen im Hause der Wöchnerin verrichten, die sie für die eigent­lichen Verrichtungen ihres Berufes ungeeignet machen,