Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
K 87.
^f die „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ============= Postanstalten und Landbriefträgern, wie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser hat sich am Sonntag von Nsdam aus wie alljährlich nach Liebenberg i. d. Mark geben, um hier als Jagdgast des Fürsten zu Eulen- irg zwei Tage zu verweilen.
— Zolltarif. Einen drastischen Aus'pruch hat der äinigsb. Hart. Ztg." zufolge der Kaiser vor einiger 11 gethan: „Kommen keine Handelsverträge zu stände, schlage ich alles kurz und klein." Die „Voss. Ztg." merkt, auch ihr sei von diesem Ausspruch des Kaisers M vor Wochen berichtet worden.
— Eine stärkere Rekrutenaushebung soll nach einer erliner Korrespondenz in diesem Jahre stattgefunden den zum Ersatz für die Inanspruchnahme von aus- bildeten Mannschaften, Unteroffizieren und Kapitulanten ir die ostasiatischen Besatzungstruppen.
— Bei den Berliner Garderegimentern wurde das Mldungspersonal, Offiziere wie Unteroffiziere und esreite, von den höheren Vorgesetzten eindringlichst vor Wandlungen, unvorschriftsmäßiger Behandlung, Miß- Mch der Dienstgewalt usw. gewarnt mit dem Hinweis, i Dienste nach Möglichkeit mindestens fünf Schritte ntfernung von den Rekruten inne zu halten. Jede Ädung der Rekruten werde ohne Ansehen der Person prüft und gerichtlich geahndet werden.
— Zur Steuerung der Arbeitsnoth hat wie die mißische, so auch die sächsische Regierung das Erforder- che verfügt, um der inländischen Eisen- und Stahl- idustric durch möglichst baldige Vergebung des Bedarfs »Lokomotiven, Wagen, Brücken, Schienen usw.für die Wche Staatseisenbahnverwaltung innerhalb der ver- issungSmäßig zur Verfügung stehenden Mittel Be- hiiftigung zu verschaffen.
— Erhebungen über die Arbeitslosigkeit. Der neueres eingetretene Mangel an Aufträgen für eine Reihe °n Industriezweigen hat naturgemäß die Arbeitsgelegen- tit in Preußen ungünstig beeinflußt. Auf eine An- Ung des Ministerpräsidenten, Grafen von Bülow, ist «t halbamtlich mitgetheilt wird, vom Staatsministerium Glossen worden, durch die Oberpräsidenten Erhebungen »zustellen, über die Ausdehnung, welche die Arbeits- oftgteit in den einzelnen Provinzen bereits angenommen M über die schon hervorgetretenen oder noch zu ge- lärtigenben Mißstände und über die Maßnahmen, die lesen gegenüber, insbesondere auch unter Mitwirkung et kommunalen Verbände, zu ergreifen sind.
— Ein ergreifendes Bild von dem Elend in der Kichshauptstadt, die noch immer viele Menschen anzieht, nie das Licht die Motten, bis sie mit versengten Flügeln M Erde fallen, entwirft die „Berl. Volksztg." in folgen« 'tu Zeilen: Die biblische Geschichte vom armen Lazarus, w sich mit den Brosamen begnügen mußte, die von des Eichen Tische fielen, ist wahrscheinlich nur bildlich gemeint, tot als greifbare Wirklichkeit tritt sie uns in der Jetztzeit M in den prunkenden Straßen Berlins vor Augen, «nn man am frühen Morgen, oft noch zu dunkler Stunde, vor den Thüren der großen Cafes, der Hotels, ^Delikatessen- und Fleischwaarengeschäfte dichtgedrängte Schaaren stehen sieht, die, allen Unbilden der Witterung ^gesetzt, des Augenblicks warten, wo die Thüren ge- Vet werden, und sie dann für wenige Kupferpfennige Wer ganz umsonst die Abfälle in Empfang nehmen, ^t von dem vorigen Tage oder von der letzten Nacht übrig Mieden sind. Von den Gästen zurückgelassene Fleisch- Wnüberreste, Fischfragmente, dazwischen Kartoffeln, G-müse aller Art und Saucen der verschiedensten Zu- wteitung, dies wird von den ungeduldig Andrängenden genommen, als handele es sich um einen Schatz, den man topl bewachen müsse. Der arme Lazarus der Bibel in viel- Mdertköpsiger Gestalt, aus müdenGreisen, gebeugten Frauen tot> nie gesättigten Kindern zusammengesetzt, so wandelt jeden Morgen aus den Straßen der belebten Friedrich- ^dt, wo nächtlich viele Tausende in tollen Vergnügungen ^gcudet werden, zurück in dumpfige Kellerwohnungen, wo toi der klebrigen Masse der grau braunen Ueberreste Mahlzeiten bereitet werden. Wie tief muß die ^>nuth, wie groß der Hunger und das Elend sein!
~ Englische Werber in Deutschland! Die deutsche
Mittwoch, den 30. October 1901.
