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SchLchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

^ 81. Mittwoch, den 9. Octobcr 1901. 52. Jahrgang.

i^fMhtttrttt! auf ^^Schlüchterner Zeitung» werden noch fortwährend von allen -- Postanstalten und Landbriefträgern, xwie von der Expedition entgegen genommen.

Vermögen seiner Frau ist das Konkursverfahren eröffnet worden. Die Schulden betragen 7 Millionen Mark! Demgegenüber steht eine Aktivmasse von nur einigen tausend Mark. Das ist wirklich alles, was sein kann. Naumburg, 30. Sept. Einglänzender" Bankerott ist der des Etuifrabrikanten Zipfel in Schkölen. Die Schulden betragen rund 44 000 Mk., das Vermögen aber nur 486 Mk. Da nur 418 Mk. Schulden Anrecht auf volle Befriedigung haben und auch noch Gerichtskosten zu bezahlen find, so bleibt für die sonstigen Gläubiger gar nichts übrig. Es ist vielleicht interessant, wenn wir mittheilen, daß am 1. April d. I. in unserer Stadt 119 (im Jahre 1895: 107) Personen aus dem Stande penfionirter Offiziere wohnten und zwar 72 Herren und 47 Damen, nämlich 2 Generale, 1 Generals- wirtwe, 6 Generalleutnants, 5 Wittwen von General- leutenants, 1 Viceadmiral, 6 Generalmajors, 3 Wittwen von Generalmajors, 1 Generalarzt, 8 Obersten, 6 Obersienwittwrn, 18 Oberstleutnants, 11 Wittwen von Oberstleutnants, 1 Oberstabsarzt, 14 Majors, 11 Majorswütwen, 10 Hauptleute bezw. Rittmeister, 10 Wittwen solcher, 3 Oberleutnants und 2 Leutnants,

Nürnberg, 30. Sept. Kürzlich erhielt ein hiesiger Gasthofbesitzer ein Telegramm folgenden Inhalts: Re- serviren Sie für Montag Abend drei große Zimmer 1. Etage. Großfürst Alexander." Er gerieth in nicht geringe Aufregung und ließ die Zimmer auf das schönste Herrichten, war aber nicht wenig erstaunt, als statt des erwarteten Großfürsten drei Conirktionsreifrnde ankamen, die Groß, Fürst und Alexander hießen und auf ihren .Witz" nicht wenig stolz waren. Welche Miene der Gasthofbesitzer dazu gemacht hat, darüber schweigt die Geschichte.

Cauustadt. Die große Viehhandlung Gebrüder Roth­schild hier hat gestern ihre Zahlungen eingestellt. Der vor wenigen Tagen verstorbene Hauptinhaber der Firma Aron Rothschild hatte sich Blankoaccepte, deren Betrag zusammen sich ungefähr aus 300 000 Mark beläuft, unterschreiben lassen und in Umlauf gesetzt. Zwei Stutt­garter Ochsenmetzger find dadurch, daß auf sie allein je 46 000 Mark Accepte laufen, vor den Konkurs gestellt. Auch verschiedene hiesige und auswärtige Bankiers, welche die Wechsel diskontirt haben, werden Verluste erleiden.

Darmstadt. Mit der Wiedereröffnung der Jagd macht der Landesverein des deutschen Jagdschutzvereins in Darmstadt darauf aufmerksam, daß er demjenigen, welcher einen Wilddieb oder einen Käufer bezw. Wieder- verkäufer gestohlenen oder während der gesetzlichen Schon­zeit erlegten Wildes derart zur Anzeige bringt, daß seine Bestrafung erfolgen kann, eine Belohnung bis zu 100 Mark bewilligt,

Mainz, 5. Okt. Der Bierbrauer Albert aus Fürth, der, wie f. Zt. berichtet, seinen Kollegen König im Bierkeller erschlagen hatte, wurde vom Schwurgericht zu 10 Jahren Zuchthaus verurtheilt

Bad Nauheim, 5. Okt. In der Nähe unserer Stadt, dicht bei dem Dorfe Zicgenberg, ist man auf weitausgedehnte Bleierzlager gestoßen. In den nächsten Tagen dürften die Arbeiten zur Aufdeckung der reichen Erzlager, die in größerer Ausdehnung und in geringer Tiefe vorhanden sind, beginnen.

Friedberg, 28. Sept. Ein schrecklicher Unglücks­fall ereignete sich gestern auf der Eisen-Manganerz- Gewerkschaft in Oberrosbach. In einem unter Wasser stehenden Schacht wurde ein Taucher hinabgelassen. Als er sich außergewöhnlich lange in der Tiefe anfhielt, ohne ein Zeicheu zu geben, daß er wieder an das Tages» licht befördert werden wollte, versuchte man ihn in die Höhe zu ziehen. Als man eine Zeit lang gezogen hatte, gewahrte man zum größten Schrecken, daß das Seil gerissen war, denn man brächte nur einen Theil davon und ebenso nur einen Theil des Luftschlauches an die Oberfläche. Der Unglückliche hat in der Tiefe ein schreckliches Ende gefunden. Es wurdeu sofort Versuche zur Bergung der Leiche unternommen, die aber bis jetzt noch keinen Erfolg hatten.

