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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
JI£ 1. Mittwoch, den 1. Januar 1902. 53. Jahrgang.
herzlichsten jluckwunsch zum neuen Jahre! e 1902. ö
^mtlidjes.
J.-Nr. 3210 K.=A. Diejenigen Herren Bürgermeister, welche noch mit der Erledigung meiner Kreis- blatt-Verfügung vom 20. November 1901, J.-Nr. 2510 K.=A. (Kreisblatt Nr. 47) betr. bessere Verwerthung der Oedländereien rc. im Rückstände sind, werden mit 8 Tagen Frist an die Erledigung erinnert.
Schlächtern, den 24. Dezember 1901.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.
Zum neuen Jahre!
Nun ist das alte Jahr verrauscht, Vorüber ging's beschwingten Fußes,
Wohl manche Menschenseele lauscht
Den Nachhall seines Scheidegrußes.
Ein Büchlein War's, dein Schooß der Zeit
Als froh begrüßter Quell entsprungen.
Nun hat es die Vergangenheit,
Das nimmersatte Aieer, verschlungen.
Hub hat es dir ein Leid gebracht,
Das unvermuthet dir gekommen, So hat es auch wohl über Nacht
Ein and'res mit hinweg genommen.
Und wieviel Freude, wieviel Glück
Verlieh es doch den Menschenkindern!
Das Gute, Schöne bleibt zurück,
Das Leid zu heilen und zu mindern.
Nicht sehne dir zurück das Jahr,
Gedenke seiner nicht in Trauer,
Wenn dir's ein Jahr der Freude war;
Hier ist kein Glück von ew'ger Dauer.
Nicht zage, wenn es dir den Schein
Der Sonne nimmer konnte spenden;
Jetzt bricht die neue Zeit herein,
Das junge Jahr kann Vieles wenden.
Das Alte sinkt, es weicht die Nacht,
Ein neues Jahr beginnt zu lichten.
Der Neujahrsmorgen ist erwacht
Mit neuem Ziel und neuen Pflichten.
Des neuen Jahres Sonne glüht
Verheißungsvoll der Welt entgegen.
Mit Gott voran! Verborgen blüht
Im Zeitenschooß der Zukunft Segen!
So grüß ich dich, du neues Jahr!
Und wenn das erste Morgenläuten
$om Thurm herabklingt hell und klar, So mög' es Heil und Glück bedeuten. Gott geb' uns Kraft und Festigkeit
Zu allem, was er uns beschieden, Und schenk' uns jetzt und allezeit Ein fröhlich Herz und seinen Frieden!
Neujahr.
Der Beginn eines neuen Jahres bedeutet für jeden nachdenkenden Menschen einen wirklichen, Abschnitt im eigenen Leben. Wie ein gewissenhafter Haushalter am Jahresschluß Gewinn und Verlust in äußerem Hab und Gut berechnet, so überschauen wir den Lauf des vergangenen Jahres, erwägen, was es uns gebracht und was es uns genommen hat, und nehmen je nachdem mit schwerem Herzen oder mit frohem Muthe von ihm Abschied. Eines aber soll in allem Wechsel der Zeiten in uns beständig bleiben, das sichere Gottvertrauen, das uns in trüben Tagen aufrecht hält, die glücklichen Tage uns heiligt und in die unbekannte Zukunft mit getrostem Muthe uns hineinschreiten läßt. Zugleich aber bedeutet der Jahresanfang einen Abschnitt im Leben der Gesamtheit. Als solcher wird er von den christlichen Kirchen und von der staatlichen Obrigkeit gefeiert. Und jeder, dem das Wohl unseres Geschlechts aiij Herzen liegt, blickt prüfend auf. die Zeichen der Zeit und fragt sich, wohin der Weg unseres
Volkes und der Menschheit überhaupt sich wenden werde. Da ist nun diesmal die Aussicht trübe genug. Der greuelvolle Krieg in Südafrika, der als ein Schandfleck auf der Geschichte der protestantischen Kultur haften bleiben wird, dauert noch immer fort und bringt Verderben und Zerrüttung über weite Länder und über zwei blutsverwandte christliche Nationen. Haß und Argwohn harren, zum Angriff bereit, auch an den Grenzen der anderen Staaten, die äußerlich miteinander in Frieden leben. Und im Innern, wir müssen leider sagen, auch im Innern unseres Vaterlandes haben böse Mächte der Verwirrung und der Lästerung, der Auflösung und der Zerstörung Vieler Sinne verwirrt, so daß es scheint, als ginge die Bahn der Menschheit abwärts. In solcher Zeit der Sorge, wie sie nicht zum ersten Mal über uns kommt, hängt alles davon ab, daß ein gesunder Kern im Volke und in der Menschheit erhalten bleibe, der sich sein Gottvertrauen bewahrt, die von den Vätern ererbten Heiligthünier pflegt und unsere heiligsten Güter schirmt, bis die bösen Tage vorüber sind und der Gott, der droben gerecht richtet, das wieber gut gemacht hat, was die Menschen böse ge- macht haben Zu solcher ernsten Pflicht der Treue und Wachsamkeit ruft uns das neue Jahr auf. Wir wollen freudig an die Arbeit gehen, die es uns zumeist, und der alten Losung im neuen Jahre treu bleiben: Gott mit uns!