Buren - Centrale in München veröffentlicht folgenden Aufruf: Um schwache Charaktere vor der Anwerbung durch englische Werber zu schützen, setzen wir Jedem, der im deutschen Reiche englische Werber so zur Anzeige bringt, daß sie sofort verhaftet und bestraft werden. 100 Mark sage: hundert Mark Belohnung aus!
— Der Rückgang inder wirthschaftlichen Lage macht sich an allen Ecken und Enden bemerkbar. Sogar bei den weiblichen Dienstboten ist er fühlbar. So ist z. B. in München, wo noch vor etwa einem halben Jahre Mangel an ihnen war, jetzt das Angebot stärker, als die Aufnahme, und die Ansprüche ermäßigen sich.
Hamburg, 25. Oktober. Nachdem große Kartoffelankäufe der englischen Regierung in Schlesien gemeldet waren, wurden jetzt auf dem Hamburger Dampfer „Duisburg" 25 000 Kisten Kartoffeln, seetüchtig verpackt, und nach Kapstadt verladen.
Münden, 28. Okt. Wer hat das Geläut bei den Landestrauern zu zahlen ?, so fragen die „M. N.", und fahren dann fort: Ueber die Bezahlung des Geläuts bei der letzten Landestrauer bei dem Tode der Kaiserin Friedrich scheint es zwischen dem hiesigen Magistrate und den Kirchengemeinden zu Streitigkeiten zu kommen. Obgleich in früheren Jahren bei jeder Landestrauer der Magistrat das Geläut in allen hiesigen Kirchen an- ordnete und bezahlte, weigerte er sich bei der letzten Landestrauer zur Bestreitung der Kosten des Geläuts. Die verschiedenen Kirchenkassen haben seiner Zeit die betr. Kosten ausgelegt und fordern jetzt vom Magistrat die Summen zurück. Es ist zu erwarten, daß es der Magistrat in Rücksicht auf das Herkommen, das in einer bestimmten Zeit zum Recht wird, auf die geringe Geldsumme, die ungefähr 100 Mk. beträgt, nicht zum Prozeß kommen läßt. Wie wir erfahren, ist in einigen hannoverschen Städten derselbe Streit gerichtlich enO schieden und zwar in dem Sinn, daß die politische Gemeinde die Kosten des Geläuts zu bestreiten hat.
Eisenach, 22. Okt. Am 16. d. Mts. fand hier der Familientag der Grafen und Freiherren von Boyneburgk statt. Es ist dies eins der ältesten Adelsgeschlechter Deutschlands, ein früheres Dynastengeschlecht mit einer großen und interessanten Vergangenheit, dessen sagenumwobenes Stammschloß, die „Boyneburg", im Kreise Eschwege gelegen ist. Noch heute findet dort alljährlich am grünen Donnerstag eine Armenspeisung statt zur Erinnerung an einer dieser alten Legenden. Das Geschlecht blüht noch in mehreren Linien; es theilt sich in einen „weißen" und einen „schwarzen" Stamm.
Heilbronn. Bezeichnend für die Nervosität, welche sich der kleinen Sparer bemächtigt, ist wieder ein Vorgang, über den aus Heilbronn in Württemberg berichtet wird. Ein falsches Gerücht, daß ein Angestellter der Oberamts-Sparkasse nach Verübung bedeutender Unterschlagungen das Weite gesucht habe, gab Anlaß zu einem Ansturm auf die Kasse, die sich, wie man der „Frkf. Ztg." meldet, bis jetzt den Anforderungen vollauf gewachsen gezeigt hat. Namentlich sind viele Landbewohner herveigeeilt, um ihre Einlagen zu erheben. Die Ortsvorsteher haben in ihren Gemeinden beruhigende Bekanntmachungen erlassen und die Kasse soll thatsächlich in bester Ordnung sein. Der Verbreiter des falschen Gerüchts wird eifrig gesucht, um ihn gerichtlich belangen zu können.
Mittelbexbach (Pfalz), 15. Okt. Ein Dieb stahl eigener Art, nämlich einen ganzen Waggon Kohlen (300 Centner), wurde hier ausgeführt. Ein Arbeiter war auf dem hiesigen Bahnhöfe damit beschäftigt, die mit Kohlen beladenen Wagen der Frankenholzer Grube zu rangieren. Es mochte ihm wohl schmerzen, daß die schönen Kohlen sammt und sonders zu Händen ihm ganz fremder Leute kommen sollten; da fiel ihm ein guter Freund ein, der auch gern gute und namentlich „billige" Kohlen haben möchte. Flugs machte der „ehrliche" Mann die Adresse fertig und der Wagen ging nun an dieselbe ab. An der Adresse scheint aber etwas nicht ganz richtig gewesen zu sein, denn der Wagen wurde, da der Adressat nicht aufzufinden war, zur Verfügung gestellt und die Sache kam aus Tageslicht. Der Waggon sollte nach Hessen gehen, der Absender schrieb aber auf den Frachtbrief Württembcrgischc Bahn. Wären die geographischen Kenntnisse des Absenders Karl Eber- hardt nicht so mangelhaft gewesen, wäre der Coup zweifellos gelungen. |
__________________52. Jahrgang.
Ausland.
