Einzelbild herunterladen
 
  

eilenden Angreifers habhaft werden. Zwei Einwohner von Reiskirchen fanden in einer Fischotterfalle einen lebenden Fuchs. Durch ein Hündchen, das die beiden bei sich hatten, wurde er entdeckt. Er wurde, als er­den Hund sah, im waren Sinne des Wortes fuchswild und glaubte noch in ber Falle eine Beute machen zu können Er griff das Hündchen an, sodaß sich dessen Besitzer genöthigt sah, diesem zu Hilfe zu eilen, wobei er den Fuchs todtschlug. Die Beiden nahmen den Fuchs mit, um ihn beim Forstwart abzuliefern, kehrten aber zuvor im Gasthause ein. Als sie wieder nach dem Meister Reinecke sahen, fanden sie, daß er von den Todten auferstanden war. Er wurde zum zweiten Male todtgeschlagen, worauf die Beiden beruhigt in das Lokal zurückkehrten. Als sie nun nach einiger Zeit mit dem todten Fuchs aufbrechen wollten, stellte es sich heraus, daß dieser entlaufen war.

Hauau, 27. Januar. Die in einzelnen Gemeinden des Kreises auf Anregung des landwirthschaftlichen Kreisvereins vorgenommenen Beleuchtungsversuche mit Spirituslampen haben günstige Erfolge gezeitigt, sodaß bereits zwei Gemeinden beschlossen haben, für die Straßenbeleuchtung ihrer Orte Spirituslampen zu be­schaffen.

Frankfurt. Was heutzutage von den Eisenbahn­verwaltungen alles verlangt wird, möge folgender thatsächlicher Vorfall zeigen, der in Frankfurt als furios um erzählt wird. Beschwert sich da eine Dame, die im D=3iige reiste und im Speisewagen dinierte darüber, daß ein ihr gegenübersitzender Herr mit dein Messer anstatt mit der Gabel gegessen habe. Sie ver­langt, daß die Eisenbahndirektion oder die Verwaltung des Speisewagens den Fahrgästen daS Essen mit dem Messer verbieten und dieses Verbot durch Anschlag bekannt geben sollte. Die entrüstete Dame scheint im kunstgerechten Essen einen sehr wichtigen Lebenszweck zu erblicken.

Kassel. Die bereits abgeschlossene Untersuchung gegen die Aufsichtsräthe der Trebergesellschaft ist in­folge der Verhaftung des Direktors Schmidt heute von Neuem aufgenommen worden. Die Verhandlung findet in diesen Tagen statt. Die Unterschlagungen des hier verhasteten Oberpostsekretärs Kümmel belaufen sich aus 50000 Mk. K. unternahm in der vergangenen Nacht im Gefängnis einen Selbstmordversuch, der aber mißglückte.

Römershausen, 25. Januar. Ein betrübendes Un­glück hat sich hier ereignet. Ein unverheiratheter Einwohner unseres Ortes namens Hoof begab sich vorgestern an seinem 34. Geburtstag in den Wald, um an einer gefällten Eiche, die für seinen Neubau bestimmt war, die Aeste abzuhauen. Als er Abends nicht nach Hause zurückkehrte, begaben sich seine An­verwandten auf die Suche. Sie fanden ihn als Leiche neben dein Baumstamm. Als Hoof die Aeste, auf die der Stamm gestützt war, abgehauen hatte, war er von demselben so unglücklich getroffen worden, daß er auf der Stelle todt war. An demselben Tage vor 30 Jahren verunglückte auch sein Vater tödtlich beim Holzhauen im Walde.

Castel, 24. Januar. Hier treffen fortwährend Güterwagen mit gepreßtem Heu und Stroh aus dem Oesterreichischen ein. Für die Militärbehörde traf dieser Tage ein Rheingüterschiff mit gepreßtem Heu, das aus Amerika stammt, ein.

Zum weißen Schwan.

9ioman von Rudolf Hertzog. (Fortsetzung.)

Meinen Sie?"

