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WüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 18. Januar 1902

53. Jahrgang

Ef dieSchlüchterner Zeitung"!Flagge kam. Der Bankok-Handel, welcher vor einigen KIL^kNÄSLUt kk werden noch fortwährend von allen Jahren fast nur unter britischer Flagge ging, liegt

...- , Poswnstalten undLandbrie'trägern, jetzt auch schon zum größten Theil in deutschen Händen

vwie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich

und wickelt sich unter deutscher Flagge ab. Man hätte glauben sollen, daß sich die reichen englischen

Kaufmannsfürsten von Hongkong und Singapore Schulter

Berlin. Zur Entsendung des Prinz-Admirals Heinrich nu Schulter gestellt hätten, um selbst mit einem Opfer durch seinen kaiserlichen Bruder zum Stapellaus der bem Ansturm des unternehmenden Deutschen entgegen- neuen Kaiseryacht in New-York wird bemerkt, daß es! zutreten. Aber nein! Ihr Eigennutz ist mächtiger als ihr großspuriger Patriotismus. In Bankok, wo früher 80 °/0 aller Fahrzeuge, die in diesem Hafen einliefen, unter britischer Flagge segelten, steht Deutsch­land jetzt an der Spitze, während der englische An­theil auf 38 % zurückgegangen ist. Aehnliches hat sich auf dem Yangtsekiang zugetragen." Die Zu­schrift schließt mit dem Seufzer:Dieses ist eines

das erste Mal ist, daß ein preußischerj Prinz den Boden Nordamerikas betritt. Die Ausfahrt mit einem der Schnelldampfer des Bremer Lloyd wird kurz nach ' Mitte Februar angetreten werden. (Der Stapellauf selbst findet erst Ende Februar statt.) In Begleitung des Prinzen Heinrich dürften sich mehrere hohe Marine­offiziere befinden. Die Ankündigung des Besuchs kam in New-York vollständig überraschend und erregt leb­hafte Befriedigung.

Durch das neue Urheberecht erwachsen den Mi­litärkapellen einmalig und auch fortlaufend erhebliche Ausgaben. Die Kapellmeister haben im Hinblick auf die neuen Bestimmungen schon vor dem 1. Januar unter dem Notenmaterial ihrer Musikkorps Musterung gehalten und dabei festgestellt, daß eine große Menge vervielfältigter, meist von den Hoboisten abgeschriebener Musikwerke vorhanden ist, bereit Gebrauch in dieser Art durch das in Kraft getretene Gesetz verboten und unter Strafe gestellt ist. Die Kapellen des Garde­korps, die wegen der an sie gestellten hohen Ansprüche über ein bedeutendes Notenmaterial verfügen müssen, sahen sich gezwungen, die ab geschriebenen Vorlagen auszuschalten und durch Kauf der erlaubten Noten stücke zu ersetzen. Bei jeder Kapelle werden hierdurch sogleich verschiedene hundert Mark Kosten verursacht.

Zur Linderung der Arbeitslosigkeit und Wirth- schaftlichen Krisis hat der Minister der öffentlichen Arbeiten, wie dieBerl. Corr." meldet, die Eisenbahn- direktionen veranlaßt, die Banthätigkeit der Eisenbahn­verwaltungen thunlichst zu erhöhen.

Die fiskalischen Holzpreise. Der preußische s Sta"t erwartet für das Jahr 19u2 keine Steigerung der Holzpreise. Das geht daraus hervor, daß er in dem Etat eine Erhöhung der Einkünfte aus den fiskalischen Forsten nicht vorgesehen hat. Demgegen- über ist darauf hinzuweisen, daß die großen Verkäufe fiskalischen Holzes, die vor wenigen Wochen, aber nach Feststellung der Etat-Positionen, in den östlichen Landestheilen vorgenommen sind, eine beträchtliche l Steigerung der Preise für alle Holzarten ergeben haben und daß in Fachkreisen eine weitere Erhöhung erwartet wird.

Englands Flagge in Ostasien. Die englische Review of Reviews veröffentlicht eine Zuschrift aus Labuan, Borneo, aus welcher hervorgeht, wie sehr sich der Einfluß Großbritaniens in Ostasien ver- ingert und welche bedeutenden Fortschritte Deutschland dort gemacht hat. Der Korrespondent schreibt:Seit zwanzig Jahren lebe ich im fernen Osten, auf den Philippinen, in China und auf den Malaischen Inseln, und seit einigen Jahren muß ich mit schmerzlichem Bedauern feststellen, daß Englands Einfluß mehr und mehr im Hinschwinden begriffen ist. Die Hauptschuld daran trägt die Apathie, mit welcher die britischen

der Ergebnisse des südafrikanischen Krieges."

