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MWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

32 100. Samstag, den 14. Dezember 1901. 52. Jahrgang.

9^Pr «>tM(> I tutrHirPsfnntn *n ^er Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermelden will, der wolle dieselb so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Januar 1902 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Deutsches Reich.

Berlin. Auf seiner oberschlesischen Jagdreise ist Kaiser Wilhelm am Dienstag Abend in Slaventzig eingetrvffen. Im Laufe des Tages hatte Se. Maje- stät in der Mezerzitzer Forst bei Pleß auf Auerochsen gejagt. Es herrscht Schneegestöber. Kaiser Wilhelm ist ein vorzüglicher Schütze, das weiß man. Es ver­dient aber hervorgehoben zu werden, daß er eben bei seinem Jagdbesuch in Pleß zwei kapitale Auerochsen erlegte, deren einen er mit einer Kugel streckte, den zweiten mit drei Schüssen. In einem der Vorjahre brauchte ein auch recht guter Schütze 16 Kugeln, um einen solchen Stier zur Strecke zu bringen.

Die Auswanderung in den ersten 11 Monaten des laufenden Jahres war doppelt so stark, als im Jahre 1898. Gegen das Vorjahr ist sie in Hamburg von 88729 auf 11)4981 Personen gestiegen.

Der Alldeutsche Verband fordert die Regierung auf, angesichts der drohenden Arbeitslosigkeit und der gegenwärtig billigen Materialienpreise eine Vorlage ein- zubringen, welche auf Beschleunigung des Baues der deutschen Flotte gerichtet ist.

In Tientpn erschoß, wie amtlich aus Peking gemeldet wird, ein von Raserei befallener Mann des 4. indischen Pendschab-Regiments 2 Mann seines eigenen Regiments. Der Angreifer drang hierauf in das Proviantamt der deutschen Brigade ein, wo er mehrere Schüsse abgab. Der Kontroleur Ehlert wurde tödtlich, 2 Mann schwer, einer leicht verletzt. Der Angreifer wurde dann von einem deutschen Wachtposten niedergeschoffen.

Die preußische Klassenlotterie, von welcher in letzter Zeit manche Loose unverkauft geblieben waren, soll angeblich umgestaltet werden. Neu hinzukommen soll besonders eine Prämie von 300 ooo Mark für die letzte Klaffe. Die wird's auch kaum machen. Wenn Zeitgemäßes geschehen soll, muß eine Loose-Verbilligung emtreten. So ist das Recht auf Hoffnung zu theuer- bezahlt.

Cöln. Der Record im Rückgänge der Dividenden ist der Actien-Gesellschaft für Rheinisch-Westfälische Industrie in Cöln Vorbehalten gebliehen. Dieselbe wird für das Jahr 19ul keine Dividende vertheilen, während sie für 1900 nicht weniger als 60 pCt. aus- schüttete.

Ein Leichenfund in der Jdiotenanstalt Hephata in München-Gladbach im Rheinland ist bereits auf­geklärt. Zwei blödsinnige Knaben haben gestauten, den seit mehreren Wochen vermißten zehnjährigen Blöd­sinnigen, namens Schotten in den Speiseaufzug ge­worfen und fo getödtet zu haben. Die Thäter waren sich des Schrecklichen ihrer That nicht bewußt. Die Thür zu dem feit Jahren unbenutzten Aufzuge war nicht verschlossen. Die beiden blödsinnigen Thäter stehen im Alter von 13 und 15 Jahren. Sie sollten den 10jährigen Blödsinnigen zum Abort begleiten, .dieser wollte weglaufen. Aus Aerger darüber ergriffen sie ihn, nach ihrem Geständniß, entkleideten ihn und warfen ihn in den Speifeaufzug, weil er dort nicht wehr weglaufen könne. Der Tod Schüttens ist durch Schädelbruch eingetreten.

In Trier war dieser Tage ein. junges Paar getraut worden und wollte eben an der Hochzeitstafel Platz nehmen' als die Neuvermählte, vom Schlage gstroffen, todt zu Boden sank. Der Schmerz des Gatten, der Schrecken der Festgäste läßt sich nicht beschreiben.

