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WuchternerZettung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

.M 97. Mittwoch, den 4. Dezember 1901. 52. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 3654 K.=A. Die Herren Bürgermeister von Elm, Gundhelm, Herolz, Hütten, Oberzell, Vollmerz und Züntersbach, welche hier das WerkQuednau, Kommentar zum Stempelsteuergesetz" bestellt haben, werden aufgefordert, das Buch gegen Zahlung von 5,43 Mk. hier binnen 8 Tagen abholen zu lasten, oder 5,73 Mk hier einzuzahlen, woraus portofreie Zu­sendung erfolgt.

Schlüchtern, den 28. November 1901.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser ist mit seinem Gefolge von der Hofjagd in der Göhrde wohlbehalten wieder nach dein Neuen Palais bei Potsdani zurückgekehrt. Geschossen wurden auf der Jagd 74 Rothhirsche, 75 Stück Wild, 393 Sauen und 2 Rehe. Der Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich ist über Dresden nach Wien zurückgekehrt.

* Die vom preußischen Handelsminister be­absichtigte Neuregelung des AuktionsweseNs enthält verschiedene einschneidende Neuerungen. Dem Ver­steigerer wird darin u. a. das Ankaufen von Waaren zum Zwecke der Versteigerung untersagt. Versteiger­ungsaufträge, die eine Täuschung oder Schädigung des Publikums bezwecken, müssen abgelehnt werden. Jeder Versteigerer ist verpflichtet, ein nach einem be- stiminten Formular eingerichtetes Geschäftsbuch zu führen. Weder dem Versteigerer, noch seinen Angehörigen ist das Mitbieten gestattet. Der Versteigerer hat sich jedes unlauteren Geschäftsgebarens, insbesondere des trügerischen Anpreisens der zu versteigernden Gegen­stände, der Verleitung zum Ueberbieten durch Aufswuuug von Personen, die zum Schein mitbieten, zu enthalten. Vorgeschobene Personen können nöthigenfalls durch die Polizei entfernt werden.

Hamburg, 30. November. Im Bismarck'schen Schloß Friedrichsruh brach in der Nacht zum Freitag Feuer aus, das erst nach sechsstündiger Thätigkeit der Feuerwehr gelöscht werden konnte und großen Schaden anrichtete. Die Ursache des Brandes ist noch nicht ermittelt.

Bei Düreu (Rheinland) fand eine Zugentgleisung statt, bei der außer großem Materialschaden 5 Personen getödtet und 14 zum Theil schwer verletzt worden. Die bereits ausgesprochene Vermuthung, daß das Eisenbahnunglück durch Verbrecherhand herbeigesührt worden sein könnte, ist nunmehr zur Gewißheit ge­worden. Neben dem Geleise lagen alte Schwellen, von denen eine quer über das Geleise gelegt worden war, und dadurch ist die Entgleisung herbeigeführt worden. Ferner wurde ein langes Stück einer alten, auf dem Bahnkörper gelagert gewesenen Schiene aus­gefunden, sodaß man es mit einem regelrecht ange­legten teuflischen Plan zu thun hat, diesen gewöhnlich gut besetzten Zug zur Entgleisung zu bringen. Die Untersuchung ergab, daß die Eisenbahnschiene mittelst eines starken Drahtes der Länge nach auf der Gleis­schiene befestigt war. Die Schiene hat ein Gewicht von 5 Ctr. was die Betheiligung von mehreren Personen an dem teuflischen Anschläge voraussetzt. Bisher hat man von den Verbrechern keine Spur.

Bochum. Nix deutsch. DieBochumer Zeitung" schreibt: Die Bergpolizeibehörde erließ vor längerer Zeit eine Verordnung, welche die Kenntniß der deutschen Sprache für Bergarbeiter unter Tage vorschreibt. Im Sinne dieser Verordnung ist auch die Staatsanwalt­schaft angewiesen worden, jeden Zeugen, der vor Ge­richt erklärt, unter Tage zu arbeiten, aber der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein, der Bergbehörde auzu- zeigen. Obwohl diese Verordnung des längeren besteht und den Bergleuten gut bekannt ist, mehren sich in letzter Zeit auffallend die Fälle, daß vornehmlich polnische Bergarbeiter hartnäckig vor Gericht die Kenntniß der deutschen Sprache in Abrede stellen und einen Dolmetscher verlangen. Wie gut sie aber in den meisten Füllen deutsch verstehen und sprechen, trat letzter Tage wiederum in einer Verhandlung vor der hiesigen Berufungskammer klar zu Tage. Mehrere polnische Bergarbeiter verneinten energisch, Deutsch zu können. Als sie aber von dem Vorsitzenden auf die obengenannte Verordnung und deren Folgen

hingewiesen wurden, redeten sie Deutschwie ein Buch". Der Vorsitzende unterließ nicht, dieses Gebühren als Unverfrorenheit sondergleichen" zu charakterisiren.

