Berlins ein kleines Kellergeschäft betreibt, einer der Hauptgewinne zu. Bald nachde.n den Besitzern des Glücks lvoses der Gewinn ausgezahlt worden war, zog der Unfriede ins Haus. Die Frau spielte die „vornehme" Dame und eröffnete eines Tages ihrem Ehemann, daß sie sich scheiden lassen und den Hausarzt heirathen werde. Der überraschte Gatte ließ sich dazu hinreißen, der bethörten Frau ein paar Ohrfeigen zu verabfolgen, so daß der häusliche Zwist fertig war. Jetzt hat die Frau ihren Alaun und ihre drei Kinder sitzen gelassen und hat unter Mitnahme von 900 Mark das Weite gesucht.
— Das stärkste Regiment der Welt ist das Tiroler Kaiser-Jäger-Regiment. Die gefürstete Grafschaft stellt verfassungsgemäß nur ein Regiment zur österreichischen Armee, die bekannten „Kaiser-Jäger." Um die alten Privilegien zu wahren, und ja kein Vorrecht ans den Händen zu geben, dabei aber dann doch unter der Fahne Oesterreichs zu dienen, so wie es die allgemeine Wehrpflicht fordert, hat das Land die Bataillone des Regiments stets vermehrt. Durch die wachsende Bevölkerung ist auch die Neubildung von vier weiteren Bataillonen nöthig geworden, sodaß das Regiment der Kaiserjäger mit seinen 64 Feld- und 16 Ersatz-Kompagnien das stärkste Regiment der Welt ist.
— Fremdwörter vor Gericht. Unter dieser Ueber- schrift erzählt die Zeitschrift „das Recht" die folgenden beiden Scherze: 1) Der Kupferschmied Müller hat dem Gärtner Schulze eine Heizeinrichtung für sein Treibhaus eingerichtet und klagt seine Vergütung ein, mit der Behauptung, daß ihm außer den laufenden Tagelöhnen und dem Preise der Materlalien ein einmaliger fester Satz von 60 Mark für die Aufstellung (Mon- tirung, Montage) bewilligt sei. Schulze bestreitet die letzterwähnte Zusage und der Richter erkennt auf einen Eid, nachdem Schulze schwören soll, es sei nicht wahr, daß er die 60 Mark für die Montage extra versprochen habe. Der Eid wird von einem anderen Richter ab- genommen, und dieser, der sich um den Sachverhalt nicht weiter bekümmert hat, liest: für die „Mon-Tage", indem er dabei an die blauen Montage gedacht haben mag. Diesen Eid konnte Schulz mit gutem Gewissen leisten. 2) Der Zeuge Ingenieur Schmidt wird ausgerufen, und von dem Vorsitzenden, wie folgt, abgehört: „Ihnen soll der Schlüssel zu Ihrem Obstgarten weggenommen sein?" „Herr Präsident, ich habe gar keinen Obstgarten." „Oder der Schlüssel zu Ihrer Au-
Pflanzung? „Herr Präsident, ich habe gar keine An- pflanzung. „Na, also, wenn wir ohne die verwünschten Fremdwörter nicht auskommen, der Schüssel zu Ihrer Plantage. . „Herr Präsident, ich habe gar keine Plantage, ich habe überhaupt keinen Grundbesitz, ich betreibe auch keine Land- und Gartenwirtschaft." „Ist zahnen denn überhaupt kein Schlüssel weggekommen?" „^awohl. „Na, was für ein Schlüssel war es denn?" „Der Schlüssel zu meiner Plan-Tasche, Herr Präsident, in der ich meine Pläne und Zeichnungen verwahre."
— Sobald Schnee fällt, soll der Thierfreund daran gehen, Futterplätze einzurichten. Das kann man nicht oft genug empfehlen. Jetzt kommen sie alle, die Meisen, die Goldhähnchen, die Spechte, die Spechtmeisen, die Zaunkönige, und ivemt sie auch Baum und Strauch absuchen, es reicht ihnen bei Kälte und Schneefall doch nicht. Darum Futterplätze im Garten und im Freien; dabei darf ein Bestecken des Platzes mit Aesten oder das Anhäufen von losem Strauchwerk in der Nähe nicht versäumt werden; dahin können sich die Vöglein flüchten, wenn sie von Raubvögeln oder Katzen Überfällen werden. Mache dir einmal das Vergnügen und wirf aufgeschlagene Knochen oder Speck- oder Talgstücke, je zwei an eine Schnur gebunden, ins Gezweige der Bäume; es wird nicht lange droben hängen. Oder kaufe vom Metzger Nierenfett und hänge es an die äußersten, zarten Ende der Zweige; dort hinaus kommt keine Katze und auch der Rabe wagt es nicht, sich auf dem schwankenden Zweigleiu niederzulassen, während die leichten Meisen lustig drum herumfliegen und es sich schmecken lassen.
