WüchtemerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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94. Samstag, den 23. November 1901. 52. Jahrgang.
Kt»^<»l!nna^ auf die „Schlüchterner Zeitung' werden noch fortwährend von allen s............. Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser ist nach Beendigung der großen Hofjagden in den Forsten von Letzlingen nach Pots- bam zurückgekehrt. Auf der Jagd wurden im Ganzen 890 Stück Damwild und 236 Saiten zur Strecke gebracht ; der Kaiser selbst schoß 65 Schaufler und 18 Sauen.
— Ueber den preußischen Forstfiskus und die Krisis auf dem Holzmarkt wird der „Boss. Ztg." von einem Fachmann geschrieben: Der Forstfiskus wird, so wenig er auch sonst geneigt ist, auf die Bedürfnisse des Handels Rücksicht zu nehmen, in seinem eigenen Interesse gezwungen sein, die mißliche Lage des deutschen Holzhandels zu studiren und durchgreifende Aenderungen in der bevorstehenden Einschlagsperiode, in der Modellierung der Langhölzer und in der Klassifizierung nach dem Festmeterinhalt vorzunehmen. Was kein Petitionssturm der Holzhändlervereine und der hervorragendsten Firmen durchzusetzen vermocht hat, das werden die harten Thatsachen zu Wege bringen. Die Schneidemühlen, die Hauptkunden des Forstfiskus von der Weichsel bis zur Odermündung, besitzen nach einer Berechnung, die zwar keinen Anspruch auf absolute Genauigkeit machen kann, aber sicherlich nicht zu hoch greift, einen unverkauften Bestand von 18 Millionen Stück Stamm- und Zopfbrettern. Die eingefleischtesten Optimisten im Holzhandel geben nunmehr zu, daß von einem Massenkauf in den bevorstehenden forstfiskalischen Berkaufsterminen und gar von einer Herausbietung der staatlichen nach dem Festmeterinhalt geformten Taxen nicht die Rede sein kann.
— Bon Verkehrselend in der deutschen Südsee
schreibt Ernst v. Hesse-Wartegg in der „Voss. Ztg.": Seit der Besitzergreifung von Samoa durch das Deutsche Reich sind anderthalb Jahre verflossen, und noch immer ist diese Colonie ohne irgend welche halbwegs genügende Verbindung mit der Außenwelt. Die Dampfer der Oceanic-Dampfergesellschaft haben Apia zu Gunsten des weitab liegenden amerikanisch gewordenen Hafens Pago aufgegeben, und der Gouverneur von Deutsch-Samoa mußte den einzigen verfügbaren Privatdampfer, ein elendes, gebrechliches Fahrzeug, miethen, um die Post- und Passagierverbindung im Anschluß an die Oceandampfer in Pago überhaupt aufrecht erhalten zu können. Nicht einmal für den Verkehr zwischen den beiden deutschen Hauptinseln Sawai unb Upolu ist das geringste Fahrzeug. vorhanden. Noch schlimmer liegen die Verhältnisse in Neuguinea und Bismarckarchipel. Wohl sendet der Norddeutsche Lloyd alle zwei Atonale von Siugapore und Si^ney aus Dampfer durch das Schutzgebiet, um so wenigstens den Verkehr mit der Außenwelt aufrecht zu erhfllteu — allein im Schutzgebiet selbst giebt es keinen /einzigen Regierungs- oder Privatdampfer. Der Gouverneur hat ein Landgebiet von der Größe des halbes Deutschen Reichs zu verwalten, das auch noch über/eine Fläche von der Größe Europas (Rußland ausgfenommen) verteilt ist, er hat Strafexpeditionen ouMführeu, denn alle Monate wird dort von den eingeborenen Menschenfressern ein Handelskutter ausge- Nbt oder ein Händler ermordet und verspeist, er hat die/ Inseln zu verwalten, das Richteramt auszuüben u»d dergleichen, und es steht ihm und seinen Beamten M nicht das geringste eigene Fahrzeug zur Ver- Hung! Wohl hat das Reich die Mittel zu einem Wgierungsdampfer schon vor anderthalb Jahren be- Migt, es wurde ein solcher Namens „Stephan" auch ^geschafft, als er aber in Herbertshöhe kürzlich eintraf, ükwies er sich als vollständig seeuntüchtig nnd um ^ruchbar. Wie sich unter solchen Umständen die so M versprechenden Südseekolonien entwickeln sollen, ’it «in Räthsel. Es wäre wahrhaftig an der Zeit, daß ?»Lkeichstag sich mit der Sache befassen würde, Wli die Kolonien nicht auf den Standpunkt der Mugiesischen Kolonie herabsinken.
(Die Reichspost.) Nach dem letzten Bericht M Reichspostverwaltung an ben Kaiser umfaßte das Beamtenheer derselben 194,256 Personen. Postan- talten waren 32,045, Telegraphenanstalten 16,419 vorhanden. Posthaltereien gab es noch 969, Postillone
4391, Posthaltereipferde 6983, Pferde der fahrenden Landbriefträger 2381. Orte mit Fernsprech-Ver- mittelungs-Anstalten gab es 2257, öffentliche Fern- sprechstellen 12,951, Sprechstellen 241,676 und Fern- sprechapparate 250,778.
