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SchlWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

3£ 84. Samstag, den 19. Oktober 1901. 52 Jahrgang.

IMMhtttrtiHI auf bie »Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen -......... Postanstalten und Landbriefträgern,

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Ueber die nächsten Reisedispositionen des Kaisers ist bis jetzt bekannt, daß der Monarch gegen Mitte nächsten Monats als Gast des Fürsten Henckel von Donnersmarck zur Jagd in Neudeck und nachdem beim Grafen von Thiele-Winkler in Moschen eintreffen wird. Im Anschluß hieran gedenkt der Kaiser sich zu mehrtägigem Jagdbesuch zum Fürsten von Pleß nach Pleß zu begeben.

Ein Protest von Landwirthen gegen eine Er­höhung der Getreidezölle ist gewiß etwas Ungewöhnliches, und doch ist auch ein solcher zur Thatsache geworden Wie nämlich derFrankst Ztg." gemeldet wird, hielt der Schutzverein mecklenburgischer Landleute in Plane, Mecklenburg-Schwerin, eine Versammlung ab, in der eine Resolutton gegen jede staatliche Förderung dergemein- schädlichen kurzsichtigen Bestrebungen" des Bundes der Landwirthe angenommen wurde. Die Resolution drückt außerdem die Erwartung aus, daß der Bundesrath, sowie der Reichstag im Interesse der Landwirthschaft den Zoll' tarifentwurf entschieden ablehnen werde.

Die ungünstige wirthschaftliche Lage und die Bankkrisen, unter deren Eindruck die deutsche Handels- Welt bis auf den heutigen Tag steht, haben auch für die Bankbeamten unliebsame Folgen gehabt. Wie nämlich von verschiedenen Seiten gemeldet wird, stehen bei einer Anzahl größerer Berliner Banken zahlreiche Kündigungen für den 1. Januar bevor. Den betreffenden Beamten wird anheimgestellt, sich andere Stellen zu suchen; das ist zur Zeit natürlich leichter gerathen als gethan.

Der Berliner Milchkrieg scheint mit einer Nieder­lage des Milchringes endigen zu sollen. Es ist den Milchhändlern nämlich gelungen, mit sächsischen Molkereien Abschlüsse zu machen, die ihnen eine tägliche Milch­zufuhr von 40 000 Litern sichern. Die Milchcentrale wird zwar deshalb den Kampf noch nicht aufgeben, aber sie hat dadurch an Aussicht verloren, in demselben zu siegen.

Gelscukirche», 15. Okt. Die hier herrschende Typhus Epidemie dehnt sich noch immer weiter aus. Gestern waren 40 neue Krankheitsfälle zu verzeichnen. Für die Rekruten aus den vom Typhus ergriffenen Bezirken wurden besondere sanitäre Verordnungen erlassen. Die­selben dürfen keinerlei Obstwaaren nach den Garnisonen bringen.

Merseburg, 12. Okt. In der Stadt, und Spar­kasse zu Lauchstädt wurden große Unterschlagungen entdeckt. Dieselben sollen bis 1891 zurückgreifen und über 100000 Mk. betragen. Der Sparkassen Rendant Meyer hat sich erhängt.

Aus Thüringen. Ein BruderStraubinger", der dem zur Zeit unbewohnten Pfarrhaus in Jchstett bei Frankenhausen einen Besuch abgestattet, hatte sich durch den Genuß von zwei Flaschen Wem so berauscht, daß er im Bett schlafend abgefaßt wurde. Er erhielt von der Strafkammer in Rudolstadt 1 Jahr 6 Monate Gefängniß und 5 Jahre Ehrverlust.

Darmstadt, 13. Okt. Das Schwurgericht verhandelte gegen den 50 Jahre alten Handelsgärtner Heinrich Bösenberg von Jugenheim wegen Brandstiftung und Diebstahls. Bösenberg besitzt ein Anwesen im Werthe von 70,000 Mark, das aber erheblich mit Schulden belastet ist. Er wurde sehr oft gepfändet. In seinen Nöthen suchte und fand er stets Hilfe bei seinem Freunde Christoff Reis, der in Jugenheim wohnt und im Stett- bacher Thal in der Gemarkung Seeheim eine Oelmühle besitzt. Diese Oelmühle hat Bösenberg in der Nacht vom 23. auf 24 Mai d. J. angesteckt und die durch den Brand hervorgerufene Verwirrung benutzt, um ins Wohnhaus des Reis in Jugenheim einzudringen und aus dem Pult 2000 Mark zu stehlen. Er kalkulirte dabei ganz richtig, daß Rers und seine Familie auf den Feuerlärm ihr Wohnhaus sofort verlassen würden. Das Gericht verurtheilte den Brandstifter unter Ver- iagung mildernder Umstände zu 5 Jahren 8 Monaten Zuchthaus. Erschwerend fiel dabei m's Gewicht das Freundschaftsverhältniß zwischen Reis und Bösenberg und der Umstand, daß Letzterer im Jahre 1881 seinem Dienstherrn in Laubenheim aus Rache 2400 Obst-

bäumchen beschädigt und so einen Schaden von 1000 Mk. verursacht hat. Auch ruht der Verdacht auf ihm, die Mühle des Reis im Dezember v. I. schon einmal an­gezündet zu haben. Beide Brände wurden rasch gelöscht, sodaß der Schaden nicht sehr groß war.

