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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis
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„Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen
NssK^^it^N^ ""l die ,Schlüchterner Zeitung' werden noch fortwährend von allen
- - - PostanstaltenundLandbrieiträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Von einer Willenskundgebung des Kaisers, die seinem landesväterlichen Empfinden hohe Ehre macht, wird der „Post" berichtet: In Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit hat der Kaiser den Wunsch ausgesprochen, daß die aus Anlaß seines Geburtstages geplante Beleuchtung der öffentlichen Gebäude usw. möglichst eingeschränkt werde und die hierfür bestimmten Gelder vielmehr nach Möglichkeit zn wohlthätigen Zwecken vewendet werden möchten. Dieser Wunsch des Monarchen ist den verschiedenen Stadtverwaltungen und Behörden mitgetheilt worden.
— 600 amerikanische Zeitungen werden dem Prinzen Heinrich in New-Pork ein großes Festessen geben. Der Prinz hat seine Betheiligung zugesagt. Wie neuerdings berichtet wird, besucht Prinz Heinrich New-Pork, Washington, Boston, Chicago und Milwaukee.
— Bei dem Ordensfest sind nach der „Kreuzztg." 2448 (nach anderer Angebe 2473) Orden und Ehrenzeichen verliehen worden, darunter am häufigsten der Rothe Adlerorden, nämlich 1134 Mal. Der Kronen- orden ist 417 Mal verliehen, das Allgemeine Ehrenzeichen 862 Mal. Wenn wir uns recht erinnern, betrug die Zahl der verliehenen Orden im vergangenen Jahre über 3000.
— Im Jahre 1901 wurden von der Kaiserin an Hebammen nach 40jähriger Thätigkeit in ihrem Berufe 365 goldene Broschen verliehen. Davon entfielen auf die Provinz Hessen-Nassau 31. — An weibliche ' Dienstboten hat die .Kaiserin im verflossenen Jähre für eine 40jährige Dienstzeit in derselben Familie 17u goldene Dienstbotenkreuze nebst selbst vollzogenen Diplomen verliehen. Davon entfielen auf die Provinz Hessen-Nassau 5.
Aus Thüringen. Die Krankenkasse „Thuringia", die ihren Sitz in Eisenach hatte, über ganz Deutschland verbreitet war und 110 000 Mitglieder zählte, ist durch Bezirksausschußbeschluß aufgehoben worden. Die Geschäftsführung der Kasse, insbesondere die sehr hohen Gehalte der fünf Vorstandsmitglieder, die monatliche Einnahmen bis zu 20t 0 Mk. pro Person bezogen haben, soll, abgesehen von anderen Unregelmäßigkeiten, zu schweren Bedenken und zur Schließung der Kasse Anlaß gegeben haben.
Naumburg. Ueber die Hinrichtung dreier Verbrecher, des Werkmeisters Bagehorn, des Arbeiters Seidel und der Wittwe Schädel, welche am 6. April v. J. gemeinsam die Frau des Bagehorn ermordet hatten, wird aus Naumburg berichtet: Alle drei zeigten sich ziemlich gefaßt. Sie wurden einzeln zum Richtblocke geführt, zuerst die Schädel, die eine Blouse mit weitem Halsausschnitte trug, dann Seidel, zuletzt Bagehorn, Das Urtheil wurde durch deu Scharfrichter Engelhardt aus Osterburg, einem Schwiegersohn des früheren bekannten Nachrichters Reindel, mittelst Richtbeiles vollzogen. Die drei scharsen Hiebe aus freier Hand, zu denen jedesmal ein anderes Beil verwendet wurde, thaten mit furchtbarer Präzision ihre Schuldigkeit Sobald das Haupt des einen Gerichteten in den Sand gerollt und mit dem Körper in den primitiven Sarg gelegt war, säuberten die Gehilfen die Richtstelle von neuem und bedeckten Block und Beil mit einer weißen Hülle, so daß vow der vorangegangenen blutigen Arbeit nichts zu sehen war. Etwa 50 Personen wohnten bem ernsten Akte bei. Die letzte Hinrichtung in Naumburg erfolgte 1865; damals erklang das arme Sünder-Glöck- chen vom Rathhausthurme, diesmal schwieg es. Erst am Tage vor der Hinrichtung war den drei Mördern eröffnet worden, daß ihr Gnadengesuch abschlägig be- schieden sei.
Nordhansen, 20. Januar. Ein in Johannesburg wohnhafter, aus dem benachbarten Wolmirstedt gebürtiger junger Mann Namens Wilhelm Jahr hatte mit den Buren in Verbindung gestanden und war deshalb von den Engländern zum Tode verurtheilt worden. Die in Wolmirstedt wohnenden Eltern thaten alle möglichen Schritte, um die Ausführung des Urtheils zu verhindern. So wandte sich die Mutter des Verurtheilten auch mit einem Gnadengesuche an den
König von England und vor einigen Tagen erhielt sie nach der „Franks. Ztg." die Nachricht, daß das Urtheil aufgehoben worden sei.
