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MüchternerMlung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

.M 104. Samstag, den 28. Dezember 1901. 52. Jahrgang.

rilll* lllltrrfir^rfllllirt 'n ^cr Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe ivVlrl LLHv IllUllLu/Ully so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar ab pünktlich von der Post geliefert wird. Jede später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. er Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Januar 1902 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung". ~

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin haben das Weihnachtsfest in der üblichen Weise verlebt. Der Kaiser wird der Enthüllung des Kaiser Wilhelm- Denkmals in Hamburg beiwohnen und einem englischen Blatte zufolge nach England gehen, um am Todes­tage der Königin Viktoria am Gottesdienste im Mau­soleum theilzunehmen. Dem Kaiser übersandten aus Anlaß seiner Rede über das Ideal in der Kunst die Mitglieder der königlichen Kunstakademie in Rom ein begeistertes Huldigungstelegramm. Der deutsche Kaiser gehört der römischen Akademie als Ehrenmit­glied an.

Ueber Geschenke an Beamte hat der preußische Minister einen Erlaß an die ihm unterstellten Behörden gerichtet. In dem Erlaß wird darauf hingewiesen, daß Private häufig den Wunsch hegen, an Beamte, namentlich Polizeibeamte, für besondere erfolgreiche Dienste Belohnungen in Gestalt von Geldgeschenken zu verabfolgen. Von derartigen Absichten muß das Ministerium stets in Kenntniß gesetzt werden, welches von Fall zu Fall die Entscheidung darüber zu treffen hat, ob das Geschenk der Person, der es zugedacht ist, übergeben werden soll, oder ob es einem besonderen Sammelfonds zuzuweisen ist, aus dem die von Zeit zu Zeit zu bewirkende Vertheilung der Fonds an die Beamten mit besonderen Verdiensten zu bewirken ist. Eine direkte und stillschweigende Verabfolgung von Geschenken an Beamte ist also gesetzlich unstatthaft.

Da die Industrie darniederliegt, wenden sich viele Arbeiter wieder der Landwirthschaft zu. In der jüngsten Sitzung des Gesammtausschusses der Branden- burgischen Landwirthschaftskammer niachte Amtsrath Schrader-Alt-Landsberg darauf aufmerksam, daß die Lohnsätze für Tagelöhner oder Wanderarbeiter erheblich gesunken sind. Er bemerkte, daß er infolge einer ein­zigen Zeitungsannonce kürzlich eine große Menge von Anträgen erhalten habe; für eine Stelle hätten sich vierzig Bewerber gemeldet. Verschiedene Agenten hätten seine Kontrakte sogar mit dem Bemerken zurückgeschickt, daß die Löhne zu hoch seien; die Leute wären jetzt billiger zu haben. Der Amtsrath meinte schließlich, man solle bei dem jetzigen Andrang die Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen lassen.

Posen, 24. Dez. In Klasse 2 b der Wreschener Katholischen Schule antworten nur noch vier Kinder im Religionsunterricht deutsch. Ein deutsches Mädchen wurde wegen seiner deutschen Antworten wörtlich und thätlich von Mitschülern beschimpft.

Paderborn. Bei den Aufrämungsarbeiten hat sich noch eine Menge menschlicher Körpertheile aufgesunden, Arme und Beine, deren Zusammengehörigkeit bisher nicht festgestellt wurde. Man hat diese Leichentheile in einer Kiste verpackt und vorläufig hierhier überführt. Die Leiche des verunglückten Kindes ist noch nicht rekognoscirt. Man weiß selbst nicht, ob es eine Knabe oder ein Mädchen ist, da nur die Beine noch vorhanden sind. Der Andrang des Publikums aus der Nachbar­schaft ist groß.

Göttingen, 16. Dezember. Das ca. 1200 Morgen große hiesige Klostergut Fredelsloh ist dem Höchstbieten­den, Herrn Uebeleisen aus Bayern, zur Zeit in Nwn- rode, auf sein Gebot von 8030 M. seitens der Königl. Kloster-Kammer zu Haunover nunmehr zugeschlagen worden. Im neuen Kontrakte hat die Königl. Kloster­kammer außerdem unter anderem noch Neubauten zum Betrage von 25000 Mk. ohne irgend welche Beitrags­pflicht des Pächters vorgesehen. Das Klostergut Fredels­loh wurde zur Zeit dem verstorbenen Amtsrath Löhr zum Pachtminimum von 14 300 M. verpachtet. Zieht man noch in Betracht, daß die Königl. Klosterkammer für das Gut, das vorzügliche Gebäude hat, sämmtliche Gemeinde- und Kreisabgaben, der Pächter dahingegen nur seine persönlichen Steuern zu zahlen hat, so ist der Pachtpreis von 8030 Mk, ein beredtes Zeichen, ein

Beweis dafür, wie traurig es zur Zeit mit der Land­wirthschaft steht.

