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SchlüchternerZÄung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg,

X 102.

Samstag, den 21. Dezember 1901

52. Jahrgang

QOp« HlliPtBr^dinnn in ber Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe

tso bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar ab pünktlich von der Post geliefert wird. Jede später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. Wer Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Januar 1902 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Deutsches Reich.

Berlin. Neuerdings heißt es, daß das kaiserliche Hoflager in diesem Winter nicht nach Berlin verlegt werden wird, vielmehr bald nach Neujahr, wenn die Witterung dies erheischen sollte, vom Neuen Palais nach dem Potsdamer Stadtschloß übersiedeln dürfte. Für die Kaiserin sei noch immer ein längerer Auf­enthalt im Süden geplant.

Der Militärische Weihnachtsurlaub wird auf Veranlassung des Kaisers sich im allgemeinen recht ausgiebig gestalten. Wegen der Besetzung der Wachen und Ausbildung der Rekruten kehrt die erste, am 23. d. M. in die Heimath gereifte Hälfte der Urlauber am 28. oder 29. d. M. wieder in die Garnison zurück, während der Rest der Urlauber an diesem Tage die Reise antritt und am 4. oder 5. Januar zurückkehrt. Die Urlauber mit weiten Entfernungen erhalten in­dessen den vollen Urlaub. Von den Rekruten werden nur die allerbesten während der Feiertage beurlaubt.

Eiue durchgreifende Personal-Aenderung im mittleren Staatseifenbahudienst ist, wie verlautet, zum 1. April 1902 geplant. Nachdem durch die 50u neuen Etatsstellen die Regelung der Anstellungsverhältnisse der Eisenbahnsekretärsanwärter erzielt ist, werden nach Bestimmungen des Ressortministers künftig neben den wenigen zurückbleibenden zu Betriebssekretären ge­eignete | Güterexpedienten und Stationseinnehmer in den frei werdenden Stellenantheil einrücken. Die Eisenbahnsekretärstellen fallen insgesammt denSkättons- und Abfertigungsbeamten zu, sobald der letzte Jahr­gang der Diätare 1. Klasse zur Austellung gelangt ist. Dies steht in kürzester Zeit zu erwarten, da seit drei Jahren Anwärter für den Bureaudienst nicht mehr eingestellt wurden.

Kiel, 17. Dez. Der Messerstecher wurde in der Person eines aus Oesterreich stammenden, von der Universität wegen Diebstahls verwiesenen Studenten der Medizin festgesteltt.

Embcck, 26. Dez. Am vorigen Mittwoch begaben sich dreiarme Reisende" in das Haus des hiesigen Bürgermeisters und baten um ein Glas Wasser. _ Die Frau des Bürgermeisters verabfolgte das Gewünschte, war aber übrrascht, als sich einer von den Dreien in­zwischen entfernt hatte. Als am Abend der Bürger­meister heimkehrte, sprang dessen Schweißhund fort­während an der Thür des Schlafzimmers in die Höhe. Das seltsame Gebühren des Hundes veranlaßte den Bürgermeister, die Thür zu öffnen, und im Nu sprang der Hund unter das Bett und zog den am Morgen plötzlich verschwundenen dritten Mann hervor. Das Thier hatte dens elben am Halse gepackt und nicht un­erheblich verletzt.

Darmstadt, 16. Dez. Zwischen dem Großherzog- thum Hessen und Oldenburg kam im Entwurf ein Ver­trag zu Stande, der dem ersteren Staate mit Wirkung vom 1. August 1902 das ausschließliche Recht giebt, die Lovse seiner Landeslotterie im Bereich des Groß- Herzogthums Oldenburg, der Fürstenthümer Lübeck und Birkeufeld zu vertreiben. Während der Dauer des Vertrages darf im Großherzogthum Oldenburg keine andere Staatslotterie ins Leben gerufen werden. _ Um die Konkurrenz anderer Unternehmungen möglichst fern­zuhalten, iverben in Oldenburg das Spiel in aus­wärtigen Lotterien verbietende Vorschriften erlassen, ähnlich denen, wie sie in Hessen gelten. Auch soll die Veranstaltung von Geldlotterien in Oldenburg nur mit Zustimmung der hessischen Regierung stattfinden. Als Gegenleistung zahlt Hessen an Oldenburg nach der 6. Lotterie 3O,uOO, nach der 7. 40,0o0, nach der 8. 45,000, nach der 9. und jeder folgenden 51,0.0 Mark, wovon als Beitrag zu Tantiemen und Gratifikationen 1 8/* pCt. zu kürzen sind.

