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SchlWernerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

JM 7. Mittwoch, den 22. Januar 1902. 53. Jahrgang.

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I^fMhmAim01^ ^ .Schlüchterner Zeitung'^ sPl'HvUUlSytSttocrben nod) fortwährend von allen - ! PostanstaltenundLandbriestragern, owie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

J.-Nr. 316. Am 30. Januar l. Js. wird in der Stadt Fulda unter den seitherigen Bedingungen Vieh­markt abgehalten. Der Austrieb des Viehs darf vor 8 Uhr Morgens nicht stattfinden.

Fulda, den 13. Januar 1902.

Der Königliche Landrath.

J.-Nr. 23 K.=A. Diejenigen Herrn Bürgermeister, welche noch mit Erledigung meiner Verfügung vom 3. Januar 1912 J.-Nr. 23 K. A. Schlüchterner Zeitung Nr. 3 betreffend Aenderung bei den Schiedsmännern in Viehseuchen-Angelegenheiten, im Rückstand sind, werden hierdurch mit 3 Reigen Frist an die Erledigung erinnert.

Schlüchtern, den 18. Januar 1902.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.

Teutsches Reich.

Berlin. Im Berliner Schloß fand am letzten Sonntag das Krönungs- und Ordensfest in üblicher Weise statt durch Gottesdienst in der Schloßkapelle, große Cour im Rittersaale und Tafel im Weißen Saale. Unter den Zuschauern befanden sich auch ver­schiedene der im Kgl. Schauspielhause gastierenden französischen Schauspieler. Die staatlichen Gebäude hatten geflaggt.

. Der Silberschatz des Kaisers. Aus Anlaß der Reise des Prinzen Heinrich nach Amerika wird der Prinz in Erwiderung der ihm in Newyork zugedachten Aufmerksamkeiten an Bord der kaiserlichen Pacht Hohenzollern" ein Festniahl geben, zu welchem der Präsident Roosevelt und die hohen Staatswürdenträger der Vereinigten Staaten eingeladen werden. Gelegent­lich Fieses Mahles wird auf besonderen Befehl des Kaisers die Galatafel ein Theil des kaiserlichen Silber­schatzes schmücken. Dieser, der durch den Kaiser ein­gehend besichtigt worden und bereits nach Kiel abge­gangen ist, besteht aus einer großen Anzahl Stücke von hohem materiellen wie kunstgeschichtlichem und kulturhistorischem Werthe. Das herrlichste Stück ist ein Tafelservice im Werthe von 42üUtO Mark, welches für ein Gedeck für fünfzig Personen berechnet ist. Der größte Theil des Inhaltes der Silberkammer stammt noch aus der Zeit desalten Fritz" und des Soldaten­königs Friedrich Wilhelm I. Der kaiserliche Silber­schatz repräsentirt einen Gesammtwerth von rund fünf Millionen Mark.

Eine seltene Auszeichnung verlieh der Kaiser dem Marine-Chesingenieur Holländer, der während einer Llljährigen Dienstzeit vom einfachen Maschinisten die höchste Stufe im Marine-Jugenieurkorps erreichte. Als er soeben zur Disposition gestellt wurde, erhielt er den Rang eines Kapitäns zur See, eine Aus­zeichnung, die noch nie einem Marine-Ingenieur zu teil wurde.

Zur Errichtung von Garnisonen in Wreschen und Schrimm schreibt derGes.", daß gerade der kommandirende General des 17. Armeekorps v. Lentze von jeher die Ansicht vertreten hat, daß die Schaffung kleinerer Garnisonen in vorwiegend polnischen Distrikten das festeste Bollwerk des Deutschtums ist. Jetzt scheint es ihm gelungen zu sein, seine Ueberzeugung an der entscheidenden Stelle zur Anerkennung zu bringen.

Kauft deutsche Stahlfedern! Für Schreibfedern wandern alljählich viele Millionen nach England. Die Boch. Ztg." schreibt daher mit Recht: Hinaus mit den englischen Stahlfedern aus den deutschen Schulen, hinaus damit aus den Kanzleien und kaufmännischen Schreibstuben, damit die deutsche Stahlfederindustrie, die mindestens ebenso vorzügliche Fabrikate liefert, erstarke und deutsche Arbeiter lohnende Beschäftigung in dieser Branche finden können.

Wie groß die Arbeitslosigkeit in Berlin ist, beweist folgender Vorfall, über den dortige Blätter be­richten: Auf einekleine Anzeige," in der mehrere bessere Leute für einträgliche Beschäftigung verlangt wurden, sammelten sich zur angegebenen Zeit vor dem betreffende» Hause etwa 1500 (!) Personen an, von

denen auch 5 engagiert wurden. Trotzdem nun die Stellen besetzt waren, wollten die Anderen nicht vom Flecke weichen, in der Erwartung, daß biefem oder jenen vielleicht Hoffnung auf eine spätere Anstellung gemacht werde. Wenn die Menge sich anch verhältniß- mäßig ruhig verhielt, mußte schließlich ein Aufgebot von 15 Schutzleuten unter Führung eines Wachtmeisters einschreiten, um die vollständig gesperrte Straße für den Verkehr freizuhalten.