Von der Ruhr. Welche Schätze noch in dem Ge­birge südlich der Ruhr der Erschließung harren, davon legt eine Eingabe der Aemter Sprockhövel, Haßling- Hausen und Volmarstein an das preußische Eisenbahn- ministerium Zeugniß ab, in der diese Aemter um eine Eisenbahnverbindung bitten. Es wird darin nachge­wiesen, daß in diesem Gebiet nicht weniger als 21 Millionen Kubikmeter, oder 840 Millionen Zentner Sandstein und 580 Millionen Centner Kohlen ab­gelagert sind.

Steelc. Von Löwen zerrissen wurde der Löwen­bändiger Nordsieck, der unter dem Artistennamen Macdonald auftrat. Er führte, wie üblich, in dem Thierpark bei Steele seine sieben Löwen vor, die aber diesmal dem Bündiger nicht gehorchten, sondern ihn angrisfen und in wenigen Augenblicken tödteten.

Weimar, 29. November. Die Schmiedemeister Hoff- mann'schen Eheleute in Haßleben fanden heut früh ihr 16 Wochen altes Kind tobt in seinem Bette liegen. Eine Katze, die sich in die Kammer geschlichen, hatte sich auf das Gesicht des kleinen Wesens gelegt und es erstickt.

Aus Forst in der Laufitz erhält dieFrkf. Ztg." folgende Meldung: In religiösem Paroxismus ent­halten sich in dein nahen Dorfe Datten 9 Personen, die Familienangehörigen des Bauers Kaschke, Vater, Mutter, ein 18jähriger Sohn, eine 15 jährige Tochter, die Magd und 4 Bauernfrauen, seit Samstag aller Speise. Ein kürzlich vom Militär losgekommener Sohn Kaschkes, der den Humbug nicht mitmachen wollte, wurde von den fanatischen Menschen schwer mißhandelt Der Gemeindevorstand mußte Anord­nungen treffen, damit der Viehbestand Kaschkes nicht Hunger leide. Zwei Ortseinwohner theilen sich in der Arbeit der Fütterung. Donnerstag wurde Frau Katschke todt aufgefunden. Ihr Gesicht war blut­rünstig. Die Todesursache wird erst amtlich festgestellt werden. Ueber der Leiche liegen die anderen Pers onen in religiösen Verzückungen. Es ist ein furchtbarer Anblick und die Behörde hat Anordnungen getroffen, daß alle Personen vorläufig ins Hospital transportiert werden. Die kranken Menschen gehören der Sekte der Jrvingianer an.

Würzburg. DerStadt- und Landbote", das zweit- älteste Blatt hier, welches vor 15 Jahren noch die am meisten verbreitete Zeitung Unterfrankens war, wird lautFrünk. Kurier" am 3l. Dezember zum letzten Mal erscheinen.

Ausland.

New-Dork. Eine entsetzliche Eisenbahnkatastrophe, die in ihren Dimensionen das amerikanische Gepräge nicht verleugnet, wurde aus Detroit durch ein Tele­gramm gemeldet: Auf der Wabash, St Louis und Pacificbahn stieß in der letzten Nacht in der Nähe von Seneca ein mit Einwanderern besetzter Zug mit einem anderen Zuge zusammen. Die Wagen des Einwander- zuges wurden zertrümmert und gerieten in Brand. 8U Personen sollen ums Leben gekommen und 150 verletzt sein, davon 25 schwer. Der andere Zug wurde ebenfalls schwer beschädigt. Die Schuld an dem Eisen­bahnunglück trifft den Einwanderzug, der von der Station Seneca weiterfuhr, während er auf das Ein­treffen des anderen Zuges hätte warten müssen.

Vom Kap. Von den Ereignissen auf dem süd­afrikanischen Kriegsschauplatze auch nur einigermaßen anschauliche Berichte in die Heimath gelangen zu lassen, hält Lord Kitchener schon seit längerer Zeit für gänzlich überflüssig. Wenn wir weiter gar nichts weiter wüßten, so könnten wir doch aus der Art der Kriegsberichte ersehen, daß Lord Kitchener müde ist und sich ausruhen möchte. Bedenkt man, wie schrecklich die Streitmacht des Generalissimus zusammeugeschmolzeu ist und wie muthig und ungeschwächt die Buren weiter­kämpfen, dann braucht man sich über die Hoffnungs­losigkeit Kitcheners nicht weiter zu wundern; er weiß ganz gewiß, daß in Südafrika keine Lorbeeren weiter zu holen sind. 44000 Raffern sind einer Meldung derTägl. Rundsch." zufolge in 25 Lagern des Oranje- freistaats untergebracht. Die Kaffern sollen als Feld-.- arbeitet Verwendung finden und Arbeitsdienste bei den

