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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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X 82. Samstag, den 12. October 1901. 52. Jahrgang.

M^IhttlrtOtl auf die ..Schlüchterner Zeitung" gJtlivUUityt werden noch fortwährend von allen g~^?~"! """-' --- Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.__________

Deutsches Reich.

Berlin. Am Montag Morgen will Se. Majestät der Kaiser Hubertusstock verlassen, Mittags einer Denk- mlsfeier in Charlottenburg beiwohnen und Abends im Neuen Palais bei Potsdam eintreffen.

* Sämmtliche Getreidesorten sind im letzten Monat im Preise zurückgegangen, wie sich aus einer amtlichen Zusammenstellung der Berichte von deutschen Fruchtmärkten ergiebt.

Eine Bauschule für Frauen wird demnächst in Berlin inS Leben treten. Das neue Institut will durch Erschließung des Baufaches für Frauen dem weiblichen Geschlecht einen neuen lohnenden Erwerbszweig zugäng­lich machen. Es soll zunächst mit der Heranbildung von Bauzeichnerinnen, bautechnischen Hilfsarbeiterinnen usw. begonnen werden, wie solche in anderen Ländern bereits mit gutem Erfolge thätig sind. Die Lehrgegenstände sind Kmstruktionszeichnen, Formenlehre, Architektur, Ent- «fen, Veranschlagen, höhere Mathematik und Statistik.

- Das werden einmal tüchtige Hausfrauen!

Fragebogen über die gegenwärtige Lage der anzelnen Gewerbe, insbesondere über die Zahl der Lehr­linge, hat der Freiwillige Erziehungsbeirath für Schul- mtlassene Waisen den Vorständen der Handwerker­innungen in Berlin zugehen lassen. Er will dadurch statistisches Material zu einem demnächst von ihm her- auszugebenden »Leitfaden für die Berufswahl" gewinnen. Während in einigen Handwerken über Ueberfüllung gellagt wird, herrscht in anderen gerade Lehrlingsmangel. Am ausfallendsten ist die Lehrlingsnoth im Schuhmacher- Handwerk. Hauptsächlich in Folge der Conkurrenz der Schuhfabriken, giebt es in Berlin nur 90 Schuhmacher- lehrlinge. Der traditionelleBerliner Schusterjunge" ist also im Aussterben begriffen.

Cuxhaven, 9. Okt. Der hiesige Hafen ist mit Schutz suchenden Schiffen aller Art gefüllt. Die See- schissfahrt stockt. Alle elbabwärts kommenden Dampfer gelten in der Nähe der Flußmündung vor Anker, wo sich bereits ganze Dompferflotten angesammelt haben. Die Seewarte erläßt zu wiederholten Malen Sturm­warnungen. Wegen einiger überfälliger Schiffe herrscht große Bewrgniß und man muß damit rechnen, daß von der See her bald Hiobsposten einlaufen.

Aus Düsseldorf wird gemeldet: Der Sturm hat «4 dem Ausstellungsgebäude große Verheerungen ange- tichtet. Die drei Hallen des Ausstellungsbahnhofes, welche fast fertig waren, sind vollständig zerstört worden. Das ganze Gelände ist ein einziger Trümmerhaufen. Auch verschiedene andere Gebäude auf dem Ausstellungs­gelände haben erheblichen Schaden gelitten. Ein Glück ist es, daß der Unfall in der Nacht stattgefunden hat. $ei Tage wäre eine große Anzahl Arbeiter unzweifelhaft zu Tode gekommen. In der Nähe von Meiderich stürzte ein dreistöckiger Neubau theilweise ein; bei Tlyrum wurden die Bahngeleise durch abgedeckte Haus­dächer verschüttet, sodaß der Eisenbahnverkehr stuoden- ^ng unterbrochen war; bei Moers wurden mehrere Scheunen vollständig umgeweht. Bei Duisburg ist ein Wy Quadratmeter großes Holzlager zerstört, sämmt stlhe Schuppen sind eingestürzt und bedeckten die Eisen- dohngeleise.

Gelsenkircheu, 8. Okt. DerGelsenkirchener Ztg.' Alge stieg die Gejammtzahl der amtlich gemeldeten Musfälle in der Zeit vom 3. bis 7. ds Mts, von ^1 auf 947. 20 erkrankte Personen konnten als genesen klaffen werden, 18 sind gestorben.

Bom Eichsselde, 6. Okt. Ein seltener Fall von Scheintod ist in dem Dorfe Bramke vorgekommen. ^escr Tage verschied daselbst eine Frau; an demselben ^ge kam der Schwiegersohn nach Hause, der die Schwiegermutter noch einmal zu sehen wünschte. Die "bte war bereits gewaschen und angezogen. Da auf «»Mal o Schreck dieTodte" hat noch einen ^usch:August" sagte sielech mcck mohl up c andere Siele". Nur ein Krampf hatte sie starr A eine Todte gemacht. Man brächte die Frau wieder

Bett; jedoch am folgenden Tage starb sie wirklich. ließen, 7. Okt. Das fürchterliche Unwetter, das Wn Abend in unserer Stadt tobte, hat das ganze

natürlich zur Annahme gelangen würde. Dann würde, abgesehen von den unbequemen Reden, die in diesem Parlament gegen den Krieg gehalten würden, das englische Ministerium herausfliegen. Dieser Bruch der Verfassung macht gleichfalls in der Kapkolonie böses Blut und schürt die Erbitterung, der kein Ventil zur Verfügung steht.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 11. Oct.

