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WWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

92. Samstag, den 16. November 1901. 52. Jahrgang.

SMMhtttrt^ auf bie -Schlüchterner Zeitung^ ^l|l£UuiiyrU werden noch fortwährend von allen - ^^------------- Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

Der in Aquidancktia (Matto Grosso) in Brasilien als Auswanderungsagent thätige Carlos Rottenberger hat sich unter verlockenden Vorspiegelungen an aus- wanderungslustige Personen in Deutschland gewandt, um sie zur Auswanderung nach Brasilien zu bestimmen. Nach einer aus zuverlässiger Quelle stammenden Mit­theilung muß denl Rottenberger mit dem größten Miß­trauen begegnet werden; es erscheint daher angebracht, vor einer derartigen Auswanderung zu warnen.

Schlüchtern, den 14. November 1901.

Der Königliche Landrath: I. V.: Berta.

J.-Nr. 3446 K.=A. Im Selbstverlag von W. Quendan-Charlottenburg, ist eine neue (11.) Auflage eines Kommentars zum Stempelsteuergesetz erschienen, der das Bürgerliche Gesetzbuch nebst dessen Nebengesetze zu Grunde gelegt ist. Da das Werk nicht nur alle jetzigen Stempelgesetze nebst Ausführungsanweisungen enthält, sondern auch in dem im Anhänge befindlichen Preuß. Allgemeinen Landrecht" undCode civil ein erschöpfender Hinweis auf die neueste Rechtsprechung der obersten Gerichtsbehörden gegeben ist, kann das Werk, insbesondere den Ortspolizeibehörden wegen der Bestimmungen über das Gesinderecht, zur Anschaffung empfohlen werden.

Der Preis des Buches stellt sich im Vorverkauf auf ungefähr 5,40 Mk. bei gemeinsamer Bestellung, während der spätere Ladenpreis 1.1,50 Mark betraf Ich bin bereit, den Bezug zu vermitteln und nehme Be­stellungen im Kreisausschuß-Bureau bis spätestens zum 25. d Mts. entgegen. Spätere Bestellüngen können nicht berücksichtigt werden.

Schlüchtern, den 13. November 1901.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: I. V.: Berta.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird voraussichtlich zur Aus­übung der Jagd im Laufe des Monats Dezember Oberschlesien besuchen. Zunächst ist ein Besuch bei dem Fürsten Henckel von Donnersmarck auf Neudeck am b., 7. und 8. Dezember in Aussicht genommen.

Die Hoffestlichkeiten werden in dieser Saison sehr eingeschränkt werden. Die Bälle werden ganz ausfallen, wie bereits im vorigen Jahre, wegen des Ablebens der Mutter des Kaisers.

Das Postabkommen Württembergs mit der Reichspostverwaltung wird in Bayern sehr kühl aus­genommen. Im Auftrage der bayerischen Regierung erklärt die MünchenerAllg. Ztg.", daß Bayern sich dem Vorgehen Württembergs nicht anschließen werde. Auch dieKölnische Zeitung" meldet ans München, daß die Annahme, Bayern werde dem Beispiel Württem- dergs in der Aufgabe der eigenen Postwerthzeichen folgen, vollkommen ' irrig ist. Die Regierung ist fest entschlossen, an den bestehenden Verhältnissen nichts zu ändern. Der Wortlaut des zwischen Preußen und Württemberg abgeschlossenen Vertrages wurde Bayern Mgetheilt.

Darmstadt. Die Ehescheidung des hessischen Groß- Herzogpaares steht nach verschiedeneil Blättermeldungen bevor. Schon seit geraumer Zeit wußte man in Darmstadt und auch über die Grenzen des hessischen Großherzogthums hinaus, daß das Eheglück des Groß- Herzogs und der Großherzogin von Hessen getrübt sei. Dazu kam, daß bem Paar ein Thronerbe versagt blieb. Der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen steht «u 33. Lebensjahr, die Großherzogin Viktoria Melitta sst 26 Jahre alt. Beide haben am 25. November ihren Geburtstag. Die Ehe wurde im April 1894 geschlossen midist bis jetzt nur eine Tochter vorhanden. " $ie Reisen des Prinzen Heinrich nach Darmstadt Ab des Erbprinzen von Hohenlohe-Langenburg nach Merlin zum Kaiserpaar stehen mit dieser Angelegenheit lebenfalls in engen: Zusammenhang.