— Der Mangel an Unteroffizieren nimmt, wie dem „Berl. Tgbl." geschrieben wird, für die preußische Heeresverwaltung einen geradezu beängstigenden Charakter an. Fortgesetzt sinnt daher die oberste Militärbehörde auf Mittel, das Unteroffizierskorps wieder zu stärken. Um den Unteroffizieren mehr als bisher Gelegenheit zu bieten, sich für den späteren Dienst bei den Behörden auszubilden, soll innerhalb der Brigaden, ganz unabhängig von den Regimentskapitulantenschulen, eine dreiklassige Brigadeschule eingerichtet werden, in der auch Unterricht im Französischen und Englischen ertheilt werden soll. Wer die erste Klasse mit „Gut" verläßt, soll als Militäranwärter gelten mit der Vergünstigung, bei seinem Eintritt bei einer Behörde von der Aufnahmeprüfung befreit zu sein. Ferner soll beabsichtigt sein, daß sich der Unteroffizier schon mit Beendigung des zehnten Dienstjahres bei der Behörde vornotiren lassen darf, so daß seine Einberufung ant Tage der Aushändigung des Civilversorgungsscheines — nach 12jäbriger Dienstzeit — erfolgen kann. Die Wartezeit dürfte dadurch ganz erheblich verkürzt werden, was vielleicht ein Ansporn zur Kapitulation sein könnte.
— Ein anscheinend betrügerisches Manöver wird jetzt mit russischen Rubeln getrieben. Die Rubesti, die einen Werth von nur 2 Mk. 20 Pfg. haben, werden an Stelle von Thalerstücken in Zahlung gegeben. Der Betrug gelingt um so leichter, als die neueren Rubelstücke mit dem Kopf Nikolaus II. auf der Vorderseite und dem russischen Doppeladler auf der Rückseite den Thalerstücken zum Verwechseln ähnlich sehen und zudem noch die gleiche Größe haben. Also Vorsicht!
Oppeln. Eine Aufsehen erregende Verhaftung ist in Landeck (Schl.) erfolgt. Der dortige Stadtbaumeister Wellenberg war früher städt. Bauführer in Oppeln und leitete als solcher den Neubau der Oppelner Töchterschule. Der Bau dieser Anstalt hatte bereits vor einiger Zeit die Oeffentlichkeit erregt, als die Stadtverordneten trotz der warmen Empfehlung des Magistrats es ablehnten, die Baurechnung für die höhere Töchterschule zu entsaften, weil die Summe eine gauz gewaltige Überschreitung des Voranschlags darstellte. Schon damals wurde der Verdacht ausgesprochen, daß diese Summe nur infolge von Unregelmäßigkeiten eine solche Höhe hätte annehmen können: auf Beschluß der Stadtverordueten wurde eine umfassende Untersuchung an gestellt. Die Folge davon war, daß der Stadtbaumeister Wollenberg in Landeck verhaftet und nach Oppeln in Untersuchungshaft übergeführt wurde.
Zu einem jungen Herrn aus Zeih gesellte sich auf der Fahrt nach Leipzig in Pegau eine feingekleidete junge Dame, und nachdem sie Bekanntschaft mit ihm angeknüpft hatte, bot sie ihm eine Cigarette an. Nach dem Genusse derselben verfiel er in einen tiefen Schlaf, und als er in Leipzig zur Besinnung kam, wurde er gewahr, daß die junge Dame mit seinem Gelde und den Werthsachen verschwunden war.
Landau Ein eigenartiger Prozeßsall zwischen einem Geschäftsmann in Metz nnd einem Rentner in Landau kommt dieser Tage vor dem Landgericht Landau zur Verhandlung. In den 70er Jahren arbeiteten beide Streitende ' in demselben Geschäft und spielten ein Lotterieloos zusammen, auf das ein Gewinn von 100,000 Mk. fiel. Der Gewinn wurde erhoben und der nunmehr beklagte entfloh damit nach Amerika, so daß der jetzige. Kläger das Nachsehen hatte. Jetzt ist der Erstere als Rentner nach Landau zurückgekehrt. Die Strafthat — im Falle eine solche versiegt — ist natürlich verjährt, nicht so aber sind es die Zivilansprüche. Diese sind beim Landgericht nebst den Zinsen eingeklagt nnd wird dieser Tage das Urtheil verkündigt werden.
— In Augsburg wurde am Dienstag Abend in später Stunde das Urtheil des Schwurgerichts gegen den Räuber Kueißl verkündet. Die Geschworenen sprachen Kneißl des Mordes, der Körperverletzung mit nachfolgendem Tod, des Raubes, der räuberischen Erpressung schuldig, verneinten aber die Theilnahme des Flecklbauers am Morde. Der Ftecklbaner wurde darauf freigesprochen und Kneißl zum Tode und
15 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Nachdem das Urtheil verkündet worden war, schrie die Muttter Kneißl's laut: Justizmörder! Als sie weiter großen Lärm machte, wurde sie verhaftet.
