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vereine die bessernde Hand anlegen, anstatt über die Begehrlichkeit" derAgrarier" loszuziehen. i

Hamburg. Nähere Nachrichten über die Schande thaten deutscher Kaufleute in Kamerun sind zugleich mit den Verurtheilten selber in Hamburg eingetroffen. Die schwerste Strafe haben der Hamburger Wittenberg und der Kölner Keltenich erhalten, nämlich je 5 Jahre Gefängniß. W. hatte viel Verdruß durch die Zähig­keit der schwarzen Kunden, die nur zu oft als bös­willige Schuldner schlimmster Sorte erkannt werden. Eines Tages wurde ein Daundehändler, der, obwohl er als wohlhabend bekannt war, sich stets als zahlungs- unsähig hinstellte, bei einem Besuche in der Faktorei von eingeborenen Untergebenen W.'s in scheußlicher Weise zu Tode gemartert, indem sie den wehrlosen Schwarzen überfielen und ihm einen angespitzten Pfahl von hinten der Länge nach durch den Körper trieben. W. hat der Schandthat zugesehen und sie nicht verhindert. Keltenich war bereits als Leuteschinder bekannt und vom Stationsosfizier aus dem Paunde- land ausgewiesen worden. Er ließ sich darauf in Bane nieder, wo er einen ihm mißliebigen Neger an einen Baum binden ließ, die Hände des Unglücklichen mit Petroleum begoß und dann anzündete. K. will die That in nicht zurechnungsfähigem Zustande begangen haben. Der Kameruner Richter hat aber denTropen­koller" nicht als Milderungsgrund anerkannt.

Ausland.

Haag, 29. Dezember. Nach den neuesten Meldungen aus Südafrika hat die Sterblichkeit in den Konzen­trationslagern eine solche Höhe erreicht, daß, wenn keine Besserung eintritt, die ganze Buren-Bevölkerung, soweit sie in den Konzentrationslagern festgehalten wird, bis zum Juni ausgestorben sein dürfte.

London, 27. Dez. Ein Telegramm Lord Kitcheners vom 26. Dezember meldet: General Rundle metbet: Dewet erstürmte am 24. Dezember an der Spitze einer beträchtlichen Burenschaar das Lager Firmans bei Twee- fontein. Ich fürchte, daß die Verluste bedeutend sind. Die von Firman befehligten Truppen bestanden aus vier Kompagnien Peomanry mit einem Feldgeschütz und einer Maschinenkanone. Sie hielten die Kopf­station der von Harrysmith nach Bethlehem gehenden Blockhauslinie besetzt. Zwei Kompagnien leichte Kavallerie sind zur Verfolgung abgegangen. Die Kunde von der erneuten schweren Niederlage wirkt in ganz Eng­land niederdrückend. Die Blätter fordern schleunigste' Verstärkung der Kitchenerschen Truppen. Das ist aber eine für England schwer zu ersüllende Aufgabe. Die größten und bestbezahlten Strategen Englands wissen überhaupt nicht einmal, wie den Feindseligkeiten in Südafrika ein Ende gemacht werden könne. Während Lord Roberts verlangt, daß nur wenige, aber kriegs- brauchbare Truppen in Südafrika Verwendung finden sollen, erklärt Lord Kitchener, daß auch nach der Unterwerfung sämmtlicher Burenstreitkräste mindestens 60 000 Mann englischer Truppen zur Ausrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in Südafrika zurückbleiben müßten. Wie berichtet wird, ist Lord Kitchener der Ansicht, daß sogar nach Beendigung der Feindselig­keiten eine Okkupations-Armee von 60,000 Mann noth- wendig sein wird. Das Pariser BlattRappel" berichtet, Votha habe in seinem Lager 5 englische Offiziere zurückgehalten und Kitchener durch eine Bot­schaft benachrichtigt, daß er dieselben standrechtlich er­schießen lassen werde, falls Kruitzinger von den eng­lischen Behörden zum Tode verurtheilt werden sollte. Tanger, 29. Dcz. Eine Wasserhose ging über Safi nieder und bedeckte die niedrig gelegenen Stadt mit einer bis zu drei Bieter steigenden Wassermenge. Das Unwetter währte zehn Stunden. Sämmtliche Läden in der Hauptstraße sind zertrümmert. Die Waaren wurden nach dem Meere weggeführt. Ueber 200 Menschen sind ertrunken, unter denen sich aber kein Europäer befindet. Ein Zollhaus und Zollspeicher sind vollständig fortgeschwemmt. Der Schaden ist sehr bedeutend.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 31. Dez.