Vlusland.

Schweiz. Die Arbeiten am Simplon-Tunnel sind jäh unterbrochen worden. Auf der Südseite des Tunnels trat eine ungemein starke Quelle aus den Gesteinsmassen hervor, die den ganzen Tunnel überschwemmte. Die dort beschäftigten Arbeiter mußten sich flüchten; ebenso mußten die Bohrmaschinen u. s. w. zurückgezogen werden. Da sich dieser Theil des Tunnels unter dem Becken des Arino-Sees befindet, befürchtet man eine größere Kata­strophe.

Belgrad, 14. Okt. Mit der kurz vor der geplanten Reise des Königspaares erfolgten Pulver- und Dynamit- explosion in Krusevac scheint es eine eigene Bewandtniß zu haben. Gestern wurde der Eigenthümer des Ladens, in dem die Explosion stattfand, verhaftet und unter straf­rechtliche Untersuchung gestellt, die vom Minister des Innern Stefanowitsch, der sich in Kursevac befindet, beaufsichtigt und geheim geführt wird. Merkwürdigerweise blieb dieser Eigenthümer, Namens Milosewitsch, unversehrt, trotzdem er sich die ersten Tage nach der Explosion todt­krank stellte. Er hatte auch Zeit, sein ganzes Baargeld aus dem Lager rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Newyork. Der Anarchist Johann Most ist zu einjährigem Gefängniß verurtheit worden, wegen eines Artikels, den er bereits vor 50 Jahren veröffentlicht, vor 15 Jahren zum zweiten und jetzt zum dritten Male. Der Richter erklärte, die wiederholte Veröffentlichung erhöhe nur den verbrecherischen Charakter seiner neuer­lichen Wiedergabe. Di? Wiederveröffentlichung des Artikels verrathe die wohlerwogene Absicht, die Lehren des Artikels, der an sich schon einen verbrecherischen Akt darstelle, zu verbreiten. Es sei unnöthig, daß der Artikel mit der Ermordung Mac Kinleys in Zusammen­hang stehe.

NewrAork, 10. Okt. Mehrere Erdstöße sind an ver­schiedenen Punkten der süd- und Mittelamerikanischen Küste verspürt worden. In Nicaragua entstanden große Erdriße. Die Erde senkte sich und an verschiedenen Stellen steht nunmehr acht Fuß hoch Wasser.

Peking, 9. Oktober. Prinz Tsching richtete an alle fremden Gesandten das schriftliche Ansuchen, daß alle fremden Geschäftsniederlassungen aus Peking entfernt werden, weil Peking kein Vertragshafen sei (!)

Transvaal. Aus Kapstadt wird gemeldet: Der Burenkommandant Woolfaart ist gestern von den Eng­ländern standrechtlich erschossen worden. Nach Mel­dungen aus Lorenzo Marques ist die Lage der Truppen Bothas sehr kritisch. Die Gefangennahme des Generals soll unmittelbar bevorstehen. Kitchener hat aus Pretoria nach London depeschirt: General Frenchs Ko­lonnen haben den Buren-Kommandanten Scheepers ge­fangen genommen. Der größte Theil der Presse drückt ihre Entrüstung über die Hinrichtung des Burenführers Lotter aus. Falls die Engländer auch bei dem gefange­nen Burenführer Scheepers das Standrecht anwenden sollten, dann wäre es Zeit, daß sich auch die Buren von jedem Begriff des Kriegrechts freimachen und die Ge, fangenen ebenso behandeln. Die Verantwortlichkeit für die durch das Vorgehen der Engländer nochgedrungen eintretende grenzenlose Verwilderung treffe aber nur die Engländer, die in diesem Kriege einen Rechtsbruch dem anderen folgen lassen.

Das dritte Kriegsjahr scheinen die Engländer dadurch von vornherein als ein besonders blutiges charakterisiren zu wollen, daß sie eine standrechtliche Hinrichtung auf die andere folgen lassen. Kaum ist der frühere Staatsanwalt Transvaals Broeksma um nichts und wieder nichts niedergeschossen worden, da meldet der Draht auch schon bie Hinrichtung des Buren- tommanbanten Lotter. Mit Lotters Hinrichtung hat Kitchener einen ganz unzweifelhaften Justizmord begangen, dessen Folge hoffentlich die sein wird, daß sich Hunderte bisher noch unschlüssiger Kapholländer den Buren an- schließen werden. Lotter ist durch einen überaus lücken­haften Jndicienbeweis zum Rebellen gestempelt worden. In den Wahllisten für das Capparlament war ein Mann Namens Letrum verzeichnet, der mit Lotter identisch sein soll. Lotter hat die Identität der Wahrheit

gemäß bestritten; er ist zwar englischer Abkunft, aber im Freistaat groß geworden und als Bur naturalisirt. Daß er die Dokumente hierfür nicht beibringen konnte, ist, wie dieNat.-Ztg." hervorhebt, begreiflich.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 16. Oct.