Aber ganz gewiß," sagte er eifrig und begriff nicht, wie nur die Vermuthung geäußert werden konnte. Und er begann aus seinem von jugendlicher Dankbarkeit überströmenden Herzen heraus des geliebten Mannes zu malen. Er beschrieb ihn ihr, wie väterlich und dann wieder wie freundschaftlich er im Verkehr zu ihm, dem viel jüngeren, wäre, erzählte ihr von den Erholungsstunden in Bärenfelds Zimmer, von seinen Reisen und Erfahrungen, betonte die Stellung, die er unter den Herren seines Umgangs einnähme, Herren, die selbst einen höheren Platz in der Gesellschaft ein- nähmen und ihm doch mit Hochachtung und Verehrung begegneten. Er wurde wärnier und wärnier bei feinen Schilderungen, und Lisa schritt neben ihm einher uud hörte den Namen immer wiederkehren, und vor ihren Augen erstand die hohe ritterliche Figur des Mannes, das dunkle Haar in die Stirn verschnitten, das ernste Gesicht, von dunklem Vollbart umrahmt. Einmal nur hatte sie ihn anders gesehen, einmal, als er sie im Augenblick des Vergeffens in seinen Arm gezwungen und wirre Worte gestammelt, ein liebeglühender, liebe- slehender, weicher Mann; weich wie ein Knabe. Das hatte sie vollbracht. Ihre Brust hob sich hoch, als wollte sie das Kleid sprengen. Sie sah die Szene vor sich, so deutlich, daß sie eine Sekunde die Augen schließen mußte, um nicht wieder in jenen Zu­stand der Betäubung zu versinken. Sie biß die Unter­lippe blutig, und blieb Meisterin.

Herr Bärenfeld kennt Wohl kein Geheimniß vor Ihnen," meinte sie sehr ruhig.

Das Weiß ich nicht," antwortete Heinrich.Ich

glaube aber, daß er überhaupt nichts zu verschweigen hat."

Sie blickte ihn an und sah, daß er nicht log. Aber anstatt sich befreit zu fühlen, fühlte sie wieder eine heiße Blutwelle in sich aufsteigen.

Schlafen Sie wohl, Herr Pfalzdorf," sagte sie und grüßte ihn mit einem Neigen des Kopfes. Sie standen vor der Apotheke und läuteten am Thor. Wie sich Schritte vernehmen ließen und der Schlüssel knarrte, fügte sie uoch hinzu:Einen schönen Traum braucht man Ihnen wohl nach dem heutigen Tage nicht zu wünschen." Dann ging sie an dem Pförtner Dores vorbei und langsam die Treppe des Wohnhauses hinauf.

Auch Heinrich spürte kein Verlangen nach Unter« Haltung mehr. Auf seinem Zimmer angekommen, warf er sich gleich auf's Bett und versuchte nochmals alle Erlebnisse durchzudenken; doch der Schlaf der Jugend nahm ihm sanft den Faden der Erinnerungen ab. Mit einem Mal fuhr er hoch. Er mußte schon über eine Stunde geschlafen haben. Ueber sich gebeugt sah er Herrn Bärenfelds Gesicht, der auf bem Bettrand saß und ihn betrachtete.

Ich habe Sie gestört. Verzeihen Sie. Wo waren Sie denn den Nachmittag?"

Bei Vilma," erwiderte Heinrich schlaftrunken.

Dores, der mir öffnete, sagte mir, Sie wären mit Fräulein Lisa zusammen heimgekommen."

Heinrich ermunterte sich.Ah, Herr Bärenfeld, sind Sie da?" Und er setzte sich in seinem Bett auf­recht. Nach einer Viertelstunde wußte Bärenfeld jedes Wort, was zwischen Lisa und Pfalzdorf gewechselt war.

Gute Nacht, lieber Herr Pfalzdorf."

Aber Heinrich wollte noch mehr über Vilma plaudern. Er meinte, es müsse die ganze Welt intereffiren. Und Bärenfeld hörte geduldig seinen jugendlichen Schwär­mereien zu. Dann strich er ihm liebkosend mit der Hand über die erhitzte Stirn und sagte:Recht so, Heinrich. Wir sprechen noch darüber Wie den Leuten zn helfen ist!"

Gehorsam schloß Heinrich die Augen, um gleich wieder hinüberzuschlummeru.

Bärenfeld blieb noch eine Weile stehen.Glückliche Jugend," murmelte er;sie kennt nur Hoffnungen, und Wenn es graue Wüste um sie wäre. Sollte ich denn schon alt geworden sein?"

In seinem Zimmer saß er noch lange, den Kopf auf die Hand gestützt.