Lörrach. Auf dem Lörracher Friedhof wurde vor einigen Tagen die Leiche des vor etwa 9 Jahren ver­storbenen Joh. Griesbaum ausgegraben, weil be­gründeter Verdacht vorliegt, daß seine Frau, die wegen versuchter Vergiftung ihres zweiten Mannes gegen­wärtig eine Zuchthausstrafe von 51/, Jahren verbüßt, ihn vergiftet habe. Seitdem die Verbrecherin im Ge­fängniß sitzt, sind verschiedene Zeugen, die sie fürchteten, hervorgetreten, und man soll einer Anzahl weiterer schwerer Verbrechen dieses Weibes auf der Spur sein.

Ein furchtbares Verbrechen ist, wie aus München gemeldet wird, in der bayerischen Ortschaft Mohren­hausen, Bezirksamt Jllerissen (Schwaben), verübt worden. Das Haus des Bürgermeisters Bader brannte nieder. Nach einigen Stunden fand man in den Trümmern die halbverkohlte Leiche des Bürgermeisters. Nach der Lage des Körpers und einer schweren Ver- letzung an der Stirn des Todten mußte man an­nehmen, daß Bader ermordet worden sei. Wahr­scheinlich hat der Thäter nach Verübung des Ver­brechens das Haus angezündet, um die Spuren zu verwischen. Als des Mordes und der Brandstiftung verdächtig wurde der Sohn des Bürgermeisters, ein 25jähriger junger Mann verhaftet.

Offenbach, 23'. Dez. Ein Theil der vom Fiskus erworbenen ehemaligen Pseuburg - Birsteiuschen Be- sitzungen, darunter das frühere Psenburgische Palais, kommt ant 30. Dezember vor dem hiesigen Ortsgericht zur öffentlichen Versteigerung.___________________

Ausland.

Christiana, 23. Dezbr. Der König erhielt vom schwedischen Forschungsreisenden Sven Hedin folgende, aus Kaschnin datirte Depesche: Außerordentlich wichtige Reise durch das ganze Tibet; verkleidet als Pilger näherte ich mich der Stadt Lassa, ich wurde erkannt und gefangen, aber gut behandelt auf Befehl des Dai Lamas. Eiu neuer Versuch wurde von 500 tibetanischen Soldaten zurückgewiesen. Ich machte sehr bedeutende Entdeckungen, ich verlor beinahe die ganze Karawane, rettete jedoch die Resultate der Expedition. Als ich britisches Gebiet erreichte, wurde ich mit großen Ehren und herzlichster Gastfreundschaft auf Befehl des Vize- königs empfangen.

Frankreich. Seit fast elf Jahren hat Frankreich wieder einmal eine Anleihe und zwar im Betrage von 265 Millionen aufgelegt. Die Anleihe ist sofort stark überzeichnet worden ; allerdings weniger von den kleinen Sparern, die sich auffallend zurückhaltend zeigten, als von der Hochfinanz. Obwohl die Anleihe an etwa 400 verschiedenen Stellen gezeichnet werden konnte, so wurde, einem alten Brauche zufolge, doch nur der Schaltersaal des Stadthauses in Anspruch genommen. Dort hatten, derVoss. Ztg." zufolge, arme Teufel die ganze Nacht über verbracht, um bei Oeffnung des Schalters im Namen ihrer Auftraggeber als die ersten zur Stelle zu sein. Man sah denn auch, als die Schalter geöffnet wurden, vor ihnen nichts als frag­würdige Gestalten, Stromer, Sonnenbrüder, Stamm­gäste der Nachtherbergen usw. Und wer die Verhält­nisse nicht kannte, sagte sich vielleicht mit tiefem Staunen: da sieht man erst was dieses Frankreich für ein fabelhaft reiches Land ist. Sogar die Pennbrüder sind Kapi­talisten und drängen sich als die ersten heran, Avenn eine Anleihe zu zeichnen ist.