Wie in jedem Jahre, so haben wir auch dies­mal für das kommende Jahr für unsere Abonnenten einen Wandkalender hergestellt, welcher unserer heutigen Zeitung beiliegt. In der Erwartung, daß die kleine Gabe freundliche Ausnahme finden wird, geben wir wiederum dem Wunsche Ausdruck, daß unsere Abonnenten aus dem neuen Kalender recht viele frohe Tage zu verzeichnen haben mögen.

* Wir machen hier nochmals darauf aufmerk­sam, daß vom 1. Januar 1902 ab die Zwanzig- pseunigstücke aus Silber nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel gelten.

* Eine dringende Warnung für Reservisten, bei den Kontrolversammlungen nicht zu vergessen, daß sie unter den Militärstrafgesetzen stehen, enthält folgende Mittheilung aus Belgard in Pommern: Mehrere Re­servisten hatten sich bei der letzten Kontrollversammlung angetrunken und an einem Gendarm thätlich vergriffen. Sie hatten diesen Ueber griff schwer zu büßen; das Kriegsgericht erkannte auf Ausstoßung aus dem Heere

und auf Zuchthausstrafe für einen Gefreiten von 5 Jahren 2 Monaten, für einen Füsilier von 5 Jahren 11 Monat, für einen Trainsoldaten von 5 Jahren. Sehr ' schwer haben natürlich die Familien der Leute darunter zu leiden.

* Der Schluß der Jagd auf Hasen, Auer-, Birk- und Fasanen-Hennen, Haselwild und Wachteln tritt nach Anordnung des Bezirksausschusses mit dem Ablauf des 18. Januar 1902 ein.

Gersfeld. Unterhalb Sparbrod wurde im sogen. Sparbroder Wasser die vermuthlich schon tagelang da­selbst gelegene Leiche des ca. 60 alten Mahlburschen und Tagelöhners König aus Poppenhausen gefunden. K. war früher Besitzer einer Mühle bei Poppenhausen und verrichtete nach eingetretnem Vermögensverfall bald da, dald dort untergeordnete Arbeiten. Der Verunglückte ist jedenfalls des Nachts in anormalem Zustande an die Unfallstelle gerathen, daselbst erfroren bezw. ertrunken und durch eingetretenen Schneefall verdeckt worden, bis durch das Regenwetter der letzten Tage die Leiche sichtbar wurde.

Fulda, 25. Dez. Bei dein Umbau der Krypta in der Michaelskirche wurden s. Z. werthvolle alte Münzen, aus dem 11. Jahrhundert stammend, gefunden. Eine Anzahl Münzen hat das kgl. Münzkabinet in Berlin zum Preise von 2275 Mk. erworben, 255 Stück da­gegen das Casseler Museum angekauft. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde beschlossen, die von dem Funde noch übrigen 1600 Münzen für das hiesige Museum zum Preise von 1650 Mk. anzukaufen, ebenso eine goldene Armspange, für die das Casseler Museum 2OtO Mk. geboten hat, zum Betrage von 2005 Mk. zu erwerben. Von dein Erlöse soll die eine Hälfte den Arbeitern, die den Fund gemacht, über­reicht werden, während die andere Hälfte zurRestaurirung der Michaeliskirche Verwendung finden soll.

Fulda. Das seit über 100 Jahre im Besitze der Familie Lorey hier, Löherstraße 19, befindliche Möbel­transport- und Speditions-Geschäft geht durch Kauf auf Herrn Inspektor Will). Heinke aus Cassel dem­nächst über, welcher dasselbe in unveränderter Weise weiter zu führen gedenkt.