Die preußische Eisenbahnverwaltung hat 750 Lokomotiven bestellt, um der Arbeitslosigkeit zu steueru. Diese Lokomotiven repräsentiren einen Werth von 45 Millionen Mark. Betheiligt sind alle Lokomotiv- fabriken in Preußen, je nach ihrer Größe.

Zur Meldung von dem Tode eines jungen Offiziers in Potsdam infolge Leerung einer Kognak­flasche auf einen Zug erklärt der kommandirende Ge­neral des preußischen Gardekorps:Es ist richtig, daß jener Offizier nach längerem Verweilen in einem kleineren Kreise von Kanieraden im Casino am folgenden Morgen am Herzschlag verstorben ist. Nicht richtig in der Darstellung aber ist 1., daß eine Trinkwette oder ein gegenseitiges sich Ueberbieten im Trinken statt- gefunden habe, 2. daß der später verstorbene Offizier sich selbst überlassen, von vorüberkommenden Soldaten nach Hause geleitet, in voller Uniform mit geschlossenem Kragen auf das Bett gelegt und dann erstickt fei. Viel­mehr hat ihn einer seiner Kameraden in seine Wohnung begleitet, ist ihm beim Auskleiden und Zubettgehen be­hilflich gewesen und hat ihn erst verlassen, nachdem er sich überzeugt, daß er schlafe."

Zu Gunsten der Arbeitslosen und Nothleidenden ist, wie mitgetheilt, der für den 18. Januar in Gotha angesetzt gewesene Hofball auf Befehl des Regenten abgesagt, und sollen die Aufwendungen dafür an die Bedürftigen vertheilt werden. Dazu bemerkt dieTägl. Rdsch." :Der thatsächliche Erfolg der Maßregel mag gering sein, um so höher aber möchten wir den moralischen Gewinn einschätzen. Manche heimliche Brücke wird sich von Arm zu Reich strecken und wieder zurück, wenn das Beispiel des Regierungsverwesers im Gothaer Ländle anderswo, und es braucht nicht gerade nur an Fürstenhöfen zu sein, Nachahmung fände."

Eine dreifache Hinrichtung fand Freitag früh in Naumburg a. d. Saale statt. Wegen Ermorduug einer Frau fielen die Köpfe zweier Männer und einer Frau unter dem Beile des Scharfrichters.

Stuttgart, 20. Jan. In der Nacht kurz nach 12 Uhr brach im Dachstock des hiesigen Hoftheaters ein Feuer aus, das sich mit rasender Geschwindigkeit aus- dehnte, sodaß binnen einer halben Stunde der ganze Dachstock in Flammen stand. Trotz eifrigster Thätig­keit der gesammten Stuttgarter Feuerwehr breitete sich das Feuer immer weiter aus. Zunächst brannte der Bühnenraum aus, alsdann griff das Feuer auf den Znschauerraum über. Morgens um 4 Uhr waren zwei Bühnen des Theaters eingestürzt und ein Raub der Flammen geworden. Man nimmt an, daß der Brand durch elektrischen Kurzschluß entstanden ist, da das elektrische Licht, nachdem der Brand entdeckt war, vollständig versagte.

Köln, 15. Januar. Die Polizei verhaftete hier- selbst eine Frauensperson, die in dem Verdacht steht, über 50 ihrer Pflege anvertrauten Ziehkinder durch Beibringung von Gift getödtet zu haben. Die Frau wohnte früher in Ehrenseld und unterhielt dortselbst ein derartiges Institut, verzog später nach Brühl, wo auch die Verhaftung erfolgte. Die Staatsanwaltschaft leitete umfangreiche Erhebungen ein, auch nach der Richtung hin, ob weitere Personen an diesem Verbrechen betheiligt sind.

Hannover. In einem Hause an der Frieseustraße sprach Mittags ein Bettler vor, der über argen Hunger klagte. Die Haussrau reichte ihm einen Teller voll dicke Erbsen mit Speck, ein gut gekochtes Gericht, das derarme Reisende", der sich auf der Treppe nieder­gelassen hatte, dort verzehren sollte. Im Wohnzimmer saß die Familie bei Tisch, die Vorplatzthür war nur angeschoben. Nach einer Weile wollte die Frau nach dem Fremden sehen, doch der war bereits fortgegangen und der Teller stand leer auf dem Vorplatz. Eine Stunde später ging der Hausherr, ein Beaniter, zum Dienst und da es regnete, nahm er den Schirni aus dem Schirmständer auf dem Vorplatz. Vor der Haus­

thür öffnete er den Regenschirm, doch schon klackerts I und tröppelts ihm dick und dünn entgegen -- dicke Erbsen mit Speck regnen über seinen Anzug. Eiligst senkte er den Schirm und suchte seine Wohnung wieder auf._______

Ausland.

