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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg,

2, Samstag, den 4. Januar 1902. 53. Jahrgang.

N§K"p!ittMNls>N "^ ^eSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen -------- . ~ Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

strafbar; deswegen kommt erauch immer häufiger vor, obwohl in unserem Handelsgesetzbuch der Grundsatz der Wahrhaftigkeit bei der Firmirung eines Geschäftes aufgestellt ist. In anderen Ländern, so namentlich beispielsweise in Frankreich, hat man zum allgemeinen Besten strengere Bestimmungen eingeführt, die auch ganz pünktlich gehandhabt werden.

Recht traurige Verhältnisse müssen in bestimmten Bevölkerungsklassen von Gubeu herrschen. Das geht aus dem folgenden Bericht derAllg. Fleischer-Ztg." hervor. Sie berichtet aus Guben, daß dort in der letzten Stadtverordnetensitzung ein Magistratsantrag angenommen wurde, wonach Hunde, die zur meusch- lichen Nahrung dienen sollen, in Zukunft nur im Schlachthause geschlachtet werden dürfen.

Ausland.

Rußland. In der von Rußland verwalteten Mand­schurei find Goldfelder entdeckt, deren Ausbeutung eine russische Aktiengesellschaft in Wladiwostok übernommen hat. Die Russen haben, wie man sieht, erstaunliches Glück.

Stach einer Blättermeldung aus Charkow ist auf der Katharinenbahn ein scheußliches Verbrechen verübt worden. In einem Wagenzuge fuhr ein Kasfenbeamter, der 30 OOu Rubel mit sich führte. Auf einer Umsteige- station stieg er zu seiner Zerstreuung auf eine Loko­motive und blieb alsdann verschwunden. Alle Stach- forschungen blieben erfolglos; schließlich fand man beim Unirühren der Kohlen in der Lokomotivheizung . ein Stück von einer menschlichen Ferse. Der Maschinist und der Heizer hatten den Kassenbeamten beraubt und ihn dann lebend in die Lokomotive geworfen und verbrannt.

Transvaal. Ein Bericht des Präsidenten Steijn schildert, derRhein. Wests. Ztg." zufolge, die augen­blickliche Kriegslage für die Buren als äußerst günstig. Vor Jahresfrist habe eine gewaltige Niedergeschlagen­heit geherrscht, heute aber sei man gewiß, daß der Krieg niemals zu einem für die Engländer glücklichen Ausgange führen werde. Steijn sowie die gesammten Truppenführer sind durchaus nicht gewillt, die Gold­felder und noch viel weniger die Unabhängigkeit Preis- zugeben. Der Kampf müsse zu einem glücklichen Ende führen. Die Siegeszuversicht der Buren erscheint nach den jüngsten kriegerischen Ereignissen vollauf be­gründet, sodaß an der Echtheit des Steijnschen Briefes seinen Augenblick zu zweifeln ist. Die Engländer sind nur noch in Verbrechen groß; der Justizmord ist ihre einzige Waffe geblieben, mit der sie Schrecken vor ihrem Namen einzuflosen versuchen. Tagtäglich beinahe dringt die Kunde von Hinrichtungen, die die Engländer an- ordneten und vollzogen, zu uns, und diese Hinrichtungen sind in der Mehrzahl der Fälle nichts anderes als ge­wöhnlicher Mord. So gräbt sich England in Süd­afrika nach jeder Richtung hin selbst sein Grab; unbe­greiflich ist nur seine Blindheit, mit der es seinem militärischen und moralischen Zusammenbruch ohne Aufenthalt zusteuert.

AusstraUen. Zu Rotomahana auf Neuseeland, in der Nähe des vulkanischen Taupo-Distrikts auf der Nordinsel ist eine mächtige Heißwasserquelle aus dem Erdboden hervorgebrochen, die ihres Gleichen wohl nirgends haben dürfte. DieTaupo-Zone" ist das Großartigste und Wunderbarste, was Neuseelands vulkanische Natur bietet: Die riesigen Vulkane Ton- gario und Ruapohu, das tiefe Einsturzbecken des Taupo-Sees, die berühmten kochenden Quellen, die brodelnden Schlammkefsel und Solfataren der Seenkette. Deren schönste Zier, die Kalksinder-Terrassen des warmen Sees Rotomahana, wurde leider durch den furchtbaren Ausbruch des Tarawena - Vulkans am 10. Juni 1886 völlig vernichtet. Die Ostseite des Gebirges versank, ein ungeheurer Erdspalt öffnete sich, und über Rotomahana und seinen märchenhaft schönen Terrassen schloß sich die Tiefe. Jetzt ist an derselben Stelle der neue Geiser ausgebrochen; die Temperatur des Wassers beträgt 85 Grad Celsius, die Ausbrüche erfolgen in Zwischenräumen von 36 Stunden und ge­währen einen überwältigenden Anblick: enornie Wasser­mengen werden 6 bis tOu Fuß emporgeworfen und nehmen Felsstücke von 60 bis 500 Pfund mit in die Luft. Dampf und heißes Wasser entströmt ringsum den Spalten des heißen Erdbodens, das abfließende

Deutsches Reich.