Vom Vogelsberg. Es dürfte von Interesse sein, zu höreu, welch wunderbare Verhältnisse oft in kleineren Gemeinden, im Vogelsberg vorkommen. Solms - Jls- dorf bei Eisenbahnstation Mücke zählt 14 Wahlbe­rechtigte ; da 5 derselben in einem derartigen Ver­wandtschaftsverhältnisse (Vater und Sohn oder Bruder) stehen, daß sie zugleich nicht Gemeinderathsmitglieder sein können, so bleiben gerade 10 Wählbare übrig; scheiden 3 aus der aus 10 Mann bestehenden Ge­meindevertretung aus, so müssen dieselben 3 wieder gewählt Werben, so ist es auch erklärlich, daß Polizei­diener und Feldschütze dort im Gemeinderath sitzen; Bürgermeister hat der Ort auswärts. Noch drolliger sind die Verhältnisse aus dem 1 Stunde entfernten Stockhäuser Hofe, aus 5 Familien bestehend. Diese Gemeinde hat keinen Gemeinderat, aber einen Bürger­meister. Gegenwärtig ist letzterer zugleich Polizeidiener und Feldschütze. Auch auf die weibliche Linie kann hier das Amt fallen; so war vor einigen Jahren Frau Hofmann Bürgermeister der kleinen Gemeinde.

Gebern, 22. Dez. Ein Gastwirth aus dem be­nachbarten Burkhards ging gestern hierher, um seine- Tochter an hiesiger Station abzuholen. Da dieselbe nicht erschien, trat der Mann, nachdem er einige Schnäpse hier getrunken, den Heimweg an. Auf demselben scheint er irre gegangen zu sein, fiel in den Schnee und blieb liegen. Heute Morgen fand ein Mann den halb Erfrorenen schlafend, auf ihm sein treuer Hund, der seinen Herrn ein wenig erwärmt und somit vom sicheren Toi^errettet hat. Ein sofort gerufener Arzt von hier (er^ die erste Hilfe und hofft man, den Unglücklichen am Leben zu erhalten.

Hersfeld, 27. Dez. Der Kreistag hat beschlossen, daß die Kreisbehörde für die Aufbringung des noch fehlenden Restes von 23 000 Mark an der Pauschal­summe zur Grundentschädigung für den Bau der Neben­bahn Gerstungen-Vacha-Geisa-Hünfeld Sorge tragen ev. einen Theil davon selbst soll. An der bis jetzt für den Bau der genannten Linie gezeichneten Summe von Mark 157 433 (statt 180 000 Mark) participiren: der Landesverband mit 60,433, die Kaligewerkschaften im Werrathal mit 50,000, der Landgraf von Philipps­thal mit 3000; die Gemeinden Heringen mit 30 000, Widdershausen mit 3000, Harnrode mit 1000, Heim- boldshausen mit 3000, Röhringshöfe mit 1000, Philips­thal mit 5000 und Lengers mit 1000 M. Diejenigen Gemeinden des Werragrundes, welche bisher einen Bei­trag zu den Arealerwerbskosten gar nicht oder unge­nügend bewilligt haben, werden nun zwangsweise belastet. Weiter wurde eine Commission gewählt, die sich sofort für den Bau der Nebenbahn Hersfeld-Schlitz in's Zeug legen soll.

Dreihausen, 24. Dez. Ein hiesiger Jagdliebhaber hatte vor einigen Tagen in der Nähe des Dorfes wahrscheinlich zur Vergiftung von Füchsen, , Gift­brocken" an verschiedenen Stellen ausgelegt. Die Füchse jedoch blieben aus, dagegen sind einige werth­volle Hunde hiesiger Einwohner an Vergiftung verendet. Der Jäger, welcher die Giftbrocken aufgelegt hatte,

erklärte sich sofort zum vollen Schadenersatz der Hunde bereit.

Marburg, 28. Dez. Herrn Rechtsanwalt Handschuh in Marburg ist das Prädikat Justizrath verliehen worden.

