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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raun: 10 Pfg.

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Mittwoch, den 8. Januar 1902.

53. Jahrgang.

N-HpllttN^N Ek dieSchlüchterner Zeitung" K^^ILIitL LLNVL Sr werden noch fortwährend von allen

- - Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Quersurt. Mit einem Geldbrief mit 26 000 Mk. Inhalt flüchtig geworden sind die Kaufmannslehrlinge Krugmann und Hch. Pantzold in Querfurt. Sie hatten am Sylvesterabend von ihrem Prinzipal, dem Direktor der Querfurter Zuckerfabrik Dr. Bergmann, welcher zu gleicher Zeit auf eigene Rechnung eine weltbekannte Rübensamenhandlung betreibt, den Geldbrief erhalten, um ihn zur Post zu bringen. Bei ihrer Rückkehr von diesem Wege erklärten »sie dem Buchhalter, welcher sie nach bem Posteinschreibebuch fragte, sie hätten dasselbe in der Privatwohnung des Dr. Bergmann abgegeben, womit sich dieser beruhigte. Nach Schluß des Ge­schäfts ergriffen die beiden jungen Taugenichtse, von denen der eine erst vor Kurzem eine Gefängnisstrafe verbüßt hat, die Flucht. Ihre Spur führt in der Richtung nach Frankfurt a. M.

Ein Urtheil, das an die LöbtauerAffäre erinnert, ist von: Schwurgericht Köslin in Pommern gesprochen worden. Während eines Maurerstreikes in Kolberg ließen 2 Baumeister polnische Maurer von außerhalb kommen. Aus diesen: Anlaß kam es zu Ausschreitungen 6 Gewalthätigkeiten. Wegen Theilnahme an diesen ^Vorgängen sind nunmehr 15 Arbeiter zu Strafen von 3 Wochen Gefängniß bis zu 3 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. In der Begründung heißt es, die Angeklagten müßten streng verurtheilt werden, um anderen als abschreckendes Beispiel zu dienen.

Posen. In der Sammlung der Briefe Bismarcks an Braut und Gattin findet sich auf Seite 130 folgende Stelle, die zeigt, daß die Wreschener Polen schon vor einem halben Jahrhundert wegen ihres Deutschenhasses in Verruf standen:Von Stettin' bis hier fuhr ich mit zwei deutschpolnischen Damen, Mutter und Tochter, die mir viel von den Abscheulichkeilen der Polen in Wreschen und dem jetzt noch herrschenden Terrorismus, unter den: die Deutschen dort leben, erzählten: sie wagen nicht einmal ihr vorhandenes, ihnen damals geraubtes Eigenthum von den notorischen Räubern und Dieben, die sich vor ihren Augen damit brüsten, zurückzufordern, und Wreschener Bürgersfrauen tragen Shawls von 60 bis 60 Rthlr. in Gegenwart der be- stohlenen deutschen Eigenthümerinuen." (Brief von: 16. Juli 1849.)

Mannheim. Landes- und Hochverrath. Die Badische Landesztg." gibt eine Mitteilung anderer Blätter aus Mannheim wieder, daß vor einiger Zeit der bei der Stadtverwaltung angestellte ehemalige Bezirksfeldwebel Fißler von den Militärbehörden plötzlich, verhaftet und in das Karlsruher Arresthaus in Unter­suchungshaft verbracht worden sei. Fißler soll während' seiner Dienstzeit beim Bezirkskommaudo Bruchsal einem französischen Spion Mobilmachungspläne gegen hohe Zahlung zugängig gemacht haben und sei eben von: Griegsgericht in Karlsruhe wegen Landes- und Hoch­verrats zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt worden.

Heidelberg, 2. Jan. Die beim Eisenbahnunglück am Karlsthor Verletzten bezw. deren Hinterbliebene sind nun zu einem größeren Theil von der Generaldirektion entschädigt worden, doch schweben gerade in einigen der schwersten Fälle noch die Verhandlungen. Frl. Kölling, die beide Beine verloren, hat 90,000 Mk. erhalten. Manche der Verletzten haben übertriebene Forderungen gestellt; so wird erzählt, daß in einem Falle 160 000 Mk. gefordert wurden und schließlich einigte man sich auf 2oOo Mk. In anderen Fällen waren die Forderungen zu bescheiden. So hat sich ein als Passagier verunglückter Bahnbeamter mit seiner einfachen Pensionirung begnügt, ein Anderer mit der Versetzung auf einen wenig anstrengenden, aber auch wenig einträglichen Posten. In: Allgemeinen klagen die Verunglückten, daß die Verhandlungen sehr schleppend verlaufen seien. Zu einer gerichtlichen Entscheidung ist es bis jetzt in keinem Falle gekommen, was immerr ein günstiges Zeichen ist.