Von der Nahe. Eine schlau eingefädelte Steuer- hinterziehung im großen Style ist in dem Dorfe Eberu- burg bei Kreuznach ans Tageslicht gekommen. Dort hatte ein Herr Boßberg ein Spritlager eröffnet. Er erhielt mehrfach von einer „Aktiengesellschaft" in Düssel- dorf größere Sendungen reinen Spiritus, der in Fässern mit amtlichem Zollverschluß ankam, also noch nicht versteuert war. Auf Antrag B.'s kamen dann Zollbeamte in sein Lager, um dort den Spiritus zu denaturiren. Hierbei fiel es einem der Beamten auf, daß B. jedesmal beim Entkorken der das Denaturirungs- mittel enthaltenden Flasche von dem Inhalte etwas verschüttete. Der Beamte schöpfte Verdacht und entnahm einem der Spritfässer eine Probe, die er zu Hause untersuchte. Dabei machte er die merkwürdige Ent- deckung, daß der Spiritus bereits deuaturirt war. Das betr. Faß wurde beschlagnahmt und auseinander genommen ; da fand sich unter einem Reifen versteckt ein zweites, nachträglich gebohrtes, mit einem kleinen Spund verschlossenes Loch. Die übrigen Fässer enthielten ebenfalls denaturirten Spiritus unb Wiesen sämmtlich das kleine verborgene Spundloch auf. B. hatte stets vorher deu steuerpflichtigen reinen Sprit entnommen und verkauft und dann die Fässer mit steuerfreiem dena- turirten Spiritus aufgefüllt. Durch das Verschütten des Denaturirungsmittels war es bem Betrüger gelungen, den ganzen Lagerraum mit dem Geruch des Mittels anzufüllen, wodurch es den Beamten unmöglich gemacht wurde, zu erkennen, daß die Fässer schon denaturirten Spiritus enthielten. B. wurde verhaftet. Die Untersuchung ergab, daß die Gesellschaft auch in Bingen und Montabaur Spritlager errichtet hatte, die nach den gleichen Prinzipien arbeiteten. Die hinterzogene Steuer beträgt viele Tausende Mark.
Würzburg, 15. Jan. Im vorigen Jahre kamen in dein Städtchen Haßfurt fünf kleinere Brände vor, die stets im Entstehen bemerkt wurden und sofort wieder unterdrückt werden konnten. Nach Art der Entstehung mußte man Brandstiftung annehmen und Ende November v. Js. erwischte man den Thäter in der Person des 24jährigen Flößer Valentin Wohlfahrt. Wohlfahrt war Feuerwehrmann und hatte sich für den Fall größerer Brände zur Brandwache gemeldet, die mit 2 Mark bezahlt wird und freies Essen und Trinken erhält. Wohlfahrt, der kein Freund von Arbeiten war, suchte sich nun einen leichten Dienst zu verschaffen, indem er größere Brände selbst herbeiführte. Das Schwurgericht verurtheilte ihn heute dafür zu 4 Jahren Zuchthaus und Stellung unter Polizeiaufsicht.
Ausland.
Haag, 23. Jan. General Carrington mit sammt feinem Stäbe hat sich um Weihnachten in den Maga- liesbergen dem Burenführer Delarey ergeben müssen.
Brüssel, 21 Januar. Die Erschießung des Buren- Kommandanten Scheepers ruft in Burenkreisen große Entrüstung hervor und wird als gemeiner Mord bezeichnet. Alle Friedensverhandlungen werden sistirt. Botha Wirb nun den Befehl zu blutigen Repressalien geben. — Nach einem Bericht aus Südafrika befindet sich das Hauptmnnitionsdepot der Buren in Nordosten Transvaals un Weit von Soutpansberg. Es enthält noch 60,000 Gewehre und sehr viel Muniton und Proviant. Das Gelände ist unzugänglich, eine Anzahl Buren- franen bebauen dort die Felder. Der Widerstand der Buren wird nicht aufhören, so lange dieses Munitionslager uneingenommen ist.
Kopenhagen, 20. Januar. Der dänische Oberst Lindholm, der in Chile angestellt ist, hat sich dieser Tage nach kurzem Aufenthalte hier nach Utrecht be- geben, um im Auftrage der chilenischen Regierung mit dem Präsidenten Krüger über den Plan, den Buren Kolonien in Chile anzubieten, zu verhandeln. Die chilenische Regierung bietet jedem Bur freie Reise, 70 Morgen Land, Material, um ein neues Haus auf- zuführen und als Anleihe dreißig Pesos (ein Pesos gleich zwei Mark) monatlich, nebst Lebensmitteln und Samen für ein Jahr oder — wenn sie es vorziehen'— 360 Pesos. Nach vier Jahren erhalten die Kolonisten das Eigenthumsrecht auf dem Boden, den sie bebaut haben und dann fängt die Zurückzahlung an,
die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 25. Januar 1902.