Aschaffenburg, 9. Dez. In dem Nachlasse des UN vorigen Jahre verstorbenen Stiftungsamts-Aktuars Dunzer wurde ein Vermögen von 50U00 Mark vor- gefunden. Da keine Erben vorhanden waren, nahm f"an an, daß das Geld an den Fiskus fallen würde. $etJt hat nun der Nachlaßverwalter in der Wohnung

Verstorbenen ein Testament vorgefunden, _ worin Tunzer sein ganzes Vermögen der Stadt Aschaffenburg ^inacßt. Die Zinsen davon sollen jährlich an 12 ledige über 6u Jahre alte Bürger vertheilt werden, Md

Einer von diesen soll außerdem das Recht haben, in seiner (Düngers) Wohnung frei zu wohnen. Se. k. Hoheit der Prinz-Regent hat nach Prüfung des gegen den Aschaffenburger Raubmörder Nowicki gefällten Todesurtheils von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht. Nowicki wird nun nächster Tage in Würzburg hingerichtet werden.

Stuttgart. Die Fabrikanten von Trikot - Pfund­waare im Ebinger Bezirk und in Hechingen haben die Arbeitszeit infolge des flauen Geschäftsganges schon seit Wochen etwas eingeschränkt und nun solidarisch be­schlossen, Vorn 17. ds. Ms. bis 8. Januar gar nicht zu arbeiten.

Dresden. Ergreifende Szenen spielten sich in den letzten Tagen vor den Thoren der fallirten Spar- und Vorschußbank in Dresden ab. Mehrere Hunderte von Spargeldeinlegern, lauter kleine Leute, waren mit ihren Büchern erschienen und wollten ihre sauer zurück­gelegten Spargroschen heraushaben. Freilich ohne Er­folg. Die Stadt hat sich über die Beleihung der Sparbücher noch nicht schlüssig gemacht, doch haben sich bereits einige Bankinstitute bereit erklärt, die Bücher Dresdener Sparer mit 25 pCt. bis zu 250 Mk. zu beleihen, so daß wenigstens die ärgsten Katastrophen hintangehalten werden dürsten.

DasBerliner Tageblatt" meldet: Die in Leipzig tagende Versammlung sächsischer Buchdruckerei­besitzer und Zeitungsverleger beschloß die allgemeine Erhöhung der Druckpreise um 10 Prozent.

Neustadt a. Orla, 9. Dez. Innerhalb Monatsfrist ist hier über drei größere Lederfabriken der Konkurs verhängt worden. Nachdem am 8. November über das Vermögen des Lederfabrikanten Arno Lange das Konkursverfahren eröffnet worden ist, haben im Laufe dieser Woche auch die Lederfabrik von Otto Senf und die von H. Krahmer jun. die Zahlungen eingestellt.

Hoya, 26. Nov. Eine ebenso bestialische wie blöd­sinnige Thierquälerei wird aus Hohenholz, Kreis Hoya, gemeldet. Man schreibt von dort: Eine mehr bestialische als praktische Viehreinigungsmethode ist am letzten Freitag von dem StellenbesitzerFritzAndermann hierselbst angewendet worden. Dieser Mann zog ein mit Ungeziefer bedecktes Rind aus deni^ Stalle auf den Hof und hielt es am Halfter fest. Seine Frau wusch dem Thiere den Kopf und Hals bis an die Vorder­beine, wo das meiste Ungeziefer sich aufhült, mit Pe­troleum. Nachdem dies geschehen war, wurde das Kopfhaar zwischen den Hörnern angezündet! Jm 91u stand das arme Thier in einem hochlodernden Flammen­meer. In furchtbarem Schmerz riß es sich los und raste einer Feuersäule gleich im Hofe umher. Zum Glück war die Stallthür nicht offen geblieben, sonst wäre das gequälte Thier sicher in den Stall gelaufen und ein großer Brand wäre unvermeidlich gewesen. Vor Nachahmung eines solchen Unsinns möge jeder Viehbesitzer hiermit gewarnt werden.

Wismar, 5. Dez. Ein trauriges Sittenbild bietet folgender Vorfall, der sich letzten Sonntag hier zutrug: In dem Wartesaal unserer Haltestelle würbe Nachts die große Fensterscheibe, die die halbe Thür einnimmt, entzwei geschlagen und dann völlig herausgebrochen. Der Wartesaal ist nämlich des Nachts verschlossen. Wie sich nun herausgestellt chat, sind die Attentäter 3 Burschen und 3 Mädchen von hier gewesen. Die Burschen haben durch die Oeffnung die Mädchen in den Wartesaal gezogen, und haben mit ihnen hier kampirt. Auch sonst hört man viele Klagen über das Verhalten unserer Jngend, besonders in den Wirth­schaften.

Ausland.

Transvaal. Wie in London verlautet, ertheilte die Regierung Lord Kitchener den Befehl, ehestens mit der Heunsendung der Burenfrauen und Kinder aus dem Eonzentrationslagern zu beginnen.