Berlin. Am Neujahrstage fand in Berlin im Rittersaal des Königlichen Schlosses die Nagelung der Fahnen des Pionier-Bataillions Nr. 21 und des Fußartillerie- Regiments 9ir. 13 statt. Nach dem Gottesdienst in der Schloßkapelle begann die Gratulationscour und gegen 12 Uhr empfing der Kaiser die Glückwünsche der Botschafter, welche danach von der Kaiserin empfangen wurden. Der Kaiser empfing dann die Gratulation der kommandirenden Generale. Nach- mittags fuhr der Kaiser bei den Botschaftern vor. Stach 4 Uhr fuhr die kaiserliche Familie nach Wild­park zurück.

Amerika ist im Wirthschaftsleben der Völker ein sehr bedeutsamer Faktor geworden, das kann kein Mensch leugnen; die Amerikaner selbst aber überschätzen ihren auf die Macht des Dollars gegründeten Einfluß denn doch in stark übertriebenem Maße, indem sie sich mehr und niehr in die Vorstellung einwiegen, die Staaten Europas hätten nach ihrer Pfeife zu tanzen. Es ist noch nicht allzu lange her, da machten die Herren Yankees höchst verwunderte Augen, als Rußland auf handelspolitischen: Gebiete das gleiche Recht für sich in Anspruch nahm, das ihm gegenüber die Amerikaner forderten, und es nöthigenfalls auf einen Zollkrieg an­kommen lassen zu wollen erklärte. Da auch Deutsch­land endlich Miene macht, sich dem anmaßenden Amerika gegenüber auf den Standpunkt des do ut des zu stellen, so haben die Herren jenseits des atlantischen Oceans augenscheinlich die Besinnung gänzlich verloren, die obersten Militär- und Marinebeamten in Washington sollen einen Krjeg gegen Deutschland über kurz oder lang als unvermeidlich bezeichnet haben. Nun, wegen dieses Krieges brauchen wir uns auch keinen Augenblick zu beunruhigen; um sich die todtsicheren Prügel zu holen, wird Onkel Sam sich nicht beeilen. Aber Zeit wird es, daß Deutschland den großsprecherischen Yankees den Mund einmal ganz gehörig stopft. Das kann auf deni einfachsten Wege der Welt schon dadurch geschehen, daß es die amerikanischen Erzeugnisse bei der Einfuhr nach Deutschland unter die gleichen Zoll­bedingungen stellt, die Amerika bezüglich der zur Ein­fuhr gelangenden Produkte Deutschlands anwendet. Wenn die Yankees sehen, daß es auch so geht, werden sie sicherlich kleiner werden und ihre Anmaßung, die nachgerade unerträglich wird, ganz von alleine einstellen.

Aachen. Die englische Regierung machte bei dem Aachener HüttenvereinRothe Erde", wie die Blätter melden, eine Bestellung auf mehrere hundert Waggons Draht, der zur Umzäunung der Blockhaus-Stationen in Südafrika dienen soll. Es ist menschlich, wenn unsre Großindustriellen im eigenen Interesse sowie in deni ihrer Arbeiter lohnende Aufträge mit Freuden acceptieren und ausführen, von: moralischen und recht­lichen Standpunkte läßt sich die Unterstützung Englands in Südafrika durch deutsche Firmen jedoch in keiner Weise entschuldigen.

Aachen. In allen Zeitungen konnte man lange Zeit Anzeigen der Firma Wilke u. Komp. in Aachen lesen, die angeblich eine Tuchfabrik betreiben und einen Cheviot herstellen sollte, der an Güte und fabelhafter Billigkeit alle anderen Erzeugnisse dieser Art übertraf. Wenn man der Anzeige gemäß eine Mustersendung bestellte, prangte die angebliche Fabrik mit vielen Schornsteinen auf allen Musterkarten, Rundschreiben usw. usw., auch wurde der Wundercheviot angepriesen als ein Erzeugniß aus reinster Wolle. Die Wahrheit lautet aber ganz anders. Die Firma hat jetztPleite" gemacht; der Konkurs ist über sie verhängt worden. Da hat sich herausgestellt, daß der Wundercheviot aus Baumwolle und Kunstwolle gemacht war, nicht aus Wolle; daß der Inhaber der Firma gar nicht Wilke, sondern Magnus Manasse hieß, und daß Herr Manasse gar keinen Fabrikbetrieb hatte, sondern seine Waaren- sendungen in einem unthätig daliegenden Fabrikgebäude verpacken ließ. Herr Wilke war nach wie vor Reisender eines Tuchgeschäftes und gab nur seinen Namen her, da sich an dem Namen Manasse manche Leute ge­stoßen hätten. Leider ist solcher Firmenschwindel nicht

Wasser hat bereits einen neuen See gebildet. Die vulkanische Thätigkeit in dem Gebiete ist so groß, daß mit Spannung der weiteren Entwickelung entgegenge­sehen wird.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 3. Jan.

