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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

J^ 99. Mittwoch, den 11. Dezember 1901. 52. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 7142. Die Herren Bürgermeister und Guts­vorsteher werden auf meine Kreisblattsbekanntmachung vom 7. Dezember v. J. Kreisblatt Nr. 51 be­treffend die Besichtigung der Droguen- und ähnlichen Handlungen mit dem Bemerken aufmerksam gemacht, daß die tabellarischen Berichte über das Ergebniß der Besichtigung bis Mitte dieses Monats au mich ein= zusenden sind.

Handlungen dieser Art befanden sich bisher in Schlüchtern, Altengronau, Neuengronau, Steinau, Sterb­fritz, Schwarzenfels, Gundhelm, Romsthal, Breitenbach, Vollmerz und Salmünster.

Schlüchtern, den 6. Dezember 1901.

Der Königliche Landrath: I. V.: Goerz.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser trifft, wie jetzt feststeht, am 12. Dezember in Breslau ein, um der Enthüllung des Denkmals des Großen Kurfürsten beizuwohneu. Der Kaiser hat bei der Jagd in Neudeck 868 Fasanen erlegt. Das Befinden des Kronprinzen, der bekannt­lich einen schweren Darm- und Magenkatarrh - Anfall hatte und an leichter Gelbsucht leidet, hat sich noch nicht gebessert. Das Leiden hält an. Der Kronprinz sagte infolgedessen alle Besuche ab, besonders solche zu Jagden.

Von dem gewaltigen Umfang des Berliner Schul- Wesens erzählen folgende Zahlen: Anfang April be­standen in Berlin 39U öffentliche Schulen mit mehr als 2oO 000 Schülern und Schülerinnen, wofür in runder Summe 2U Millionen Mk. im letzten Jahre ver­ausgabt wurden, die Schulgelder eingerechnet. Die Gemeindeschulen erfordern einen Zuschuß von -I V« Milk. Mk. An diesen Schulen sind zur Zeit 241 Rektoren, 2445 Lehrer, 1456 Lehrerinnen, sowie 447 Fach- und technische Lehrerinnen thätig, insgesammt also 4589 Lehrpersonen.

* Wartesäle. Die Plakate in den Wartesälen sollen nach den neuesten Entschließungen der preußischen Eisenbahndirektionen verschwinden, ausgenommen Die­jenigen, die für Wohlthätigkeitsanstalten, Unterstützungen reisender Personen, für Frauen- und Mädchenheime bestimmt sind.

Eine besonders feierliche Sitzung hielten die Stadtverordneten von Königsberg in Pr. ab. Es fand die Verbrennung der letzten Kriegsschuldscheine von 1807 statt. Die Schuld konnte erst jetzt getilgt werden.

Dresden, 5. Dez. DenDresdener Nachr." zufolge ist gestern der Konkurs der Spar- und Vorschußbank Dresden, deren Aktienkapital eine Million Mark beträgt, angemeldet worden. Die Zahl der Einleger soll sich auf etwa 7UUO, mit ungefähr 7 Millionen Mark Spar­einlagen belaufen.

Leipzig. Die Kosten des neuen Leipziger Central- bahnhofes sind auf die Kleinigkeit von 100 Mill. Mark veranschlagt.

Planen. Während man sonst immer nur von Arbeiterentlassungen und Betriebseinschränkungen liest und hört, kommt aus Plauen im sächsischen Voigtlaud folgende Kunde: Der Mangel an weiblichen Arbeits­kräften für die Stickerei-Industrie ist zur Zeit hier so sioß, daß einzelne Firmen denjenigen, die ihnen tändige Arbeiterinnen zuweisen, für jede Arbeiterin bis zu 5 Mk. vergüten. Auch an Dienstmädchen fehlt $ hier.

Aus Forst in der Lausitz wird berichtet, daß dort die ganze aus sechs Personen bestehende Familie Kaschke in religiösen Wahnsinn verfallen ist und gefesselt in die Irrenanstalt zu Sorau gebracht werden mußte. Die in der Wohnung todt aufgefundene Kaschke scheint von ihren Angehörigen erschlagen worden zu sein. Auf die Frage des Kreisarztes, wer die Frau getödtet habe, wurde ihm von einem Sohn geantwortet:Die Mutter war vom Teufel besessen; den Teufel auszu- treiben, mußte Blut fließen."

o Mus Bayer». Gegen die Vergnügungen auf dem Lande hat das Bezirksamt Vilsbiburg in Niederbayern Anen Erlaß herausgegeben. Tanzmusiken, Hochzeits- stiern, Kirchweihfeiern, Vor- und Nachkirchweihfeiern, Jubiläen aller Art, Feuerwehrbülle, Schützenbälle, Ve- kozipedrennen, Altmünner- und Altweiberrennen, Re- krutenäbschiede, Namensfestfeiern, alle diese und noch ^ andere Anlässe, um sich 511 unterhalten, zu be­

lustigen und dabei Geld auszugeben, möchten fast den Anschein erwecken, als ob das ganze Jahr auf dem Lande Karneval und Alles eitel Wonne und Freude wäre und nicht Jammer und Noth an allen Ecken und Enden! Dies die eigenen Worte des Bezirksamts.

