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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Mittwoch, den 16. Octobcr 1901.

52. Jahrgang.

iMMImtfl^tt "uf dieSchlüchterner Zeitung« werden noch fortwährend von allen

- Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

J.-Nr. 3087 K.=A. Um den gesteigerten Anforderungen on die freiwillige Krankenpflege für den Kriegsfall zu genügen, hat sich das dringende Bedürfniß herausgestellt, daß neben den Verbänden der Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege auch die Vereine und Sani- tätskolonnen vom Rothen Kreuz die Ausbildung einer größeren Anzahl männlichen Pflegepersonals, das zur Ver­wendung auf dem Kriegsschauplatz bereit ist, übernehmen. Das Central Comite hat zur Förderung einer solchen umfangreicheren Ausbildung die weitgehendsten Beihilfen zugesagt.

Es ist mir daher eine Erklärung der Herrn Mit­glieder des hiesigen Zweigvereins vom Rothen Kreuz darüber erwünscht, ob Sie bereit sind, sich als Kranken­pfleger ausbilden zu lassen und sich als solcher im Kriegsfalle zur Verfügung des Rothen Kreuzes zu stellen.

Alles Nähere über den Ort der Ausbildung uud die Dauer und Art und Weise des Unterrichts kann auf im Kreisausschuß-Bureau in Erfahrung gebracht werden. Die Erklärungen bitte ich mir spätestens bis zum 20 d. Mts. zuzusenden.

Schlächtern, den 13. Oktober 1901.

Der Königliche Landrath: i. V.: Berta.

Deutsches Reich.

Berit«. Der Kaiser hat nach voraufgegangener Prüfung angeordnet, daß von 260 kleinen Pächtern itr königlichen Gutsherrschaft Marganisdorf, die einen Pachtzins von insgesammt 15,832 Mark jährlich zu erlegen haben, 238 Pächtern ein bedeutender Pachtnach- I°ß gewährt werde, welcher sich auf durchschnittlich 54 »om Hundert beläuft.

Die Auflösung des Lockstedter Lagers in Schleswig als Demobilmachungsort für einen Theil des ostasiatischen E^peditionscorps steht bevor, wogegen die auf dem Truppenübungsplatz Munster in Hannover untergebrachten Mannschaften längere Zeit der ärztlichen Beobachtung unterliegen müssen, da auf dem DampferBatavia" zahlreiche Erkrankungen und mehrere Todesfälle an Typhus vorgekommen sind. Die Mannschaften aus dem Mitebter Lager wurden in ihre Heimath entlassen, die Öftere gingen zu den Truppenteilen ab, bei denen st im Heere wieder angestellt worden sind. Von dem aus dem Truppenübungsplatz Lamsdorf untergebrachten, W Ostasien zurückgekehrten, zweiten Bataillon des 2 Asiatischen Infanterie-Regiments, Commandeur Major l Förster, sind eine Compagnie am 6., eine Compagnie um 7. und die beiden übrigen Compagnien am 8. und - d. M. entlassen worden. Die Auflösung des Bataillons ist somit beendet.

Die goldenen Fünfmarkstücke haben, wie bekannt, dem letzten ersten Oktober aufgehört, Münzen zu iun. Von dieser Münzsorte find s. Zt. im Ganzen für r«ud 28 Millionen Mark ausgeprägt werden. Die Anziehung hat indessen nur eine Summe von 24 Mill

ergeben, sodaß also ungefähr für 4 Mill. Mk. Ane Fünfmarkstücke in privatem Besitze geblieben sind als Schaustücke, oder verarbeitet zu Schmucksachen.

Die Gänsemäster des Oderbruchs klagen, wie lrBerl. Volks Ztg." geschrieben wird, in diesem Jahre W über schlechten Geschäftsgang, der seinen Grund Mn hat, daß die Magergänse zu theuer sind. Die Fluche des hohen Preisstandes ist nun wieder in dem Ntanbe zu suchen, daß viel zu wenig Gänse vorhanden A Also trotz der Gänseeinfuhr aus Rußland, die Ehrlich etwa sechs Millionen Stück beträgt, sind noch zu wenig Gänse vorhanden und diese viel zu theuer. Y Geflügelzuchtwäre überhaupt ein lohnendes Erwerbs- ? für unsere Landwirthe. Allein für Gänse gehen über 10 Mill. Mk. nach Rußland, desgleichen Mill.fürHühner nach Italien und Oesterreich, außerdem tt'Wen noch andere Federvicharten im Werthe von

3 Mill. Mk. über die deutsche Zollgrenze. Ferner "aust sich die Einfuhr an geschlachtetem Geflügel auf über Billionen, die Einfuhr an Eiern auf 86 Mill. Mk. , ^lleßlich werden noch für etwa 22 Mill. Mk. Bett- 1 und für 8 Mill. Mk. Schmuckfedern eingeführt.