9. Kapitel.

Graf Joseph Schöner saß auf seiner Redaktion und blätterte in einem unisangreichen Manuskript. Seit Monatsfrist war er wohlbestallter Redakteur des Feuille­tons geworden, da sein Vorgänger im Amt seinen Urlaub benutzt hatte, um eine kleine Zeitung am Oberrhein selbstständig zu erstehen. Schöner, der den Posten bis dahin interimistisch verwaltet hatte und Geschmack an beut seßhafteren Leben fand, war beim Verlag um die gut dotirte Lebensstellung eingekommen, und man hatte sie ihm bewilligt.

Gemüthlich eine Cigarrette rauchend, lehnte er im Arbeitssessel und las, denn das Tagespensum war er­ledigt. Ein paar Mal wände er den Kopf, um den Gruß zu erwidern, den ihm zum Vesperschoppen gehende Kollegen durch die Thür seines Redaktionszimmers riefen, auch wohl noch, um dem Faktor, dem uner­müdlichen Zeitungsgeist, Material für die morgige Morgenausgabe einzuhändigen oder vom Druckerjungen Korrekturabzüge im Voraus gesetzter Manuskripte in Einfang zu nehmen. Heute fertigte er die Leute, für welche er sonst meistens einen. Witz zur Hand hatte, ziemlich kurz ab und vertiefte sich wieder in seine Blätter.

Es klopfte.

Herein!" rief Schöner und blickte gespannt nach der Thüre.Ah, mein gnädiges Fräulein. Bitte, bemühen Sie sich näher. Wollen Sie sich des Stuhles bedienen?" und er machte einen Platz frei, indem er einen Stoß Zeitungen, der sich darauf aufgespeichert hatte, einfach auf die Erde schüttete.So, bitte sehr! Gestatten Sie mir zunächst, mich nach Ihrem Befinden zu erkundigen."

___________________(Fortsetzung folgt.)___________________

Vermischtes.

Meerrettig als' Heilmittel. Der geriebene Meer- rettig wird auf Leinwand in Größe einer Hand gestrichen, dann auf den Oberarm, auf die Waden, Fußsohlen oder aus den Nacken gelegt und man läßt ihn dort so lange wirken, bis man ein beträchtliches Brennen empfindet. Dieses Meerrettigpflaster ist eines der am schnellsten helfenden Mittel bei heftigen Kopf- und Zahnschmerzen, bei Schwindel, Ohnmacht, Rücken­schmerzen und Ohrensausen.

Ueber den Nutzen und Schaden der Krähen hat die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft folgende Sätze aufgestellt: 1. Die Dohle ist mehr nützlich als schäd­lich, sie darf höchstens örtlich verringert, jedoch nicht ausgerottet werden. 2. Die Rabenkrähe ist ebenso nützlich als schädlich, wo ihr Schaden den Nutzen augenscheinlich überwiegt, muß ihre Zahl durch Ab­schießen vermindert werden. 3. Die Nebelkrähe ist

der Rabenkrähe gleich zu behandeln. 4. Die Saat­krähe ist viel nützlicher als schädlich ; sie ist daher, wo sie nicht einpfindlichen Schaden anrichtet, zu schonen.

Ein Schulzeugnis Napoleon I. In einem alten Werke finden sich folgende Noten des Herrn von Keralis, Inspektors der französischen Militärschule, über den jungen Bonaparte, die am 17. Oktober 1784 dessen Aufnahme in die Pariser Militärschule veranlaßten: Herr von Bonaparte, geboren am 15. August 1769, 4 Fuß, 10 Zoll, 11 Linien. Gute Konstitution, vor­treffliche Gesundheit, gehorsam, ehrlich und dankbar, sehr ordentliche Aufführung, großer Fleiß für Mathe­matik; kennt sehr passabel Geschichte und Geographie. Sehr schwach in schönen Kenntnissen und Latein. Wird einen vortrefflichen Seemann geben." Und was ist wahr geworden von dieser schulmeisterlichen Menschenkenntnis?

Die Weine der verstorbenen Königin von Eng­land, die ein großes Renommee besaßen, sind vor wenigen Monaten in einer öffentlichen Versteigerung zu hohen Preisen abgesetzt worden. Sie sind zum Theil nach Amerika, Frankreich, und Deutschland übergesiedelt. Trotzdem hohe Zölle auf diesen Weinsorten ruhen, haben sie dennoch am Verschleißorte viel Geld gekostet; denn sie wurden in London zu fabelhaften Preisen an erste Weinhäuser abgesetzt. Namentlich die 5000 Dutzend Flaschen feinster alter Sherry aus den Jahren 1872 bis 1890 fanden viel Begehr und die Originalflaschen wurden mit dem königlichen Siegel zum Preise von 40 bis 50 M. von Liebhabern gekauft. Die Versteigerung bildete ein Ereigniß. Weinkenner erster Güte, Händler, Hotelbesitzer, Klubvertreter aus allen Weltgegenden hatten sich eingefunden. Der Versteigerungskatalog war ein Prunkstück in Purpurleinwand, die Angebote be­wegten sich sprungweise.

