«M 103 Mittwoch, den 25. Dezember 1901. 52. Jahrgang.
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9^01* l^nterbreftnlna ’n ^^ Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe ivVvl LIHC lllUllUlIUJUIU| so bald wie möglich bei dem betreffenden Poftamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom l. Januar ab pünktlich von der Post geliefert wird. Jede später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. — Wer Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abomiements-Bestellnngen anzunehmen.
Zu recht zahlreiche« Bestellungen auf das mit 1. Januar 1902 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expedition der „Schlüchterner Zeitung".
Amtliches.
J.-Nr. 3731. K.-A. Diejenigen Herren Bürgermeister, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 9. Dezember d. Js. J.-Nr. 3731 K.-A. betr. Obsterlös (Schlüchterner Zeitung Nr. 101) im Rückstand sind, werden mit 3 Tagen Frist hieran erinnert.
Schlüchtern, den 20. Dezember 1901.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
J.-Nr. 3843 K.-A. Zu der von der Kreiswege- Commission im Monat November er. vorgenommenen Verpachtung der Grasnutzungen an den Landwegen des Kreises für 1902 und 1903 ist der Zuschlag ertheilt worden.
Schlüchtern, den 19. Dezember 1901.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: R o t H.
Lehrschmiede zu Fulda.
J.-Nr. 7444. Am 7. Januar 1902 beginnt ein neuer, ungefähr 3monatiger Kursus. Derselbe schließt Ende März mit einer Prüfung ab, durch deren Bestehen die Befähigung zur selbstständigen Ausübung des Hufbeschlaggewerbes erworben wirb. Der theoretische und praktische Unterricht ist ebenso wie die Prüfung unentgeltlich. Für Wohnung und Beköstigung haben die Zöglinge selber zu sorgen.
Anmeldungen von Schmieden, die-3 ?Jahre -gelernt haben und unbescholten sind, sind bis zum 25. Dezember d. I. 'an den Unterzeichneten schriftlich einzureichen. Gleichzeitig ist eine Geburtsurkunde, eine Bescheinignng der Polizei über gute Führung und eine Nachweisung über die bisher erlangte technische Ausbildung vorzu- legen.
Fulda, den 29. November 1901.
Der Vorstand der Lehrschmiede:
Froehner, Königlicher Kreisthierarzt.
Vorstehende Bekanntmachung bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß.
Der Vorstand
der Landwirthschaftskammer für den Reg.-Bez. Cassel: H. E. v. Stockhausen.
Zur Weihenacht.
Horch, die lVeihnachtsglocken klingen
Wieder jubelnd durch die Welt,
Und die Engel Gottes schwingen
Nieder sich vom Sternenzelt.
Auf der leiderfüllten Erde
Hallt es plötzlich durch die Nacht:
„Allen Schmerzensmüden werde
Süßer Friede heut gebracht!"
Friede allen Menschenkindern,
Schall' es laut aus Engelsmund,
Wo es gilt, das Leid zu mindern
Auf dem weiten Erdenrund;
Wo ein Mensch, des Elends Beute,
Trostlos schaut nach Hülfe aus,
Sende Gottes Liebe heute
Einen Engel ihm ins Haus.
In die Hütte zu den Armen,
Den Bedrängten im Palast,
Aehr' das göttliche Erbarmen
Heute ein als Weihnachtsgast;
Ueberall, wo Diensten leiden,
Wo die bange Sorge wacht,
Bringe Frieden, spende Freuden,
Heut, du heil'ge Weihenacht!
Zum WeihnachtSfest.