NuSlavd.

Madrid, 5. Okt. Das Gerücht einer bevorstehenden Erhebung der Karlisten bestätigt sich. Eine Proklamation des Prätendenten ist in Barcelona in zahlreichen Exemplaren verbreitet worden.

Transvaal. Wie wenig dir Engländer Herren der Bahnen und damit der Verpflegung find, beleuchtet

Amtliches.

J.-Nr. 3066 K.-A. Während des mir vom 7. d. M. k bewilligten seckswöchentlichen Urlaubs wird der erste greisbeputierte, Herr Bürgermeister Berta, mich vertreten.

Schlüchtern, den 5. Oktober 1901,

Der Königliche Landrath: Roth.

J.-Nr. 3072 K.=A. Diejenigen Herren Bürger- heiner, welche mit der Erstattung der Anzeige über Be- ;stetig des Loosholzgeldes noch rückständig sind, werden ia die umgehende Erledigung erinnert, evtl. ist zetz! -Anzeige zu erstatten.

Schlüchtern, den 4, Oktober 1901.

cer Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: i. V.: Berta.

Teutsches Reich.

Lcrlis. Der Kaiser traf am Montag im Jagdschloß hßertusnock bei Ederswald ein, nach demRerchsan M" zu mehrtägigem Besuche. Das Befinden der Lchriu hat sich etwas gebessert. Die hohe Frau hütet ru noch das Zimmer, konnte aber schon auf einige Stoben das Bett verlassen.

Zu der Erkrankung des Grafen Walderfee wird » .Doff. Ztg." aus Kiel geschrieben: Generalfeld- rarschall Grasen Waldersee, der gleich nach seiner Ruck Är aus China einige Wochen auf dem holsteinischem ?:1r Waterneversdorf verbrachte, hat dort den Geheimen Zwitälsrath Dr. Nauber, den Leiter einer chirurgischen kwatklinlk, wegen seines Leidens befragt. Soweit iefannt, handelt es sich um Krampsadergeschwüre, die bleicht durch die Anstrengung der chinesischen Reise M Ausbruch gelangt find, während der Ursprung des Liideils jedenfalls älteren Datums ist.

Prinz Tschun ist auf Staatskosten im deutschen Reiche herumgereist, wenn sich eine Nachricht des Fränk. Gut." bestätigt. Das Blatt erzählt, daß der Prinz nein seinem Gefolge, im Ganzen 54 Personen, in den letzen Tagen Gast des Kaisers war und daß auch die Kosten der Reise von Berlin bis Kufstein von einem vitfahrenden Beamten des Oberhofmarschallamts bcstritten toben. Die übrigen Kosten des Aufenthalts des Prinzen in Deutschland aber, und zwar von der Fahrt Basel Berlin an bestrebet das deutsche Auswärtige Amt.

Neuer Getreideschwindel! Nach einer Zuschrift, die derDeutschen Tageszeitung" zugeht, treibt gegen- ^Nig an der Berliner Productenbörse eine böse Operation ihr Unwesen, die an die berüchtigten Umtriebe der verflossenen Getreidefirma Cohn und Rosenfeld innert. Darnach haben eine Berliner und eine Ham­burger Firma etwa 20 000 Mispel Weizen und 15 000 ils 18 000 Tonnen Roggen vom Auslande herbei- k/chafft und bringen es in Berlin zur Ankündigung für Oktober. Die Abnehmer werden von beiden Firmen jungen, die für kontraktlich befundene Waare sofort Hunehmen, indem sie erklären, daß die Speicher und sugerräume anderweit vermiethet seien. Zugleich miethen - alle Lagerräume, die sie irgend bekommen können, nöthigen so die Käufer, die das gekaufte Getreide unterbringen können, die Waare schleunigst auf Markt zu werfen. Das soll der Hauptgrund sein den scharfen Rückgang der Weizen- und Roggen- Nt.

, Thoru, 5. Okt. Ein Jahr Ge'Lngniß für einen ^fiahl von 10 Pfennigen verhängte das hiesige ^gsgericht der .Bolksztg." zufolge gegen den Musketier ^tt Martin von der 5. Compagnie des 21. Jnfanterie- ^Ments. Dieser suchte eines Morgens in der ^akelheit auf der Mannschaftsstube nach Streichhölzern, Mte dabei mit seinem Schlüssel das Spind eines ^-eren Musketiers, fand darin ein Portemonnai mit Mark Inhalt und entwendete von dem Gelde die diennige, für welche er sich, da er Hunger hatte, flauste. Außer der Gejängnißstrofe wurde noch Zersetzung in die zweite Klasse des Soldateostandes die S: "^ordentlich hart erscheinen.

