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WSchternerAitung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

98. Samstag, den 7. Dezember 1901. 52. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Berlin. Kaiser Wilhelm hat Mittwoch Vor­mittag seine Jagdreise nach Schlesien angetreten, zu­nächst nach Moschen. Die Kaiserin machte am Mitt­woch neue Weihnachtseinkäufe in Berlin.

Als Zeichen der Zeit wird aus Köln berichtet: 875 landwirthschaftliche Arbeiter sind letzter Tage in ihre Heimath, den Osten, zurückgefahren. In nächster Zeit werden weitere 600 Arbeiter die Rückreise antreten.

Aachen. Eine neue Version über das Attentat auf den Aachener Personenzug wird aus Aachen gemeldet. Danach war wieder einmalDämon Gold" der An­stifter einer Katastrophe, die so viel Unheil gebracht hat. Einen: Aachener Blatte zufolge wird vermuthet, daß es bei dem Zugattentat auf Raub abgesehen worden war. In den: betreffenden Personenzuge be­fanden sich zwei Passagiere mit mehreren Millionen Mark in Gold und Werthpapieren, während die Eil­güterwagen Werthsendungen von mehreren hundert­tausend Mark enthielten. Die Untersuchung wird hoffentlich bald Licht in das Dunkel dieser Affaire bringen.

Düsseldorf. Wegen des Verbrechens der Nothzucht und Mißhandlung bezw. Beihülfe hierzu hatten sich sieben junge Leute vor dem Düsseldorfer Schwurgericht zu 'verantworten. Das betr. Verbrechen ist an einem jungen Mädchen verübt worden, das infolgedessen irr­sinnig geworden ist. Das Gericht sprach einen der Angeklagten frei und verurtheilte die übrigen zu Strafen von 5 Jahren Gefängniß bis zu 10 Jahren Zuchthaus.

Metz. Der Kaiser hat einen inaktiven Leutnant jum wirklichen Regierungsrath bei der Regierung in Lothringen ernannt. Darob große Verwunderung, da man bisher nur gewöhnt war, daß der Titel.....Re- gierungsrath auch au nicht bei der Regierung be­schäftigte Beamte vom Kaiser verliehenswurde. Im vor­liegenden Falle ist aber ein Nichtstudirter wirklicher, also nicht blos titulirter, Regierungsrath geworden.

Aus Sachse». Eine Dresdener Verwaltungsbehörde hat an die ihr unterstellten Beamten die ernste Mahn- ung gerichtet, die Vergnügen in den Beamten-Ver- einigungen in Anbetracht der mißlicheu Zeitverhältnisse auf das geringste Maß einzuschränken. Ferner ist den Beamten nahegelegt, nicht, wie das üblich, in mehreren Vereinen einzutreten. Wie dasLeipziger- Tageblatt" erführt, ist von der Staats-Eifenbahn-Ver- Waltung die gleiche Mahnung an die Beamten ergangen.

Meiningen, 2. Dezember. Die Lehrerschaft des Herzogthums Sachsen-Meiningen hatte vor einiger Zeit an das Staatsministerium eine Eingabe gerichtet mit dem Antrag, die Gemeinden sollten die Haftpflicht übernehmen für Entschädigungsansprüche, welche infolge etwaiger Unfälle beim Turnunterricht, Ausflügen u. f. W. geltend gemacht würden. Darauf hat das Ministerium nunmehr die Antwort ertheilt, es halte sich nicht für befugt, den Gemeinden eine solche Haftpflicht auf- zuerlegen. '

Ausland.

Vom Kap. Aus den Gefangenen-Lagern wird über Durban gemeldet: Seit langen Wochen entkam, wie erst jetzt herauskommt, weil es regierungsseitig auf das sorgfältigste geheim gehalten wurde, fortwährend eine große Anzahl von in der: Konzentrationslagern inter- nirten angeblich freiwilligen Burenkapitulanten und ebenso zahlreiche gefangene Buren aus den eigentlichen Gefangenlagern, weil alle irgendwie verfügbaren eng­lischen Truppen, welche bisher diese Lager bewachten, von Kitchener nach dem Kriegsschauplatze eiligst heran­gezogen wurden. Alle diese Flüchtlinge stießen zu deu lm Felde stehender: Buren, ebenso gingen fortgesetzt starke Trupps von Kapholländern nordwärts und stießen zu verschiedenen Burenkommandos. Und da reden englische Minister von einem allmählichen Nachlassen und baldigen Schwinden des Aufstandes in der Kap­kolonie ! Allen an den südafrikanischen Küsten landen­den Fremden ist die Weiterreise in die Kapkolonie oder die beiden Buren-Republiken untersagt worden. Der Besuch dieser Gebiete wird nur noch gegen be­sonderen Erlaubuißschein gestattet.