„Hell leuchten dort die Tannenbäume vom Reif nn blaffen Mondenfcheine! Und in mein Herz ziehn ltife Träume der längst entschwuud'nen Kindheit ein!" ~ Das liebliche Weihnachtsfest, das schönste Fest für Kinder und alle, die noch kindlich fühlen und kindlich glauben können, steht wieder vor der Thüre. — Wer ^3 den lieblichen Klang des Wortes „Weihnachten"
vernehmen, ohne an Kinderjubel, Lichterglanz, Tannen- buft und seine eigene glückliche Kinderzeit zurückdenken zu müssen! Das Fest der Liebe, das Fest des Gebens, dessen schönste Verheißung aus Engelsmund lautet „Friede auf Erden," muß auch die im Kampf dieses oft so dunklen, friedlosen, armen Erdenlebens erstarrten und verhärteten Herzen erweichen, wenn nur eine Ahnung von der wahren Bedeutung der Weihnachtsbotschaft — vielleicht als eine Erinnerung an Jugendunterricht und Elternhaus — noch vorhanden ist. Der Sinn für Geben und Freudebereiten ist ja am Christfest so rege wie sonst nie im Jahre. Alles Geben und Sinnen auf ein paffendes Weihnachtsgeschenk für unsere Lieben hast aber wenig Werth, wenn man darüber der besten Gabe vergißt. —
. Das werthvollste und schönste Christgeschenk ist und bleibt das Kindlein in der Krippe. „Des ewgen Vaters einzig Kind itzt man in der Krippen sind'. — In unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewge Gut." Gottes Liebe zu den Menschen offenbart sich am vollkommensten in der Sendung des Sohnes zur Erlösung der sündigen Welt. Nur wer durch ihn erlöst ist, kennt und hat den Frieden, ben die Weihnachtsbotschaft verheißt. Wer die Entwickelung der Menschheitsgeschichte vor und nach dein Erscheinen des der. weiß auch, daß durch Christi Erscheinen erst wahre Menschenliebe und wahre „Kultur" in die Welt gekommen ist, und daß alles Gerede von Humanität eben nur Gerede ist und bleibt, wo nicht Gottes Sohn die Menschenherzen umgestaltet und von allem eingewurzelten Egoismus befreit. Alle Kultur des alten Heidenthums und die Lebensanschauung auch der sittlichsten und edelsten seiner Vertreter muß uns im Lichte des Evangeliums wie Barbarei erscheinen. Es Wirb heute viel zu wenig beachtet, was die Mensch- heit dem Christenthum verdankt. Konnte doch ein sonst so verständiger und edel denkender Mann wie Cicero in einer seiner Schriften die ernstgemeinte Frage stellen: „Was könnte man aus Britanien anderes holen als Zinn und Sklaven?" Vergebens fragt man angesichts einer solchen Weltanschauung, die in dem Fremden nur den Barbaren und Sklaven sieht, nach den einfachsten Begriffen von Menschenwürde und Menschenliebe, welche dem wahren Christen selbstverständlich erscheinen. Man muß starke Nerven haben, wenn man bei der Lektüre der Jlias, des berühmtesten Dichterwerkes der Alten, an der Schilderung so mancher grausamen Heldenthaten starker Kriegshelden und „Rufer im Streit" Freude empfinden soll. Welcher Lehrer hat es nicht schon beobachten können, wie im Geschichtsunterricht auf den Mienen seiner Schüler sich das Gefühl des Entsetzens abspiegelte, wenn er das Ringen der alten Völker in blutigen Schlachten schilderte und erzählte, Wie die blitzenden Schwerter bald sich trübten von dem an ihnen herabriunenden Blut? — „Frieden aus Erden" läuten die Weihnachtsglocken! Läuten sie denn wirklich Frieden, die wir uns oft in der Kultur so weit fortgeschritten dünken? Die wir, um mit Fausts Schüler zu reden, es „so herrlich weit gebracht haben?" Fast wie Hohn will es uns erscheinen, wenn wir daran denken, daß auch heute noch trotz aller Humanität und Kultur zwischen evangelischen Brüdervölkern im Süden Afrikas ein Krieg geführt werden kann, den der brutalste Egoismus eines sich seines Christenthums so gern rühmenden Kulturvolkes diktiert hat. Wie viele Opfer hat dieser traurige Krieg schon gefordert, nicht nur au Männern, welche um ihre mit saurem Schweiß bearbeitete Scholle heimathlichen Bodens ringen, sondern auch an unschuldigen Frauen und Kindern! Oder was soll man dazu sagen, daß in ben höheren Kreisen unseres Volkes bei Männern, die Führer der Nation und Vertreter christlicher Weltanschauung sein sollten, immer noch der geadelte Mord, Duell genannt, als eine unabweisbare Forderung männlicher Ehrenhaftigkeit in Geltung steht? Weite Schichten unserer Jugend, verblendet durch eine moderne
philosophische Richtung, die man die Philosophie des Pessimismus nennen kann und die zur Verzweiflung an aller göttlichen und menschlichen Liebe führen muß, wenden sich vom alten Evangelium ab. Geldmangel und Arbeitslosigkeit stören den sozialen Frieden dieses Jahr in ganz besonderem Maaße. Traurige Bilder entrollt uns die Gegenwart.