Aus dem Spessart, 3. Dezember. Der Forstwart Harengel zu Rohrbrunn wurde bei Nachsuche auf an- geschoffene Wildschweine von einem Keiler angegriffen und au beiden Beinen verletzt. Der Angegriffene fiel zu Boden und der Keiler machte sich über ihn her. Im Augenblick der höchsten Gefahr streckte der Herzu- geeilte Förster Katzenberger das wüthende Thier mittelst eines wohlgezielten Schusses nieder. Der Pringregent von Bayern, welcher gegenwärtig zum Jagdvergnügen in Rohrbrunn weilt, stattete dem verletzten Harengel einen Besuch ab. Der Prinzregent errichtete zur Erinnerung an seine regelmäßigen Besuche im Spessart, wo er auch gegenwärtig weilt, sowie zur Erinnerung an seinen achtzigsten Geburtstag mit einem Kapital von 15 000 Mark eine Wohlthätigkeits-Stiftung zu Gunsten armer Kinder in fünf Orten des Spessarts, und zwar in Bischbrunn, Schollbrnnn, Oberaltenbuch, Unter- altenbuch uud Weibersbrunu.

Mainz, 5. Dezember. (Ein Fremdenlegionär als Polizeikommissär)- Von den hiesigen städtischen Be­hörden war dem Polizeikommifsür von Toussaint in Frankenthal die Stelle eines Bezirkskommissärs übertragen worden. Herr von Toussaint hat jetzt auf die Stelle verzichtet und zwar durchaus nicht frei­willig. Es ist ihm vielmehr von höherer Stelle ab­gewinkt worden, weil er früher in der französischen Fremdenlegion gedient, den Feldzug in Tonkin mitge­macht und dann noch einige Jahre einem französischen Linienregiment angehört hat. In Castel kam eine Zigeunerfrau in ein Haus, in welchem die Frau gerade mit dem Anrichten beschäftigt war. Auf ihre Bitte gab sie der Zigeunerin ein Stück Brod, diese versetzte aber der Frau einen Stoß vor die Brust, nahm ihr das Fleisch ab und brannte damit durch.

Heidelberg. 112 Professoren und Docenten der Universität Heidelberg, an deren Spitze der Prorektor- Professor Dr. Hausrath, erlassen eine Protesterklärung gegen die von Baurath Schäfer in Karlsruhe ge­plante Wiederherstellung des Heidelberger Schlosses. Diese Wiederherstellung würde das Bild vernichten, das in solcher Schönheit nur einmal in der Welt vor­handen sei.

Heiligenstadt, 5. Dez. Ein Standesamtskuriosum wird hier viel belacht. Bei Aufstellung der Rekrutierungs- stammrolle stellte sich heraus, daß ein Gestellungs­pflichtiger nicht in das Geburtsregister des Standes­amtes eingetragen war. Jetzt, nach 20 Jahren, er­folgte die nachträgliche Eintragung. Und auch in den standesamtlichen Nachrichten der Zeitungen wurde der 2l 'jährige Neugeborene verzeichnet. Der alte Barer soll recht verdutzt gewesen sein, als er sich als glück­licher Vater eines Sprößlings in den Zeitungen ge­nannt sah.

Ausland.

Warschau, 4. Dezember. Eine Anzahl Studenten griff heute Mittag das deutsche Consulatsgebäude au. Das Consulatsschild wurde heruntergerissen und zerstört nnd das Erdgeschoß, wo sich die Amtsräume des Consulats befinden, mit Steinen beworfen. Auch in die Privatwohnung des Generalconsulats im ersten Stock wurden Steine geschleudert. Der Angriff dauerte eine Viertelstunde. Alsbald erschienen ein Oberpolizei- meister und ein Stäatsanwalt zur Feststellung des Thatbestandes. Das Consulat wird polizeilich bewacht.

London, 7. Dezember. DieTimes" melden aus New-Aork: Acht britische Transportschiffe sollen so schnell als möglich mit Pferden nnd Mauleseln beladen werden. Britische Agenten bereisen den Westen und machen die größten Anstrengungen, dort mehr Pferde aufzubringen. Dies wird für ein Zeichen gehalten, daß das Ende des südafrikanischen Krieges ferner liegt, ' als die britische Regierung einzugestehen gewillt ist. Unter den Schwarzen Südafrikas nimmt die euglaud- feindliche Bewegung zu, namentlich gährt es unter den Basutos gewaltig. Lord Kitschener hat bereits alle Vorbereitungen zu einer Straferpedition gegen die Auf­ständischen getroffen, Das fehlte ihm ja auch noch, um sein Unglück voll zu machen, Von den Bermudas-