englischen Truppen verrichten ; d. h. doch Wohl: auf die Buren schießen. Zur englischen Kriegführung war gemeldet worden, daß die britischen Truppen bei dem Zusammentreffen mit einer stärkeren Burenabtheilung sich vor deren Geschossen dadurch zu schützen suchten, daß sie Burenfrauen und deren Kinder zwischen sich und der feindlichen Abtheilung aufstellten. Nun er­klärt Lord Kitchener auf Anfrage eines Londoner Blattes, wie derVoss. Ztg." gemeldet wird: Die Behauptung ist vollkommen unwahr und jeder Be­gründung bar. Ein Kind wurde getödtet und ein Kind und eine Frau durch Buren verwundet. Dieses angebliche Dementi klingt doch äußerst verdächtig und scheint eher eine Bestätigung als eine Widerlegung der über die beispiellose englische Kriegstaktik gemachten Burenmeldungen zu sein. Wie sollten denn die Buren dazu kommen, ihre eigenen Frauen und Kinder zu tödten oder zu verwunden, wenn diese eben nicht als Schutzwehr vor die Front der Engländer gestellt würden? Dieser Widerspruch muß unter allen Umständen auf- gehellt werden.

Venezuela. Castro, der Venezuelanische Abenteurer, dem es gelang, die Präsidentschaft der südamerikanischen Republik Venezuela an sich zu reißen, soll sich mit einem Riesenplan tragen: Kolumbien und Ecuador mit seiner Republik zu vereinigen und selbst der Diktator zu werden. Wenn erst dieses vollbracht ist, so glaubt er, daß Peru und Bolivien sich dem neuen Staatenbunde aus eigenem Triebe anschließen würden. Dann be­stände anstatt fünf schwacher, stets unruhiger Republiken ein Reich mit nahezu 14 Millionen Einwohnern und fast von einer Ausdehnung, wie die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika. Der Staat, von dem Castro träumt, wäre der drittgrößte Amerikas, da nur die alte Union im Norden und Brasilien im Süden ihm überlegen fein könnten. Die Vereinigung würde übrigens nur die alte Kolumbische Republik wiederherstellen, die von Bolivar gegründet, bei seinem Tode rasch wieder in Stücke ging, Es ist gar nicht lange her, seitdem Castro als ein Geächteter im Innern Venezuelas Herumirrte und fast täglich Gefahr lief, den Behörden ausgeliefert zu werden. Er war weiter nichts als ein Alltags- Revolutionär, der zum Tode verurteilt worden war. Er ist aber jedenfalls ein Organisator von mehr als gewöhnlichem Talent, und seinpolitisches Gewissen" macht ihm keine Sorgen. Feuer und Schwert ver- halfen ihn zum Präsidentenstuhl, den er vor zwei Jahren erreichte.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 3. Dez..

* Die Einberufung des Kommunallandtages für den Regierungsbezirk Casfel ist, dem Vernehmen nach, für den 17. Februar 1902 in Aussicht genommen.

* Die in voriger Nr. ds. Bl. veröffentlichte General-Versammlung des landwirthschaftlichen Kreis­vereins und der Zuchtgenossenschaft ist vom 11. De­zember auf den 1». Dezember verlegt.

* Nächste Woche, und zwar den 13., 14. und 15. Dezember, verunstaltet der hiesige Kriegerverein große Kriegsfestspiele, wobei ca. 5u Personen mit­wirken werden. Näheres werden die zur Vertheilung kommenden Zettel, sowie die Inserate mittheilen.

* Am Samstag Abend wurde ein hiesiger Bäckermeister mit seinem Fuhrwerk auf dem Wege zwischen Elm und Gundhelm von zwei Personen über­fallen. Der eine der Wegelagerer fiel dem Pferde in die Zügel und der andere wollte aus den Wagen steigen. Der Ueberfallene gebrauchte aber die Peitsche, hieb auf5 Pferd los und entkam so den Strolchen.

* Gefundenes Geld. Auf eine sichere und sorg­fältige Verpackung der Postsendungen kann nicht oft und dringend genug hingewiesen werden, und besonders ist dies sur bevorstehenden Weihnachtszeit erforderlich. Bedenkt man, wie viel Aerger und Weiterungen durch eine sorglose Umhüllung eines Versendungsgegenstandes entstehen können, dann wird man sich gern dieser geringen Mehrarbeit beziehungsweise der Mehrausgabe für eine dauerhafte Verpackung unterwerfen. Es ist kaum zu glauben, daß jährlich eine hübsche Summe baren Geldes, das Postsendungen entfallen ist, in den Bahnpostwagen, Perronkarren, Packkammern u. f. w. aufgefunden wird. Im Amtsblatt des Reichpostamts werden in einer fast ständig gewordenen RubrikAi^-