Und doch verzweifelt im Hinblick aus diese betrübenden Erscheinungen unsrer To e nicht, wer die Lebensmächte des Evangeliums kennt. Christi Liebe wird und muß den Sieg erringen. Uns ist heute der Heiland geboren! Ueber alle Nöthe und Kämpfe des Lebens, über alles Gewühl irdischer Gedanken mich uns doch der eine Gedanke emporheben, daß wir dazu berufen sind, zum Kommen des Gottesreiches beizutragen und selbst daran Theil zu nehmen. Jeder in seinem Stand und Beruf kann und soll hierfür wirken. Wo Glaube — da Liebe; wo Liebe, da Friede! Möchte doch der wahre Friede als das schönste Christgeschenk in aller Herzen einziehen! Mit dem inneren wird auch der äußere Friede, der Völkerfriede kommen. Erst wenn alle Menschen wahre Christen und nicht bloß Namenchristen sind, werden die alttestamentlichen Verheißungen von dem Frieden, den der Messias bringen soll, sich er= füllen, und aller Haß, alles Streiten, Kriegsühren und Blutvergießen ein Ende haben. Hältst Du fest mit kindlichem Glauben an der frohen Weihnachtsbotschaft, die einst aus Engelsmund erklang, dann leuchten dir die Lichter des Christbaumes immer noch mit lieblichein Schein wie einst in deiner Kindheit und du lernst mit dem zunehmenden Alter immer besser verstehen, weshalb der Heiland auf Erden kam: „Auf daß seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende." Die Vollendung des Gottesreiches war das Ziel seines Kommens, der Antheil am Gottesreich ist unser Ziel. Das innerste Wesen dieses Reiches aber ist der Friede. „Friede auf Erden!" ist der Grundton, der am Weihnachtsfest im Lobgesang der Christengemeinde ertönt, es ist der Grundakkord, der in den Engelsstimmen erklingt und durch die Herzen der Gotteskinder in tausendfachem Schalle wiederhallt: „Friede auf Erden und an den Menschen ein Wohlgefallen."
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser hörte Sonnabend Vormittag die Vorträge des Staatssekretärs des Reichsmarineamtes und des Chefs des Marinekabinetts. — Im kaiserlichen Civilkabinett herrscht gegenwärtig eine ungemein rege Arbeitsthätigkeit. Aus allen Theilen des Reiches sind zum Weihnachtsfest Bittschriften zu vielen Tausenden eingelaufen, in denen Erwachsene und Schulkinder den Kaiser um Erfüllung irgend eines Lieblingswunsches bitten.
— Mit der Zukunft Deutsch-Südwest-Afrikas beschäftigt sich in der „Dtsch. Monatsschrift" Herr Carl Dove, der das Schutzgebiet auf Grund eigener Reisen und Forschungen genau kennt. Er kommt u. a. darauf zu sprechen, das Deutsch-Südwestafrika berufen ist, an der wirthschaftlichen Ausnutzung der benachbarten Tropenländer in hervorragendster Weise theilzunehmen, und schreibt darüber: Seine (Deutschsüdwestafrikas) Nordgrenze durchzieht bereits tropische Gegenden; sie macht uns zu Nachbarn der wichtigen Gebiete, durch die der Weg hinüberführt in das wunderbare Land riesiger schiffbarer Ströme, dem eine große Zukunft unter allen Umständen vorausgesagt werden kann. Von politischen Dingen will ich nicht sprechen; allein das fei betont, daß bereits in den nächsten Jahrzehnten die Inangriffnahme der wirthschaftlichen Erschließung Jnnerafrikas von hier aus beginnen wird. Daß sie demjenigen am meisten zu gute kommen muß, der von seiner eigenen Grenze aus die gegenseitigen Beziehungen zu regeln vermag, ist klar. Wäre nicht schon an und für sich Südafrika eine Kolonie, die wir auch um ihrer selbst willen festhalten müssen, dieser Ausblick in die Zukunft ganz Südafrikas müßte uns allein dazu zwingen, rüstig fort-