Aus Amsterdam wird berichtet: Der Vertreter von Chile ist von seiner Regierung ermächtigt worden, den Buren ein bedeutendes Gebiet in Chile anzubieten. Die Regierung übernimmt den Transport der An­siedler und besorgt ihnen Vieh und will ihnen sogar Geld leihen.

Spanien. In Mauresa bei Barcelona wurde das Etablissement Vilmara von einer entsetzlichen Kata­strophe heimgesucht. Ein Kessel platzte und die ganze Fabrik wurde zertrümmert. Der Direktor, der gerade die Zeitung las, wurde in Stücken bis auf den Ge­meindeplatz geschleudert. Bisher sind 16 Leichen aus den Trümmern befördert. Mau schätzt die Zahl der Opfer auf 100. Einzelheiten fehlen noch.

London, 17. Januar. Im Unterlaufe erklärte Balfour bei der Adreßdebatte gegenüber Campell Bannermann, der sich gegen die Politik in Südafrika wände, die Regierung fei entschlossen, die Buren zu unterjochen und das Land zn annektieren.

New-Pork, 17. Januar. Eine in Laredo (Texas) eingetroffene Depesche aus Mexiko meldet, in Chilpan- cingo (Provinz Guerreo) seien gestern durch ein Erd­beben 6c0 Personen umgekommen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 21. Jan.

* Dem Seminardiener Schulz zu Schlüchtern und dem Steueraufseher Obst zu Züntersbach wurden das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.

* Das am vergangenen Sonntag in der hiesigen Turnhalle abgehaltene Concert des Gesangvereins Liederkranz und des Orchestervereins aus Geln- H au se n nahm einen sehr schönen Verlauf. Die Leistungen beider Vereine, welche durchweg aus einfachen, schlichten Arbeitern bestehen, haben allgemein angenehm über­rascht. Alle Nummern ohne jegliche Ausnahme wurden exakt und mit guter Betonung vorgetragen. Das allgemeine Urtheil sämmtlicher Zuhörer ging denn auch dahin, daß die Gesammtleistungen beider Vereine für Dilettanten einfach großartig waren. Es ist nur zn bedauern, daß sich nicht mehr Zuhörer eingefuuden hatten. Dies mag Wohl lediglich dem Umstand zu- zuschreiben sein, daß man in Schlüchtern von den schönen Leistungen der concertgebenden Gelnhausener Vereine nicht die geringste Ahnung hatte. Jedenfalls aber ist anzunehmen und auch zu wünschen, daß bei dem in Aussicht gestellte« baldigen Wiederkommen, das allgemein gewünscht wurde, der Saal bis zum letzten Platz besetzt sein wird.

Gegen die Kurpfuscher. Der preußische Justiz­minister hat an die Oberstaatsanwälte einen Erlaß über die strafgerichtliche Verfolgung der Kurpfuscherei gerichtet, woriu darauf hingewiesen wird, daß der § 4 des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb zweck- ntäßig zur Bestrafung der Kurpfuscher ausgenutzt werden kann. Es soll auf eine nachdrückliche Verfolgung der eingehenden Strasanträge Hingewirki werden.

(Unbenutzt gebliebene Eisenbahnfahrkarten.) Die Geflogenheit der Eisenbahnverwaltung, bei der Rücker­stattung des Fahrgeldes für nicht ausgeführte Reisen 1 Mk. Schreibgebühr abzuziehen, hat kürzlich wieder folgende bezeichnende Anwendung gefunden. Der Jülicher Kreis-Kriegerverband bestellte für die Fahrt nach Aachen zur Theilnahme an der Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals im Oktober einen Extrazug, M dem der Jülicher Kriegerverein 30 Fahrkarten löste. *0 Karten wurden benutzt, zehn Mitglieder des Vereins mußten jedoch von der Reise abstehen und baten die Eisenbahnverwaltung um Rückerstattung des Fahrgeldes. Sie erhielten folgende Abrechnung: Zehn Fahrkarten Jülich-Aachen 11 Mk.; Schreibgebühr 10 Mk., Porto 10 Ps. mithin Rest 90 Pfg., welche anbei mit Post­anweisung folgen. Den zehn Herren des Jülicher Kriegerverbandes ist mithin die Reise, , die sie gar nicht gemacht haben, ziemlich theuer geworden.

Vom Spessart, 17. Jan. Eine der hervorragendsten und wichtigsten Holzversteigerungen seit langer Zeit verspricht die große Versteigerung mächtiger Baumriesen