Aus Frankreich kommt eine sehr wichtige Nachricht. Die Franzosen bringen nämlich das durch ihre neuesten Wehrgesetze vorgesehene Rekrutenkontingent nicht mehr auf. Die Zahl der Jnfanteriekompagnien muß deshalb, einer Meldung derTägl. Rdsch." zufolge, Um 69 vermindert werden. Infolgedessen gehen 69 Hauptmanns­und 138 Leutnantsstellen ein. Diese Aenderungen ent­stehen aus der Zwangslage, in die Frankreich für das Zweikindershstem versetzt ist. Man kann sich den Schmerz der Nationalisten, die zur Wiedereroberung Elsaß-Loth­ringens Alles für die Vermehrung der Armee hingeben würden, vorstellen, wenn sie sich der Nothwendigkeit gegenübersehen, aus Mangel an Soldatenmaterial 69 Kompagnien des Heeres einfach eingehen zu lassen.

New-Dort, 10. Okt. Der hier angelangte britische DampferEden" bringt aus Port of Spain die Nach­richt, daß fünfzig Seeleute des deutschen Kreuzers Vineta" in Porto Cabello (Hafenstadt Venezuelas) einen schlimmen Kampf mit der Bevölkerung zu bestehen hatten. Es wurden Schüsse gewechselt und verschiedene Theilnehmer des Kampfes trugen Verletzungen davon. In einer neueren Depesche heißt es, daß alle Deutsche unbewaffnet waren, indessen wurden sie von Rowdies und Polizei derart bedrängt, daß der Kapitän dreißig Bewaffnete abschickte, worauf die Menschenmenge, vielleicht 1000 Personen, retirierte.

Die Rache der verschworenen Uitländer an den Johannesburger Staatsanwälten. Unter dieser Ueberschrift werden in derRhein.-Westf. Zeitung Dokumente ver­öffentlicht, in denen über die jüngst gemeldete Erschießung Broeksmas gesagt wird:In Wirklichkeit ist Herr Broeks« ma erschossen worden aus demselben Grunde, weswegen wahrscheinlich auch Herr Dr. Krause erschossen werden wird, der dem Parlamentsmitgliede Markham seine Unter­stützung geliehen hat in seinem Prozeß gegen Best. Das hat die ganze Sippschaft der Afrikander natürlich höchlichst in Angst gesetzt und erregt. Man kann den eigentlichen Grund dieser Morde noch um einige Jahre zurückver­legen. Krause und Broeskma sind jene zwei burische Staatsanwälte, welche nach dem Jamesoneinfall die Bande der Verschworenen verfolgt, vor Gericht gebracht und angeklagt haben. Das haben alle jene Herren, Philipps, Jameson, Rhodes, Best, Eckstein u. s. w., den beiden Staatsanwälten nicht vergessen. Es ist einfach der Umstand, daß diese beiden Staatsanwälte in Aus­übung ihres Berufs ihre Pflicht für ihr Vaterland thaten, weshalb sie erschoffen werden." Das ist ein weiterer Beleg dafür, wie weit die Schamlosigkeit und der Egois­mus in Großbritanien gediehen ist, und wie Anstand, Ehre und Recht mit Füßen getreten wird, wenn es sich nur darum handelt, der Klique, welche England regiert, einen Vortheil zu sichern.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchlern, 15. Oct.

* Nächsten Samstag Abend findet imHotel Stern" basier ein Concert der Fuldaer Artilleriekapelle statt. (Siehe Inserat.)

* Die Zeit, in welcher in unserer Gegend Nacht­fröste eintreten, ist gekommen. Gartenliebhaber, Besitzer emfindlicher Pflanzen auf gepflegten Grabhügeln werden also gut lhun, an den Schutz ihrer zarten Pfleglinge zu denken oder sie heimzuholen.

* Am Samstag Nachmittag wurde in die Rosen- mühle bei Niederzell, als die Bewohner im Felde waren, von Handwerksburschen eingebrochen. Mittels einer sog Stichsäge sägten sie das Thürschloß ab, durch­suchten im Hause Kisten und Schränke und fanden im Küchentisch eine Wurst und 20 Mk. baar Geld. Ein Betrag von 100 Mk., den die Hausfrau kurz vorher in einen Korb mit Lumpen versteckt hatte, entging zum Glück den Dieben. Bei der Heimkehr fanden die Leute die Bescheerung. Auch in der Stadt wurde in voriger Woche bei einem Einwohner in der Wassergasse ein Diebstahl verübt. Es wurden ein Kinderwagen, zwei Sensen und eine Heugabel gestohlen.

r. Steinau. Am 16. ds. Mts sind es 25 Jahre, daß Herr Gerbermeister und Magistratsmilglied Johannes Denhard Brandmeister unserer Feuerwehr ist.

p. Oberzell, Wie in diesem Blatte schon mitgetheilt wurde, waren zu Pfingsten d. J. gelegentlich des Maien- Holens von jungen Burschen eine Bank und ein Tisch an einem Aussichtspunkte des Sandberges zerstört worden. Die Strafe für diesen groben Unfug ist nunmehr erfolgt,