. Kundgebungen gegen Chamberlain und Eng- In Osnabrück protestirte eine Versammlung Wciligcr Mitkämpfer vom Jahre 1870/71 energisch öW die Schmähungen Chamberlains. Gegen die

englische Kriegsführung hat die Zeitzer Kreissynode folgende Erklärung beschlossen:Die Synode nimmt mit tiefem Schmerz Kenntniß von den schweren Wundp'l, die der englffche Raubkrieg in Südafrika dem R. ' Gottes überhaupt und der Arbeit der Heidenmission Sonderheit schlägt. Sie ' m ab, sich an die Staatsregierung mit völlig Anträgen zu

wenden, schließt sich aber dem einmüthlgen Protest der niederländischen Kirchengemeinden und der deutschen evangelischen Pfarrvereine gegen die fast unerhörten Gräuel des Krieges an; zugleich fordert sie dann alle Schwestersynoden in den deutschen evangelischen Landes­kirchen auf, ein Gleiches zu thun. Die Pfarrer­konferenz der Synode Gladbach beschloß, alle evan­gelischen Geistlichen der Rheinprovinz zu einer gemein- samen Kundgebung gegen die englische Kriegsführung in Südafrika und Chamberlains Verleumdungen der deutschen Krieger aufzufordern,

Leipzig, 7. Nov. Im Namen von 14,000 Kameraden veröffentlicht der Bezirksvorstand des königl. süchs. Militärvereins-Bundes eine Erklärung, in der es u. a. heißt:Unsere Kameraden (das gilt für alle deutschen Krieger) sind sich bewußt, brav ihre Pflicht gethan und auch dem Feinde gegenüber wie das im deutschen Wesen liegt Theilnahme und Humanität in allen Lagen der damaligen Verhältnisse geübt zu haben . . . Chamberlain aber, ob er gleich einen hohen Posten in der englischen Regierung bekleidet, ist als ein ganz gemeiner Lügner bekannt. Weshalb sich über ihn aufregen? . . . Wir deutschen Krieger sind uns unseres Werthes und unseres guten Namens bewußt. Ueber einen Chamberlain gehen wir mit gebührender Verachtung zur Tagesordnung über." Bettlerrache. Eine unglaubliche Rohheit hat ein Landstreicher in Großmiltitz bei Leipzig verübt. Er bettelte vor dem Orte einen nach seinen: Grundstück fahrenden Bauern an, konnte aber nichts erhalten, da dieser kein Geld bei sich hatte. Da der Bursche diese Einwendung nicht glaubte, ging er mit dem Messer auf. den Mann los und veranlaßte ihn so, nach den: Dorfe zurückzu- laufen, um Hilfe herbeizuholen. Als der Geschirr­führer zurückkam,war derarme Reisende" verschwunden, aber eines der beiden Wagenpferde lag verendet am Boden. Der Mann hat bem Thier aus Rache Messer­stich auf Messerstich versetzt und es förmlich aufge­schlitzt.

Stasffurt, 12. Nov. Eine heftige Erderschütterung machte sich gestern Nachmittag 2'/, Uhr in Staßfurt und den: benachbarten Leopoldshall bemerkbar. Es entstand ein «allgemeiner Schrecken. Niemand wußte im Augenblicke, woher die Erschütterung kam. Alles ver- nmihete, im Leopoldshaller Schacht sei eine Katastrophe eingetreten. Schließlich verbreitete sich die Nachricht, daß im Schacht Ludwig H., der im Staßfurter Stadt­bezirk liegt und von: Centrum des Ortes nur ca. 20 Minuten entfernt ist, ein Unglück sich ereignet habe. Dasselbe trat gerade zun: Schichtwechsel Mittags 1 */, Uhr ein. Etwas später, und das Bergwerk wäre ge­räumt gewesen, kein Mensch wäre zu Schaden gekommen. Im untersten Gange, 650 Meter unter Tage, bewegten sich Hunderte von Bergleuten der Auffahrtstelle zu. Da plötzlich und ohne vorheriges Anzeichen brach auf einer Strecke von 600 Metern Länge die ztvei Meter starke Gangdecke hernieder. Wer die gefährdete Strecke passirte, wurde begraben. Die Rettungsarbeiten wurden sofort energisch in Angriff genommen und bis 12 Uhr Nachts fortgesetzt. So wurden im Ganzen 36 mehr oder weniger schwer verletzte Personen zu Tage gefördert, meist hatten sie Quetschungen erlitten, auch zwei Todte wurden geborgen. Von den einst­weilen Geretteten sind mehrere noch in der Stacht ge­storben.

Ausland.

Südafrika. IhrerHeldenthaten" in Südafrika beginnen sich die Engländer bereits zu schämen. Das geht aus dem Umstände hervor, daß der Censor ein später brieflich eingetroffenesTelegramm kassierte, welches meldete: Lord Kitchener hat Befehl ertheilt, mit allen in Khaki gekleideten Buren summarisch (!) zu verfahren. Oberst Gorringe nähme einige in Khaki gekleidete Buren ge­fangen und verfuhr mit ihnen summarisch, d. h. also, er ließ sie auf der Stelle erschießen. Weiteres von Kitchener Blutregiment wird aus Sommerfast gemeldet.

