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SchluchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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NM^ILN^S ""f dieSchlüchtcruer Zeitung - K»IlßL8iLll«L^U^A werden noch fortwährend von allen

-- - PostanstaltcnundLandbrieiträgcrn,

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Januar. Die kaiserliche PachtHohen- zollern" tritt nächsten Sonnabend die Reise nach Amerika an. An Bord wird sich Prinz Heinrich, der Bruder des Kaisers, nach Amerika begeben. An der Reise nimmt auch die Musikkapelle der zweiten Matrosen- : Division theil.

Berlin, 11. Januar. Außer Preußen soll nament- I lich Bayern nicht geneigt sein, dem vom Reichstage , gefaßten Beschluß wegen Aufhebung des Jesuitengesetzes beizutreten.

Keine neuen Durchgangswagen . mehr. Nach einer Mittheilung derFrkf. Ztg." läßt die königl. preußische Staatsbahnverwaltung von jetzt ab bis auf 1 Weiteres keine Personenwagen mehr nach dem Durch­gangssystem (V-Zugssystem) bauen; sie hat in letzter Zeit sogar die für internationale neue Schnellzüge nöthigen Personenwagen nach dem Coupasystem zum Bau in Bestellung gegeben; wohl ein Beweis, daß der Minister der öffentlichen Arbeiten über die bei den Katastrophen in Offenbach und Altenbecken gemachten traurigen Erfahrungen und hinsichtlich der Bewährung der It-Zugs-Wagen (ohne Nothausgänge) bedenklich geworden ist.

Die Arbeitsverhältnisse in Gast- und Schank- Wirthschaften sollen demnächst durch eine Verordnung des Bundesrathes geregelt werden. Der Reichstag soll, wie dieSoziale Praxis" erfährt, nicht mehr mit der Sache befaßt werden.

Hamburg, 11. Januar. Die Polizei verhaftete eine aus 4 Personen bestehende Diebesbande, die syste­matisch Güterberaubungen auf den Schiffen betrieb. Die Behörden stellten fest, daß allein über 3uuu Pfund Kaffee sowie große Mengen Zucker gestohlen worden sind.

Braunschweig, 8. Januar. Zwei Landwirthe aus Rühme wurden wegen Milchpantscherei zu der hohen »Strafe von je sechs Wochen Gefängniß und 1000 Mk. ' Geldstrafe verurtheilt. Sie hatten fortgesetzt die von ihnen verkaufte Milch mit großen Mengen schlechten kalkhaltigen Wassers vermischt.

Hciirgcnstadr, v Januar. Nach der Zahl der Ver­eine zu schließen, müßte unsere Stadt zu den größten . Städten Deutschlands gerechnet werden. DieEichs- feldia" nennt nicht weniger als 53 Vereine, die in Heiligenstadt, einem Städtchen mit nur 7400 Ein­wohnern, vertreten sind. Das geht allerdings über das Mittelmaß hinaus.

Mühlhausc» i. Th., 5. Januar. Eine Entscheidung, die sowohl für die Preffe wie für das inferirende Publikum von großer Bedeutung ist, hat dieser Tage, wie wir derBerl. Ztg." entnehmen, das hiesige Land­gericht gefällt. Danach ist das Manuskript einer An­nonce eine Urkunde, und wer es fälschlicherweise znr Veröffentlichung in der Presse anfertigt, macht sich der Urkundensälchung schuldig. Man billigte dem dieses Vergehens beschuldigten, aber noch unbestraften An­geklagten mildernde Umstände zu und verurtheilte ihn zu vierzehn Tagen Gefängniß. Der Staatsanwalt be­antragte sogar einen Monat Gefängniß. Eine gleiche Entscheidung hat vor einiger Zeit das Gericht in Konstanz gefüllt.

Sonneberg, 10 Januar. DieSonneb. Ztg." meldet: Der flüchtig gewordene Kassi.er der städtischen Sparkasse in Sonneberg, Filiale Schalkau, Hermann Zinner, hat sich nach dem erlassenen Steckbrief der Unterschlagung und Fälschung der Bücher schuldig ge­macht. Alan spricht von einem Defizit in Höhe von 50 OOu Mark.

Ausland.

Wicn, 6. Januar. Aus Teplitz-Schönau wird ge­meldet, daß im dortigen evangelischen Pfarrbezirk 1901 360 katholische Einwohner zum evangelischen Glauben übertraten.

Serbien. Der Pleitegeier umkreist die serbischen Staatskassen. Die finanzielle 9Zvt hat bereits dazu gezwungen, den Friedensstand der Armee herabzusetzen. 'Die Gehälter der Beamten werden verspäte^ und nur zum Theil gezahlt. Selbst die Offiziere müssen auf ihr

Mittwoch, den 15. Januar 1902.

Gehalt warten. Nur die Garnison Belgrad wird pünktlich bezahlt, denn von ihr hängt die Sicherheit des Königs und der Dynastie Obrenowitsch ab. Der Fi- nanzminister macht verzweifelte Anstrengungen, irgend­wo ein Pump aufzunehmen, aber bisher vergebens.