China. 3 Millionen Menschen verhungert! Der^ längere Aufenthalt des chinesischen Hofes in Singanfu

hat wenigstens die eine gute Folge gehabt, daß die Mandarinen in der Provinz Schansi viel mehr Eifer in der Bekämpfung der dortigen schrecklichen Hungers­noth gezeigt haben, als es sonst der Fall gewesen wäre. Trotzdem sollen nach amtlichen Angaben dreißig vom Hundert aller Einwohner umgekommen sein. Schensi hat rund zehn Millionen Einwohner. Also sind dort nicht weniger als 3 Millionen Menschen vor Hunger gestorben. Wie muß es also erst bei ähnlichen Anlässen aussehen, wenn die Mandarinen sich wenig rühren?

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 13. Dez.

* Der Lehrer Rühmann zu Schöneberg ist als ordentlicher Seminarlehrer an das Lehrerseminar zu Schlüchtern angestellt worden.

* Der Lehrer Stromberg zu Echzell ist als Lehrer an die Lateinschule zu Schlüchtern berufen worden.

* Die Lieferung an die Proviantämter. Die Londwirthschaftskammer für den Regierungs-Bezirk Casfel beschloß, eine Eingabe an die zuständigen Minister zu machen, die die Ankäufe durch die Proviant­ämter näher behandeln unb darlegen soll, daß es »Mchtfertigt sei, wenn die Proviantämter etwa 30 Pfg. mehr als die höchste Marktnotiz zahlten. Bei den Proviantamtslieferungen handle es sich immer nur um beste Waare, obwohl die Proviantämter meist nur den Durchschnittspreis oder wenig mehr zahlen, den höchsten Marktpreis aber überhaupt nicht zahlen dürften. Außerdem müsse der Lieferant das Getreide frei aus Magazin liefern, bezw. die Gebühr dafür bezahlen.

* Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 11. Dez.) Auf dein Bahnhof Elm trafen einige Arbeiter zusammen, von denen zwei in Feindschaft lebten. Es waren dies der Schneider S. von Schwarzen­fels und der hier beschäftigte Pulverarbeiter R. aus demselben Orte. R. rief seinem Gegner den Schimpf­namenSpitz" zu und setzte auf dem Bahnhof Sterb­fritz die schnodderigen Bemerkungen fort. Die Beiden geriethen auch noch thätlich aneinander und. in einem Bahnwärterhause holte sich nachher R. einen Stock und schlug dem S. auf die Stirn, daß eine blutende Wunde entstand. R. wurde vom Schöffengericht zu einer Ge­fängnißstrafe verurtheilt, wogegen er Berufung einlegte. Er sagte, der S. sei an Allem Schuld nnd er habe sich in der Nothwehr befunden. Er bittet um Freisprechung evtl. um eine Geldstrafe, weil er sonst seine Stellung verliere. Das Gericht betrachtet die bestehende Feind­schaft als Milderungsgrund und erkennt unter Auf­hebung des ersten Urtheils auf 30 Mk. Geldstrafe.

Orb, 10. Dez. Der früher als Amtsrichter hier fungirende, dann als Amtsgerichtsrath nach Battenberg versetzte Herr Dr. Türck ist als Landgerichtsrath an das Landgericht in Altona versetzt worden.

Birstein, 8. Dez. Der Verleger und Redakteur des Birsteiner Anzeigers" und desVogelsberger Boten" August Vonalt in Gebern wurde von der Strafkammer in Gießen wegen Urkundenfälschung, Betrugs und Un­treue zu 3 Jahren 9 Monaten Gefängniß verurtheilt.

Spielberg. Allmählich nimmt der Viehhandel Formen an, die dem Händler nicht schaden und dem Bauer nützen, weil sie reell sind. Wie jeder Kaufmann seine Waare aufs Gewicht verkauft, so thut es jetzt der Landwirth, weil ihm durch Einführung der Vieh- Waagen die Gelegenheit gegeben ist. Leider wollten bisher die Händler auf Gewichtskauf nicht eingehen. Die Viehverwerthungsgenossenschaft, zu der zahlreiche Genossenschaften und größere Landwirthe gehören, ver­mittelte einem hiesigen Bauern 22 Mark mehr für einen Ochfen, als er am Ort erhalten konnte; dazu war das Thier frei versichert gegen alle Gefahren. Der Verkäufer freute sich, der Käufer war nicht be­trogen, die Waage gab den richtigen Werth an.

Vom Vogelsberg. Nicht nur in Frankfurt hat mandurch"-gehende Züge. Dergleichen giebt's auch auf der Eisenbahnstrecke Lauterbach-Grebenhain. Standen