* Am 22. September starb in Washington D. C., erst 37 Jahre alt, Carl Hohmann aus Heubach, Kreis Schlüchtern. Derselbe hinterläßt eine Wittwe und drei kleine Kinder. Seine Eltern waren in diesem Sommer in ihrer Heimath Heubach zu Besuch und in Bremen gingen dieselben gerade zu Schiff, als er starb.

* In der Provinz Hessen-Nassau kommen nach den neuesten statistischen Mittheilungen auf 1000 Ein­wohner durchschnittlich 27 Juden; einen höheren Prozent­satz weist in Preußen nur die Stadt Berlin auf, wo auf 1000 Einwohner 50 gilben kommen. Nach Hessen- Nassau folgt die Provinz Posen mit 25 aufs Tausend. Alle übrigen Provinzen haben weniger als 1% pCt. Juden. In Schleswig-Holstein und Sachsen kommen nur 3 Juden auf 1000 Köpfe der Bevölkerung.

Schulprämien in Form von Nähtischen sind für die Berliner Gemeindeschulen eingeführt worden, eine äußerst praktische Einrichtung. Sie gelangen für be­sondere Leistungen in der Handarbeitsstunde in der Weise zur Vertheilung, daß in dem Wettbewerb nur die bei dem Semesterschluß zur Entlassung kommenden Schstlerinnen der obersten Klassen eintreten.

Aus dem Vogelsberg, 15. Okt. Vor einem halben Jahr verlautete, daß die Stadt Frankfurt a. M um bei der stetigen Zunahme ihrer Einwohnerzahl das nöthige Trinkwasser zu beschaffen, beabsichtige, im . < ^clsberg eine größere Anzahl Quellen anzukaufen. Infolge wiederholter Proteste seitens der oberhefsischen Mühlenbesitzer ist nun diese Absicht wieder aufgegeben worden und es besteht jetzt das Vorhaben, auf Kosten der Stadt Frankfurt mehrerer Thalsperren anzulegen, aus denen alsdann das nöthige Trinkwasser gewonnen werden kann.

Aus dem Spessart. Gerade im umgekehrten Ver­hältnisse zu dem heurigen Geschäftsgänge im Eichenholz- verkäufe gestalteten sich die Einkaufspreise bei den drei Stammholzversteigerungen letzter Woche in Rohrbrunn, Waldaschaff und Lohrcrstraße. Auf benannten Strichen wurde von einzelnen Sägewerksbesttzern für gute Hölzer durchweg 140150 Mk. pro Kubikmeter rund im Walde angelegt und namentlich die für dünnes Holz sich eignenden Stämmchen alle mit 100130 Mk. pro Kubikmeter bezahlt. Nach diesen hohen Rundholzpreisen dürfen auch die Schnittmaterialpreise bedeutend steigen, überhaupt ein ganzer Umschwung im Hartholzgeschäfte zu erwarten sein.

Kassel, 12. Okt. Vorgestern Abend hatte der im Forstbezirk von Harleshausen angestellte Förster Brosius beim Durchjchreiten seines Reviers in der Nähe der Firnskuppe einen Wilddieb auf dem Anstand angetroffen. Es gelang dem Förster, sich demselben unbemerkt soweit zu nähern, daß er ihn überrumpeln und entwaffnen konnte. Restgnirt ergab sich der Wilderer in sein Schick­sal und ging anscheinend willig vor dem Förster her. Derselbe trug sein und das dem Wilddieb abgenommene Gewehr. An der Wolfhagerstraße, die den Wald durch­quert, drehte sich jedoch der Wilddieb plötzlich um und versetzte dem Beamten einen so heftigen Faustschlag vor den Leib, daß derselbe zusammenbrach. Der Wilderer kniete nun auf dem zu Boden Gesunkenen und schlug ihn mit den Fäusten derart ins Gesicht, daß er das Bewußtsein verlor und regungslos liegen blieb. Der Wilddieb nahm beide Gewehre an sich und verschwand. Von einem zum Forstschutz kommandirten Jäger wurde nach etwa einer Stunde der immer noch bewußtlose Beamte gefunden und nach seiner Wohnung transportirt. Die Vernehmung des Försters hat ergeben, daß ihm der Name des Wilddiebs unbekannt ist, er glaubt ihn jedoch der Person nach zu kennen.

Frankenberg, 13. Oktober. Das neugegründete Lehrerseminar beginnt in den nächsten Tagen unter der Leitung des Herrn Seminaroberlehrers Dr. Pollack seinen ersten Cursus mit vorläufig 32 Schülern.

Kirchhain, 15. Qkt, Vor einigen Tagen kauften hier einige Landwirthe von einem Geflügelhändler aus der Umgegend junge ausländige Hühner, die derselbe von