Newyork, 3. Dez. Im Newyorker Hafen machte das neue UnterseebootFulton" eine erfolgreiche Probefahrt. Es blieb 15 Stunden unter Wasser.

und Diverses 92 003 Centner, Futterartikel 55 936 Centner, in Summa 147 939 Centner Konsuniartikel. Der Versuch mit den Kornhäusern hat sich in Hessen bewährt, das steht heute schon fest upd ^.nn sich der Staat nach Ablauf der fünfjährigen Pau-cheriode bereit finden läßt, die Kornhäuser auf weitere fünf Jahre den Genossenschaften zu verpachten, so wird dann der Erwerb in Eigenbesitz vor sich gehen können und die heimische Landwirthschaft wird aus eigener Kraft das gemeinsam mit dem Staat begonnene Werk fortsetzen. ^Die günstigen Resultate einerseits, anderseits das starke Bedürfniß haben bereits in verschiedenen Theilen des Regierungsbezirkes Anregung zu Neu- gründungen gegeben. Festere Gestalt hat die Sachein Fulda und Marburg gewonnen, so daß die Maschen des über Hessen gespannten Netzes von Kornhäusern im neuen Jahre hoffentlich etwas enger werden. Am dichtesten ist bis jetzt das nördliche Hessen mit Kornhäusern be­setzt. Hier finden wir in Cassel, Hofgeismar, Wolf­hagen, Kreis bei Kreis ein Kornhaus, so daß hier das Bedürfniß vollkommen befriedigt ist. Für Süd­hessen dürfte, da hier der Getreidebau verhältnißmäßig geringer ist, das Kornhaus Hanau noch eine Weile genügen. Nicht so ist es in dem mittleren Theil des Bezirks, wo nur und zwar an der Ostgrenze der Kreis Eschwege in Hoheneiche ein Kornhaus hat. Es ist demnach freudig zu begrüßen, daß man für die alten hessischen Provinzen Fulda und Oberhessen daran geht, neue Genossenschaften zu gründen. Für später dürfte dann als nächste Gründung ein Kornhaus für die Kreise Fritzlar und Homberg und den westlichen Theil des Kreises Melsungen in Aussicht zu nehmen sein, wodurch nach und nach der alte Plan, jedem Kreis ein Kornhaus zu schaffen, verwirklicht würde.

Mottgers. Nachdem schon seit längererZ-U mehr­fach seitens der hiesigen Gemeinde mit der Königlichen Eisenbahndirektion zu Frankfurt a. M. Verhandlungen geführt waren, behufs Erlangung einer Haltestelle an der hier vorüberführenden ElmGemündener Eisen­bahn, sind dieselben nunmehr zu einem befriedigenden Ergebniß gelangt uud der geforderte Beitrag der Ge­meinde ist einbezahlt worden. Somit dürfte der Aus­führung der erforderlichen Arbeiten hoffentlich nichts mehr im Wege stehen und die Eröffnung der Halte­stelle in kurzer Zeit erfolgen.

Fulda, 2. Dez. Die Stadt Fulda beabsichtigt, der Errichtung eines Elektrizitätswerkes näher zu treten und richtet durch Cirkulare Anfragen an die Ein­wohnerschaft, ob und wieviel elektrische Energie für Licht- und Kraftzwecke der Einzelne einem event. Hier­zu erbauenden Werke entnehmen würde.

Cassel, 2. Dez. Für solche Wirthe, welche die ekelhafte Bierpanscherei (Wiederauffüllung stehen ge­bliebener Bierreste) nicht lassen zu können meinen, diene folgendes Erkenntniß der Casseler Strafkammer zur eindringlichen Warnung. Auf Anzeige eines bisher bei ihm in Diensten gestandenen Kellnerlehrlings hin hatte sich heute der Gastwirth Heinrich L. zu Wilhelms- Höhe wegen Bierpanscherei zu verantworten. Nach den Bekundungen dieses Lehrlings und nach denjenigen eines während der Saison beschäftigt gewesenen Kellners sollte L. sowohl das während des Tages von den Gästen in ihren Gläsern stehen gelassene, als auch das aus dem Büffethahn tröpfelnde Bier auf Flaschen ge­füllt, diese auf Eis gelegt und dann am anderen Tage dieses Bier den Gästen wieder vorgesetzt haben. Das Urtheil lautete auf 300 Mark Geldstrafe event. 60 Tage Gefängniß.

Gilsa (Kr. Fritzlar), 3. Dezbr. In einer unfern unseres Dorfes belegenen Sandgrube wurde gestern Morgen die Arbeiterin Th. beim Saudholen verschüttet. Etwa 8 Mtr. Sand schütteten sich auf die Unglückliche, die bis über die Arme im Erdreich steckte. Als mau sie ziemlich befreit hatte, gab das lockere Erdreich abermals nach, und große Sandmassen stürzten sich auf die Unglückliche, sie bis hoch über den Kopf mit Sand bedeckend. Die Unglückliche konnte erst spät Abends als Leiche geborgen werden. Sie hinter­läßt drei unerzogene Kinder.