53. Jahrgang.
Madrid, 22. Januar. Der „Heraldo" meldet: Her- vorragende Karlistenführer und Karlistenanhänger trafen gestern in Barcelona ein. Die Regierung erhielt zuverlässige Informationen, daß die Karlisten im Frühjahr größere Erhebungen vorbereiten. — Von der Ursache der Unruhen in San Sebastian bei einem „Volksfeste" wird der „Franks. Zlg." von da berichtet: „Gestern Abend beschloß der Stadtrath von Sebestian, das rohe Spiel zu verbieten, das darin bestand, daß Stiere, an lange Seile gebunden, gegen das Publikum in den Straßen unerwartet losgelassen wurden, wobei jährlich viel Unglück herbeigeführt wurde. Eiu Volkshaufen erhob Einsprache gegen die Abschaffung dieses „Spiels" und steinigte den Stadtrath. Auch die Gendarmen wurden angegriffen Es gab viele Verwundete. Die Erregung dauert fort." — Dieses Volk ist es doch eigentlich werth, daß man es mit seinem Ochsenspiel ungestört läßt.
New-Pork, 21. Jan. Gestern Abend kam es zu einem Treffen im Hafen von Panama. Die Insurgenten erzwängen siegreich die -Landung. General Alban, der Oberbefehlshaber der Regierungstruppen wurde getödtet. — Der Dampfer „Padilla" hat den Dampfer „Lantore" angegriffen, dessen Mannschaften von Bord'entflohen waren. Das Schiff brennt augenblicklich und ist im Sinken begriffen. Der Generalverwalter der Panamaeisenbahn telegraphirte gestern, daß bei der Schlacht im Hafen zwei Schiffe der Regierung und drei der Insurgenten schwer beschädigt wurden.
China. Einer der Hanptsührer der Boxerbeweguug, der General Tungfuhsiang, soll hingerichtet worden sein. Der „Standard" meldet aus Schanghai: Nach glaubwürdigen Berichten aus Peking ist Tungfuhsiang am 15. b. M. in Shensia, Provinz Kansu, im Pamen des- Gouverneurs hingerichtet worden.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 24. Jan.
* — Versetzt wurde der Gerichtsvollzieher Ullrich von Schwarzenfels nach Düsseldorf an das Amtsgericht.
* — Das Publikum machen wir darauf aufmerk- fam, daß nächsten Montag den 27. d. M. am Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers alle öffentlichen Kassen und Behörden geschlossen halten.
* — Die Leser unserer Zeitung in der Stadt Schlüchtern machen Wir darauf aufmerksam, daß die 2. Hälfte der Kreissteuer für das Jahr 1901 am 8. b. Mts. fällig gewesen und daher wegen der bis jetzt nicht bezahlten Beträge noch im Laufe dieses Monats Zwangsbeitreibung zu gewärtigen ist. Gleiche Maßregel ist wegen der am 2. Januar d. I. fällig gewesen«, nicht bezahlten oder befristeten Kaufgelder für das am 6. Mai 1901 in den Schlüchteruer Stadtwaldungen Fichtengarten, Eichholz und Platte ersteigerte Holz zu erwarten.
* — Dienstag den 28. Januar, Nachmittag 5 Uhr findet eine Sitzung der Stadtverordneten statt, auf deren Tagesordnung u. a. steht: 1) Verwaltungsbericht des Magistrats; 2) Rechnung der Armenverwaltung;
3) Feststellung des städtischen Etats für 1902; 4) und 5) Wahlen; 6) Feuerlöschwesen; 7) Anstellung eines neuen Nachtwächters; 8) Antrag des Magistrats betr. die Prüfung der eventuellen Haftung der Spar- kaffe-Verwaltungs-Deputation für die Weitzel'schen Unterschlagungen. — Das kann recht interessant werden.
* — Die gestern 9Zad)mittag in der Turnhalle hier stattgefundenc-Versammlung des „Bundes der Landwirthe" war besonders von mittleren und kleineren Landwirthen aus der Umgegend gut besucht; es waren ca. 115—125 Personen. Der Redner sprach sehr gut und erntete vielfachen Beifall. An die Rede schloß sich eine lebhafte Debatte unter den Anwesenden.
* — Am 20. Januar fand dahier die erste Wandersammlung des Mitteldeutschen Viehändler-Ver- bandes statt. Die Mitgliederzahl beträgt jetzt 200. Nach den gemachten Mitteilungen beabsichtigt die Eisen- bahnverwaltung ab 1. Mai ein Viehtransportkursbuch herauszugeben.
* — Falsche Zwanzigmarkscheine. Seit einigen Monaten kursiren in Baden, Württemberg, Bayern, Hessen und Preußen, und zwar namentlich im Rheinlande, falche Reichskassenscheine zu 20 Mark. Die Reichsschuldverwaltung sichert demjenigen, der einen Verfertiger oder wissentlichen Verbreiter solcher Falsch-