Konstanz. Der Bau von größeren Festungsanlagen bei Mühlheim und die Errichtung eines Forts bei Tüllingen, nördlich von.Basel, ist, wie derFrkf. Ztg." aus Basel berichtet wird, geplant. Die Baseler Blätter fühlen sich durch die Nachricht von der deutscherseits

! projektirten Festungsanlagen auf dem Tüllingerberg ffoll um die Schandthaten wissen. Aber kein einziger beunruhigt. Durch diese Festung würde die Stadt Schritt wird gethan, um diesen gemeinen Handel mit Basel mit ihren 100000 Einwohnern in den Bereich Menschenseelen zu verbieten!

Aus Kanton (China)'wird gemeldet: Seit Sonntag steht ein großer Theil der Stadt in Flammen. Das Feuer hat eine Länge von einer halben Meile. 8000

deutscher Kanonen gelangen.

Eine Geschichte von seltsamer Tragikomik wird aus Kaiserslautern (baierische Pfalz) gemeldet: Bei der letzten Ausschreibung neu zu besetzender Schutz- maunsstellen hier hat sich auch ein Lehrer gemeldet. DiePfalz. Lehrerzeitung" schreibt hierzu mit bitterer Ironie: Wer möchte diesemgedienten Einjährigen" feinen Mangel an Berufsfreudigkeit^ auch verargen! Wer möchte sich darüber wundern, daß er einen Posten für Militäranwärter mit 1200 Mark Anfangsgehalt nebst freier Dienstkleidung der entschieden niedriger ein- geschätztenSchularbeit" vorzieht! Bis er im Volks­schuldienst die höchste Sprosse als definitiver Kultur­pionier und Rechenknecht erreicht, kann er es mit seiner Bildung zum Polizeikommissar einer größeren Stadt bringen, der in Bezug auf Gehalt und soziale Stellung mit keinen Lehrer tauscht.

Ausland.

Konstantinopel, 17. Dez. Drei bulgarische Grenz- Soldaten, die im Nebel einige Schritte über die türkische Grenze geriethen, wurden am 11. ds. Mts. im Bezirk Paschmakla bei Tschilltepe im Vilajet Adrianopel von 10 türkischen Soldaten unter dem Leutnant Mustafa und mehreren Civilpersonen überfallen und beschossen. Die türkischen Soldaten waren vom 12. Bataillon in Kirdialj. Zwei bulgarischen Soldaten gelang es, zu entfliehen, der dritte aber wurde 4 Kilometer weit ins Innere bis nach dem Dorfe Dolahar geschleppt, wo Leutnant Mustafa ihn enthaupten und seine Leiche voll­ständig berauben und entkleiden ließ. Der abgeschlagene Kopf wurde dem türkischen Kaimakam von Paschmakla gesandt. Bulgarien verlangt zunächst die Auslieferung der Leiche, des Kopfes, der geraubten Kleider und Waffen, kündigt aber gleichzeitig an, daß es sich da­rüber hinaus Genugthuung verschaffen werde.

London, 17. Dez. Lord Kitchener meldet aus Belfast von heute: General French berichtet: Komman­dant Kruitzinger ist bei dem Versuche, die Blockhäuser- linie in der Nähe von Hanoverroad zu überschreiten, schwer verwundet und gefangen genommen worden.

Transvaal. Das Pariser BlattFrancais" ver­öffentlicht eine Meldung, in welcher es heißt, daß es Louis Botha endlich gelungen sei, an Krüger brieflich Nachrichten gelangen zu lassen. Er soll demselben mitgetheilt haben, daß die Zahl der im Oranjefrei- staat und in der Kapkolonie stehenden Burenstreit- cräfte 24 00O Mann betrage, darunter 14 000 Aus­gebildete und 10 000 Rekruten, welch' Letztere zum größten Theil aus der Kapkolonie stammen. Weiter yeißt es in der Nachricht, die Buren hätten Lebens- mittel in großer Fülle, die sie aus den von, den Eng­ländern nicht besetzten Provinzen bezogen, sowie aus oen von den Engländern abgenommenen Proviantzügen entnommen hätten. Neue furchtbare Anklagen gegen Die englische Kriegsführung in Südafrika erhebt Dr. Wallentin, der auf Seiten der Buren mitkämpfte. Er nennt es, wie imReichsboten" zu lesen ist, eine Thatsache, daß bis jetzt 35 Prozent sämmtlicher Buren­frauen und Mädchen von britischen Offizieren und Soldaten vergewaltigt sind, darunter Mädchen von 10 Jahren. Die Mädchen sollen vielfach in Soldatenlager genommen, von den Konzentrationslagern nach Pretoria" u. s. w. sogar ausgewechselt werden, sobald sie verbraucht sind. Die armen Kinder können keinen'Widerstand leisten. Der eigene Hunger zwing: sie und das Bewußtsein, daß die Mutter und kleinere Geschwister verhungern. Ich habe, sagt ein kürzlich zurückgekehrter Mitkämpfer, viele solcher unglücklichen Mädchen selbst von 14 Jahren gesehen, die in anderen Umständen waren; es war ein Anblick zum Steiner­barmen. Ein Anderer sah Mädchen von 16 Jahren, mit schneeweißem Haar, gleichsam, als ob sie das geben eines Jahrhunderts hinter sich hätten. Kitchener

Häuser sollen bereits niedergebrannt und viele Menschen­leben zu beklagen sein.