London, 26. Oktober. Nach einer Meldung aus Südafrika hat die Sterblichkeit in den Concentrations- lagern eine enorme Höhe erreicht. Die Kindersterblichkeit ist bereits auf über 20 pCt. gestiegen. Die Krankheiten sollen infolge Genusses brandigen Hammelfleisches hervorgerufen worden sein.
New Jork. Nach den Nachrichten, die in den letzten Monaten aus Amerika über den Philippinnenkrieg verbreitet wurden, war der Widerstand der Philippinos seit dea Gefangennahme Aguinaldos mehr und mehr in sich zufammengebrochen. Amerika war in der Lage, seine Besatzungs-Armee stark zu vermindern und in Kürze war die vollständige Unterwerfung der Eingeborenen zu erwarten. Und jetzt laufen auf einmal alarmirende Nachrichten ein, wonach nicht nur auf der Insel Samar der Aufstand wieder mit aller Heftigkeit ausgebrochen ist, sondern auch auf der Halbinsel Luzon die Erhebung wieder einen beträchtlichen Umfang angenommen haben soll.
Shanghai, 25. Oktober. Die Hungersnoth nimmt zu. Glaubwürdigen Nachrichten zufolge, die General Warren erhalten hat, sind in Kiangsu 300,000 Personen dem Verhungern nahe. In Kiangsi soll die Lage noch schlimmer sein. Der Unterstützungsfonds ist unbedeutend. Die Fremden steuerten 1500 P'und Sterl., die Chinesen 7500 Pfund Sterl. bei. Ein gemeinsamer, aus den Konsuln und chinesischen Beamten zusammengesetzter Ausschuß überwacht die Geldvertheilung.
Australien. Im „Lande des freien Mannes", als welches auch Australien gilt, ist man gewöhnt, wenn nicht Alles, so doch möglichst Vieles von der Regierung zu verlangen. Letzthin versprach, wie man aus Sidney schreibe, der Ministerpräsident einer Abordnung, noch vor Ablauf eines Jahres eine unter Staatsleitung stehende Kleiber fatal! zu errichten. Weiter wird in Aussicht gestellt, daß der Staat den Einzelverkauf von geistigen Getränken jeder Art selbst übernehmen wird. Mit dem Erlös sollen Schulden bezahlt und Volksunterhaltungen mit Limonade veranstaltet werden. Im Parlamentsgebäude sollen, wie es schon längst in Neuseeland geschieht, keine berauschenden Getränke mehr verkauft werden.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 29. Oct.
— Versetzt wurden die Postpractikauten Asmus von Sterbfritz nach Tann, Linker von Birstein nach Jossa und Malmus von Fechenheim nach Schlüchtern.
* — Vom Herrn Regierungs Präsidenten ist der durchschnittliche Jahres-Arbeitsverdieust der land- und forstwirthschaftlichen Arbeiter im Kreise Schlüchtern für erwachsene Arbeiter, männlich auf 480 Mark, weiblich 330 Mark, für jugendliche Arbeiter männlich auf 300 Mark, weiblich 240 Mark festgesetzt. Diese Sätze treten am 1. Januar in Kraft.
* — Da in nächster Zeit die nächstjährige Steuer- Veranlagung stattfindet, so wollen wir unter Hinweis auf die bereits ergangene diesbezügliche Aufforderung darauf aufmerksam machen, daß Schuldenzinsenvon dem steuerpflichtigen Einkommen nur dann in Abzug gebracht werden, wenn die Schulden unter Vorlage der Schuldurkunden oder Zinsquittungen bei den Bürgermeisterämtern nachgewiesen werden. Wird dies von den Steuerpflichtigen unterlassen, so haben sich dieselben wegen zu hoher Veranlagung durch Reclamationen entstehende Weiterungen und Nachtheile selbst zuzuschreiben. Die Uebertragung der in früheren Jahren angemeldeten Schulden und Schuldenzinsen bei der neuen Steuer-Veranlagung ist nicht zulässig, vielmehr muß die Anmeldung erneuert werden.
* — Die Vorschrift über das Verscharren von Milz- brandkadavern werden einer allgemeinen Verfügung des preußischen Landwirthschaftministers zufolge, die an alle Regierungpräsidenten ergangen ist, nicht in dem erforderlichen Maß berücksichtigt. Es sind solche Kadaver vielmehr auch in letzter Zeit wieder in Sand- und Kiesgruben, Steinbrüchen oder an solchen Orten vergraben worden, von denen gelegentlich Material zu Stallungen oder Wegcbautcn und Pflasterungen entnommen wird. Auch sind zur Anlage von Kartoffel- oder Rüben- Miethen in der Nähe von Gehöften Plätze verwendet worden, die früher zur Verscharrung von Milzl randkadavern gedient haben. Das Futter ist dadurch infiziert worden und seine Verwendung hat zu schweren Verlusten an