Waldbroel, 23. Dez. In einem Oertchen an der Broel machte eine Duellgeschichte, welche zwischen zwei sehr bekannten Herren auf dem Scheibenstande statt- gefundeu hat und bei dein nicht Säbel und Pistolen, sondern - je 25 Kartoffeln die entscheidende Rolle spielten, viel von sich reden. Sitzt da eines Abends eine fröhliche Gesellschaft beim Glase Bier und kritisirt sehr lebhaft die Jnsterburger Duellaffäre. ^Aus einer Meinungsverschiedenheit entspinnt sich ein Streit, man springt auf, und es langte bereits jemand nach dem

Mtlidjes.

J.-Nr. 23 K.=A. Die Herrn Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden wollen mir binnen 8 Tagen mittheilen, ob bei den seither gewühlten Schiedsmännern in Viehseuchen-Angelegenheiten Aende­rungen (durch Tod ic.) eingetreten sind.

Schlüchtern, den 3. Januar 1902.

Der Königliche Landrath: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Zum Empfang Marquis Jtos durch den deutschen Kaiser veröffentlicht die MonatsschriftOst­asien" nachträglich Einzelheiteu. Die Audienz dauerte eine halbe Stunde. Der Kaiser hatte eine längere Unter­redung mit Marquis Jto und sagte u. A. zu ihm: Ich betrachte es als eine große Ehre, den bedeutendsten Mann Japans in Audienz zu empfangen. Mein Vater hat Ihnen bereits das Großkreuz des rothen Adler­ordens, aber ohne Brillanten, verliehen, ich will Ihnen jetzt das Groß kreuz des rothen Adlerordens niit Bril­lanten verleihen." Zu dem Begleiter des Marquis Jto, dem frühere:: japanischen Vizeunterrichts minister Tsuzuki, äußerte der Kaiser:Sie können !Jhren Landsleuten stolz sagen, ich beneide dieselben sehr, daß der Kaiser von Japan einen so großen Diener hat wie Jto,. den Bismarck von Ostasien."

Fiskalische Bergwerke. DieBerl. Börsenzeitung" erfährt, daß seitens des Handelsministers Möller neuer­dings Erfolg versprechende Verhandlungen wegen 'Ber* größerung des fiskalischen Bergwerksbesitzes in Rhein- land-Westfalen angeknüpft worden sind. Speziell soll mit dein bekannten Industriellen Thyssen wegen Ankaufes diesem gehöriger Grubenfelder durch den Staat verhandelt werden. Frühere gleichlautende Nachrichten sind stets energisch dementirt worden.

Steht in dem amerikanischen Wirthschaftsleben ein Krach bevor? Diese Frage drängt sich jedem auf, der die enorme Steigerung der Lebensmittelpreise in den Vereinigten Staaten in Betracht zieht. Es ist statistisch nachgewiesen, daß im Laufe der letzten vier Jahre, während deren Handel und Wandel in der Nordamerikanischen Union~ einen ganz fabelhaften Auf­schwung nahmen, eine Steigerung der Lebensmittel- Preise von nahezu 40 Proz. stattgefunden hat. Die Industriearbeiter in Amerika erhalten hohe Löhne; ob aber die Lohnerhöhung mit der Preissteigerung der Lebensmittel gleichen Schritt hält, ist aber doch sehr die Frage. Eintretende Theuerung ist aber fast immer ein Vorbote des Zusammensturzes. Der große Krach in Amerika, das auf wirthschaftspolitischem Gebiete die Herrschaft über die ganze Welt erstrebt, ist daher vielleicht in größere Nähe gerückt, als sich manch einer vorftellen niag. Zu derselben Frage kann folgendes als Illustration dienen: In Cleveland in Ohio machte die durch ihre Telegraphen- und Telephon-Anlagen berühmte Firma Everett-Moore bankerott, obgleich sie mit einem Kapital von 6u0 Millionen Mark ar­beitete. Da die Firma mit einem gleich hohen Kapital an der Clevelander Sparbank betheiligt war, so ent­stand eine ungeheure Panik. Für diesmal wird aber wohl noch alles gnädig ablaufen, denn es hat sich ein Konsortium von Kapitalisten zur sofortigen Unter- stützung der großen Firma gebildet. Aber man sieht, auch den amerikanischen Weltfirmen kann menschliches passieren. ,

Nach eingezogener Erkundigung an zuständiger Stelle erklärt dieJenaische Ztg." die vor einigen Tagen in der Presse verbreitete Nachricht, in Jena habe fiel/ in Anschluß an die Gothaer Rede der Kaisers ein Komitee gebildet zur Förderung der auf den Zusammen­schluß aller evangelischen Landeskirchen Dentschlands gerichteten Bewegung, für unrichtig. ,

Zittau, 5. Januar. Der Personenzug aus Görlitz Überfuhr heute morgen das Kopfgleise, die Lokomotive brach durch die Wand des Stationsgebäudes und drang anderthalb Meter ins Telegraphenamt. Die Apparat, und Tische wurden zertrümmert; die Beamten konnten flüchten. Vom Zuae entgleiste ein Wagen zweiter Klasse. Drei Reisende wurden unerheblich verletzt.