Dort ist Direktor Lotter, ein Bruder des unlängst Hin­gerichteten Kommandanten, in Gefangenschaft gerathen und zum Tode durch den Strang verurtheilt worden. Von Bethel her hat General Botha noch englische Offiziere in der Hand, übt er Vergeltung, so kann man ihm es wahrhaftig nicht übel nehmen. Die Hinrichtung der beiden Brüder Lotter ist Mord und nichts anderes. Ungarn hat schon wieder über 800 Pferde an die Engländer verkauft. Die Pferde sind nach Südafrika eingeschifft worden. Welche riesenhaften Aufwendungen England für den Ersatz der unbedingt nothwendigen Pferde macht, geht aus der Thatsache hervor, daß es auch in Rußland 35000 Pferde für Südafrika ankauste, die dort jedoch vollkommen unbrauchbar sein werden.

Lokales unb Provinzielles.

* Schlüchtern, 15. Nov.

* Am Donnerstag, Mittags 1 Uhr, traf das gesammte Schwurgericht von Hanau (Richter, Ge­schworene, Angeklagte und Zeugen) hier ein und fuhr per Wagen nach der Heeg bei Herolz weiter. Dorr- selbst fand in der L. Fuchs'schen Todschlagsangelegen- heit ein Augenscheins-Termin statt zwecks Besichtigung der Mordstelle an der Kinzig. Ülm Abend fuhr das Gericht über Elm wieder retour nach Hanau.

* Von vielen Landwirthen hört man gegenwärtig laute Klage führen über das Faulen der Kartoffeln im Keller, trotzdem sie bei günstiger WitterMg einge­bracht wurden. Auch das Obst beginnt vielfach zu faulen, ohne daß man sich die Ursache erklären kann. Der Ertrag an Runkeln ist ein derartig großer, daß die Landwirthe dieselben nicht in den Kellern unter- bringen können, sondern sie draußen auf bem Felde ül bte ErK entsagen müssen. Fw Wintersaaten schön aufgegangen und bieten einen herzerfreuenoen Anblick.

* In Vollmerz hat in der Nacht von: Donners­tag zum Freitag ein Mann Selbstmord durch Er- Hängen begangen.

Freiensteinau, 10. Nov. Seit 10 Tagen ist die Nebenbahn Lauterbach-Grebenhain in Betrieb und schon kann sie von zwei Unfällen erzählen. Einmal sprang die Maschine in der Nähe der Station Tebes- Hansen aus dem Geleis. Die Passagiere entsetzten sich, allerdings höchst überflüssiger Weise; denn die Maschine trottete in aller Gemüthsruhe 150 Meter neben dem Geleis her, stand still und ließ sich wieder einheben. Ein ander Mal steckte sie plötzlich zwischen Möberts und Grebenhain: Das Wasser war ihr ausgegangen. Es wurde eine Zeit lang gesucht, bis man Wasser in einem Graben fand. Dann ging's weiter. Auch die Reisenden betheiligten sich in zuvor­kommendster Weise an der Sucher.i, um dasBoten­lieschen" wieder flott zu kriegen.

Kassel, 12. Nov. Die Maschinenfabrik Henschel und Sohn überwies heute am Geburtstag der Frau Geheimrath Henschel den Beamten und Arbeitern 300 000 Mark. Der Oberstaatsanwalt Geh. Justizrath BarthelS ist plötzlich gestorben. Der Unterstaatssekretär im Reichsamt des Innern, Rothe, früher Regierungspräsident in Kassel, wird derNat. Ztg." zufolge demnächst in den Ruhestand treten.

Frankfurt. Bekanntlich wurde das Infanterie- Regiment Nr. 80 kurz vor dem Tode der Kaiserin Friedrich von ihr mit den Kragenlitzen ausgezeichnet. Demnächst soll dasselbe Regiment von der jetzigen In­haberin, der Prinzessin Karl von Hessen, eine neue Auszeichnung erhalten, nämlich schwarze Roßschweife die zur Parade auf dem Helin getragen werden.

Sitzung -es Schwurgerichts vom 13. Novbr.

Der Mord auf der Heeg bei Herolz.

Am Donnerstag begann der Mordprozeß gegen den Bauer Johannes Gläser von: HofAuf der Heeg" bei Herolz und dessen Sohn Joh. Gläser, Ziegelei arbeiter, welche beschuldigt sind, am 8. August b. J den Auszüger Ludwig Fuchs von Herolz vorsätzlich und mit Ueberlegung getödtet zu haben. Der alte Gläser ist geboren am I. April 1816 zu Vollmerz, verheirathet, Vater von 5 Kindern und Besitzer des HofesAuf der Heeg", zwischen Herolz und Vollmerz gelegen. Sein Sohn Johann ist geboren ant 25. Füll 1879 und ist vom Gewerbe Ziegeleiarbeiter. Auf dem