Spanien. Nach einer Maldung aus Madrid kam es zu Ausschreitungen in Saragossa. Volkshaufen versuchten verschiedene Klöster zu stürmen. Eine große Polizei- und Militärmacht wurde entfaltet, um die Ordnung wieder herzustellen. Verschiedene Gendarmen wurden verwundet. Die Jesuiten sollen auf die An­greifer geschossen haben. Die Regierung macht den bisherigen Civilgouverneur für Alles verantwortlich, daher schon der Befehl an ihn, die Stadt zu verlassen. Ihn ersetzt interimistisch ein Oberst vom Generalstab.

Südafrika. Während Tewet eine Proklamation erläßt, daß der Kampf jetzt nicht blos den Buren­republiken, sondern dem einigen und freien Südafrika gelte, wollten Londoner Blätter behaupten, daß die Buren am 15. d. M. die Waffen strecken werden. Wozu da die neuen Freiwilligen für Südafrika, wozu auch die Klage Kitcheners, daß sich die Buren fortge­setzt große Quantitäten Munition aus Europa ver­schafften, sodaß die Küsten sorgsamer bewacht werden müßten 3 Er geht gegen Natal und die Buren werden den Engländern zeigen, was sie zu leisten im stände sind. Einem der Burenkriegsgefangenen auf St. Helena ist es möglich gewesen, an denN. Rotterd. Kour." einen Brief durchzubringen, dessen Inhalt die Zensoren Roux und Walton schwer belastet. Diese hätten Hun­derte von Briefen verbrennen lassen. Ferner ivitb mitgeteilt, daß viele der älteren Kriegsgefangenen nach schweren Leiden an Herzkrankheit sterben.

Johannesburg, 9. Jan. In seiner Rede bei dem Festmahl im Rathhause führte Milner ferner aus, England wünschte nicht die Buren zu verschlingen, welche stets ein wichtiges, obwohl nicht länger vor­herrschendes Element bilden müßten. Zweifellos würde Johannesburg eine der größten Städte der Welt werden. Ein großes Johannesburg bedeute ein englisches Transvaal, welches die Wagschale zu Gunsten eines englischen Südafrika lenken würde.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 14. Jan.

* Die Prüfungen am hiesigen Lehrerseminar be­ginnen in diesem Jahre an folgenden Tagen: Die Aufnahnuprüfung am 8. September, die Entlaffungs- Prüfung am 26." August und die zweite Lehrerprüfung am 27. Mai.

* Nächsten Sonntag den 19. d. M. beabsichtigt der Gesang-Verein'Liederkranz" von Gelnhausen hier in der Turnhalle, Nachmittags 4 Uhr ein Conzert zu geben. Dem Verein geht ein guter Ruf voraus. Schon zweimal hat sich derselbe bei Gesangwettstreiten Preise errungen, so in Wiesbaden einen ersten Preis und einen Ehrenpreis, ebenso in Oberrad den 4. Preis. Der Verein verfügt über gute Kräfte und sind seine Leistungen überall, wo er sich hat hören lassen, lobend anerkannt worden. Den hiesigen Gesang-Vereinen, die im verflossenen Sommer an der Fahnenweihe des Ver­eins Liederkranz theilgenommen, dürfte dieses noch be­kannt sein. Das für Sonntag bestimmte Programm, welches im Jnseratentheil zum Abdruck kommt, ist sorg­fältig ausgewählt und wird den Besuchern des Conzerts ein genußreichen Nachmittag in Aussicht stellen.

* Reichsgericht. Dienstag, den 14. Januar kommt in Leipzig vor dem Reichsgerichte der am 15. November 1901 in Hau au verhandelte Straffall gegen Joh. Gläser, Ziegelarbeiter von Herolz, wegen Mordes zur Revisionsverhandlung.

* Gar nicht dringend genug kann vor dem Zuzug in die großen Städte gewarnt werden. Viele bilden sich ein, daß dort viel leichter Arbeit zu haben wäre, wie auf dem Lande, während doch die Arbeits­losigkeit in den Großstädten viel schlimmer ist als irgend wo anders. Unb zwar bezieht sich das nicht blos auf die Handarbeiter, sondern auch auf andere Gewerbetreibende. Wir können in dieser Hinsicht den Nachr. aus Kurhessen" nur beipflichten, welche schreiben: Wer nicht eine ganz bestimmte und sichere Stellung in der Stadt in Aussicht hat, der bleibe lieber da, wo er ist. Lasse sich auch Niemand durch die höheren Löhne in die Stadt locken, dafür ist das Leben

53. Jahrgang.

auch entsprechend theurer, sodaß das Mehr dadurch vollständig ausgewogen wird. Auch sind die Wohnungs- Verhältnisse in der Großstadt meist sehr traurig, sodaß schon mancher, der sich zum Fortzug von feinem Dorfe hatte verleiten lassen, nachher mit Schmerzen sich wieder dahin zurückgesehnt hat.