* Am Sonntag den 6. d. Mts., Abends 6 Uhr 42 Min., Mitteleuropäische Zeit, wurde mit 712,6 mm (auf 0° Quecksilbertemperatur reduzirt in 204 m Meeres­höhe) oder 730.3 mm, der niedrigste Barometerstand beobachtet, der in den letzten 60 Jahren überhaupt zu verzeichnen war.

* Bezugnehmend auf die in einer der letzten Nummern unserer Zeitung enthaltene Mittheilung über die Löwenplage in Deutsch-Ostafrika wird uns von ge­schätzter Seite mitgetheilt, daß Herr Ernst Köhler aus Schlüchtern, ein Sohn des verstorbenen Gutsbe­sitzers und Kreisdeputirten Th. Köhler dahier, welcher seit Jahren als Plantagenleiter in Deutsch-Ostafrika lebt, in den letzten drei Monaten schon sechs ausgewachsene Löwen und zwei Panther erlegt hat; ein Jagdglück wie es selbst in Afrika selten ist. Dem gewaltigen Nimrod ferneres Waidmannsheil!

* Neue Wechselstempelmarken. Nach den Aus­führungsbestimmungen zum Wechselstempelsteuer-Gesetze (Bundesrathsbeschluß vom 8. März 1901) dürfen die Stempelmarken älterer Emission (sie tragen zur An­bringung des Entwerthungsvermerks den Vordruck den . . . ten . . 18 ..") vom I. October d.Js. ab nicht mehr verwendet. Bis zu 1. April 1902 können solche Stempelmarken bei den werden mit dem Verkäufe beauf­tragten Postanstalten gegen neue Stempelzeichen umge- tauscht werden.

* Warnung für Hundebesitzer. Viele Hunde haben die üble Gewohnheit, Radfahrer anzufallen. Welche Folgen aber ein solcher Anfall für den Hunde­besitzer nach sich ziehen kann, beweist nach demWaid­mann" ein Fall, in dem ein Landwirth, dessen Hund einen Radfahrer in die rechte Lende gebissen hatte, 825,05 Mk. für Verdienstentgang und 700 Mk. für dauernde Erwerbsbeeinträchtigung zahlen mußte.

Zelt des Circus Althoff umgerissen und zerfetzt. Glück­licherweise hatte die Vorstellung noch nicht begonnen. Erheblicher Schaden ist dem Circus namentlich auch durch den Ausfall der Abendvorstellung entstanden, den die Belheiligten auf etwa 2000 Mark schätzen. Das Zelt repräsendirt einen Werth von 3500 Mk.; es ist im wesentlichen vernichtet.

Michelstadt, 8. Okt. Glück hatte nach demHan. Anzg." ein Dienstmädchen Namens Eckert von hier. Dasselbe diente schon vier Jahre bei einer auswärtigen Herrschaft, zwei älteren Leuten, die zeitweilig in Neapel lebten und dem Mädchen versprachen, wenn es bei ihnen bis zu ihrem Ende bliebe, dasselbe in ihrem Testamente gut zu bedenken. Kürzlich starken die alten Leute rasch hintereinander und vermachten dem Mädchen 100 000 Mk. und ihr ganzes werthvolles Mobiliar in ihrer Villa in Neapel.

Offenbach, 8. Okt. Der Sparkaffenrechner Maier ist flüchtig geworden. Die heute sofort vorgenommene Revision der Sparkasse hatte einen Fehlbetrag von etwas über 11,000 Mk. ergeben.

Ausland.

London. Ueber das Befinden des Königs Eduard von England laufen sehr ernste Gerüchte um, die wir als leeres Gerede behandeln und unbeachtet lassen würden, wenn sie nicht von derMünch. Allg. Ztg." also einem Blatt, das doch ernst genommen werden muß, aus­genommen wurden. Diesen Gerüchten zu Folge soll König Eduard an einem Krebsleiden erkrankt sein. Da bisher ein Dementi dieses furchtbaren Gerüchts nicht erfolgt ist, so kann es nicht ausbleiben, daß ernste Be­denken wegen des Gesundheitszustandes des Königs entstehen.