Inseln ist eine große Anzahl gefangener Buren mit Unterstützung der dortigen Bevölkerung entflohen. Die Inseln bilden ein eigenes britisches Gouvernement. Wie England die Rekrutenstiehlt". In der amerikanischen Presse werden vielfach Beschwerden er­hoben über Anwerbung von jungen Amerikanern für die englische Armee in Südafrika. Es handelt sich meist noch um gauz junge Burschen, die sich die eng­lische Regierung durch ein Stellenvermittellungsbureau in St. Louis besorgen lasse, das für jeden Burschen

1 2 Mk. Blutgeld erhalte. Sie werden angeblich als Maulthierwärter engagiert und auf die Schiffe gebracht, auf denen England die in Amerika gekauften Pferde und Maulesel nach Südafrika versendet. Sobald sich jedoch das Schiff der Küste Südafrikas nähert, wird den Burschen die Mittheilung gemacht, daß sie nur dann aus Land könnten, wenn sich sie auffden Schiffs­papieren als englische Unterthanen einschreiben lassen. Das nächste ist, daß man sie als englische Unterthanen in den Militärdienst steckt!

Von Vergeltungsmaßregeln Bothas sprechen in London eingelaufene Privatmeldungen aus Südafrika. Botha lasse in letzter Zeit die gefangenen englischen Offiziere und Soldaten nicht mehr laufen, sondern hält sie in Gewahrsam, um für jeden Fall Geißeln zur Hand zu haben. Bocha soll ferner dem Lord Kitchener die Mittheilung gemacht haben, daß er diese Geißeln Mann für Mann erschießen lassen wird, und zwar für jeden Buren oder Afrikander, der von den Eng­ländern zum Tode durch den Strang oder die Kugel verurtheilt wird. Immerhin ist es auffällig, daß in der letzten Zeit Kitchener fortwährend die in der Kap­kolonie gefällten Todesurtheile in lebenslängliche Zucht­hau. strafe oder Verbannung umgewandelt hat.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 10. Dez..

* Herr Kantor Anacker legt feines hohen Alters wegen zum 1. Januar k. J. sein Amt als Organist an der hiesigen evangelischen Kirche nieder. Derselbe hat dieses Amt feit dem 1. März leöa verwaltet. Als Nachfolger ist Herr Lehrer König bestellt worden.

* Eine Polizeiverordnung vom 13. Nov. d. J. über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen (Kraftwagen und Krafffahrräder) tritt für die Provinz Hessen-Nastau am 1. Januar lOeR in Kraft.

* - Strafkammersitzung vom 5. Dezbr. Wegen Vergehen aus § 1 <6 wurde der Maurer Jöckel aus Ahlersbach zu 2 Monaten Gefängniß verurteilt.

Bad Ord. In einer am Sonntag abgehaltenen Versammlung des Viehversicherungs-Vereins teilte der Vorsitzende Herr Schweißer mit, daß das Mitglied Herr E. Schneewels gesonnen sei, eine den hiesigen Verhält­nissen entsprechende Molkerei zu gründen. Das Pro­jekt wurde von den Anwesenden mit Freuden begrüßt.

Birstein. Prinz Leopold zu Jseuvurg-Birstem hat sich in Heidelberg mit der Prinzessin Olga von Sachsen- Weimar, Herzogin von Sachsen, verlobt.

Aus Oberhesse». Ueber den geplanten neuen Truppenübungsplatz für das 18. Armeekorps, für den im Militäretat für lyu2 die Kosten der vorläufigen Verhandlungen und der Entwurfsbearbeitung zur Er­werbung eines neuen Uebungsplatzes ausgenommen worden sind, können wir folgende näheren Mittheilungen machen: Bekanntlich kommt dafür das Gelände der Orte Rüddingshausen im Kr. Gießen und Wermerts- Hausen im Kreise Marburg in Betracht. Das Terrain bildet eine wellige Hochfläche von a404uu Meter Höhe über den Meeresspiegel. Der wichtigste Theil des Operationsfeldes würde wohl die Gemarkung Rüddingshausen sein. Sie faßt beinahe 3UiO Morgen und ist erst kürzlich bereinigt worden. Durch die Feld- bereiniguug, die einen Kostenaufwand von ungefähr 6U uuu Mk. verursachte, ist der Preis des visher billigen Feldes erheblich gestiegen. In Rüddiugs- Hausen haben die Herren von Norddeck zur Rabeuau einen Pachthof mit über öuu Morgen Land. Wermerts- hausen ist kleiner als Rüddingshausen. (W. etwa 3uu, R. etwa 7du Einwohner) und hat etwa öUu Morgen Feld. Die ganze Fläche ist mit ausgedehnten Waldungen umgeben. Aus preußischem Boden findet man Staats­wald, auf hessischer Seite Freiherrlich Rabenau'schen und etwas Gemeindewald (zu Rüddingshausen gehörig,