Geheimrath Krupp in Essen versteuert nach neuesten Steuerstatistik ein Einkommen von 20 21 Millionen Mark für, das Jahr, während er Jahre i9uo 1516 Millionen und 1899nur" bis 13 Millionen Mark versteuerte.

der bis im 12

Aus Bayern, 7. Jan. Aus einem oberpfälzischen Dorfe wird derAugsb. Abendztg." berichtet, daß die Gemeinde einen geistesschwachen 20jährigen Burschen, den sie ju verpflegen hatte, verhungern ließ. Er war im Armenhaus in einem mit Steinen gepflasterten Raum untergebracht und hatte als Lagerstatt nur etwas auf die Steinfließen hingeworfenes Stroh, Essen mußte er der Reihe nach bei den Gemeindemitgliedern, wie das auf dem Lande überhaupt üblich ist. War er krank, mußte ihm der an dem Tage verpflichtete das Essen schicken. Das geschah aber nicht, denn die nach dem Tode vorgenommene Obduktion konstatierte, daß der Unglückliche 14 Tage vor seinem Tode keine Nahrung mehr bekommen hatte. Alan fand in seinem Magen Reste von Hühnerfutter, Kleiderfetzen, er hatte seine Hemdärmel aufgegessen und Stroh von seinem Lager; dabei ist die Gemeinde wohlhabend, der Pfarrer, der Vorstand der Armenpflege ist, und der Herr Bürgermeister, ein Abgeordneter, sind reich. Dr. Sigl, der Begründer und läng jährige Besitzer desBayerischen Vaterland" ist kürzlich gestorben. Dr. Sigl soll nach denMünch. 91. Nacht." ein Vermögen von 250 0(0 Mk. hinterlassen haben, das Frau und beide Töchter erben. Gegen den Verkauf des Vaterlandes" für bloß 20000 Mk. will Frau Sigl die Klage beim Gericht anstreugen. (Sigl war bekanntlich vor längerer Zeit in eine Gemüthskraukheit verfallen, die ihn seiner publizistischen und politischen Thätigkeit vorzeitig entzog. Er war wegen seiner partikularistischen

und Preußenfresserischen Einseitigkeit, mehr als derben Tones feiner E)

und wegen des

Expektorationen für

viele eine spaßige Figur, besaß aber in Folge seiner unbegrenzten Freimüthigkeit bei der bayerischen Land­bevölkerung eine große Popularität.)

Ausland.

Prag. Am 14. Januar, Mittags ist ein Wassereinbruch in denJupiterschacht" erfolgt. Von den 116 Mann der Belegschaft werden 43 vermißt, darunter der Be­triebsleiter und zwei Aufsichtsbeamten. Die Vermißten

dürften infolge Unmöglichkeit jeder Hilfeleistung in dem Kaufleute sich diesen Dingen gegenüber Verhalten; je- bei Brüx gelegenenJupiterschacht" rettungslos ver- doch in noch höherem Maaße die Geingschätzung alles, loren sein.

dessen, was nicht englisch ist, der Glaube, daß ihre j Madrid. Es gibt Wohl anderswo keine größere Noth Positionen fest und uneinnehmbar seien, die Gleich- als in Madrid. Dort zählt man eine ständige vbdach-

gültigkeit, den Wünschen der Eingeborenen gegenüber lose Bevölkerung von 8 bis lOOOo Mann, die auf

und ferner der Mängel an wirklichem Patriotismus, der Straße zu leben und oft auch auf der Straße zu

Hier am Platze haben wir ein Beispiel Vor Augen: sterben pflegen. Nachtasyle sind so gut wie nicht

Labuan, eine britische Kolonie, die zwar leider Von, vorhanden. Um die wirklich grausame 9tot^ ein wenig einer privilegierten Gesellschaft verwaltet wird, aber zu lindern, hat das Stadtamt endlich beschlossen, auf dennoch in Verbindung mit dem Staate Britisch Nord-1 verschiedenen Plätzen riesige Gasöfen errichten zu Borneo steht, ist jetzt auf die deutsche Flagge angewiesen,1 lassen, die einen großen Theil der Nacht und in den wenn sie mit der Außenwelt verkehren teilt. Dies frühen Morgenstunden geheizt werden, damit die armen verdanken wir dem Verkauf der 11 Dampfer der oft- Teufel sich erwärmen können.

indischen Holtlinie an den Norddeutschen Lloyd in | London. Ein sonderbares Gerücht wird aus Bremen. Diese deutsche Gesellschaft hat ferner noch die' London übermittelt. Danach hätte die englische Re- Scottish Oriental Company angekauft, welche aus 14 [ gierung beschlossen, den kriegsgefangenen Buren die Schiffen bestand und den Dienst zwischen Bangkok und Rückkehr nach Afrika zu versagen selbst nach einem China versah. Auf diese Weise wurden 25 britische Friedensschlüsse. Die englische Regierung habe in Dampfer einer fremden Flagge einverleibt, wodurch: diesem Sinne Schritte in Australien gethan, allein die der Güterverkehr zwischen zwei britischen Kolonien und' australische Regierung sei gegen den Plan und zwar einem britischen Protektorate günzlich unter die deutsche auf Grund einer Art Monroe-Doktrin. Ein Schrift-