Aus Thüringen. Eigenthümliche Gerüchte dringen aus dem Fürstenthum Reuß ä. L. in die Oeffentlichkeit. Unwidersprochen wird in Flugblättern, die durch das kleine Land vertheilt werden, behauptet, daß der Fürst von Reuß ä. L. Heinrich XXII., Prügelstrafen an Knaben und Mädchen persönlich zu vollziehen pflege. Der im Alter von 55 Jahren stehende Fürst läßt sich, der Meldung zu Folge, stets darüber berichten, wenn jugendliche Personen, gleichgültig, ob männlichen oder weiblichen Geschlechts, eine gerichtliche Bestrafung erlitten haben, welche er kraft seines Souveränitätsrechtes im Gnadenwege aufzuheben berechtigt ist. Den Eltern solcher verurtheilter Knaben oder Mädchen wird dann mitgetheilt, der Fürst sei bereit, Begnadigungen ein­treten zu lassen, falls die Verurteilten sich einer körper­lichen Züchtigung zu unterziehen bereit wären. Es werden nun eine Reihe von Fällen erörtert, in denen die Eltern der Kinder auf den Vorschlag eingegangen sind und der Fürst in seinem Schloß an den jugendlichen Personen, die sich ihrer Kleidung entledigen mußten, die körperliche Züchtigung eigenhändig vollzogen hat.

Eisenach, 11. Oktober. Vor einigen Tagen berichteten die Blätter über eine leichte Erkältung des Großherzogs auf der Jagd. DenMünch. N. N." wird jetzt von Weimar aus geschrieben, daß die Unterbrechung der Jagd nicht einer Erkältung, sondern einem demGroßherzog betroffenen Unfall zuzuschreiben ist. Das genannte Blatt schreibt darüber: Der Großherzog Wilhelm Ernst wurde bei einem Pürschgange im Zillbacher Revier von einem Unfall betroffen. Ein Schweißhund mißverstand eine Bewegung des Großherzogs und packte denselben bei der Brust. Mit Hilfe des begleitenden Forstbeamten wurde das Thier schnell von seinem Angriff zurückgerissen. Die Jagd mußte jedoch abgebrochen werden. Der Leib­arzt stellte nur ganz leichte Hautabschürfungen fest.

Ilmenau, 10. Okt. In Schmiedefeld verhaftete der Gendarm heute einen Handwerksburschen, der eine Blech­büchse bei sich trug, in welcher für 12,000 Mk. Papier­geld sich befand. Der Verhaftete wurde in das Ge­fängniß zu Schleusingen eingeliefert, da er jede Aus­kunft über die Herkunft des Geldes verweigert.

Vom Eichsselde, 10. Okt. Der Schwindeldoctor Ludw. Kühnemund, geb. aus Lütgerode, ein schon 17 mal, darunter mit 10 Jahren Zuchthaus, vorbestrafter j Abdeckergehülfe, hat nun für seine Kuren ä la Eisen ' bart, die er in den Dörfern des Untereichsfeldes mit unglaublicher Dreistigkeit ausführte, seine Strafe empfangen. Einem Ackersmann, der sich am Auge verletzt hatte, hatte er sich als Vertreter des Lauterberger Arztes vor- gestellt. Unter allerhand Hokuspokus schmierte er dem Patienten etwas Rüböl in das verletzte Auge und ließ sich lür diese Procedur bezahlen. Wegen Betrugs wurde der Schwindler zu 1/* Jahr Zuchthaus verurtheilt.

Mainz. 11. Okt. Hier und auf einer Reihe um­liegender Stationen hat mit Beginn dieses Monats, eine nicht unbeträchtliche Anzahl bei der preußisch-Hessischen Eisenbahn nicht definitiv angestellter Personen ihre Ent­lassung erhalten. Unter den Entlassenen befindet sich sowohl Arbeiter- wie auch Bureau-Personal. Als Grund der Entlassung wird Mangel an Arbeit angegeben.

München. Glückliche Taillenräthe, In einem Civilprozeß am Münchener Landgericht, den ein Zu­schneider und Geschäftsführer gegen eine Herrenconfektions- firma anftrengte, wurde bekannt, daß der Zuschneider ein jährliches Honorar von 8000 Mk. nebst fünf Anzügen pro Jahr bezog. Sowohl der Vertreter der Firma wie auch der Gerichtsvorsitzende selbst meinten, daß dies so zu sagen ein Ministergehalt sei. Indessen erschien der fragliche Zuschneider gegenüber einen Collegen in Berlin, der 12,000 Mk. Jahresgehalt bezieht, und einen solchen in Frankfurt a. M., der im ersten dortigen Confeklions- geschäft in Stellung ist und ein Jahreseinkommen von 15,000 Mk. hat, als armer Flickschneider. Da der Kläger auf fünf Jahre fest engagirt war, jedoch nach kurzer Zeit wieder entlassen wurde, verlangt er jetzt 40 000 Mk. im Wege der Klage.

Ausland.

Wien, 11. Okt. Eine Reorganisation der öster­reichischen Infanterie ist im Gange. Die 102 Infanterie- Regimenter sollen von 4 auf 3 Bataillone gebracht und von den frei werdenden Bataillonen 34 neue Regimenterge- gebildet werden. Gleichzeitig steht die Einführung der zwei­jährigen Dienstzeit und Neu-Unisormirung zur Erwägung.