y Rönigeberg. Ueber den Nachlaß des verstorbenen ^°rs Gustav Kahlke der Königsberger Kornspiritus-, "'»^e-Preßhefe und Margarine Fabrik und über das

folgendeTimes"-Meldung: Lord Kitchener konnte die Rückkehr der Civilbevölkerung nach dem Transvaal nicht zulassen, weil er sich, im Falle die Buren die Zer­störung von Zügen wieder beginnen sollten, plötzlich ver­pflichtet sehen könne, nicht nur sein Heer, sondern auch eine zahlreiche Civilbevölkerung zu ernähren, während seine Bahnen zerstört wären. Es ist zwischen den Zugführern und Schaffnern und den zugzerstörenden Buren nur ein stillschweigendes Uebereinkommen gewesen, daß, solange gewisse Lebensmittel, wie Kaffee, Zucker und Mehl, an einer bestimmten und geeigneten Stelle der Strecke niedergelegt wurden, diese bestimmte Strecke nicht beschädigt werden würde. Und die Burghers haben niemals ihr Wort gebrochen, wenn die Bedingungen erfüllt wurden. Londoner Blätter erblicken in dieser Sachlage selbst den Beweis dafür, daß die Buren mit den Briten spielten und daß das Schicksal des britischen Heeres in ihrere Hand liege. Man hebt hervor, daß die Buren bei allen gemeldeten Gefechten die Angreifer waren und daß die Gerechte stets mit dem Rückzüge der Engländer endeten, so wahrscheinlich auch bei Moedwill, wofür dir großen Verluste der Engländer und der Um­stand sprachen, daß sie ihre Verwundeten nach dem rückwärts gelegenen Rutzenburg schaffen mußten. Die standrechtliche Füfiliruog des ehemaligen Staats­anwalt von Transvaal Broeksma erfolgte wegen einer von diesem verbreiteten Flugschrift, in welcher den Buren empfohlen wurde, einen Eid abzulegen, daß sie mit dem Niederschießen der Engländer so lange fortfahren wollten, wie Gott ihnen Brod gebe. Auch wurde in der Flugschrift erklärt, daß die den Engländern in der Zwangslage geleisteten Eide für die Buren nicht bindend seien. Ein todteswürdiges Verbrechen wird in diesem Appell eines Buren an seine Landsleute kein rechtlich denkender Mensch zu erblicken vermögen.

Lokale- unv Provinzielles. * Schlüchtern, 9. Oct.

* Der starke organartige Sturm am Sonntag Abend hat in den Obstbaumanlagen der Umgegend ganz enormen Schaden durch Umwehen oder Abbrechen der Bäume, besonders der älteren, angerichtet. Auch in den Wäldern ist viel Windbruch entstanden. Aus ganz Nord- und Mitteldeutschland, sowie aus Holland, Belgien und Frankreich kommen Schadensmeldungen über diesen außergewöhnlich starken Sturmwind.

* Unwahre Entschuldigung eines Zeugen ist strafbar. Der wenig bekannte, aber sehr beachtenswerthe § 138 des Strafgesetzbuchs schreibt vor:Wer als Zeuge, Geschworener oder Schöffe berufen, eine unwahre That­sache als Entschuldigung vorschützt, wird mit Gefängniß bis zu zwei Monaten bestraft." Ein Fabrikant war als Zeuge in einem Beleidigungsprozeß geladen und hatte den Termin vergessen. Der Amtsrichter fragte ihn nach dem Grunde seines Ausbleibens, worauf er erwiderte, in seiner Fabrik sei ein Wasserrohr geplatzt. Als er eine eidesstattliche Versicherung dieses Inhalts unterschreiben sollte, sah er sich genöthigt, zu erklären, daß er die

Unwahrheit gesagt habe. Es wurde Anklage gegen ihn erhoben, und er wurde mit einem Tage Gefängniß bestraft. Man hat gesagt, der § 138 sei der härteste im ganzen Strafgesetzbuch: während bei Betrug, Unter­schlagung und vielen anderen Vergehen eine Geldstrafe zulässig ist, kann hier nur auf Gefängniß erkannt werden. Da Jedermannn in die Lage kommen kann, als Zeuge vor Gericht geladen zu werden, so kann nicht nach­drücklich genug auf diese Slrafvorfchrift aufmerksam gemacht werden.

* Für Handwerksmeister und Gewerbetreibende hat der Minister für Handel und Gewerbe einen bedeutungs­vollen Erlaß ausgegeben, den wir nicht verfehlen, den Interessenten zur Kenntniß zu bringen: 1. Die Gewerbe- treibenben find nach § 127 Abs. 1 der G.-O. verpflichtet, ihre Lehrlinge zum Besuch der Fortbildungs- oder Fach­schule anzuhalten und den Schulbesuch zu überwachen und können, wenn sie diese Pflicht verletzen, nach § 148 Ziff. 9. a. a. O. bestraft werden, wogegen sie anderseits nach § 127 c Abs. 2 befugt find, einen Lehrling, der den Schulbesuch vernachlässigt, vor Beendigung der ver­abredeten Lehrzeit zu entlassen. Wenngleich durch die erwähnten Bestimmungen die onSstatutarische Regelung des Besuches der Fortbildungsschulen auf Grund des § 120 der G.-O. schon deshalb nicht entbehrlich gemacht wird, weil sich die voa der Handwerkskammer erlassenen