Amerika. In den letzten 48 Stunden herrschte in den nordwestlichen Staaten die strengste Kälte, die je im Dezember beobachtet worden ist und auf 39 Grad unter Null nach Fahrenheit gleich 39,4 Grad Celsius gesunken ist. Mehrere Hirten sind erfroren. In Wyoming sind 10 Hirten im Sturm ums Leben ge­kommen, viel Vieh ging zu Grunde. In Nord­amerika, wo es Riesenvermögen giebt, find auch große Schenkungen nichts Seltenes. Es hat sich aber noch niemand so nobel gezeigt, wie Mrs. Stamford, die nach einer Meldung derPost" der von ihr begründeten Leland-Stamford-Universität zu Pala Alto in Kali­fornien Aktien und Grundbesitzungen im Werthe von 120 Millionen Mark zugewendet hat. Trotz dieser Riesenschenkung bleibt Mrs. Stamford immer noch vielfache Millionärin.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchteru, 20. Dez.

* Nächsten Sonntag ist die Verkaufszeit in den Läden bis 8 Uhr Abends gestattet. Ebenso ist der Postschalter bis Abends 8 Uhr geöffnet.

* Bürgermeister Ringler in Heubach wurde zum Postagenten bestellt.

* Versetzt wurde Postassistent Mohr von Wabern nach Heubach.

* Zu den Weihnachtseinkäufen. Eine außer­ordentliche Erleichterung für die Geschäftsinhaber wie auch für die Angestellten in den Geschäften ist es, wenn die Einkäufe nicht auf die letzten Tage und auch am Tage nicht auf die letzten Stunden verschoben werden. Ein früherer Einkauf liegt auch im Interesse der Käufer selbst, da dann alles viel schneller und besser ausgewählt werden kann.

* Anläßlich des Weihnachtsfestes werden die folgenden, für die Station Schlächtern in Betracht kommenden Sonder-Personenzüge gefahren: Am 20., 21., 23. und 24. Dezember Abends 5,32 Uhr Vorzug nach Bebra, am 22. und 23. Dezember Abends 9.12 Personen- bezw. Sonderzug nach Bebra, am 20./21., 21 ./22. am 23./24. Dezember Nachts 1,42 Uhr Sonderzug nach Bebra, vom 22./23. Dezember Nachts 1,52 Sonderzug nach Bebra. Am 21. Dezember Vormittags 9,48 Vorzug nach Frankfurt, am 2o. und 21. Dezember, sowie am 2. Januar Abends 7,27 Vor­zug nach Frankfurt, am 27. Dezember und 2. Januar- Nachmittags 3,43 Vorzug nach Frankfurt. Ferner werden Arbeiterzüge, welche sonst Sonnabends fahren, auch am Dienstag den 24. und Dienstag den 31. Dezember gefahren und Arbeiterzüge, welche sonst Montags fahren, auch am Freitag den 27. Dezember und am Donnerstag den 2. Januar gefahren.

* Nachdem den Rückfahrkarten auf den deutschen Eisenbahnlinien eine 45tägige Giltigkeitsdauer beigelegt worden ist, ist die seit einer Reihe von Jahren von Den Eisenbahnverwaltungen aus Anlaß des Weih- nachsfestes zugebilligte Verlängerung der Geltungsdauer derselben hinfällig geworden.

* Eingefrorene Wasserleitungen sind bei der plötzlich eingetretenen Kälte wieder an der Tagesordnung. Es liegt im Interesse der Hausbesitzer, das Wasser rechtzeitig abzustellen und für sonstige Vorsichtsmaß­regeln zu sorgen, welche geeignet sind, das Einfrieren zu verhindern.

Mit dem 1. Januar nächsten Jahres treten Die Bestimmungen in Kraft, wonach sämmtliche Personen, welche als sogen. Rechtskonsulenten oder Volksamvälre für andere Leute Schriftstücke anfertigen oder Rath in Rechtssachen ertheilen, hierüber Bücher zu führen haben,