London, 20. Dez.Daily Telegraph" meldet aus Kairo: Die von dem Petroleum-Syndikat angestellten Techniker stießen nach 2jähriger Thätigkeit bei Gelugheit in der Nähe von Suez bei Tiefbohrungen bis zu 2115 Fuß auf Petroleum. Mit starker Gewalt er­folgte eine Gasausströmung und danach eine Explosion, durch welche die ganze Rohranlage zertrümmert wurde. Man schließt hieraus auf das Vorhandensein von ge­waltigen Mengen von Petroleum,

Transvaal. Gegen den Buren - Kommandau». t Scheepers, der seinerzeit schwerverwundet den Engländern in die Hände fiel, hat, wie dasBüreau Reuter" aus Graafreinet meldet, dort der Prozeß <ur einem Kriegs­gericht begonnen. Scheepers wird u. a. der Ermordung des Engländers Arson, der Zugzerstörung und der Grausamkeit gegen Gefangene beschuldigt. Die Ge- sammtzahl der gegen Scheepers schwebenden Anklagen beziffert sich aus 30. Was das Ende sein tirb, kann man sich nach früheren Entscheidungen denken. Der unglückliche Scheepers wird wohl seinen Patriotismus mit dem Tode durch Henkershand büßen müssen. Ein Londoner Blatt veröffentlicht die briefliche Dar­stellung eines englischen Offiziers vom Stäbe Kitcheners über die Lage auf bem südafrikanischen Kriegsschauplatze. Danach ist Lord Kitchener vor Allem seiner Aufgabe nicht gewachsen, seine Kriegsführung sei ebenso lächer­lich wie erfolglos. Die Buren seien thatsächlich un­bezwingbar. Ihre Vernichtung dürfte mehr als zehn Jahre beanspruchen und eine halbe Million Soldaten erfordern. Das Beste wäre daher, die Buren unbehelligt zu lassen und die Aufmerksamkeit aus die Beruhigung des Gebietes innerhalb der von den Eisenbahnen ge­bildeten Zone zu lenken. Es tväre lächerlich zu glauben, daß der Feldzug sich einem erfolgreichen Ende nähere, und daß die Stärke der Buren mit jeder Woche ab- nehme. Ihre Streitkräfte nehmen vielmehr infolge des Aufstandes in der Capcolonie fortgesetzt zu.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 27. Dez.

* Einjährig-Freiwillige dürfen sich am 1. April 1902 einstellen beim 11. Armeekorps das Jnf.-Regt. Nr. 82 in Göttingen, das 3. Bataillon des Jnf.-Rgt. Nr. 94 in Jena und das Jnf.-Regt. Nr. 167 in Cassel.

* Keine Postbürgschaft der Gasthofbesitzer mehr. Nachdem sich in Koblenz eine Vereinigung gebildet hat zum Zwecke der Ablehnung einer Postbürgschaft bei Geld- und Werth-Sendungen für Reisende, hat das kaiserliche Postamt nach einer Blättermeldung verfügt, daß die mit der Abtragung von Postanweisungen und Werthsendungen beauftragten Beamten Anweisungen erhalten haben, vom 1. Januar ab von den Hotel­besitzern und Gastwirthen eine Bürgschaft für die bei ihnen verkehrenden, nicht mit genügenden Ausweis­papieren versehenen Reisenden nicht mehr in Anspruch zu nehmen. Den betreffenden Reisenden muß er über­lassen bleiben, den Nachweis ihrer Empfangsberech­tigung beim Postamt zu führen.

* Füllinferate und unlauterer Wettbewerb. Es wird neuerdings von verschiedenen Zeitungen der Ab­druck vou Inseraten aus anderen Blättern in beträcht­lichem Umfange vorgenommen. Sie füllen ganze Spalten oder Seiten mit unbestellten Anzeigen, die sie aus anderen Blättern abdrucken, um sich den Anschein zu geben, als würden sie für verbreitete und gesuchte Publi- kationsorgane gehalten. Dieses Treiben ist nicht u" gefährlich. Es verstößt gegen § 1 des Gesetzes ". vr den unlauteren Wettbewerb, wie durch Entscheidung des Reichsgerichts vom 1. März 1901 anerkannt ist. Dr. Fuld berichtet darüber in der neuesten Nummer der ZeitschriftUnlauterer Wettbewerb": Mit der Ver­wendung von Füllinseraten wird in einem großen Theile der Presse Mißbrauch getrieben, und es ist daher mit Freuden zu begrüßen, daß durch Urtheil des Reichs­gerichts vom 1. März 1901 ausgesprochen wurde, in dem Abdruck von Inseraten einer anderen Zeitung könne eine Veranstaltung im Sinne der § 1 Abs. 4 erblickt werden, die darauf berechnet und geeignet sei, die thatsächliche Angabe zu ersetzen, die Inserate seien der nachdruckenden Zeitung zur Veröffentlichung über­geben. Das Reichsgericht betont, daß hieran durch die Thatsache nichts geändert werde, daß in den Zeitungen häufig Inserate aus fremden Zeitungen abgedruckt und daß die abgedrucklen von den gegen Entgcld aufgenom«