Frankfurt, 1. Dezbr. In Norddeutschen Blättern wird die Nachricht verbreitet, daß das nächstjährige Kaisermanöver wieder in der Umgegenb von Frankfurt stattfinden werde. Wie derFrkf. Ztg." auf eine Anfrage beim hiesigen Generalkommando des 18. Armee«

Die Theilnehmer an der Fahrt speisten in dem Raum, und spielten Karten. Bei der Löschung der Fracht des DampfersPalatia" wurde ein Mann in einer Kiste eingenagelt gefunden. Er war in Folge von Hunger und Durst bewußtlos. Er hatte fünfzehn Tage in der Kiste zugebracht. Der Mann heißt Johann Beck und ist aus Budapest.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 6. Dez..

* Wir weisen darauf hin, daß die Geschäfte Morgen Sonntag den 8. Dezember bis Abends 7 Uhr und an den Sonntagen den 15. und 22. Dezember bis Abends 8 Uhr geöffnet sind.

* Die beiden im März und April nächsten Jahres hier stattfindenden Rindviehmärkte werden mit einem Schweinemarkt verbunden. Die höhere Genehmigung dazu ist bereits ertheilt.

* Postkarten nach der Schweiz. Die schweizerische Postverwaltung achtet neuerdings streng darauf, daß die Postkarten genau das Format von 9:14 cm. ein­halten. Sie behandelt aus dem Auslande einkommende Privatpostkarten, sobald sie diesem Format, dem der Weltpostkarte, nicht entsprechen, als ungenügend frankierte Briefe und belegt sie mit einem Nachporto Vou 25 Cts.

* Alters- und Invalidenversicherung. Um vielleicht den einen oder den anderen unserer Leser vor Nach­theilen zu bewahren, erinnern wir daran, daß die Quittungskarten zur Alters- unb Jnvaliden-Ver- sicherung, welche vor dem 1. Januar 19*. 0 ausgestellt sind, unbedingt bis zum 31. Dezember umgetauscht werden müssen. Geschieht dies nicht, so ist der An­spruch auf Rente erloschen. Er beginnt erst wieder nach wiederersolgter Einklebung von 200 VersicherungS- marken.

* Eine wichtige Vorschrift des neuen Rechts ist die über die Haftung des Thierhalters für den durch das Thier hervorgerufene Schaden. Das Oberlandesgericht in NaumbuLg a. d. S. hat in einem Erkenntniß aus­geführt, für die Feststellung der Haftung ist es nicht erforderlich, daß die Thätigkeit des Thieres die einzige Ursache des Schadens sei; vielmehr ist der ursächliche Zusammenhang dann stets gegeben, wenn der Schaden ohne die Thätigkeit des Thieres nicht entstanden sein würde, zum Beispiel auch dann, wenn die verletzte Person, um dem schnellfahrenden Gefährt auszuweichen, bei Seite gesprungen ist und sich dabei die Verletzung zugezogen hat. Ebensowenig macht es einen Unter­schied, ob das Thier aus eigenen: Antrieb thätig geworden oder durch einen Anderen zu seiner Thätigkeit veranlaßt worden ist und dadurch den Schaden verursacht hat, wie bei ungeschicktem und unvorsichtigem Lenken eines Pferdes. In diesem Fall ist zwar auch der unvorsichtige Lenker als Aufsichtspflichtiger nach § 834 des Bürgerlichen Gesetzbuchs verautwvrtlich, allein durch die Haftbarkeit desselben wird der Thier­halter von seiner Ersatzpflicht nicht befreit, da er nach dem aus der Entstehungsgeschichte sich ergebenden Sinn des Gesetzes schlechthin die Gefahr für allen Schaden, den das Thier anrichtet, übernehmen soll. Thierhalter und Aufsichtspflichtige haften dem Verletzten gegenüber nebeneinander als Gesammtfchuldner und es steht im Belieben des Verletzten, wen und in welcher Höhe er jeden Einzelnen in Anspruch nehmen will.

* - Ueber die im Regierungs-Bezirk Cassel be­stehenden fünf Kornhäuser Bettenhausen, Hofgeismar, Zierenberg, Hanau und Hoheneiche befinden sich in den: soeben der Öffentlichkeit unterbreiteten Jahres­bericht des Verbandes ländlicher Genossenschaften Raiffeisenscher Organisation interessante Angaben. Der Kaffenumsatz betrug im abgelaufenen Geschäftsjahre in den: Kornhause Bettenhausen 44917 Mk., Hofgeismar 170191 Mk., Zierenberg 187 198 Mk., Hanau 1 050 786 Mk., Hoheneiche 143 607 Mk., mithin Ge- fammtumschlag von 1 597 699 Mk. In: Ganzen wurden in 2503 Poster: 135 692 Ceutner gegen 1941 Posten 128 722 Centner im Vorjahre an Getreide an die Kornhäuser angefahren. Der Posten betrug also im Durchschnitt ca. 54 Centner. Der Durchschnitts­posten hat sich demnach gegen das Vorjahr um 12 Centner verringert, sicher ein Beweis dafür, daß die Kornhaussache unmer mehr das Vertrauen der kleinen Landwirthe gewinnt. Der Waarenverkehr gestaltete sich folgendermaßen: Es wurden verkauft künstliche Dünger