Ausland.
London, 18. Nov. Die Friedenssehnsucht einflußreicher englischer Finanzleute kommt immer deutlicher zum Ausdruck. Eine einflußreiche Gruppe der City, bestehend aus südafrikanischen Finanziers, an deren Spitze der bekannte Goldmagnat Sir A. Robinson steht, drängen nunmehr in die Regierung, auf jede Weise eine Verständigung mit den Buren herbeizuführen, indem zunächst die Abberufung Lord Milners erfolgen und weitere Zugeständnisse gemacht werden sollen.
— Der Kindermord in Südafrika. In holländischen Blättern findet sich eine graphische Darstellung, welche die Sterblichkeit in den britischen Camps beleuchtet, wie sie sich im Verhältniß zu der europäischen Ziffer stellt. Neben dem Pünktchen der Todesquote in England die Hochemporstarrende Linie der Sterblichkeit in den Konzentrationslagern: eine erschütternde Anklage gegen das fromme England ! Aber wir brauchen nicht einmal die Verbildlichung. Die Zahlen wirken auch ohne graphische Darstellung. In England sterben normaler Weise jährliche 18 von U*00 Personen. In den Camps: 264 von 1000! Noch erschreckender wirkt die Zahl, wenn man die Erwachsenen ausscheidet und die Sterblichkeit der Burenkinder im englischen Pferch betrachten. In dem Camps sterben int Juni 576, im Juli 1124, im August 1545, im September 1964 Kinder. Das bedeutet, wenn man nach der letzten Zahl den Jahresdurchschnitt ansrechnet, eine Kindersterblichkeit von 433 von 1000, sodaß man als sicher am nehmen kann, daß nach einem Jahre alle 54,326 Burenkinder, die von den Briten bis jetzt -zusammen- getrieben sind, gestorben sein werden. Das ist keine vage Behauptung, denn die obengenannten amtlichen Ziffern für die einzelnen Monate zeigen, daß die Briten die Lage der Eingepferchten also nicht verbessern, sondern daß sie sich immer noch verschlechtern. Gegen dieses Hinsiechenlassen der Jugend eines ganzen Volkes war der in der Bibel erzählte Kindermord, der sich wenigstens an die Grenze von zwei Lebensjahren hielt, ein mildes Verfahren und König Herodes ein Ehrenmann ! Es hieße an jeder göttlichen Gerechtigkeit verzweifeln, wenn man nicht glauben wollte, daß das Blut dieser 54,000 unschuldigen Kindern über England kommen wird. Manch einer meint überlegen: Der Herrgott ist immer mit den größeren Bataillonen. Aber der Burenkrieg hat diese Ansicht bisher Lügen gestraft.
Nord-Amerika. In der Stadt - Verwaltung von Groß-Newyork herrschte bisher eine beispiellose Ner- derbtheit. Alle Schwindeleien und Betrügereien, mie sie vor kurzem in Neapel aufgedeckt worden sind, wurden in New-Pork noch übertroffen, Die sogenannte Tam- many-Partei füllte sich und ihren Anhängern auf Kosten der Anderen die Taschen. Jetzt aber sind die New- Porker endlich aufgerüttelt worden, denn bei der soeben vorgekommenen Bürgermeisterwahl siegte, wie bereits gemeldet, der Gegner der Tammany-Partei, Seth Low. Auch für viele andere städtische Posten wurden die Feinde der Korruptionspartei gewählt. So ist denn zu hoffen, daß die Räubereien nunmehr ihr Ende erreichen werden. — Ueberfluß an Geld besitzen z. Z. die Vereinigten Staaten. Wie nämlich aus Washington gemeldet wird, führten die Besprechungen Roosevelts mit den republikanischen Führern bezüglich einer Herabsetzung der Ueberschüsse des Staatsschatzes zu dem Beschluß, alle noch bestehenden Sonderbe- steuerungen, die während des spanischen Krieges auf« erlegt waren, aufzuheben und die Acciseabgaben auf Bier, Whisku und Tabak herabzusetzen, hingegen den Zolltarif unberührt zu lassen. — Wie verlautet, ist der Ankauf der dänischen Antillen durch die Vereinigten Staaten bereits vollzogen. Dänemark erhält 4 Mill. Dollar. Der Freihandel mit den Union-Staaten soll baldigst ins Leben treten. — Enormes Geld verdient die amerikanische Petroleum-Kompagnie, genannt „Standard Oil-Kompany". Sie hat nach einer ^Nachricht für das Rechnungsjahr 1901 eine Dividende von 48 Proz. festgesetzt. Auf den „Petroleumkönig" Rocke feller, der im Besitz von 40 vom Hundert der Aktien ist, entfalle ein Dividendenantheil von etwa 75 Mill. Mk,