steller von Talent sei ersucht worden, einen Artikel zu Gunsten des angeblich von Cecil Rhodes stammenden Planes zu schreiben, allein er habe es entschieden ab­gelehnt, ein so ungeheuerliches Projekt zu vertheidigen. Soweit die Mittheilung. Es ist doch kaum glaublich, daß die englische Regierung einen solchen Plan, dessen Ausführung eine arge Verletzung des Völkerrechts wäre, ernstlich ins Auge gefaßt hat, nachdem sie doch, wenn auch zögernd, zn Beginn des Krieges die Buren als kriegführende Macht anerkannt hat. Außerdem wären dann alle Ausführungen der englischen Minister mit Bezug auf die zukünftige Gleichstellung und das fried­liche Zusammenleben von Engländern und Buren in Südafrika eitel Heuchelei. Richtig ist allerdings, daß die englische Regierung jeden Zuzug von Nicht-Eng- ländern nach Südafrika so viel als möglich zu ver­hindern sucht.

Transvaal. Wie die muthigen Engländer hinter Burenfrauen sich verschanzen, erzählt ein aus Süd­afrika zurückgekehrter Holländer imAlg. Handelsblad" : Jede Woche ging ein Zug mit 1OU gefangenen Frauen und Kindern von Pietersburg nach Irene bei Pretoria ab. Zuerst kam die Lokomotive, dahinter ein offener Wagen voll Frauen und Kinder, an welchen ein ge­panzerter Wagen gekoppelt war, in dem sich 2025 englische Soldaten befanden, dahinter wieder ein offener Wagen voll Frauen und Kinder. Die Angst der armen Geschöpfe vor einem Anfall der Buren kann man sich vorstellen. Der erste Transport wurde denn auch von den Buren, die keine Ahnung von der Zu­sammensetzung hatten, angefallen. Es fielen verschiedene Frauen und Kinder unter den Kugeln ihrer Landsleute. Als die Buren merkten, daß sich Frauen und Kinder in ber fingen befanden, gaben sie den Angriff auf und ließen alle folgende Züge passiren. Auf solche Weise gelangten acht Züge voll Mannschaften, Pro­viant, Munition u. s. w. unbehelligt nach Pretoria. Ein französischer Arzt äußert sich über den Buren- krieg in einem Brüsseler Blatt: Die englischen Grau­samkeiten sind schrecklicher und barbarischer, als man ausdrücken könnte. Kitchener ist kein Mensch mehr, sondern eine Hyäne. Weiter berichtet der Arzt über einen Kriegsrath bei Dewet. Er deutet an, daß in diesem Kriegsrath Maßregeln für den letzten Akt des Verzweiflungskampfes getroffen seien, die an Schreck­nissen alles in älteren und modernen Kriegen Dage- Wesene bedeutend übertreffen würden. Von den furchtbaren Zuständen im Gefängniß zu Johannesburg, wo es nicht besser als in den Flüchtlingslagern ist, berichtet ein Deutscher demAlld. Blätt.": Ich wurde durch ein Kriegsgericht als politischer Angeklagter zur Zwangsarbeit verurtheilt und nach dem Fort zu Johannesburg transportirt. Wir bekamen drei dürftige Decken und ein kleines Kopfkissen, mit dem teir uns auf bloßem Flur begnügen mußten. Wir wurden zu allen möglichen Arbeiten zusammen mit Schwarzen und größten Verbrechern herangezogen. Der Mais- mehlbrei war oft ungenießbar, da er von verdorbenem Mehl hergestellt war; das Fleisch ließ häufig viel zu wünschen übrig und war vielfach nur halb gar ge­kocht. Diese Rationen waren bei Weitem nicht aus­reichend, sodaß wir alle dem fürchterlichsten Hunger ausgesetzt waren. Ein Deutscher Namens Weber, un­gefähr Anfangs der Fünfziger, gewesener Offizier, starb nach fünfmonatlicher Haft. Sein Tod ist allein den Folgen der Behandlung und dem Hunger zuzu- schreiben ; überhaupt war die Sterblichkeit eine ziemlich bedeutende.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchter», 17. Jan.

* Versetzt wurde Postassistent Bo es von Steinau nach Bebra.

* Die von dein Mörder Johannes Gläser aus Herolz eingelegte Revision beim Reichsgericht ist von demselben als unbegründet verworfen worden. Gläser ist mithin dem Scharfrichter verfallen, wenn das Be­gnadigungsgesuch ebenfalls abgelehnt werden sollte. Gläser hat die Nachricht von der Ablehnung seiner Berufung sehr ruhig hingenommen und will kein Gnaden­gesuch einreichen. Er verlangt jetzt, daß es recht schnell mit ihm abgemacht würde.

* Die Arbeitgeber, welche erwachsene weibliche Personen beschäftigen, die einer Krankenkasse nicht an-,