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin werden am Neujahrstage unmittelbar nach dein Gottesdienst eine Gratulationscour abhalten. Die kaiserliche Familien- trauer wird für diesen Tag abgelegt. — Am Neujahrstage findet in Berlin, wie alljährlich, großes militärisches „Wecken" Unter den Linden statt; gleichzeitig werden von der Kuppel der Schloßkapelle herab geistliche Lieder geblasen. Um 10 Uhr folgt feierlicher Gottesdienst in der Schloßkapelle und unmittelbar darauf im weißen Saale Gratulationskour beim Kaiserpaar. Während der Gratulation werden im Lustgarten 101 Kanonenschüsse abgefeuert.
— Die Artillerie der modernen Feldheere unterzieht die „Kreuzztg." einer Kritik, wobei sie zu nachstehendem Schluß kommt: „So Mmag das deutsche Volk mit vollem Vertrauen auf w Artillerie seiner Feldheere zu blicken. Ihre Organisation und ganz besonders die der Feldartillerie ist eine zweckmäßige, ihre Geschütze stehen in jeder Beziehung auf der Höhe modernster Konstruktion. Mit unserer Feldkanone vermag sich von allen Feldgeschützen des Kontinents nur das neue französische Geschütz zu messen. Unsere leichte Feldhaubitze steht vorläufig unerreicht da, und mit der Einführung der Maschinengewehre sind wir jeder Großmacht des Kontinents voraus."
— Deutschland und Venezuela. Die Zurückziehung aller deutschen Kriegsschiffe aus den venezolanischen Gewässern, die im Laufe der vergangenen Woche erfolgt war, ist nur von kurzer Dauer gewesen. Die veränderte politische Lage hat zur Folge gehabt, daß von neuem der einzige kleine Kreuzer in Westindien, der „Falke", nach der venozelanischen Küste entsendet werden mußte, indem das Schiff von Trinidad nach Puerto Cabello beordert ist. Heute dürfte, wie die „B. N. N." hören, der „Falke" bereits wieder daselbst eingetroffen sein. Auch der große Kreuzer „Vineta" steht jetzt wieder für den Dienst im Karaibenmeer zur Verfügung. In St. Thomas, wo das Schiffs vorgestern angekommen ist, fand der Kreuzer neue Segelordre für die nächste Zeit. — Bei Beurtheilung der Lage in Venezuela ist vorerst einige Vorsicht geboten, da sich die weitere Entwickelung der dortigen Ver- hälltnisse nicht vorhersehen läßt. Was die Durchführung der deutschen Ansprüche betrifft, so ist die
amerikanische Meldung, daß Deutschland bereits ein Illtimatium in Caracas habe übereichen lassen, nicht richtig. Doch wird ein solcher Schritt ohne Zweifel erfolgen, wenn Venezuela sich länger der Erfüllung seiner Verpflichtungen entziehen sollte.