— Auerochs und Wisent. Der letzte Jagdaufenthält unseres Kaisers beim Fürsten Pleß lenkt wieder einmal die Aufmerksamkeit auf eine dem Aussterben geweihte Thierart, die nur noch in einigen Wildgehegen hoher Fürstlichkeiten in wenigen Häuptern vor dem endgültigen Untergänge bewahrt wird. Es ist dies der sogenannte Auerochs, der seinen Namen fälschlich trägt. Im Volksmund ivird sich dieser Irrthums nichr aus- rotten lassen — so schreibt man der „T. R." — aber es ist gut, doch einmal darauf hinzuweisen, zumal durch diese Namensverwechselung andere Irrthümer entstehen müssen. Bekanntlich leitet man unser Hausrind vom Auerochsen oder richtiger vom Nr ab, und es kann nun leicht die Vorstellung entstehen, und sie ist entstanden, als ob das jetzt „Auerochs" genannte Thier der Vorfahre unseres Hausrindes ist. ‘ Dem ist jedoch nicht so.
F 14/01.
Der am 16. Januar 1864 zu Schlüchtern geborene und zuletzt hier wohnhaft gewesene Wehrmann II. Ausgebots Jacob Walther wird beschuldigt ohne Erlaubniß ausgewandert zu sein, Uebertretnng gegen § 360 Nr. 3 des Strafgesetzbuchs. Derselbe wird auf Anordnung des Königlichen Amtsgerichts auf den 19. März 1902,
Vormittags 9 Uhr vor das Königliche Schöffengericht Schlüchtern zur Hauptverhandlung laden.
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Bei unentschuldigtem Ausbleiben ivird derselbe auf Grund der nach § 472 der Strafprozeßordnung von dem Königlichen Bezirkskommando in Hauau ausgestellten Erklärung verurtheilt werden. Schlüchtern, den 21. Dezember 1901.
Zindler,
Gerichtsschreiber des Königl. Amtsgerichts.
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Holzverkauf.
Donnerstag den 9. Januar 1902,
von Vormittags 9 Uhr ab
soll aus den städtischen Waldungen Distrikt 7 und 14 (Fichtenschlag) folgendes Gehölz im Gasthaus „Zum weißen Roß" dahier öffentlich meistbietend verkauft werden:
Fichten: 813 Stämme mit ca. 700 Festmeter,
3000 Stangen I. bis IV. Klasse. Steinau, den 6. Dezember 1901.
Der Magistrat:
_________________________Fink.
Bckamitmachlmg.
Frau Ludivig Hafners Wittwe, in Firma C. G. Hafner hier, hat mir Wegzugs wegen ihre Waarenausstände zur Ein- ziehung überwiesen und bitte deshalb, die derselben schuldigen Beträge mir gest, zahlen zu wollen. Abraham Sichel,
Schlüchtern.
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Der eigentliche Auerochs oder Ur, der Stammvater des Hausrindes, kommt lebend nicht mehr vor. Er ist längst ausgerottet. Wir wissen allerdings durch Herber- stain, daß er noch in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Polen lebte; und diesem Forscher verdankenjwir auch die einzigen Abbildungen dieser Thierart, die nach lebenden Thieren angefertigt worden sind. Er macht schon auf die damals vorhandenen Namensvertauschung aufmerksam und klärt die Verhältnisse auf. Werfen wir einen Blick auf diese Abbildungen, so ivird es uns ohne weiteres klar, daß dieses Thier der Ahne unserer Rinder ist. In der Gestalt und in der Form der Hörner gleichen sie sich auf ein Haar, nur daß der Nr etwas größer gewesen ist. Auch Paläontologische Funde bestätigen die einstige Anwesenheit dieser Thierart. So befindet sich z. B. in der zoologischen Sammlung der Berliner landwirthschaftlichen Hochschule ein vollständig erhaltenes Ekelet des Urstiers, welches in einem See der Mark ausgefunden wurde. Also, das jetzt Auerochs genannte Thier ist kein Auerochs, sondern ist der „Wisent". Er steht in keiner näheren Beziehung zum Hausrinde, sondern ist der nächste Verwandte des nord- amerikanischen Bison, der gleich ihm dem Untergänge geweiht ist. Es war also Europa einst von zlvei wilden Rinderarten gleichzeitig bevölkert, vom Ur, dessen Name in Auerochs verderbt worden ist (Bos primigenius) und von dem Wisent (Bison europaeus). Erstere Art ist vollständig ausgerottet worden, entweder durch Jagd, oder indem man es allmählich in Pflege nahm und sich dienstbar machte, während die zweite noch jetzt in einigen hundert Häuptern vorhanden ist, aber wohl auch in absehbarer Zeit verschwinden wird. Eine Zähmung des Wisent hat nicht stattgefunden. Unerwähnt will ich am Schlüsse nicht lasten, daß einige Forscher in den halbwilden weißen Parkrindern Englands noch jetzt lebende unmittelbare Abkömmlinge des Ur sehen.
— Seine Auslegung. Herr (erstaunt): „Wie, Sie spielen mit den Dienstmädchen Karten, Jean; Sie sagten mir doch eben, Sie rupfen in der Küche Gänse?" — Diener (vergnügt): „Thu ich ja auch, gnä' Herr, vierzig Pfennig habe ich bereits gewonnen."
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Sonntag, den 5. Januar 1909.
Vormittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Kahl. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent O r th.
Wochendieust: Herr Pfarrer Kahl.
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