Bierglase, als ein Dritter ein Duell auf Kartoffeln vorschlägt. Gesagt, gethan. Man einigte sich auf 15 Meter Abstand und 25maligen Kugelwechsel. Es werden die Unparteiischen ernannt, sowie auch der Arzt sofort benachrichtigt. Am nächsten Nachmittag 4 Uhr war alles pünktlich zur Stelle, Resultat: Sechs blaue Stellen, einige bemolirte Fensterscheiben und unbändiges Lachen seitens der Zuschauer, darauf Ver­söhnung und gemüthliches Beisammensein bis zu später Abendstunde.

Anslanv.

Transvaal. Die englischen Gesammtverluste im süd­afrikanischen Kriege bis Ultimo November vergangenen Jahres belaufen sich einschließlich der Offiziere auf 104 250 Mann. In dieser Zahl sind die 2oüüü Offi­ziere und Mannschaften, die von den Buren im Laufe der Zeit gefangen genommen, später aber wieder frei- gelassen worden sind, nicht eingerechnet. -- Die Ver­antwortlichkeit für die Lage in den Concentrationslagern will Niemand mehr tragen. Lord Milner hat den Wunsch ausgedrückt, von dieser Verantwortlichkeit ent­hoben zu werden. Man beabsichtigt nunmehr einen indischen Beamten zur Verwaltung der Lager nach Südafrika zu entsenden. Die indischen Beantten sind gegen den Anblick von Elend und Krankheit besonders abgehärtet. Die Entsendung eines solchen Beantten nach Südafrika zur Verwaltung der Concentrations- lager läßt daher tief blicken.

Lokales unb Provinzielles.

* Schlüchtern, 7. Jan.

* Zu Ortsschulinspektoren wurden ernannt der Pfarrer extr. Jtter zu Oberzell, Kr. Schlüchtern, über die ev. Schulen zu Oberzell und Züntersbach, der Pfarrer extr. EhringshauS zu Hohenzell, über die Schulen zu Hohenzell, Bellings und Ahlersbach.

* Aus dem dieseitigen Schuldienst entlassen zwecks Uebertritt in einen anderen Bezirk wurde der wissenschaftliche Hilfslehrer Müller zu Schlüchtern und der Lehrer Henning zu Breitenbach bei Schmalkalden, früher in Schlüchtern.

* Versetzt wurde der Lehrer Storch von Eichen- ried nach Romsthal, Lehrer Ncuhaus von Nessel- röden nach Sterbfritz, Lehrercandidat König von Groß- auheim nach Rabenstein und Kling aus Wirtheim nach Eckardroth.

* Versetzt wurden die Postassistenten Mohr von Heubach nach Hanau, Montanas von Gaffel nach Salmünster.

* Versetzt wurde Stationsassistent Kalbte von Elm nach Hanau.

* Pensionirt wurde Kantor Kahl zu Alten- gronau.

* An einer schönen starken Eiche auf einem Grundstück am Hohenzell er Berg (die sog. hohe Wiese), dem Herrn Pfarrer Freund in Ramholz gehörig, wurde dieser Tage von ruchloser Hand die Rinde am Stamm einen Mieter hoch rundum völlig abgeschält. Selbstverständlich wird der Baun: nun verdorren was wohl auch vom Thäter beabsichtigt war.

* Im Jahre 19t 2 werden militärpflichtig alle im Jahre 1862 geborenen männlichen Personen. Die­selben, sowie die, welche zwar früher geboren, aber eine endgiltige Entscheidung' über ihr Militärverhältniß nicht erhalten haben, sind verpflichtet, sich in der Zeit vom 15. bis 31. Januar ds. Js. bei den Ortsbehörden zur Stammrolle anzumelden. Bei der Anmeldung ist von den Militärpflichtigen des Jahres 1862 der Ge­burtsschein und von den Militärpflichtigen der älteren Jahrgänge der Loosungsschein vorzulegen. Unter­lassungen oder verspätete Anmeldung zieht Bestrafungen nach sich. Die betheiligten Personen werden daher gut thun, sich schon jetzt die erforderlichen Papiere zu beschaffen, bamit die Meldung rechtzeitig erstattet iverden kann.

Die Anfertigung richtiger und deutlicher Brief­aufschriften soll schon in der Schule gelehrt werden. Das unverhältnißmäßig starke Anwachsen der Zahl ber Postsendungen (nach Mitteilung der Reichspostverwal­tung 1896; 1,4 und 1899: über 2 Millionen Stück), die wegen der Unvollständigkeit oder Undeutlichkeit der Aufschrift unbestellbar waren, hatte schon früher den )reußischen Unterrichtsminister veranlaßt, in den Volks­chulen eine besondere Unterweisung in der Anfertigung