Steinau, 12. Jan. Für Herstellung unmittelbarer Einfahrten in das Ueberholungsgleis auf Bahnhof Steinau (Kreis Schlüchtern) sind b6 000 Mark in den Etat der Eisenbahnverwaltung eingestellt worden.

Salmünster. Am Donnerstag Abend kam ein gut gekleideter Fremdling mit einem Fahrrad in die Wirth­schaft zum Engel. Nach einiger Zeit bat er den Wirth, ihm 20 Mk. zu leihen, er habe in der Stadt etwas zu bezahlen; als Pfand stellte er das werth­volle Rad zur Verfügung. Der Wirth ging nichts ahnend auf das Geschäft ein, der Fremde empfahl sich und ließ sich nicht mehr sehen. Am andern Morgen erschien ein Nachbar, und reclamirte das Fahrrad als sein Eigenthum, denn es sei ihm am Abend zuvor von der Hausthür weg gestohlen worden. Da nicht daran zu zweifeln ivar, mußte der Wirth das Rad herausgeben aber seine 20 Mk. ist er los.

Mottgcrs. Laut amtlicher Bekanntmachung der Königl. Eisenbähndirektion zu Frankfurt a. M. wird dieHaltestelle Mottgers" (der Bahnstrecke Elm Gemünden) am 1. Februar eröffnet werden. Bei der ungewöhnlich milden Witterung konnten die er­forderlichen Erdarbeiten int Laufe der letzten Woche vorgenommen werden und sind jetzt nahezu vollendet. Der Bau des Warteraumes ist bis zum Frühjahr ver­schoben; eine provisorisch aufgestellte Wellblech-Bude wird einstweilen als Warteraum dienen. Ein lang ersehnter Wunsch Vieler geht mit Eröffnung dieses Haltepunktes in Erfüllung.

Altengronan, 9. Januar. Im hiesigen festlich ge­schmückten Schulsaale der Oberklasse versammelten sich heute Nachmittag der Königl. Kreisschulinspektor Herr Superintendent Orth, Schlüchtern, mehrere Geistliche der llmgegeub, die Lehrer des Bezirkes Schwarzenfels, die Gemeindevertretung, etliche. Schulfreunde und die Schüler, um dem in den wohlverdienten Ruhestand tretenden Lehrer und Kantor Kahl, der beinahe 50 Jahre segensreich gewirkt, eine Abschiedsfeier zu verunstalten. Dieselbe wurde eingeleitet durch den Gesang der Lieder : Bis hierher hat mich Gott gebracht" undLobe den Herrn". Hierauf trat der Herr Kreisschulinspektor vor den Jubilar, schilderte in längerer, treffender Rede die Bedeutung dieses Tages, hob in anerkennenden Worten dessen Verdienste um Schule und Kirche her­vor, drückte ihm das Wohlwollen der Königlichen Re­gierung aus, wobei er dem Jubilar den verliehenen Orden überreichte und schloß mit dem Wunsche, daß ihm Gottes Gnade noch einen recht langen, gesegneten Lebensabend bescheren möge. Darauf ergriff der Be­zirksvorsteher, Herr Lehrer Freund, Schwarzenfels, das Wort und feierte den Jubilar als treuen Collegen und praktischen Schulmann, gratulierte ihm im Namen des Bezirks und überreichte dessen Geschenk, das herr­liche Bild:Jesus hält die Bergpredigt", wobei er den Wunsch aussprach, daß der Jubilar in Gemeinschaft mit seiner Gattin noch recht lange Herz und Auge an diesem Bild erfreuen möge. Darauf übergab der Bür­germeister Herr Ullrich mit paffenden Worten das Geschenk der Gemeinde Altengronau, einen schönen Ruhesessel. Die Schüler hatten ihrem verehrten Lehrer als Zeichen der Dankbarkeit einen silbernen Becher gestiftet. Herr Pfarrer Bode, Marjoß, verlas hierauf ein Schreiben der Oberleitung des Hess. Raiffeisenver- bandes, welche in lobenden Worten dein Jubilar gratu­lierte und ihm Dank spendete für die gewiffenhafte Führung des hiesigen Vereins. Jetzt nahm der von den vielen Zeichen der Achtung und Liebe tiefbewegte Jubilar das Wort und gab der Versammlung einen kurzen Ueberblick über sein Leben und Wirken, das von dem HErrn so reich gesegnet, aber auch von Kreuz und Trübsal nicht verschont geblieben sei, doch voller Dank und Demuth müsse er mit Jakob sprechen:Herr, ich bin viel zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan hast!" Allen, allen dankte er herzlich für das so vielfach erzeigte Wohlwollen. Mit dem Gesang der vierten Strophe des Liedes: Lobe den Herrn" schloß die erhebende Feier, weist e einen tiefen Eindruck auf alle Betheiligte hinterließ,