England. Der Burenkrieg hat in den zwei Jahren, die er andauert, den Engländern nicht weniger als 837 Offiziere und 21452 Mann an Todten gekostet. Ein geborener Breslauer, Goldstücker mit Namen, der 9 Jahre lang in Südafrika angesiedelt war und als englischer Kavallerieoffizier bis vor wenigen Monaten dort gesümpft und auch die Belagerung von Kimberley mitgemacht hat, äußert sich über die Aussichten des Krieges für die Engländer sehr pessimistisch. Gold­stücker, der sich selbst als Gegner der Buren bekennt, erklärt, daß die Unzufriedenheit gegen England auch unter den englischen Unterthanen in Südafrika sehr groß ist. Tausende würden, wenn sie Gelegenheit

fänden, auf die Seite der Buren treten. Es ist unbe­streitbar, daß fast alle loyalen Unterthanen Englands, auch die für England gefochten haben, vollständig ruinirt sind. Mit dem Schadenersatz aber sieht es sehr schlimm aus. Schon vor etwa 12 Monaten reisten englische Komissionäre in der Kapkolonie herum, um bei den loyalen Unterthanen festzustellen, welchen Schaden sie erlitten haben. Bei den kleineren Beträgen wurde der vierte Theil schnell ausgezahlt. Die anderen drei Viertel aber, und überhaupt alle größeren Beträge sind, trotzdem Petitionen auf Petition an Sir Gordon Sprigg abgegangen sind, bis heute noch nicht bezahlt worden, und werden vielleicht nie bezahlt werden. Dadurch, daß sich der Krieg über die ganze Kapkolonie ausgebreitet hat, ist der Schaden auf viele Millionen angewachsen, und so kommt es, daß England unter seinen eigenen Unterthanen sich im Laufe der Zeit vule Feinde er­worben hat. Von den Kaffern droht den Engländern die größte Gefahr. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die durch den Krieg schwer geschädigten Kaffernstämme bei passender Gelegenheit sich nicht nur gegen Buren und Engländer, sondern gegen alle Weißen erheben. Gold­stücker berechnet die Höhe der Kriegskosten bis jetzt auf 420 Millionen Pfund (etwa 8'/, Milliarden Mark), das englische Parlament hat bisher 200 Millionen Pfund (4 Milliarden Mark) bewilligt. Das Kap Parlament ist abermals, entgegen der Verfassungsbe­stimmung vertagt worden, so daß ihm schon jetzt über ein Jahr der Mund verschlossen ist. Die englische Regierung fürchtet sich, das Kap-Parlament zusammentreten zu lassen, weil der Afrikander-Bond mehr Stimmen hat, als die englische Partei. Würde das Parlament eröffnet werden, so würde Merriman, der bedeutsamste Führer der Afrikander, der außerhalb des Parlaments schweigen muß, weil er sonst des Hochverraths angeklagt werden würde, unter dem Schutze der Immunität sofort ein Mißtrauensvotum gegen Sir Sprigg beantragen, das

* Die weitverbreitete Meinung, daß ein Reisen­der, der wegen Verspätung keine Fahrkarte hat lösen können und dies dem Schaffner oder Zugführer meldet, auf der nächsten Station nur eine einfache Fahrkarte für die zurückgelegte Strecke lösen dürfe, ist nach einer neuesten Entscheidung der Eisenbahnbehörde nicht zu­treffend. Nach § 21 der Verkehrsordnung hat der Rei­sende stets den doppelten Fahrpreis für die ohne Fahr­karte durchfahrende Strecke zu zahlen. Den einen Fahrtausweis behält die Fahrlartenausgabe, der andere verbleibt im Besitz des Reifenden als Ausweis dem Schaffner gegenüber. Jede Verspätung straft den Reisenden also immer an seiner Börse. Im Wegfall gekommen ist jedoch der früher zum Preise der Fahr­karte in Zuschlag gebrachte Betrag von 4 Mark. Nur der Reisende, welcher in demselben Zuge über die Station, bis zu der feine Fahrkarte gilt, hinausfahren will, dort aber keine Zeit zur Lösung einer neuen Fahrkarte hat und dies spätestens bei Ankunft auf der ursprünglichen Bestimmungsstation dem Schaffner meldet, hat den gewöhnlichen Fahrpreis zu zahlen.

* (Aus dem Reichsgericht.) Die Revision des der falschen Anschuldigung angeklagten und vom Hanauer Landgericht zu einem Monat Gefängniß verurtheilten Bauern Johannes Fehl III. zu Wallroth wurde vom Reichsgericht verworfen. Derselbe hatte den Bürger­meister von Wallroth in drei anonymen Briefen an den Kreisausschuß zu Schlüchtern der Urkundenfälschung beschuldigt.

* (Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 9. Oktober.) Die ledige Gertrude F. in Gundhelm schrieb am 13. Juni einen Brief an die Hanauer Staatsanwaltschaft, worin sie gegen den Bürgermeister von Gundhelm Anzeige wegen Unterschlagung und Ver­untreuung des Vermögens zweier Waisenkinder erstattete. Daraufhin wurde gegen sie die Anklage wegen falscher Anschuldigung erhoben. Nach der Vernehmung der Angeklagten beschloß das Gericht, die F. auf ihren Geisteszustand untersuchen zu lassen. Die Verhandlung