Schweden ist das am reinsten protestantische Land, denn unter seinen 4774409 Einwohnern zählt man zur Zeit nur 810 Römisch-Katholische.

Das Thier im Menschen. Sergeant (zu einem Rekruten):Pifke, Kerl, wie können Sie es wagen, die Naturforscher auf falsche Fährte zu locken! Die sucken das Niesenfaulthier in Südamerika und Sie drücken sich hier in der Kaserne 'rum!"

Boshaft. Alte Kokette:Machen Sie, daß Sie fortkommen ich kann michts gebrauchen!" Hausirer:Auch nicht e Kleinigkeit vielleicht e Spielzeug für die Enkelchen?"

Ein bedenklicher Kunde. Pfandleiher:Was wollen Sie denn hier?" Strolch:Jk? Jk wollte meine Ehre verpfänden, wat jeden Sie mir jutwillig dafor ?"

Er kennt sie. Sie:Denk Dir, Männchen, schreibt mir da Jemand anonym diesen unverschämten Brief! Lies nur, wie schrecklich, ich sei eine Klatsch­base und ein albernes Gänschen, das von der Wirth­schaft keine Idee hat und nur versteht, Staat zu machen! Ach mir so etwas und Du stehst so ruhig dabei: sagst Du denn gar nichts dazu?" Er (pomadig):Das kann nur ein guter Bekannter gewesen sein!"

Einen Sinnspruch, der den Nagel auf den Kopf trifft, begegnet man im Voigtlande hin und wieder in den öffentlichen Wirthschaften. Er lautet: Borgen thue ich nicht, Denn ich Habs empfunden: Erst werd' ich die Waare los Und später auch die Kunden."

Begreiflicher Irrthum. Frau;Ich begreife nicht, wie Du das aushältst. Seit zwei Stunden steht ein Geflügelhändler mit Enten unter Deinem Fenster?" Professor (zerstreut):So, so, Enten sind das ich dachte, Du hättest Kaffeekränzchen!"

Markt und Handelsnachrichten.

Frankfurt a.M., 28. Jan. Amtliche Notirungen der Viehmarkt- Preise. Zum Verkauf standen 430 Ochsen, 33 Bullen, 735 Kühe und Färsen (Stiere und Rinder), 245 Kälber, 317 Schafe und Hamel und 1112 Schweine. Bezahlt wurde 'in ta t Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: a. voll fleischige, ausgemästete höchste» Schlachtwerths bis zu 6 Jahren 6769 M., b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 59-^ 63 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 53 56 M., d. gering gewährte jeden Alters - , M. Bullen: a. vollfleischige höchsten Schlacht­werthes 54 56 M., b. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 5052 M., c. gering genährte - .- M., Kühe und Fersen (Stiere und Rinder): u. vollfleischige, ausgemästete Färse» Stiere und Rinder höchsten Schlachtwerths M. 58 -60, b. voll- fleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerths bis zu 7 Jahren 55 57 M., c. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 43 bis 45 M., d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder 30 31 M., e. gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 30- 31 M. Bezahlt wurde für 1 Pfund Schlachtgewicht Kälber: a. feine Mast- (Vollm. Mast) und neueste Saugkälber 78- 80 Pf., b. mittlere Mast- und gute Saugkäblber 69 72 Pfg' c. geringe Saugkälber 58 bis 62 Pf., d. ältere gering genährte Kälber (Freffer). Pf. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel 58 60 Pf., b. ältere Masthämmel 5256 Pf., mäßig genährte Hämmel und Schafe (Märzschafe) 4650 Pfg. Schweine: a. vollfleischige der feineren Raffen und deren Kreuz­ungen im Alter bis zu Ißi Jahren 67 - Pf., b. fleischige 66 bis - Pf., c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 58 60 Pfg., d. ausländische Schweine. Ps.

Kirchlicher Anzeiger für Schlächtern.

Sonntag, den 2. Februar 1902.

Vormittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Kahl. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Orth.

Wochendienst: Herr Pfarrer Kahl.