* Dem Domänenpächter Keiser in Steinau ist der CharakterKöniglicher Oberamtmann" verliehen worden.

* Der Generalkommissions-Präsident v. Baum- bach-Amönau in Bromberg ist in gleicher Amts­eigenschaft nach Caffel versetzt worden.

* Ueber die Aufbringung der Kosten der Hand­werkskammer durch die Gemernden hat der Handels­minister eine allgemeine Verfügung erlassen. Darin wird ausgeführt, daß, da in Preußen von der Befugniß der Gewerbeordnung, die Kosten der Handwerkskammer den weiteren Communalverbänden aufzuerlegen, kein Gebrauch gemacht worden ist, zur Aufbringung dieser Kosten die Gemeinden verpflichtet sind, und zwar sind sie den Handwerkskammern gegenüber allein die Zahlungspflichtigen. Die Gemeinden sind befugt, die auf sie entfallenden Antheile an den Handelskammer- kosten auf die einzelnen Handwerksbetriebe umzulegen, dürfen dabei aber nicht die Kosten des Umlegever- fahrens mit einziehen; auch dürfen sie von dem einzelnen Handwerksbetriebe nicht mehr einziehen, als nach diesem Bertheilungsmaßstabe auf ihn entfällt. Wenn sie also die weniger leistungsfähigen Handwerker nicht heranziehen wollen, müssen sie auf den auf diese eutfallenden Theil verzichten.

* lieber die Weiterbezahlung des Gehalts der Volksschullehrer während ihrer Militärdienstzeit hat der Kultusminister eine wichtige Entscheidung getroffen. Danach steht den endgiltig angestellten Lehrern ein unbedingter Anspruch darauf zu, während der Ab­leistung ihrer Mililärdienstpflicht das Diensteinkommen ihrer Stelle unverkürzt weiter zu beziehen. Betreffs der einstweilig angestellten Lehrer hat dagegen die Schulaufsichtsbehörde die Verhältnisse im einzelnen Falle zu prüfen uud sodann wegen der Weiterzahlung des Gehalts oder eines Theils desselben Entscheidung zu treffen. Sind die Verhältnisse der betreffenden Gemeinde nicht dazu angethan, dem einstweilig an­gestellten Lehrer das Gehalt ganz oder theilweise zu zahlen, so hat die Schulaufsichtsbehörde, falls der Lehrer sich beim Eintritt in den Dlilitärbienft weigern sollte, für die Militärzeit auf sein Einkommen zu ver­zichten, von dein vorbehaltenen Widerruf der Anstellung Gebrauch zu machen.

* Die Einwohner von Ulmbach haben am Schluß vorigen Jahres eine Vereinbarung getroffen, wonach sie von den sogenannten Güterschlächtern keine Grund­stücke mehr kaufen, auch nicht pachten, besonders aber ihre Liegenschaften auch nicht bebauen, Diese Beschlüsse, die gerechtfertigt sind, verdienen Nachahmung überall im Kreise Schlüchtern. Im Kreise Fulda in den Ge­meinden Magdlos und Stork sind solche Beschlüsse zum Besten der Gemeinden schon längst getroffen.

Aus der Rhön. In der Nähe des Rothenrainer Gasthauses bei Brückenau wurde der 23 Jahre alte Anton Henz von Rothenrain auf offener Straße nach vorausgegangenem Wortwechsel von dem Hüttuerssohn Joh. Rehm von dort durch einen Stich ins Herz ge- lödtet. Der Thäter wurde sofort verhaftet. Der Er­mordete war ein braver fleißiger Bursche; im ver- floffeuen Herbst wurde er vom Militär entlassen. Ueber die Porzellanfabrik in Lengsfeld ist der Konkurs eröffnet worden. Durch Einstellen der Arbeit wurden gegen 3ou Arbeiter brodlos.

Hanau. Rentenschwindler. Daß man nicht un­gestraft Rentenschwindel zum Nachtheile der land- und forstwirthschaftlichen Berufsgenossenschaft treiben darf, mußte kürzlich der Landwirth Johannes Bathon im benachbarten Gebirgsdörfchen Heimbach erfahren. Der Fall verdient als warnendes Exempel vor der breiteren Öffentlichkeit registrirt zu werden. Bathon erlitt nämlich schon im August 18V7 im Betriebe seiner Landwirthschaft in Folge eines Unfalls einen doppelten Bruch des rechten Vorderarmes. Nach Ansicht des behandelnden Arztes war bei dem überaus günstigen Heilungsverlaufe Wiederherstellung in Kürze zu er­warten. Die Genesung ließ nichtsdestoweniger Jahre