Frankfurt. Ein vergessener Häftling. Am Dienstag war der Sohn eines hiesigen Postbeamten von einem Schutzmanne dem Untersuchungsrichter zur Vernehmung vorgeführt worden. Nach feiner Vernehmung brächte man ihn einstweilen in einer Zelle unter und dort ist er von dem ezpedirenden Unterbeamten vergessen worden. Ob der junge Mann Wieber in Freiheit zu fetjen war, oder in Haft bleiben sollte, ist nicht zu unserer Kenntniß gekommen. Er saß ohne Nahrung bis zum Freitag in seiner einsamen Zelle. Erst am Freitag Morgen wurden die revidierenden Hausbe­amten durch einen höllischen Lärm aus der Unter­suchungszelle her auf etwas ungehöriges aufmerksam. Die unangenehme Ueberraschung, noch einen Feier­tagsgast, von dessen Anwesenheit man nichts wußte, beherbergt zu haben, dürfte auf Seiten der Beamten nicht gering gewesen fein. Selbstverständlich dürfte diese Vergeßlichkeit dem schuldigen Unterbeamten eine scharfe Rüge eintragen. Die Untersuchung darüber ist in vollem Gange.

Frankfurt, 23. Dez. In der vergangenen Woche sind ca. 400 geschlachtete Schweine aus Galizien und Ungarn im hiesigen Viehhof eingebracht und zuerst zu 53 54 Pfg., dann zu 50 Psg. das Pfund an die Metzger verkauft worden. Auch nach Mannheim, Worms, Nürnberg und anderen Orten sind solche Sendungen aus den genannten Ländern gegangen.

Gott schütze dich im neuen Jahr!

Gott schütze dich im neuen Jahr!"

Das ist mein Wunsch aus Herzensgrund Wie er im alten wunderbar

Dich schützte treu zu jeder Stund.

Halt' an dem Herrn nur wandellos, Dann hält er fest dich jederzeit, lind werde du in Treue groß, Denn er ist treu in Ewigkeit.

Im neuen Jahr hab' neuen Blut, Ob du auch manches nicht erreicht, Denk' nur das eine: Gott ist gut! Und nah ist seine Hilf' vielleicht.

Im neuen Jahr hab' neue Kraft, Dein Leid zu tragen in Geduld, Und bete, daß du nicht erschlaffst, Aufs Haupt dir lädst noch schwere Schuld.

Laß ab von deiner Seelenangst, Bedenk, du bist in Gottes Hut. Er weiß es ja, um was du bangst, Er weiß, wie wohl der Trost dir thut.

Bringt's neue Jahr dir neues Glück, Sei froh, daß Gott dir wohlgethan, Und dankbar richt' auf ihn den Blick, Der einzig nur beglücken kann.

Bringt's neue Jahr dir neue Lieb', Ward Göttliches dir zugeteilt!

O' nimm dein ganzes Herz und gieb

Es liebend hin nur unverweilt.

Weißt du ein Herz, das todeswund, So wart' nicht bis zum nächsten Tag! O mach's mit Liebe doch gesund, Eh' es im heißen Schmerze brach!

Die Hoffnung sei das Engelsbild Aus deinem steilen Lebenspfad. Stach oben Weist's dich sanft und mild, Wohin du kommst mit Gottes Gnad'.

Sei stark und fest und harre aus!

Vielleicht ist's Ziel schon nicht mehr Weit;

Du bist schon nah' dem Vaterhaus

Und härmst dich noch in bittrem Leid?

Sei nur getrost, Gott machts schon gut, Engt sich dein Weg auch fürchterlich.

Drum bet' mit mir im frommem Mut: Du treuer Gott, schütz' ihn und mich!

Ulmbach, 1. Januar 19U2. G. Börner.

Zum weißen Schwan.

Roman von Rudolf Hertzog.

(Fortsetzung.)

Nein, ich irre nicht," antwortete Lisa bestimmt. So etwas sehe ich Jedem am Gesicht an. Ich habe eben meine Launen und bin dann nicht allzu artig. Finden Sie es sonderbar, daß ich zuweilen an Launen leide ?" fragte sie unvermittelt.Noch dazu in meinem elterlichen Hause?"

Konrad Bärenfeld sah blitzschnell auf seine Be­gleiterin herab. Das Blut schoß ihm in die Schläfen, als er ihre wundervolle Figur mit den Augen um- klammerte, ihre klare Stimme leicht vibrirend an sein Ohr schlug und der feste Tritt ihrer kleinen, elegant beschuhten Füßchen neben ihm erklang. Dieses prachtvolle Weib eingesperrt unter halb Ver­rückten in der ApothekeZum weißen Schwan" nein,, er fand ihre Launen daheim nicht sonderbar, von jetzt au sicher nicht mehr.