— Die „Politischen Nachr." melden: Um der nothleidenden Industrie und Arbeiterschaft weitere Beschäftigung zuzuwenden, nahm der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten sicherem Vernehme» nach die Beschaffung weiterer rund 37( 00 Tonnen Kleineiseu- zeug in Aussicht. Gegenwärtig schweben Ermittelungen über die zu beschaffenden verschiedenen Sorten, sodass gegen Ende Januar die Ausschreibung obiger Menge in Aussicht steht. ' -
— Getreidezoll und Brotverteuerung. Zu einer Sitzung der bayerischen Abgeordnetenkammer zeigte unlängst der Abg. Dr. Heim zum Beweis der Brotver- theuerung in den Städten eine Semmel vor, die nur 33 Gramm wog, wie der Abg. Fr. Beckh hinterher mittelst der Briefwage (!) feststellte; also kostet der Centner solcher Brötchen — 45 M., während der Ctr. Weizen — 8 Mk. kostet. Abg. Beckh machte bei dieser , Gelegenheit auch darauf aufmerksam, daß diese Angelegenheit im vergangenen Frühjahr schon in einer Versammlung von Münchener Bürgern erörtert worden ist. Dieselben waren sehr erstaunt, als sie hörten, daß das Getreide immer mehr im Preise falle. Sie wußten doch, daß das Brot immer kleiner werde. Da ist nun ein Bäckermeister aufgetreten und hat den Deckel vom Hafen gethan und gezeigt, wer daran die Schuld trägt. Er hat gesagt, diese Brotverthenerung komme her von dem unsinnigen regellosen Wettbewerb i n Bäckerei- gewerbe. Er legte dar, daß es in keinem anderen Gewerbezweige so leicht sei, sich selbstständig zu machen, als im Bäckergewerbe. Bei dem Ueberhanb- nehmen der großen Waarenhäuser sind viele kleinere Läden verfügbar; man kann überall eine Backstube einrichten. Ein tüchtiger Bäckergeselle findet auch überall den entsprechenden Credit. Die Mehlagenten, welche das AWl der großen Riesenmühlen verschleißen, geben solchen Leuten acht Monate Credit! Nun fängt so ein Mann an in einer Straße; da sind vielleicht schon zwei Bäcker. Das geniert ihn nicht, er legt sich auf das Hausieren, das Schleudern. Vor allen Dingen wendet er sich an die Wiederverkäufer und an die Wirthshäuser, die Restaurants. An diese muß er nun das Brot liefern; für Eine Mark 57, 53 bis 60, ja bis 10 Semmeln! Damit ist aber noch nicht genug geschehen. Der Bäckermeister muß nun auch noch in die Wirthshäuser gehen, sich dort sehen lassen, er muß dann dort überall Zechen machen. Das kann er aber auf die Dauer natürlich nicht durchführen. Kommt dann sein Geschäft in die Höhe, so hat er dazu keine Zeit; auch würde der Wirthshausbesuch auf die Dauer seine Gesundheit untergraben. Da giebt es nun Leute, welche gegen Bezahlung dafür zu haben sind, sog. Herumkneiper, welche gegen einen Tagelohn oder Ersatz der betreffenden Spesen dies Geschäft besorgen. Große Restaurants schreiben dann wohl einem solchen Bäckermeister: „Zu uns brauchen Sie nicht auf die Kundschaft zu kommen; Sie zahlen uns ein Aversum, ein sog. Küchengeld." Ein solches Küchengeld soll im Jahr bis 800 Alk. betragen. Daher kommt es, daß das Brot in den Städten so treuer ist! An solche Abnehmer wird Brot mit Schaden abgegeben, und das übrige Publikum muß einen so hohen Brotpreis be zahlen, daß dadurch dieser Schaden wieder gutgemacht wird. Was hier von den Münchener Verhältnissen berichtet wird, dürfte — mutatis mutandis — auch für manche größere Städte außerhalb Bayerns zu- treffen. Daneben giebt es noch andere Alißstände, welche auch an kleineren Orten dem soliden Bäcker das Geschäft unlohnend machen. Hier sollen die Bäcker-